{"id":4340,"date":"2022-03-28T08:13:48","date_gmt":"2022-03-28T06:13:48","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4340"},"modified":"2022-03-29T09:17:18","modified_gmt":"2022-03-29T07:17:18","slug":"bodendenkmaeler-aschaffenburger-oberstadt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/bodendenkmaeler-aschaffenburger-oberstadt\/","title":{"rendered":"Bodendenkm\u00e4ler &#8211; Aschaffenburger Oberstadt"},"content":{"rendered":"<p>Die Aschaffenburger Oberstadt liegt auf einem trapezf\u00f6rmigen Plateau von ungef\u00e4hr 550 m L\u00e4nge und einer gr\u00f6\u00dften Breite von etwa 300 m. Sie erhebt sich bis zu 30 m \u00fcber den Main, der im Westen unmittelbar an ihrem Fu\u00df vorbeiflie\u00dft. Durchschnittlich \u00fcberragt das pr\u00e4gnante Plateau die n\u00e4here Umgebung um etwa 20 m. Im Norden und Osten wird es von dem in den Schlossgraben m\u00fcndenden Landing, im S\u00fcden vom L\u00f6hergraben umzogen. Urspr\u00fcnglich waren auch Landing und L\u00f6hergraben von Wasserl\u00e4ufen gepr\u00e4gt, doch werden diese heute unterirdisch abgeleitet. Zwar ist die beschriebene Topographie noch heute erkennbar, doch werden im digitalen Gel\u00e4ndemodell auch die k\u00fcnstlichen Talauff\u00fcllungen im Bereich des Landings deutlich.<\/p>\n<p>Im gesamten Bereich der Oberstadt haben sich Befunde vor- und fr\u00fchgeschichtlicher Zeitstellung sowie des Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit in unterschiedlichem Ma\u00dfe, teilweise jedoch in Form von beeindruckenden Schichtpaketen erhalten. Die gr\u00f6\u00dfte bodendenkmalpflegerische Ersatzma\u00dfnahme innerhalb der Oberstadt Aschaffenburg wurde im Bereich des Theaterplatzes durchgef\u00fchrt. Deren Ergebnisse erm\u00f6glichen gr\u00f6\u00dfere Einblicke in die anthropogene Nutzung der Oberstadt von der Vorgeschichte, den Urspr\u00fcngen der Stadt seit dem fr\u00fchen Mittelalter bis zur Ausbildung der mittelalterlichen Stadtquartiere und der Zerst\u00f6rung der historischen Bebauung im Zweiten Weltkrieg. Neben dieser Fl\u00e4chengrabung existieren weitere Beobachtungen aus kleineren Ausgrabungen sowie zahlreichen bauvorgreifenden oder begleitenden Ma\u00dfnahmen. Diese erlauben in der Regel nur schlaglichtartig einen Blick auf Detailbefunde, die mehr oder weniger zuf\u00e4llig von bauseitig vorgegebenen Bedingungen wie Orientierung, Ausdehnung und Eingriffstiefe bestimmt werden. Die Ergebnisse geben erst in der Zusammenschau Hinweise auf die Siedlungsentwicklung von der Vorgeschichte bis in die Neuzeit.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe\/Neben der gro\u00dfen Metzgergasse<\/strong><\/p>\n<p>Im Jahre 1783 wurden beim Ausgraben der Grundmauern des sog. \u201ealten Bergschlosses\u201c verschiedene \u201eR\u00fcstzeuge\u201c, Skelettteile und eiserne Pfeilspitzen gefunden. Von den Grabungsfunden ging lediglich eine M\u00fcnze, ein r\u00f6mischer \u201eTriens des Claudius II., Goticus Maximus\u201c (268\u2013270 n. Chr.) an Hugo Eberhardt Heim. Wenn die Funde heute auch nicht mehr vorhanden sind, so weist ihre Kombination auf mindestens eine sp\u00e4tantike oder v\u00f6lkerwanderungszeitliche Bestattung hin. Unklar ist, worum es sich bei dem \u201ealten Bergschloss handelt\u201c. Wahrscheinlich sind romanische Wohnt\u00fcrme in der Dalbergstra\u00dfe und Neben der gro\u00dfen Metzgergasse gemeint, die am Ende des 18. Jh. niedergelegt wurden. Zu ihnen geh\u00f6rten vermutlich die \u00e4ltesten im Kellerkataster festgestellten, im Grundriss auff\u00e4llig quadratischen Keller.