{"id":4277,"date":"2022-03-28T08:36:41","date_gmt":"2022-03-28T06:36:41","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4277"},"modified":"2022-03-28T08:36:41","modified_gmt":"2022-03-28T06:36:41","slug":"marienstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/marienstrasse\/","title":{"rendered":"Marienstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die Marienstra\u00dfe im Ortsteil Schweinheim beginnt an der Kreuzung Rosen-\/Molkenbornstra\u00dfe. Die leicht absch\u00fcssige Stra\u00dfe verl\u00e4uft in nords\u00fcdlicher Richtung durch die Ortsmitte an der kath. Pfarrkirche Mari\u00e4 Geburt vorbei, nach der sie 1908 benannt wurde. Zuvor handelte es sich schlicht um die Hauptstra\u00dfe des Ortes. Nachdem sie die Hensbachstra\u00dfe \u00fcberquert hat, m\u00fcndet die Marienstra\u00dfe in die Ebersbacher Stra\u00dfe. Ihr n\u00f6rdlicher Teil bildet noch heute die verkehrsberuhigte Ortsmitte von Schweinheim. Neben der Pfarrkirche und dem Pfarrhaus sind hier drei der \u00e4ltesten Bauernh\u00f6fe Schweinheims erhalten (Marienstra\u00dfe 15, 17 und 19).<\/p>\n<p><strong>Marienstra\u00dfe 13<\/strong><\/p>\n<p>Durch die Einrichtung einer eigenen Pfarrei in Schweinheim ergab sich der Wunsch nach dem Bau eines Pfarrhauses. Als Bauherr trat die Gemeinde Schweinheim selbst auf, da die kirchliche Genehmigung der Pfarrei erst am 26. Januar 1821 erfolgte. Als Bauplatz wurde das der Kirche gegen\u00fcbergelegene, 105 m2 gro\u00dfe Grundst\u00fcck von Johann Staudt gekauft. Das zweigeschossige Pfarrhaus ist aus Sandsteinmauerwerk mit Quaderarmierung errichtet und verputzt. Die heute siebenachsige Fassade hatte urspr\u00fcnglich nur f\u00fcnf Fensterachsen. Der Eingang mit profiliertem, geradem Sturz befand sich in der Mittelachse. Die Fenster im Erdgeschoss sind hochrechteckig und haben einfache Sandsteinrahmen. Sie sitzen auf einem Sohlbankgesims auf. Im Obergeschoss sind die Fenster rundbogig abgeschlossen und mit einem profilierten Gesims auf H\u00f6he der Bogenans\u00e4tze untereinander verbunden. Hinter dem Eingang lag der Hausflur, der das Haus in zwei gleiche H\u00e4lften teilte, wo sich links zwei und rechts ein Zimmer mit K\u00fcche befanden; die gleiche Einteilung wiederholte sich im Obergeschoss. Die Pl\u00e4ne zu dem Schweinheimer Pfarrhaus zeichnete der kgl. Baurat und Direktor Bernhard Morell (1785\u20131859). Die Bauausf\u00fchrung erfolgte im Jahr 1819 unter den Baumeistern Johann Adam Kolb, Johann Staudt, Paul Kolb und Konrad Sauer. Hinter dem Pfarrhaus entstand noch eine Scheune mit Viehstall, an der n\u00f6rdlichen Giebelseite der Scheune ein Stall f\u00fcr Schweine und Federvieh sowie entlang der n\u00f6rdlichen Grundst\u00fccksgrenze ein Wasch- und Backhaus mit einem Brunnen. Ab Herbst 1887 wurde das Pfarranwesen grundlegend saniert und baulich erg\u00e4nzt. Zwei deutsche Hauskamine wurden durch russische ersetzt und in diesem Zusammenhang alle \u00d6fen und der Kochherd erneuert, alle Zimmer wurden neu gedielt, Hausflur und K\u00fcche mit neuen Platten