{"id":4218,"date":"2022-03-28T09:35:41","date_gmt":"2022-03-28T07:35:41","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4218"},"modified":"2022-03-28T09:35:41","modified_gmt":"2022-03-28T07:35:41","slug":"kleine-schoenbuschallee","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/kleine-schoenbuschallee\/","title":{"rendered":"Kleine Sch\u00f6nbuschallee"},"content":{"rendered":"<p>Die sog. Kleine Sch\u00f6nbuschallee ist ein gerader von der Mainbr\u00fccke (Willigisbr\u00fccke) zum Landschaftspark Sch\u00f6nbusch f\u00fchrender, von B\u00e4umen ges\u00e4umter Gehweg. Ende des 18. Jh. gabelten sich am westlichen Ende der Mainbr\u00fccke drei Wege: links die Stra\u00dfe \u00fcber Nilkheim nach Gro\u00dfostheim, geradeaus der heute \u201eKleine Sch\u00f6nbuschallee\u201c genannte Weg zum Landschaftspark und rechts die Stra\u00dfe nach Darmstadt, fr\u00fcher als \u201eDarmst\u00e4dter Chaussee\u201c oder \u201eGro\u00dfe Sch\u00f6nbuschallee\u201c bezeichnet. 1774 wurde die Kleine Sch\u00f6nbuschallee erstmals auf einem Plan eingezeichnet. Sie wurde 1775 mit Maulbeerb\u00e4umen, 1843 mit Pappeln und seit 1859\/60 mit Robinien und Linden bepflanzt. Kurz vor Erreichen des Parks in westlicher Richtung befindet sich auf der linken Seite das Denkmal des Johann Walter von Kerpen, Ritter des Johanniterordens, der an dieser Stelle 1627 erschossen wurde.<\/p>\n<p>Das kurz vor dem Ende der Kleinen Sch\u00f6nbuschallee auf der linken Seite zwischen zwei Linden stehende Gedenkkreuz erinnert an den hier 1627 heimt\u00fcckisch erschossenen Ritter des Johanniterordens Johann Walter von Kerpen. Der kr\u00e4ftige Unterbau ist aus unregelm\u00e4\u00dfigen Steinen gemauert. Auf einer profilierten Deckplatte aus Sandstein erhebt sich ein 3,4 m hohes Steinkreuz mit Kruzifix. Links neben dem Kreuz kniet die lebensgro\u00dfe Figur des Ritters in Gebetspose. Auf der rechten Seite sind der abgelegte Helm und Handschuhe dargestellt. Auf der Vorderseite des Sockels befinden sich zwei profilierte Inschriftentafeln, auf denen das Ungl\u00fcck geschildert wird. Das Denkmal stammte m\u00f6glicherweise von Zacharias Juncker d. \u00c4. und wurde 1628 gefertigt. Es wurde bereits 1778 von Maurer Brenner teilweise erneuert und versetzt. Auf Anweisung K\u00f6nig Ludwig I. von Bayern wurde es 1844 restauriert. Figur und Kruzifix sind 1931 von Otto Gentil durch Kopien ersetzt worden.<\/p>\n<p><strong>Kleine Sch\u00f6nbuschallee 1\/ Im Sch\u00f6nbusch\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Der Landschaftspark Sch\u00f6nbusch, gegen\u00fcber der Stadt in dem weiten Mainbogen gelegen, entwickelte sich aus einem kurf\u00fcrstlichen Jagdrevier, dem \u201eNilkheimer W\u00e4ldchen\u201c. Dieses wurde 1731 mit einem Graben eingefasst und darin ein \u201eJagdhaus\u201c f\u00fcr den Kurf\u00fcrsten errichtet. Der Jagdliebhaber Friedrich Carl Joseph von Erthal lie\u00df das W\u00e4ldchen durch Zukauf umliegender Grundst\u00fccke etwa um ein Viertel vergr\u00f6\u00dfern und 1774 eine \u201eM\u00e9nagerie\u201c einrichten. Erste Umgestaltungsma\u00dfnahmen wurden unter Aufsicht und nach Pl\u00e4nen des kurf\u00fcrstlichen Baudirektors Hauptmann Jakob Josef Schneider vorgenommen. Dabei wurde der Welzbach in das