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 7<\/strong><\/p>\n<p>Eine 1974 durchgef\u00fchrte Baubeobachtung im Hinterhof der Dalbergstra\u00dfe 7 ergab einen verf\u00fcllten Keller als zentralen Befund. Die Funde aus der Verf\u00fcllung, darunter ca. 70 kg Keramikst\u00fccke, wurden noch nicht wissenschaftlich ausgewertet. Es ist zu erwarten, dass das Material neue Einblicke in die Wirtschafts- und Sozialstruktur der Einwohner dieses Anwesens zul\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 11<\/strong><\/p>\n<p>Die sog. L\u00f6wenapotheke stand bis 1944 an der Ecke Dalbergstra\u00dfe\/Stiftsplatz. Nach schriftlichen Quellen war das Grundst\u00fcck im sp\u00e4ten Mittelalter im Besitz des Stiftes St. Peter und Alexander. Ein darauf befindliches, auch arch\u00e4ologisch belegtes Wohngeb\u00e4ude wurde vom Stift vermietet. Im 16. Jh. wurde an seiner Stelle ein repr\u00e4sentativer Fachwerkbau errichtet, der seit dem Ende desselben Jahrhunderts nachweislich die \u00e4lteste Apotheke Aschaffenburgs beherbergte. Bis zur Zerst\u00f6rung im Zweiten Weltkrieg behielt der Bau diese Funktion bei. Erst 1984 entschloss man sich zur Enttr\u00fcmmerung und Neugestaltung der kriegsbedingten Brachfl\u00e4che. In einem zweiten Bauabschnitt erfolgte in den 1990er Jahren schlie\u00dflich die Rekonstruktion des historischen Fachwerkbaus. Enttr\u00fcmmerung und Wiederaufbau wurden nach M\u00f6glichkeit durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburger begleitet.<\/p>\n<p>Bei der Bereinigung des Ruinengrundst\u00fcckes 1984 wurden Keller, Latrinen und Abfallgruben aufgedeckt, die ein ungew\u00f6hnlich reichhaltiges Fundmaterial erbrachte. Die gro\u00dfe Anzahl der zutage tretenden vollst\u00e4ndigen Gef\u00e4\u00dfe weckten jedoch auch das Interesse von Raubgr\u00e4bern. So wurde eine Abfallgrube \u00fcber Nacht von Unbekannten gepl\u00fcndert. Besonders ergiebig war die Aushebung einer Latrine bzw. eines mit Abfall verf\u00fcllten Kellers, der ein Gesamtfundgewicht ca. 200 kg erbrachte. Die Funde konnten anhand einer deutlich erkennbaren Grenze aus Fichtenbrettern einem oberen und einem unteren Teil zugeordnet werden. In der unteren Schicht fand sich Hausrat des 14. und 15. Jh., insbesondere Kocht\u00f6pfe und Ofenkacheln. Die obere Verf\u00fcllung enthielt neben barocken Haushaltsgegenst\u00e4nden wie Tellern, Sch\u00fcsseln, Kocht\u00f6pfen und Weinflaschen eine gro\u00dfe Anzahl apothekenspezifischen Abfalls. Die \u00e4ltesten St\u00fccke geh\u00f6rten zur Erstausstattung der Apotheke, darunter ein gro\u00dfes Standgef\u00e4\u00df aus grauem Steinzeug mit gemodelten Auflagen und Kobaltbemalung mit der Jahreszahl 1590. Aus j\u00fcngerer Zeit stammen u. a. Laborger\u00e4te wie M\u00f6rser, Reibeschalen aus Keramik und Destillieraufs\u00e4tze aus Glas. Zahlreich waren auch Gef\u00e4\u00dfe aus Steinzeug, Fayence, Porzellan oder Glas zur Aufbewahrung und dem Verkauf von Produkten der Apotheke. Die j\u00fcngsten geborgenen St\u00fccke geh\u00f6ren in das sp\u00e4te 19. Jh. Trotz der \u00fcberregionalen Bedeutung des Komplexes ist eine wissenschaftliche Auswertung nicht begonnen worden.