{"id":4324,"date":"2022-03-28T08:01:20","date_gmt":"2022-03-28T06:01:20","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4324"},"modified":"2022-03-28T08:01:20","modified_gmt":"2022-03-28T06:01:20","slug":"bodendenkmaeler-schloss-johannisburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/bodendenkmaeler-schloss-johannisburg\/","title":{"rendered":"Bodendenkm\u00e4ler &#8211; Schloss Johannisburg"},"content":{"rendered":"<p>Das heutige Schloss Johannisburg entstand zwischen 1605 und 1615 auf Betreiben des Erzbischofs Johann Schweikard von Kronberg, der den Neubau in seiner Wahlkapitulation versprochen hatte. Das Schloss wurde anstelle der Johannisburg errichtet, von der sich untert\u00e4gige Bauteile des Mittelalters und der fr\u00fchen Neuzeit im Boden befinden. Die Burg war am 10. August 1552 im Markgr\u00e4flerkrieg in Brand gesetzt, stark besch\u00e4digt und nur eingeschr\u00e4nkt wieder hergestellt worden. Beim Neubau wurde die gro\u00dfe Burg bis auf den Bergfried abgetragen, sodass Geschichte und Aussehen der Vorg\u00e4ngerbauten vor Beginn der unten angef\u00fchrten arch\u00e4ologischen Untersuchungen kaum bekannt waren. Eine um 1540 entstandene Zeichnung von Veit Hirsvogel d. J. zeigt die sp\u00e4tmittelalterliche Burg als stark gegliederte, mit vielen T\u00fcrmen versehene, um einen Hof gruppierte Anlage. Eindeutige urkundliche Quellenzeugnisse \u00fcber die Errichtung der ersten Burg an dieser Stelle liegen nicht vor, sodass viel Raum f\u00fcr Spekulationen bleibt. M\u00f6glicherweise wurde in der 1. H\u00e4lfte des 13. Jh., als Siegfried II. Erzbischof von Mainz war, die erste Burg auf dem sp\u00e4teren Schlossberg erbaut. Siegfried kam nachweislich h\u00e4ufiger nach Aschaffenburg und kommt somit als Bauherr sehr wahrscheinlich in Betracht. Der fr\u00fcheste Schriftbeleg zum Vorg\u00e4ngerbau von Schloss Johannisburg datiert in das Jahr 1284, als die neue Burgkapelle geweiht wurde, deren Patron Johannes d. T. der gesamten Burg seinen Namen gab. 1337 soll der Bergfried erbaut worden sein. Er wurde gegen Ende des 14. Jh. erh\u00f6ht. Als Residenzort der Mainzer Erzbisch\u00f6fe wurde die Anlage am Ausgang des Mittelalters repr\u00e4sentativ ausgebaut. In zeitgen\u00f6ssischen Berichten, wie dem des N\u00fcrnberger Arztes Hieronymus M\u00fcnzer von 1495, wird das pr\u00e4chtige Schloss ger\u00fchmt. Neben den im Innern des Schlosses durchgef\u00fchrten Ersatzma\u00dfnahmen erbrachten auch die Bodeneingriffe im n\u00e4heren Umfeld Erkenntnisse, die Auskunft \u00fcber die Gestalt und Einrichtung der sp\u00e4tmittelalterlichen und fr\u00fchneuzeitlichen Johannisburg, die angegliederte Bebauung und vorgelagerte Befestigungsanlagen geben. Bislang wurden zwei Ma\u00dfnahmen im Schloss selbst durchgef\u00fchrt, bei denen umf\u00e4ngliche Teile der mittelalterlichen Burg zutage traten.