W\u00e4ldchen umgeleitet und die alten Jagdschneisen beseitigt. Ein 1774 von dem in Portugal geborenen und in Paris ausgebildeten Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen angefertigter Plan zeigt die ersten Ver\u00e4nderungen im Nilkheimer W\u00e4ldchen: ein vergr\u00f6\u00dfertes, von einem Graben und Palisadenzaun umgebenes Jagdrevier mit Jagdhaus, Nebengeb\u00e4uden und kleinem Nutzgarten. Vom Jagdhaus verlief Richtung Osten eine kleine Allee, bei der es sich um die sp\u00e4tere Kleine Sch\u00f6nbuschallee handelt. Durch den umgeleiteten Welzbach waren Teiche zur Fischzucht entstanden. Auf einem weiteren, nicht signierten Plan aus dem Jahr 1775 ist innerhalb des Palisadenzauns ein sich schl\u00e4ngelnder Rundweg zu sehen. Dieser als \u201ebelt walk\u201c bezeichnete Weg ist ein Motiv des neuen englischen Gartenstils. Nach diesen ersten Arbeiten zur Umgestaltung des Wildparks \u00fcbernahm 1775 der Mainzer Staatsminister Wilhelm Friedrich Graf von Sickingen (1739\u20131818) die Leitung der Umgestaltung. Sickingen war es auch, der den Architekten Emanuel Joseph von Herigoyen mit nach Aschaffenburg brachte, wo er neben anderen Projekten die Umgestaltung des Parks Sch\u00f6nbusch \u00fcbernahm. Herigoyen war in erster Linie f\u00fcr die Errichtung der Bauwerke zust\u00e4ndig, die Ideen zur Umgestaltung des Parks \u00fcbernahm er von Sickingen. Schriftliche \u00dcberlieferungen aus dem Jahr 1776 nennen zum ersten Mal die \u201eneue Anlage im Sch\u00f6nbusch\u201c, weshalb dieses Jahr auch als Beginn der Umgestaltung des Wildparks in einen Landschaftsgarten angesehen wird. Die Umgestaltungsma\u00dfnahmen der ersten Phase, also die Anlage eines Rundweges mit Ausblicken sowie k\u00fcnstliche, Natur imitierende Berge und Seen sind Motive des englischen Gartenstils, die in Aschaffenburg als erste in S\u00fcddeutschland umgesetzt wurden. Die gerade angelegten Alleen hingegen waren noch Elemente der franz\u00f6sischen Gartenkunst.<\/p>\n<p>Wilhelm von Sickingen schied 1782 als kurf\u00fcrstlich-mainzischer Minister aus dem Amt. Aus einer schriftlichen Quelle aus dem Jahr 1785 geht hervor, dass der Schwetzinger Hofg\u00e4rtner Friedrich Ludwig Sckell (1750\u20131823) Anweisungen f\u00fcr die Arbeiten im Sch\u00f6nbusch gegeben hat. Es ist aber anzunehmen, dass er schon in den Jahren davor entscheidend an der Umgestaltung des Parks beteiligt gewesen war. Unter Sckell erfolgte die Auflockerung des ehem. W\u00e4ldchens in einen Park mit gro\u00dfz\u00fcgigen Wasser- und Wiesenfl\u00e4chen sowie verschiedenen Baumgruppen und repr\u00e4sentativen Einzelb\u00e4umen. 1783 wurde eine Gartenordnung erlassen, in der die Nutzung des Gartens, der nicht ausschlie\u00dflich der Hofgesellschaft vorbehalten war, sondern von der \u00d6ffentlichkeit genutzt werden konnte, geregelt war. Mit Erlass dieser Parkordnung endete die erste Phase der Umgestaltung. Ein weiterer, von Herigoyen gezeichneter Plan von 1788 zeigt die Forstschritte der Umgestaltung des Parks: das im Rohbau fertiggestellte Schloss, die Wirtschaftsgeb\u00e4ude sowie eine Dreiergruppe von H\u00e4usern, die sp\u00e4ter als \u201eWacht\u201c bezeichnet wurden. Des Weiteren sind das zwischen 1785 und 1787 erbaute Philosophenhaus und der 