<\/p>\n<p>1993 wurde der durch einen Bombentreffer am 29. November 1944 versch\u00fcttete und bis dahin als Depotraum genutzte Keller der Apotheke im Zuge von Aushubarbeiten f\u00fcr die geplante Geb\u00e4uderekonstruktion freigelegt. Die Notbergung ergab ein h\u00f6lzernes Regal, auf dessen Bodenbrett drei gro\u00dfe zylindrische Vorratsgef\u00e4\u00dfe aus Steinzeug standen. Dar\u00fcber befanden sich offensichtlich mehrere Albarelli aus Porzellan mit lateinischer Beschriftung. Eine Gruppe von Medizinfl\u00e4schchen mit Pipette war durch die Ersch\u00fctterung vom Regal gefallen und wurde in einem Haufen davorliegend aufgefunden. Mehrere Deckel der Albarelli waren hinter das Regal gest\u00fcrzt. Weitere Chemikalienflaschen verschiedenster Gr\u00f6\u00dfe konnten geborgen werden. Obgleich manche Glasgef\u00e4\u00dfe vollkommen zerschmolzen aufgefunden wurden, waren viele der geborgenen Gef\u00e4\u00dfe unversehrt und bargen noch ihren Inhalt. Die geborgenen Funde l\u00f6sten trotz des jungen Alters ein gro\u00dfes Interesse in Medien und Bev\u00f6lkerung aus, wodurch einige Inhaltsanalysen und die Publikation in einer Festschrift zur Fertigstellung der rekonstruierten L\u00f6wenapotheke erm\u00f6glicht wurden.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 72<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge der Instandsetzung des Geb\u00e4udes wurde unterhalb des Estrichs des r\u00fcckw\u00e4rtigen Geb\u00e4udeteils der obere Teil einer Sandsteins\u00e4ule mit Palmettenkapitell geborgen, die als Spolie verwendet wurde (Vgl. Baudenkm\u00e4ler, <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/wp-admin\/post.php?post=3806&amp;action=edit&amp;classic-editor\">Dalbergstra\u00dfe<\/a>).<\/p>\n<p><strong>Karlsplatz\/Theatergasse<\/strong><\/p>\n<p>1995 konnten die arch\u00e4ologischen Schichtverh\u00e4ltnisse bei einer Kanalerneuerung auf der gesamten Strecke, mit baubedingten Unterbrechungen, beobachtet werden. Im Mittelpunkt der Beobachtung stand der Nachweis einer bereits bei fr\u00fcheren Beobachtungen (vgl. Baudenkm\u00e4ler, <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/pfaffengasse\/\">Pfaffengasse<\/a> und Pfaffengasse 11) angetroffenen Kulturschicht mit vor- und fr\u00fchgeschichtlichen Funden. Die Profile ergaben, dass die allgemeine M\u00e4chtigkeit der Schichtungen von Osten (\u201eAlte Dechantei\u201c bzw. Karlsplatz) nach Westen (Schlo\u00dfgasse) hin allm\u00e4hlich abnahm. Die unterste Kulturschicht war davon hingegen nicht betroffen und abh\u00e4ngig von j\u00fcngeren Bodeneingriffen in unterschiedlicher St\u00e4rke erhalten. Eine eindeutige Datierung war nicht m\u00f6glich, da im Zuge der Ma\u00dfnahme lediglich wenige Funde und insbesondere kleinteiliges Scherbenmaterial geborgen werden konnte. Im Zuge der Arbeiten in der Theatergasse wurde ein Keller des Grundst\u00fcckes Schlo\u00dfgasse 12 angeschnitten, der unter den modernen Stra\u00dfenverlauf reichte. Gleiches gilt f\u00fcr eine Latrine im hinteren Teil desselben Grundst\u00fcckes.