{"id":4342,"date":"2022-03-28T08:12:09","date_gmt":"2022-03-28T06:12:09","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4342"},"modified":"2022-03-28T08:12:09","modified_gmt":"2022-03-28T06:12:09","slug":"bodendenkmaeler-aschaffenburger-unterstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/bodendenkmaeler-aschaffenburger-unterstadt\/","title":{"rendered":"Bodendenkm\u00e4ler &#8211; Aschaffenburger Unterstadt"},"content":{"rendered":"<p><strong>Befunde des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Brennofengasse<\/strong><\/p>\n<p>Die Aschaffenburger Unterstadt grenzt sich von dem Altstadtkern der Oberstadt topographisch deutlich ab. Sie schlie\u00dft sich im Osten und Nordosten an den Stadtberg an und erstreckt sich bis an den Park Sch\u00f6ntal sowie die Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe. Im gesamten Areal sind arch\u00e4ologische Befunde des Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit vorhanden, auch wenn die arch\u00e4ologische Substanz im Weichbild der mutma\u00dflichen Siedlungskerne im Vergleich zur Oberstadt geringere M\u00e4chtigkeit zu besitzen scheint. Das Erkenntnispotential arch\u00e4ologischer Ma\u00dfnahmen zeigen jedoch schlaglichtartig die Ergebnisse der Untersuchungen in der Treibgasse 26\u201328 im Umfeld der Pfarrkirche St. Agatha auf. Hinweise auf eine vormittelalterliche Besiedlung im Areal der Unterstadt geben lediglich die ohne n\u00e4here Fundumst\u00e4nde \u00fcberlieferten Objekte aus der Brennofengasse.<\/p>\n<p>1955 gelangten ohne weitere Angaben die Reste von mindestens neun Gef\u00e4\u00dfen an die Museen der Stadt Aschaffenburg. Als Fundort wurde die Brennofengasse angegeben. Bis auf eine Schale sind alle Scherben durch sekund\u00e4ren Brand vollst\u00e4ndig durchgegl\u00fcht. Dennoch scheint das Fundensemble nicht einheitlich. W\u00e4hrend die handgeformten T\u00f6pfe am besten mit germanischer Ware des 3.\/4 Jh. n. Chr. zu vergleichen sind, befindet sich darunter auch ein hochmittelalterlicher Linsenboden. M\u00f6glicherweise deuten die Objekte auf eine Siedlung der j\u00fcngeren r\u00f6mischen Kaiserzeit unterhalb der Oberstadt hin. (Vgl. Baudenkm\u00e4ler, <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/wp-admin\/post.php?post=3708&amp;action=edit&amp;classic-editor\">Ensemble Friedrichstra\u00dfe\/Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Friedrichstra\u00dfe 7<\/strong><\/p>\n<p>Beim Bau der st\u00e4dtischen Sparkasse wurden 1904 auf dem Grundst\u00fcck Friedrichstra\u00dfe 7 am Rande der historischen Unterstadt ca. 250 M\u00fcnzen des sp\u00e4ten Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit entdeckt. Die Silberm\u00fcnzen datieren von der Mitte des 15. bis zum Ende des 16. Jh. Sie befanden sich wahrscheinlich in einem wohl Dieburger Becher und wurden gemeinsam als Verwahr- oder Versteckfund innerhalb der Stadtmauer im Sailergang niedergelegt. Mit einem konkreten historischen Ereignis l\u00e4sst sich die Deponierung nicht verbinden. Der erst in den 1990er Jahren gemeldete Fund befindet sich in Privatbesitz.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6herstra\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>Nach Auskunft des handschriftlichen Inventars des Aschaffenburger Museums wurde 1866 im \u201eL\u00f6hergraben\u201c, also im Bereich der heutigen L\u00f6herstra\u00dfe, eine Silberm\u00fcnze gefunden. Es handelte sich um einen Viertel Guldener aus Augsburg. Avers zeigt die M\u00fcnze den Augsburger Herzschild mit Pinienzapfen und die Umschrift \u201eAVGVSTA VINDELICORVM\u201c, Revers einen Reichadler mit der Umschrift: \u201eIMP . CAES . CAROLI . AUG . V . MVNVS\u201c. Weitere Angaben sind nicht \u00fcberliefert.