1786\u201389 errichtete Freundschaftstempel im Bereich westlich des Kanals auf dem Plan zu erkennen. Die das \u201eD\u00f6rfchen\u201c bildenden Bauernh\u00e4user wurden zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt in den Plan eingezeichnet. S\u00fcdlich des Wirtschaftsgeb\u00e4udes ist der Grundriss des seit 1787 im Bau befindlichen Speisesaals, der in der Legende als \u201eGesellschafts- und Festsaal\u201c beschrieben ist, festgehalten. Daneben sind weitere Geb\u00e4ude zu sehen, die mit \u201eSpeisesaal, B\u00fcro und K\u00fcchen, und Gew\u00e4chshaus\u201c bezeichnet sind.<\/p>\n<p>Am Fu\u00dfe der \u201eBerge\u201c am Unteren See ist das wohl 1781 entstandene Fischerh\u00e4uschen eingetragen. 1788 wurde die h\u00f6lzerne Br\u00fccke zwischen den beiden westlichen \u201eBergen\u201c neu errichtet. Sp\u00e4ter folgten noch der Aussichtsturm und die \u201eRote Br\u00fccke\u201c (1789\/90), 1796 das \u201eSalettchen\u201c am Rande des D\u00f6rfchens und 1801\/02 der Tanzsaal neben dem Wirtschaftsgeb\u00e4ude. Demnach war die Mehrzahl der Bauten bis 1788 fertig, das g\u00e4rtnerische Konzept hingegen war noch nicht vollst\u00e4ndig umgesetzt. Der Sch\u00f6nbusch blieb wesentlich geschlossener, als urspr\u00fcnglich beabsichtigt. Nach der Franz\u00f6sischen Revolution 1789 und der darauf folgenden Besetzung der Stadt durch franz\u00f6sische Truppen kam die Umgestaltung des Parks Sch\u00f6nbusch zum Stillstand und er verwilderte zum Teil wieder. Unter Erthals Nachfolger, Carl Theodor von Dalberg, wurde der Park Sch\u00f6nbusch nicht wesentlich ver\u00e4ndert. Nachdem Aschaffenburg 1814 zum K\u00f6nigreich Bayern kam, wurde der Park k\u00f6niglicher Hofgarten. Max I. Joseph von Bayern bestimmte, dass dieser \u201egut erhalten werde\u201c. Seitdem wurde nicht mehr an der weiteren Ausgestaltung des Parks gearbeitet, sondern vor allem in seine Erhaltung und Pflege investiert. Der fr\u00fchere Hofg\u00e4rtner Franz Ludwig Bode f\u00fchrte die Anweisungen Sckells zur Parkpflege aus. Im 19. und 20. Jh. wurden nur wenige Bauten neu errichtet. Unter anderem wurde 1801\/02 der Tanzsaal gebaut, noch vor 1829 wurde der Irrgarten in der N\u00e4he des Speisesaals angelegt, hinter dem Wirtschaftsgeb\u00e4ude entstanden eine Wageremise und ein Stall. 1870 wurde der Aussichtsturm in Backstein erneuert und die h\u00f6lzerne Br\u00fccke durch eine Eisenbr\u00fccke ersetzt. Als 1918 der Freistaat Bayern das K\u00f6nigreich abl\u00f6ste, gelangte der Park in Staatsbesitz und wird seither von der Bayerischen Schl\u00f6sserverwaltung betreut. Unter deren Leitung sind die Bauten des Parks in den Jahren 1930\u201332 sowie in den 1950er Jahren umfassend restauriert worden. Das Schloss wurde u. a. in den Jahren 1964\u20131969 und 1981\u20131991 restauriert.<\/p>\n<p><strong>Siebolddenkmal<\/strong><\/p>\n<p>K\u00f6nig Ludwig II. von Bayern veranlasste die Errichtung des Denkmals f\u00fcr den Hofg\u00e4rtner und Botaniker Christian Heinrich Siebold (1806\u20131876). Dieser war 31 Jahre im Sch\u00f6nbusch t\u00e4tig. Die Marmorb\u00fcste wurde von Bildhauer Michael Wagm\u00fcller geschaffen und am 6. Juni 1880 feierlich enth\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong>Ruhebank<\/strong><\/p>\n<p>Die am Ufer des Sees befindliche Staffage aus einer Sandsteinbank mit hoher, mit Lorbeergirlande und einem Blumenaufsatz verzierter R\u00fcckwand wurde 1787 von Steinmetz S\u00fc\u00df und Bildhauer Hennemann gefertigt.