<\/p>\n<p><strong>Pfaffengasse<\/strong><\/p>\n<p>Pfaffengasse. Kanalanschlussarbeiten in der Pfaffengasse erm\u00f6glichten Ende 1995 die direkte Fortsetzung eines 1994 am Geb\u00e4ude Pfaffengasse 11 aufgenommenen Profils. Dabei konnte insbesondere die dort beobachtete vor- und fr\u00fchgeschichtliche Kulturschicht weiter verfolgt werden. Aus dem Baggeraushub und der Baugrube f\u00fcr den Kanal wurden verschiedene Metallobjekte geborgen. Darunter f\u00e4llt ein durch starke Hitze angeschmolzener Bronzequader besonders auf. Das 2,4\u00d71,0\u00d70,7 cm messende und 7,66 g schwere Fundst\u00fcck \u00e4hnelt in Gr\u00f6\u00dfe und Form sp\u00e4tbronze- bis fr\u00fchurnenfelderzeitlichen Gewichten, die im Rhein-Main-Gebiet mehrfach bezeugt sind. Ebenfalls hervorzuheben ist ein stark korrodierter eiserner Schwertscheidenbeschlag der Mittellat\u00e8nezeit. Eine schlecht erhaltene Klingenspitze sowie mehrere unbestimmbare Bronzefragmente lassen sich nicht n\u00e4her datieren.<\/p>\n<p><strong>Pfaffengasse 6<\/strong><\/p>\n<p>In der Pfaffengasse 6 wurden bei Bauarbeiten 1966 der kreisf\u00f6rmige Laufgang und das m\u00e4chtige Kontergewicht einer Baumkelter gefunden. Bei dem Gewicht handelt es sich um eine Sandsteintrommel von 135 cm Durchmesser und 53 cm H\u00f6he. Es diente als Verankerung der Spindel, mit welcher der Baum einer Weinpresse heruntergezogen wurde. M\u00f6glicherweise steht der Bau der Weinpresse mit dem Wechsel des Anwesens in den Besitz des Stiftes St. Peter und Alexander im Jahre 1393 in Verbindung. Das Ende der Nutzung der Kelter wird durch die Keramik aus der Verf\u00fcllung des Laufganges in das 15.\/16. Jh. datiert.<\/p>\n<p><strong>Pfaffengasse 11<\/strong><\/p>\n<p>Sanierungsma\u00dfnahmen am Geb\u00e4ude Pfaffengasse 11, der Villa Kirsch und dem Beobachter am Main, boten Anfang 1994 die Gelegenheit ungest\u00f6rte Schichtfolgen entlang des zur Pfaffengasse 9 gewandten Hausfundamentes aufzunehmen. Aus den beobachteten Schichten wurden Funde geborgen. Erst in bis zu 3 m Tiefe unter der modernen Oberfl\u00e4che wurde der anstehende Boden, ein hellgelber lehmiger Sand, erreicht. Bei der untersten Kulturschicht handelte es sich um ein bis zu 0,8 m starkes Paket. Darin waren Keramik, unbestimmbare Bronzefragmente, H\u00fcttenlehm, Schlacken, Holzkohle und Tierknochen eingebettet. Die Analyse der Schlacken am Institut f\u00fcr Arch\u00e4ometallurgie an der Universit\u00e4t Mainz gestattete die Ansprache als Schmiedeschlacken, sie ergab aber keine chronologische Einordnung. In der Schicht waren vorgeschichtliche Scherben wohl aus der Fr\u00fchlat\u00e8nezeit mit provinzialr\u00f6mischer Mayener Ware und fr\u00fchmittelalterlicher Keramik vergesellschaftet, sodass die \u00fcbrigen siedlungsanzeigenden Funde keiner dieser Perioden zweifelsfrei zugeordnet werden konnten. Die Untersuchung der geborgenen Tierknochen ergab mehrheitlich Schlacht- und K\u00fcchenabf\u00e4lle kleinw\u00fcchsiger Rinder und Schweine. Nicht eindeutig bestimmbar waren die \u00dcberreste von Schaf\/Ziege, Pferd oder Hirsch. Die Schichtbildung erfolgte wohl prim\u00e4r im 5. Jh. Die beschriebene Kulturschicht war von einer Schicht mit hochmittelalterlichem Bauschutt abgedeckt. Diese war durch den Bau eines romanischen Hauses in der Nachbarschaft w\u00e4hrend der Mitte des 12. Jh. entstanden, wie die Grabungen auf dem Theaterplatz sp\u00e4ter ergaben. Hingewiesen sei noch auf einen im Profil angeschnittenen Keller des fr\u00fchen 19. Jh., der nach 1945 mit Bauschutt verf\u00fcllt worden war. Das hier dokumentierte Profil konnte Ende 1995 in die Pfaffengasse hinein fortgesetzt werden.