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6herstra\u00dfe 7<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge von Bauma\u00dfnahmen wurden auf dem Grundst\u00fcck L\u00f6herstra\u00dfe 7 im Herbst 2002 zwei Sondageschnitte angelegt, die durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburg begleitet wurden. Mit dem ersten Schnitt sollte ein Brunnen wieder aufgefunden werden, der sich bis 1876 frei im Hofbereich befunden hatte. Der zweite Schnitt verlief durch den Gartenbereich und diente der Feststellung der arch\u00e4ologischen Substanz. Der lokalisierte Brunnen bestand aus einer oberen R\u00f6hre aus Gneis, die mit dem Bagger abgebrochen und bis zu einer Trennschicht aus zuvor eingef\u00fcllten Kieseln ausgehoben wurde. In ca. 5 m Tiefe trat starkes Hangwasser ein. Die gesamte Tiefe der Anlage lag bei knapp 6 m. Der Au\u00dfendurchmesser betrug etwa 1 m, der innere Durchmesser 0,7 m. Die Brunnenstube wurde durch einen dreilagigen Ring aus behauenem Sandstein gebildet, der auf einem Senkring aus verblatteten und geklammerten Eichenbohlensegmenten auflag. Die untere Verf\u00fcllung der Brunnenstube wurde gesondert geborgen und nach Funden durchgesucht. Daraus stammen v. a. glasierte oder malhorndekorierte Keramikfragmente, Fensterglas und Platten von Dachschiefer. Das Material geh\u00f6rt in die Zeit der Aufgabe des Brunnens und kann in das 19. Jh. datiert werden. Die Bauweise des Brunnens und der Umstand, dass im Bereich des Landinggrabens mehrere B\u00e4che verliefen, sprechen am ehesten f\u00fcr eine Anlage neuzeitlicher Zeitstellung. Der zweite Sondageschnitt im Garten des Grundst\u00fccks erbrachte keine Hinweise auf eine Bebauung des Mittelalters oder der fr\u00fchen Neuzeit. Die aufbauenden Erdschichten im Verf\u00fcllungstrichter zwischen Hang und der an der L\u00f6herstra\u00dfe abschlie\u00dfenden Mauer bestanden in den unteren Schichten aus fundfreier Gartenerde. Im oberen Verf\u00fcllungshorizont war neuzeitlicher Abfall aus den letzten vier Jahrzehnten eingelagert.<\/p>\n<p><strong>Nebensteingasse 3<\/strong><\/p>\n<p>In der Nebensteingasse 3 wurde 1955 bei Umbauarbeiten ein Hausgrundstein entdeckt. Dabei fanden sich offenbar auch M\u00fcnzen, deren sp\u00e4teste Pr\u00e4gung aus dem Jahre 1759 stammt. Der Stein selbst besitzt in der Mitte eine eingesto\u00dfene rechteckige Vertiefung, die mit einem Schieferst\u00fcck abgedeckt war. Auf den L\u00e4ngsseiten ist oben je ein Weihekreuz eingeschlagen. Die Funde verblieben in Privatbesitz.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 3<\/strong><\/p>\n<p>1957 wurde bei Bauma\u00dfnahmen auf dem Grundst\u00fcck Sandgasse 3 (Kaufhaus Berhard) ein versch\u00fctteter Brunnen entdeckt, aus dem sp\u00e4tmittelalterliche Keramik, wohl des 14. Jh., geborgen wurde. Am auff\u00e4lligsten ist ein bauchiger Krug aus hartgebrannter Irdenware oder Faststeinzeug.