<\/p>\n<p><strong>Schlo\u00dfplatz 4, Innenhof<\/strong><\/p>\n<p>Im Sommer 1982 wurden im Hof des Schlosses neue Wasser- und Abwasserleitungen verlegt. Entgegen den damaligen Erwartungen traten schon nach kurzer Zeit gro\u00dfe Pflasterfl\u00e4chen und ausgedehnte Mauerz\u00fcge hervor, die als \u00dcberreste der mittelalterlichen Burg anzusprechen waren. Noch 1982 konnten durch das Landbauamt Aschaffenburg mit Unterst\u00fctzung des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege Sicherungsgrabungen durchgef\u00fchrt werden. Diese ersten Untersuchungen fanden parallel zu den laufenden Bauarbeiten statt. Bei der Anlage der neuen Versorgungsleitungen wurde nach M\u00f6glichkeit auf die arch\u00e4ologischen Befunde R\u00fccksicht genommen. Wegen der vorgesehenen Neugestaltung des Schlosshofes wurden die Rettungsgrabungen von April bis Juli 1983 fortgesetzt und auf einen Gro\u00dfteil des Innenhofs ausgedehnt. Durch die Grabungsma\u00dfnahmen konnte ein vollst\u00e4ndiger Bautrakt der mittelalterlichen Burg erfasst werden, der den s\u00fcd\u00f6stlichen Teil des Schlosshofes auf ganzer L\u00e4nge durchzog. Er verlief in einem Abstand von 10 bis 14 m ungef\u00e4hr parallel zum Eingangsfl\u00fcgel des Ridinger-Baus. Der j\u00fcngere Schlossbau ber\u00fccksichtigte anscheinend Fluchten und Strukturen seines Vorg\u00e4ngers, da auch der alte Eingang nahezu exakt in der Achse des sp\u00e4teren Schlosseingangs lag. Erhalten waren die Pflasterung in der Geb\u00e4udedurchfahrt, Sockelsteine des Eingangstors sowie die dazwischen gespannten, stark ausgefahrenen Sandsteinschwellen. Nach Osten war eine Sandsteinmauer vorgelagert, die zusammen mit drei Konsolen an der Au\u00dfenwand des ergrabenen Bautraktes als Auflage f\u00fcr eine Holzbr\u00fccke diente. Diese bildete den Zugang zur Burg \u00fcber einen 5 m tiefen Graben. Die Breite des Burggrabens konnte nicht festgestellt werden, da er sich vermutlich bis unter den Kellerbereich des Schlosses erstreckte. Das alte Hofpflaster befand sich etwa 0,8 bis 1,3 m unter dem modernen Hofniveau. Dennoch war es durch j\u00fcngere Bodeneingriffe zumeist stark gest\u00f6rt. Es lie\u00df sich aber beobachten, dass die Einfahrt mit unregelm\u00e4\u00dfigen, gro\u00dfen Sandstein- und Gneisplatte gepflastert war, die Pflasterung des Innenhofes hingegen aus unregelm\u00e4\u00dfigen Sand- und Quarzsteinen bestand.<\/p>\n<p>Umfangreiche Aufplanierungen und Bodenangleichungen f\u00fcr den Neubau des Schlosses sorgten daf\u00fcr, dass sich das aufgehende Mauerwerk des Erdgeschosses der s\u00fcdlich an die Einfahrt anschlie\u00dfenden Raumgruppe bis zu einer H\u00f6he von 1,7 m erhalten hatte. Diese R\u00e4ume waren verputzt, insbesondere T\u00fcrgew\u00e4nde, Wand- und Fensternischen z.T. farbig gestaltet. Die besonders repr\u00e4sentativen Farbfassungen der R\u00e4ume D und F sprechen f\u00fcr eine Nutzung als Aufenthaltsr\u00e4ume. Dazu passt ein aus Sandstein gehauenes Ausgussbecken in Raum D, das \u00fcber einen Rinnstein durch eine erker\u00e4hnliche Auskragung entw\u00e4sserte. In beiden R\u00e4umen wurden die \u00dcberreste zweier Kachel\u00f6fen freigelegt. \u00dcber ein Wappen von Daniel Brendel von Homburg, 1555\u20131582 Erzbischof von Mainz, und zwei Wappenkacheln des Wolfgang von Dalberg, 1582\u20131601 Erzbischof, lassen sie sich recht exakt datieren. Sie belegen eine zumindest in Teilen erfolgte Weiternutzung der 1552 zerst\u00f6rten