<\/p>\n<p><strong>Rathausgasse 6<\/strong><\/p>\n<p>Im Sommer 1999 erforderte der Bau eines Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses mit Tiefgarage eine arch\u00e4ologische Untersuchung. Zur Kalkulation der anfallenden Kosten f\u00fcr eine solche Untersuchung wurde im Juli zun\u00e4chst eine Sondagegrabung durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege ausgef\u00fchrt, wobei zwei Grabungsschnitte von jeweils 4\u00d75 m Gr\u00f6\u00dfe angelegt wurden. Die Voruntersuchung best\u00e4tigte den Reichtum der arch\u00e4ologischen Substanz. Die oberen 1 bis 1,2 m bestanden aus Nachkriegsplanierungen und neuzeitlichen Schichten ohne gr\u00f6\u00dfere Bebauungsstrukturen. Darunter fand sich jedoch ein grauschwarzes, kaum gliederbares humoses Schichtpaket von etwa 1 m M\u00e4chtigkeit, das auf dem anstehenden Sand auflag. Das Fundmaterial im oberen Bereich dieses Paketes konnte dem Sp\u00e4tmittelalter, im unteren Bereich dem Fr\u00fchmittelalter und der r\u00f6mischen Kaiserzeit zugewiesen werden. Noch \u00e4ltere Funde waren fast sicher anzunehmen, aufgrund der geringen Scherbenzahl aber nicht exakt ansprechbar. Vereinzelte Gruben und Pfostenl\u00f6cher deuteten auf m\u00f6gliche Hausbefunde. F\u00fcr die Bauma\u00dfnahmen mussten auch die Kelleranlagen unter den H\u00e4usern Dalbergstra\u00dfe 35 und 37 abgebrochen werden. Sie wurden zuvor durch den Stadtheimatpfleger E. Holleber dokumentiert. Besonders hervorzuheben ist der Keller der ehem. Hausnr. 31, der allem Anschein nach romanischen Ursprungs und somit deutlich \u00e4lter als das 1537 dar\u00fcber errichtete Geb\u00e4ude \u201eZum Schild\u201c war. Es handelte sich um eine gr\u00f6\u00dfere Anlage mit zwei symmetrischen Vorkellern und einem zweischiffigen Hauptkeller, dessen Kreuzgew\u00f6lbe in der Mitte von zwei Sandsteinpfeilern getragen wurde. Entsprechende Pfeiler korrespondierten an den Seitenw\u00e4nden und der r\u00fcckseitigen Stirnwand. In Fortsetzung der Sondagefl\u00e4chen wurde im August und Anfang September 1999 durch die Firma Scherbaum eine gro\u00dffl\u00e4chige Ausgrabung in den wenig gest\u00f6rten hinteren Grundst\u00fccksteilen von Dalbergstra\u00dfe 35 und 37 durchgef\u00fchrt. Die ergiebige Grabung \u2013 es wurden immerhin 210 arch\u00e4ologische Befunde unterschieden \u2013 ist bislang noch nicht abschlie\u00dfend ausgewertet und publiziert worden. Es liegt jedoch ein Vorbericht des Ausgrabungsleiters vor und die Funde wurden durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburg gesichtet.<\/p>\n<p>Einige linearbandkeramische Scherben aus dem anstehenden Sand zeigen als Streufunde zumindest neolithische Begehungen des Stadth\u00fcgels an. Vor allem lassen sich aber vier sp\u00e4tere Besiedlungsperioden benennen, die meist auch durch die Stratigraphie gut trennbar waren. Grunds\u00e4tzlich lag, wie schon in der Sondagegrabung, eine vergleichsweise einfache Schichtung vor: Im Sand waren Pfostenl\u00f6cher und Gruben erkennbar. Diese wurden von einer hochmittelalterlichen Schicht abgeschnitten, auf die ein durchlaufender Horizont des 13.\/14. Jh. folgte. Den Abschluss bildete eine sp\u00e4tmittelalterlich-neuzeitliche Auff\u00fcllung.