<\/p>\n<p><strong>Steingasse 1<\/strong><\/p>\n<p>Beim Umbau des Geb\u00e4udes wurde 2011 die Fl\u00e4che der geplanten Streifenfundamente im Innenhof durch das Arch\u00e4ologische Spessartprojekt e.V. voruntersucht. Dabei konnten wenige Fundamentreste des hohen Mittelalters dokumentiert werden. Entdeckt wurde auch ein nicht n\u00e4her datierbarer Keller, der offensichtlich erst nach 1960 verf\u00fcllt worden war und Kleinfunde aus der Nutzungszeit des Geb\u00e4udes durch einen Optiker enthielt.<\/p>\n<p><strong>Treibgasse 26-28<\/strong><\/p>\n<p>Im Vorfeld des geplanten Abrisses und Neubaus des Martinushauses wurden im Juli\/August 2002 zur Feststellung der erhaltenen arch\u00e4ologischen Substanz Voruntersuchungen durch die Firma Heyse durchgef\u00fchrt. Dazu wurden drei Profilschnitte unmittelbar am bestehenden Geb\u00e4ude und ein gr\u00f6\u00dferer Schnitt im Pfarrgarten angelegt. Im Ergebnis zeigte sich das Umfeld des Martinushauses als durch neuzeitliche Bauma\u00dfnahmen bzw. Versorgungsgr\u00e4ben stark gest\u00f6rt. Eine vor- und fr\u00fchgeschichtliche oder fr\u00fchmittelalterliche Besiedlung konnte nicht beobachtet werden. \u00dcberwiegend wurden fr\u00fchneuzeitliche Keramik- und Glasfunde geborgen, die durchaus eine hohe Qualit\u00e4t besa\u00dfen. Nicht datierbar oder bestimmten Geb\u00e4uden zuweisbar waren verschiedene Mauerfragmente. Als \u00e4ltester Befund erwies sich der untere Rest einer Grube, aus der zahlreiche Funde des 12.\/13. Jh. geborgen werden konnten. Hieraus stammen auch Scherben sog. Pingsdorfer Keramik aus dem Rheinland sowie eine kreuzf\u00f6rmige Fibel aus Buntmetall. Das qualit\u00e4tvolle St\u00fcck weist Aussparungen f\u00fcr Grubenemaileinlagen auf, das zentrale Zierfeld ist mit einem Perlrand eingefasst. Die Fibel datiert in ottonisch\/salische Zeit (10.\/11. Jh.). Stratigraphisch j\u00fcngere Buntmetallschlacken k\u00f6nnen f\u00fcr hoch- oder sp\u00e4tmittelalterliche Metallverarbeitung im n\u00e4heren Umfeld sprechen. Im Ergebnis bleibt festzuhalten, dass das Gel\u00e4nde sp\u00e4testens im 12. Jh. mit der vermutlichen Gr\u00fcndung der St.-Agathakirche in die st\u00e4dtische Entwicklung einbezogen wurde und wohl einem gehobenen B\u00fcrgertum als Wohnst\u00e4tte diente. Die geborgenen \u00e4lteren Einzelfunde reichen jedoch noch nicht aus, um einen vielfach vermuteten fr\u00fchmittelalterlichen Siedlungskern zu best\u00e4tigen.<\/p>\n<p><strong>Wermbachstra\u00dfe 15<\/strong><\/p>\n<p>Bei Sanierungsarbeiten im sog. Sch\u00f6nborner Hof in der Wermbachstra\u00dfe 15 wurde 1958 ein gemauerter Keller angetroffen, der mit Schutt und Abfall verf\u00fcllt war. Bei der Baustellenbeobachtung konnten ca. 30 kg Keramik- und Glasfragmente aus dem ausgehenden 17. bis 19. Jh. geborgen werden. Darunter befindet sich gehobenes Sachgut wie Westerw\u00e4lder Steinzeug, Delfter Kacheln oder Porzellan von Wedgewood und Villeroy. Bei den Glasfunden handelt es sich um Flaschen, Trinkgl\u00e4ser, Becher und Arzneigef\u00e4\u00dfe.<\/p>\n<p>Der Sch\u00f6nborner Hof war die Stadtresidenz der Familie Sch\u00f6nborn, die zahlreiche Aschaffenburger Vizedome sowie zwei Mainzer Erzbisch\u00f6fe und Kurf\u00fcrsten stellte. Der soziale Status der Familie ist an den Funden aus der Kellerverf\u00fcllung deutlich ablesbar.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 233-235.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Befunde des Mittelalters und der Fr\u00fchen Neuzeit Brennofengasse Die Aschaffenburger Unterstadt grenzt sich von dem Altstadtkern der Oberstadt topographisch deutlich ab. 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