ausgelegt, Haus- und Zimmert\u00fcren sowie Fenster erneuert; die in s\u00e4mtlichen Zimmern fehlenden Sockel- und Fensterbretter samt Lamperien wurden angebracht und die R\u00e4ume neu get\u00fcncht. Insbesondere wurde der bisher nicht vorhandene Abort angebaut. Ebenso wie das Pfarrhaus waren auch die Nebengeb\u00e4ude in schlechtem baulichem Zustand, sodass die Stallungen in der Scheune abgebrochen wurden. In der Zeit des Kirchenneubaus (1894\u201395) diente die Scheune als Notkirche. Wahrscheinlich um 1920 erfolgten die Verbreiterung der Fassade um zwei Achsen mit sehr eng gestellten Fenstern und die Erneuerung des Mansarddachs mit Zwerchhaus, welches mittig auf der verbreiterten Fassade sitzt und die Unregelm\u00e4\u00dfigkeit geschickt kaschiert.<\/p>\n<p><strong>Marienstra\u00dfe 15<\/strong><\/p>\n<p>Von dem ehem. b\u00e4uerlichen Anwesen im alten Ortskern von Schweinheim am s\u00fcdlichen Ausgang der Marienstra\u00dfe ist nur das Wohnhaus erhalten. Der zweigeschossige Fachwerkbau des 17. Jh. mit Satteldach und vorkragendem Obergeschoss ist vollkommen verputzt. Der Zugang erfolgt traufseitig vom Hof aus. Weil auch der Ortsteil Schweinheim im Krieg schwer getroffen wurde, entstanden an dem Wohnhaus starke Sch\u00e4den: die westliche Giebelwand wurde zerst\u00f6rt, Zwischenw\u00e4nde und Decken wurden durchl\u00f6chert sowie s\u00e4mtliche Nebengeb\u00e4ude besch\u00e4digt. Im Grundst\u00fcck wurde anstelle der einstigen Scheune 1996 ein neues Wohnhaus errichtet.<\/p>\n<p><strong>Marienstra\u00dfe 16<\/strong><\/p>\n<p>An der Stelle der heutigen kath. Pfarrkirche Mari\u00e4 Geburt hatte man 1660 eine vermutlich dem hl. Wendelin geweihte Kapelle errichtet. Als 1751\/52 in Schweinheim eine Kaplanei eingerichtet wurde, reichte die Kapelle in ihrer Gr\u00f6\u00dfe nicht mehr aus und der kleine Saalbau wurde 1756 mit einem Querschiff und einem neuen Chor erweitert. Aber auch dieser, seit 1821 als Pfarrkirche fungierende Bau wurde allm\u00e4hlich f\u00fcr die Gemeinde zu klein, sodass 1865 mit der Planung einer erneuten Erweiterung begonnen wurde, die jedoch nie zur Ausf\u00fchrung kam. Als der alte Kirchenbau endg\u00fcltig zu klein und bauf\u00e4llig war, wurde ein Neubau beschlossen und 1894 die alte Kapelle abgebrochen.<\/p>\n<p>Am 10. Juni 1894 wurde der Grundstein f\u00fcr die neue Pfarrkirche gelegt. Die Weihe der unter den Schutz der Muttergottes gestellten Kirche fand am Patronatsfest, dem 8. September 1895, statt. Die im neugotischen Stil errichtete Kirche steht, wie ihr Vorg\u00e4ngerbau, geostet mit dem Hauptportal an der Marienstra\u00dfe. An Nord- und S\u00fcdseite befinden sich Seiteneing\u00e4nge. Die Au\u00dfenmauern bestehen aus Bruchsteinmauerwerk aus rotem Sandstein mit Quaderarmierung und sind unverputzt. In die westliche Giebelfassade einbezogen steht der Turm. In seinem Erdgeschoss liegt die gew\u00f6lbte Eingangshalle, im Obergeschoss der L\u00e4uteraum, von dem eine Wendeltreppe zur Glockenstube f\u00fchrt. Der Turm ist mit vier Giebeln und einem Spitzhelm