<\/p>\n<p>Der fr\u00fchgeschichtliche Horizont bestand ma\u00dfgeblich aus zwei gr\u00f6\u00dferen Gruben und einigen Pfostenl\u00f6chern. Die Pfostenstellungen lassen sich aufgrund der zu geringen Gr\u00f6\u00dfe der Grabungsfl\u00e4che leider nicht zu Geb\u00e4udegrundrissen rekonstruieren, doch wird immerhin eine Nord-S\u00fcd-Orientierung deutlich. Bei der gr\u00f6\u00dften Grube k\u00f6nnte es sich um ein verschliffenes Grubenhaus handeln. Am n\u00f6rdlichen Rand der Grabungsfl\u00e4che wurde ein kleiner Rennfeuerofen entdeckt und als Block f\u00fcr die Museen der Stadt Aschaffenburg geborgen. Ein Laufniveau der \u00e4ltesten Siedlungsphase war nicht erhalten. Der \u00fcberwiegende Teil der Befunde geh\u00f6rt der r\u00f6mischen Kaiserzeit bzw. der V\u00f6lkerwanderungszeit an, datiert also in das 3. bis 5. Jh. n. Chr. Ein signifikantes Fundaufkommen ist jedoch auch der beginnenden und sp\u00e4ten Lat\u00e8nezeit zuzuordnen. Beachtenswert ist, dass erstmals auf dem Aschaffenburger Stadtberg auch eine kleine Grube aus dem Fr\u00fchlat\u00e8ne aufgedeckt wurde, die mit den zerscherbten Resten mehrerer Keramikgef\u00e4\u00dfe gef\u00fcllt war. Unter den Funden der fr\u00fchen Lat\u00e8nezeit sind eine Fibel des sog. Duxer Typs aus Bronze und ein Fingerring aus tordiertem Golddraht hervorzuheben. Unter den kaiserzeitlichen Funden f\u00e4llt die scheibenf\u00f6rmige Riemenzunge eines r\u00f6mischen Legion\u00e4rs besonders auf. Eine gedrehte Geweihscheibe mit geometrischem Sternmotiv und ein Dreilagenkamm mit halbrunder Griffplatte geh\u00f6ren stellvertretend f\u00fcr die zahlreichen germanischen Funde in das 5. Jh.<\/p>\n<p>Die \u00e4lteren Befunde wurden von einer stark humosen Kulturschicht \u00fcberlagert bzw. im oberen Teil von dieser abgeschnitten. Es mischte sich hierin vor- und fr\u00fchgeschichtliches Material mit hochmittelalterlichen Funden. M\u00f6glicherweise handelt es sich daher um eine Aufplanierung, die mit den vergleichbaren Befunden vom Theaterplatz in Zusammenhang steht und von einer bedeutenden Umstrukturierung und Neubebauung des s\u00fcdlichen Stadtberges zeugen k\u00f6nnte. Ob das weitgehende Fehlen fr\u00fchmittelalterlichen Fundmaterials auf eine solchenMa\u00dfnahme zur\u00fcckgeht oder einen Besiedlungsr\u00fcckgang anzeigt, muss vorl\u00e4ufig offen bleiben. An Befunden ist aus dieser Siedlungsphase neben wenigen Pfostenl\u00f6chern ein Ofen mit hufeisenf\u00f6rmigem Grundriss zu nennen. Vermutlich handelte es sich um einen Backofen. Zwischen der hochmittelalterlichen Periode und den sp\u00e4tmittelalterlichen Siedlungsstrukturen lagen eine Lehmschicht mit Resten einer Brandschicht im Osten der Grabungsfl\u00e4che und eine Steinrollierung im Westen, die wohl beide ein belaufenes Hofniveau des 13.\/14. Jh. kennzeichnen. Dem ausgehenden Mittelalter entstammen nur wenige unauff\u00e4llige Befunde, die auf eine Gartennutzung hindeuten. In der Neuzeit \u00e4ndert sich daran nichts Grundlegendes. Zwei Latrinen, ein Brunnen und schwache Fundamentsockel lassen die \u00fcblichen Funktionen der hinteren Grundst\u00fccksbereiche erkennen.<\/p>\n<p><strong>Stiftsgasse<\/strong><\/p>\n<p>Im Zuge der Neugestaltung des Platzes neben dem ehem. Kelterhaus, heute die st\u00e4dtische Kantine, wurde im Jahre 2008 knapp unterhalb des Pflasters der Ring einer Brunneneinfassung aus Sandstein aufgedeckt. Der durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburg dokumentierte Befund besa\u00df einen Au\u00dfendurchmesser von 1,2 m. Der verf\u00fcllte Brunnen geh\u00f6rte wohl zur \u201eAlten M\u00fcnze\u201c und d\u00fcrfte im Rahmen des Neubaus des Kelterhauses nach 1764 verf\u00fcllt worden sein. Der Brunnenkranz wird heute im neuen Pflaster abgebildet.