Burg. Weitere freigelegte R\u00e4ume dienten eher wirtschaftlichen Zwecken. Hervorzuheben ist Raum E, der zwei zwar verst\u00fcrzte, aber gut erhaltene, kuppelf\u00f6rmig gemauerte Back\u00f6fen enthielt. Sie besa\u00dfen Durchmesser von ca. 1,7 bzw. 3,0 m und waren somit der Versorgung der Burg angemessen. Unklar blieb der Zweck einer etwa 3 m breiten Treppe, die vom Hofniveau abw\u00e4rts in Richtung Mainfl\u00fcgel f\u00fchrte. Sie erschloss offenbar Keller auf der Mainseite der alten Burg. Zwar wurden 1987 bei Ausgrabungen unter der Kellersohle des Schlosses noch Reste der alten Burg angetroffen, doch erwiesen sich diese als stark gest\u00f6rt. Von dem n\u00f6rdlich der Einfahrt gelegenen, nur partiell unterkellerten Geb\u00e4udetrakt konnten lediglich Fundamente freigelegt werden. Aufgehendes Mauerwerk hatte sich hier nicht erhalten. Eine Ausnahme in diesem Bereich bildet ein oktogonaler Treppenturm, der von der Einfahrt und \u00fcber den Hof zug\u00e4nglich war. Beachtenswert ist die Lage von drei Kellerr\u00e4umen, die keinen Bezug zur Grundrissstruktur des Erdgeschosses aufweisen. Die Keller unter den R\u00e4umen C\/D und K sind lediglich \u00fcber einen schachtartigen Einstieg von oben her zug\u00e4nglich, allein der Keller unter Raum B wird durch einen gew\u00f6lbten Zugang von der Hoffl\u00e4che aus erschlossen. Vermutlich geh\u00f6ren diese R\u00e4ume zu einer \u00e4lteren Burgphase vor dem sp\u00e4tmittelalterlichen Ausbau zu einer repr\u00e4sentativen Residenz. Da alle R\u00e4ume mit Bauschutt angef\u00fcllt waren und von den Bauma\u00dfnahmen nicht erreicht wurden, wurden sie nicht n\u00e4her untersucht.<\/p>\n<p>Weitere Aufschl\u00fcsse im Hofbereich erbrachten aufgrund umf\u00e4nglicher St\u00f6rungen nur wenige weiterf\u00fchrende Erkenntnisse \u00fcber die Ausdehnung der mittelalterlichen Burg. Lediglich im Bereich des Bergfriedes wurden weitere Mauerreste und die Sohle eines Brunnens aufgedeckt. W\u00e4hrend die Mauerfragmente zeitlich und funktionell nicht eingeordnet werden konnten, war ein Brunnen der alten Burg zuzuordnen. Dokumentiert wurden die sauber zugerichteten Sandsteinplatten eines oktogonalen Brunnentroges, der in die Zeit um 1500 datiert werden kann. Somit sind die ergrabenen baulichen Reste insgesamt zumeist dem sp\u00e4tmittelalterlichen Ausbau der Burg zu einer repr\u00e4sentativen bisch\u00f6flichen Residenz und ihrer Nachnutzung nach 1552 zuzuordnen. Eventuell handelte es sich bereits um eine vierfl\u00fcgelige Anlage, deren Struktur f\u00fcr den Neubau nach 1605 \u00fcbernommen wurde. Ihre Ausdehnung entsprach wohl ungef\u00e4hr der Gr\u00f6\u00dfe des heutigen Schlosshofes. Nach Grundrissstruktur und Mauerfugen entstand der freigelegte Burgfl\u00fcgel in mehreren Bauperioden. \u00c4ltere Baureste wie der Bergfried und kleine Kelleranlagen wurden arch\u00e4ologisch nicht n\u00e4her unterst, sodass keine neuen Anhaltspunkte f\u00fcr die Entstehungszeit der Burganlage gewonnen werden konnten. Der Gro\u00dfteil des Fundgutes stammt aus dem 16. Jh. Eine technische Anlage, die zum Ridinger-Bau des Schlosses geh\u00f6rte, wurde in der N\u00e4he des Brunnens freigelegt. Dabei handelte es sich um eine sog. Arthauke, durch die Wasser von der etwa 4,6 km langen Hofwasserleitung vom Heid- und B\u00fcchelberg auf verschiedene Str\u00e4nge verteilt wurde. Das Wasser kam hier durch ein 7 cm durchmessendes Bleirohr an, wurde in einen ummauerten Sandsteintrog geleitet und auf drei Ablauf\u00f6ffnungen von 5,5 bis 7 cm Durchmesser verteilt.