abgeschlossen. Der eingezogene Polygonchor ist ebenfalls \u00fcberw\u00f6lbt. Beiderseits des Chores sind Anbauten angef\u00fcgt, der eine f\u00fcr die Sakristei, der andere f\u00fcr den Raum der Ministranten und die Unterbringung der Paramente. Der Kirchenraum ist als Halle ausgef\u00fchrt und \u00fcberw\u00f6lbt. Die Gew\u00f6lbe ruhen auf vier S\u00e4ulen. Die Pl\u00e4ne f\u00fcr die neue Schweinheimer Pfarrkirche zeichneten die Br\u00fcder Franz und Roman Woerner vom gleichnamigen Baugesch\u00e4ft, welches auch die Bauleitung und Ausf\u00fchrung s\u00e4mtlicher Maurer-, Steinmetz- und Zimmererarbeiten \u00fcbernahm. Die restlichen Arbeiten wurden von Schweinheimer Handwerkern ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Kircheninnenraum wurde 1999 von den Aschaffenburger Architekten Ritter und Bauer grundlegend erneuert und die k\u00fcnstlerische Raumausgestaltung von dem Wiener K\u00fcnstler Leo Zogmayer neu \u00fcberarbeitet, nachdem die Kirche bereits in den 1960er Jahren entgotisiert worden war. Von der historischen Ausstattung ist einzig eine Madonnenfigur erhalten. Die fr\u00fchbarocke Holzfigur stand urspr\u00fcnglich auf dem n\u00f6rdlichen Seitenaltar. Sie stammt aus der Lorettokapelle des von den Franzosen 1802 aufgehobenen Kapuzinerklosters in Mainz und wurde 1805 in der alten Schweinheimer Kirche aufgestellt.<\/p>\n<p><strong>Marienstra\u00dfe 17<\/strong><\/p>\n<p>Das zur Marienstra\u00dfe giebelst\u00e4ndige Wohnhaus des b\u00e4uerlichen Anwesens aus dem 18. Jh. ist zweigeschossig und schlie\u00dft mit einem Satteldach ab. Das Erdgeschoss ist massiv, das Obergeschoss Fachwerk. Die westliche Giebelseite ist zur H\u00e4lfte abgewalmt. Der Eingang befindet sich auf der Hofseite. Auf dem Grundst\u00fcck steht eine Scheune, der 1937 eine Futterkammer angef\u00fcgt wurde. Die um 1900 entlang der stra\u00dfenseitigen Grundst\u00fccksgrenze aufgestockte Halle wurde gemeinsam mit dem Schweinestall 1996 abgebrochen.<\/p>\n<p><strong>Marienstra\u00dfe 19<\/strong><\/p>\n<p>Das wohl aus dem 18. Jh. stammende giebelst\u00e4ndige Wohnhaus mit Satteldach besteht aus massivem Erdgeschoss und Fachwerkobergeschoss. Das gesamte Geb\u00e4ude ist verputzt. Der Zugang erfolgt traufseitig vom Hof aus. 1901 wurde die Errichtung eines Kamins genehmigt. Nach starken Kriegssch\u00e4den erfolgte 1948 die Instandsetzung des Wohnhauses und 1959 die Errichtung eines landwirtschaftlichen Erweiterungsbaus zwischen Wohnhaus und Scheune. Entlang der stra\u00dfenseitigen Grundst\u00fccksgrenze steht ein weiteres kleines Nebengeb\u00e4ude, welches den Hof gemeinsam mit dem Hoftor zur Stra\u00dfe hin abschlie\u00dft.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 308-310.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Marienstra\u00dfe im Ortsteil Schweinheim beginnt an der Kreuzung Rosen-\/Molkenbornstra\u00dfe. Die leicht absch\u00fcssige Stra\u00dfe verl\u00e4uft in nords\u00fcdlicher Richtung durch die Ortsmitte an der kath. 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