<\/p>\n<p><strong>Webergasse<\/strong><\/p>\n<p>Von einem Spazierg\u00e4nger wurde im Sommer 2004 auf dem absch\u00fcssigen Hang zum Main, etwa auf H\u00f6he des Kornh\u00e4uschens (Webergasse 5) und nur wenig unterhalb davon, eine Silberm\u00fcnze gefunden. Sie wurde von den Museen der Stadt Aschaffenburg erworben. Es handelt sich um einen Silberpfennig (-denar) des Bischofs Adolf I. von K\u00f6ln, der zwischen 1194\u20131204 gepr\u00e4gt wurde.<\/p>\n<p>Avers zeigt die M\u00fcnze den thronenden Bischof im Ornat, die Mithra auf dem Kopf, mit seinem Krummstab in der Linken. Er liest in einem Buch. Revers sind zwei Fahnen an Stangen zu sehen, die in Kreuzen auslaufen. Dazwischen befindet sich eine s\u00e4ulenumstandene Kirche als Symbol der Stadt K\u00f6ln. Die Umschriften sind vollkommen unleserlich. Avers w\u00e4re \u201eADOLFS ARCHIOIA\u201c, Revers \u201eSANCTATCOLONIA\u201c anzunehmen.<\/p>\n<p><strong>Webergasse 1<\/strong><\/p>\n<p>Die kath. Kirchenstiftung \u201eZu Unserer Lieben Frau\u201c f\u00fchrte ab 1998 im ehem. Altenwohnheim Marienstift, einem ehem. Adelshof an der Stadtbefestigung, umfangreiche Sanierungsarbeiten durch, die arch\u00e4ologisch begleitet wurden. In Vorbereitung auf die anstehenden Bauma\u00dfnahmen wurde im Garten des Marienstiftes ein Arbeitsweg angelegt. Um die Tragf\u00e4higkeit des Bodens zu untersuchen, wurden im Februar 1998 insgesamt elf Bohrungen vorgenommen, die durch Mitarbeiter der Museen der Stadt Aschaffenburg beobachtet wurden. Die Beurteilung wurde allerdings durch die Verwendung eines Spiralbohrers nahezu unm\u00f6glich gemacht, da auf diese Weise keine Bohrkerne entnommen werden konnten. Entsprechend konnten die Ergebnisse nur wenig zur Planung der nachfolgenden Ausgrabung im Innern des Stifts beitragen. Immerhin wurde eine gro\u00dfe Schichtm\u00e4chtigkeit festgestellt. Das tiefste Bohrloch lieferte bei 6 m Tiefe noch keinen anstehenden Boden, in anderen trat er bereits bei 3,5 m Tiefe auf. Einzelne Funde sp\u00e4tmittelalterlicher und neuzeitlicher Keramik sowie Widerst\u00e4nde durch verborgene Mauerz\u00fcge best\u00e4tigten jedoch die arch\u00e4ologische Relevanz der Fl\u00e4che. Anschlie\u00dfend wurde im Innern des Marienstiftes im November 1998 durch die Firma ReVe eine bauvorgreifende arch\u00e4ologische Untersuchung von vier Wochen Dauer jeweils auf eng begrenzten Fl\u00e4chen durchgef\u00fchrt. Die Tiefbauarbeiten, durch die diese Untersuchungen notwendig wurden, blieben im Wesentlichen auf die Fl\u00e4che eines Treppenhauses mit Fahrstuhlschacht an der Webergasse und einen etwas zur\u00fcckgesetzten Keller von etwa 2\u00d75 m nordwestlich davon begrenzt.<\/p>\n<p>Im Bereich des Fahrstuhlschachtes wurde lediglich ein bereits bestehendes Erdprofil bis auf den anstehenden Boden fortgef\u00fchrt und dokumentiert. Unter der stark humosen Deckschicht von ca. 0,5 m St\u00e4rke traten bereits anstehende Schwemmsande auf. Die Deckschicht enthielt nur vereinzelte umgelagerte Keramikfragmente aus dem sp\u00e4ten Mittelalter sowie der fr\u00fchen Neuzeit, war stark mit Tierg\u00e4ngen und Wurzeln durchsetzt und zeigte keinerlei anthropogene Spuren. Weiterreichende Schl\u00fcsse \u00fcber die Entwicklung des Gebietes lie\u00dfen sich an dieser Stelle somit nicht gewinnen. Ergiebiger war der Kellereinbau. Zwar konnten auch hier keine Baubefunde aufgedeckt werden, doch waren trotz der beschr\u00e4nkten Einblicke wesentliche Aussagen zur Chronologie des Stiftsberges m\u00f6glich. Unter einer etwa 0,5 m