<\/p>\n<p><strong>Schlo\u00dfplatz 4, Westfl\u00fcgel<\/strong><\/p>\n<p>1986 und 1987 fanden im Kellerbereich des mainseitigen Fl\u00fcgels des Ridinger-Schlosses Ausgrabungen statt, nachdem hier im Jahr zuvor bei Sanierungsma\u00dfnahmen erstmals Baubefunde der Burg zutage getreten waren. In dem etwa 7 m unter dem modernen Hofniveau liegenden Keller wurden noch verschiedene Mauerreste der alten Burg entdeckt, die durch die Fundamentierungen des Schlosses allerdings stark gest\u00f6rt waren. Unklar bleibt die Deutung der Mauern. Eine Verbindung mit dem im Innenhof untersuchten Geb\u00e4udetrakt ist anzunehmen, doch k\u00f6nnte es sich sowohl um Teile eines alten S\u00fcdwestfl\u00fcgels als auch um Burgmauerabschnitte im Zwingerbereich handeln. Die Grabungsschnitte und Tiefgrabungen an verschiedenen Stellen des Mainfl\u00fcgels zeigten, dass die Fundamente der Au\u00dfenmauern des Ridinger-Baus durchschnittlich 2 m tiefer als auf der Hofseite gef\u00fchrt sind. Das Erdreich unter dem starken Sandsteinplattenbelag des Kellerbodens besteht aus einer 0,3 bis 0,4 m starken Auff\u00fcllung, die z.T. mit Schutt durchsetzt ist. Darunter steht das gewachsene Erdreich aus verschieden starken Schichten von Kies, Sanden und Lehm an. Nach M. B. Kittel mussten die Fundamente gegen den Abhang an der Mainseite am st\u00e4rksten gesichert werden, um Rutschungen durch die Baulast zu vermeiden. Zur Ostseite oder gegen den Landinggraben war die Fundamentierung weit geringer, sodass hier noch weitere Befunde der mittelalterlichen Burg erhalten geblieben sein k\u00f6nnten. Insgesamt waren f\u00fcr den Schlossbau gewaltige Erd- und Fundamentierungsarbeiten notwendig, welche die Topographie des Burgberges entscheidend ver\u00e4nderten. Insbesondere wurde durch die Einf\u00fcllung des R\u00f6derbaches der zuvor etwa 16 m steil abfallende Taleinschnitt auf nur mehr 6 m H\u00f6henunterschied zum Schloss reduziert. F\u00fcr den Neubau des Schlosses wurden Baumaterialien aus dem Abbruch der alten Burg in gro\u00dfer Menge wieder verwendet. So sind die Mauern \u00fcberwiegend inhomogen aus Gneis- und Sandsteinen zusammengesetzt. In den m\u00e4chtigen Auff\u00fcllungen des s\u00fcdlichen Schlosshofbereiches fand sich kein einziger Quader oder rechteckig zugerichteter Stein (Vgl. Baudenkm\u00e4ler, <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4014&amp;preview=true\">Schlo\u00dfplatz 4<\/a>).<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 209-211.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das heutige Schloss Johannisburg entstand zwischen 1605 und 1615 auf Betreiben des Erzbischofs Johann Schweikard von Kronberg, der den Neubau in seiner Wahlkapitulation versprochen hatte. 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