starken Deckschicht mit verlagertem sp\u00e4tmittelalterlichem und fr\u00fchneuzeitlichem Siedlungsschutt fanden sich mehrere schwach humose, sandige Auff\u00fcllschichten, die durchweg Keramik des 12. bis 14. Jh. enthielten. Darunter befanden sich in einer geringeren Ausdehnung, in einer Tiefe von 1,4 m unter der heutigen Oberfl\u00e4che, Schichten, die fast ausschlie\u00dflich karolingische Keramik des 8. bis 9. Jh. lieferten. M\u00f6glicherweise waren hier auch einige verlagerte Scherben der r\u00f6mischen Kaiserzeit enthalten, die jedoch nicht zweifelsfrei zu bestimmen waren. Die Frage einer m\u00f6glichen Siedlungskontinuit\u00e4t muss an dieser Stelle jedoch unbeantwortet bleiben. Bis in den Schwemmsand waren noch zwei Pfostenl\u00f6cher und zwei gr\u00f6\u00dfere Gruben eingetieft. Hervorzuheben ist darunter eine 1,5 m lange, wannenf\u00f6rmige Grube, die mit umfangreichen Kalkm\u00f6rtelresten angef\u00fcllt war. Da diese Befunde die Schichten des 12. und 14. Jh. durchschnitten, d\u00fcrften sie mit Bauma\u00dfnahmen des sp\u00e4ten Mittelalters am teilweise noch heute vorhandenen Geb\u00e4udebestand zusammenh\u00e4ngen. Bei den weiteren Umbauma\u00dfnamen wurden im Jahr 2000 zwei Spolien angetroffen, die vielleicht vom Abriss der mittelalterlichen Muttergottespfarrkirche ab dem Jahr 1768 stammen.<\/p>\n<p><strong>Wermbachstra\u00dfe 10 und 12<\/strong><\/p>\n<p>1999 wurden dem Aschaffenburger Museum zwei Fundst\u00fccke bekannt, die angeblich um 1996 bei Gartenarbeiten auf dem Grundst\u00fcck Wermbachstra\u00dfe 12 unterhalb der Stiftskirche gefunden wurden. Laut Aussage der Finder, des P\u00e4chters und eines befreundeten \u201eHobbyarch\u00e4ologen\u201c, traten zun\u00e4chst mittelalterliche Scherben zutage, als eine Sickergrube f\u00fcr eine Toilettenanlage ausgehoben werden sollte. Die weitere Suche ergab schlie\u00dflich zwei Bronzegegenst\u00e4nde, die von den Findern selbst restauriert wurden. Es handelt sich um eine fr\u00fchlat\u00e8nezeitliche Vogelkopffibel sowie einen romanischen Schreibgriffel. Letzterer geh\u00f6rt zu einer kleinen, im Wesentlichen zentraleurop\u00e4ischen Gruppe, die am Schaft ein kantiges S und gegen\u00fcberliegend ein Z zeigen. Da sie im Umfeld kirchlicher Gro\u00dfbaustellen vom 12. bis zum Beginn des 14. Jh. auftreten, k\u00f6nnten sie neben der Funktion als Schreibger\u00e4t auch als Markenzeichen bestimmter Baumeister oder Steinmetze aus Norditalien gedient haben, die f\u00fcr viele dieser Bauten archivalisch genannt werden. SZ w\u00fcrde dann f\u00fcr deren Schutzpatron San Zeno stehen. Nachdem das Aschaffenburger Museum beide Funde 1999 f\u00fcr eine Ausstellung entleihen konnte, wurden sie 2009 in Absprache mit dem Grundeigent\u00fcmer und dem Bayerischen Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege angekauft. Der Aussagewert ist durch die unklaren Fundumst\u00e4nde jedoch eingeschr\u00e4nkt. (Vgl. Baudenkm\u00e4ler, <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/wp-admin\/post.php?post=3706&amp;action=edit&amp;classic-editor\">Ensemble Oberstadt<\/a>).<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 215-233.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Aschaffenburger Oberstadt liegt auf einem trapezf\u00f6rmigen Plateau von ungef\u00e4hr 550 m L\u00e4nge und einer gr\u00f6\u00dften Breite von etwa 300 m. 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