<\/p>\n<p><strong>Aussichtsturm<\/strong><\/p>\n<p>Der Aussichtsturm entstand in den Jahren 1789\/90 nach Pl\u00e4nen von Herigoyen als Fachwerkkonstruktion mit Backsteinen als Ausmauerung. Weil dieser Fachwerkturm 1867 bauf\u00e4llig war, wurde er durch den heutigen, ganz aus Ziegeln gefertigten Bau ersetzt. Der neue Turm gleicht dem alten in Gr\u00f6\u00dfe und Form, die alte Wendeltreppe aus Holz wurde wieder verwendet. Mitte des 20. Jh. wurde allerdings die urspr\u00fcngliche Zinnenbr\u00fcstung durch ein eisernes Gel\u00e4nder ersetzt.<\/p>\n<p><strong>Teufelsbr\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Als \u201eTeufelsbr\u00fccke\u201c wird die 1788 zwischen den beiden H\u00fcgeln errichtete Br\u00fccke bezeichnet. Ihren Namen f\u00fchrt sie nach dem gro\u00dfen Vorbild auf dem St. Gotthard. Die erste Variante mit einer Spannweite von 20 m war aus Holz gefertigt und wurde 1897 durch eine Eisenbr\u00fccke ersetzt, welche wiederum 1985 durch eine aus Stahl ausgetauscht wurde. Die wei\u00df gestrichene Br\u00fccke ist ein beliebtes Motiv englischer G\u00e4rten.<\/p>\n<p><strong>Rote Br\u00fccke<\/strong><\/p>\n<p>Die dreijochige, aus roten Sandsteinquadern errichtete, sog. \u201eRote Br\u00fccke\u201c nach Vorlage von Jean-Fran\u00e7ois de Neufforge wurde 1789\/90 nach einer Zeichnung des kurmainzischen Baudirektors Jakob Josef Schneider von Herigoyen f\u00fcr die Darmst\u00e4dter Chaussee errichtet und 1934 um einige Meter nach S\u00fcden an ihren heutigen Standort versetzt. An den Enden der Br\u00fccke sitzen jeweils zwei Sphingen, die von dem Mainzer Bildhauer Johann Sebastian Pfaff geschaffen wurden. Die Br\u00fccke erf\u00fcllt neben dem Zweck der Querung des Sees auch den des dekorativen Blickfangs im Park. Wiederum von der Br\u00fccke aus bietet sich dem Besucher ein weiter Blick \u00fcber den See.<\/p>\n<p><strong>Fischerh\u00e4uschen<\/strong><\/p>\n<p>Das als \u201eFischerh\u00e4uschen\u201c erstmals 1788 in Baurechnungen auftauchende kleine Geb\u00e4ude wurde in Herigoyens Werkliste als \u201ekleines Wachth\u00e4uschen am See\u201c bezeichnet. Der kleine Bau hat eine T\u00fcr, daneben zwei kleine Fenster und ist mit einem schiefergedeckten Satteldach abgeschlossen. Direkt bei dem Fischerh\u00e4uschen befindet sich die Drehbr\u00fccke, deren eine H\u00e4lfte auf einem Drehgestell quer gestellt werden konnte, wodurch erm\u00f6glicht wurde, den Fu\u00dfweg zur Insel zu unterbrechen und zu Wasser eine schmale Passage f\u00fcr die Gondeln zu \u00f6ffnen. Die Drehbr\u00fccke entstand wohl erst am Beginn des 19. Jh.<\/p>\n<p><strong>Wacht<\/strong><\/p>\n<p>Eine Geb\u00e4udegruppe aus einem ehemals strohgedeckten \u201eHirtenhaus\u201c, einer \u201eScheune\u201c und einem (erneuerten) Fachwerkh\u00e4uschen bildet die sog. \u201eWacht\u201c. Es handelt sich um Staffagebauten, die zusammen mit weidendem Vieh ein Bild l\u00e4ndlicher Idylle darstellen sollten. Zun\u00e4chst wurde 1784 das Hirtenh\u00e4uschen errichtet, bis 1788 kamen die beiden anderen Geb\u00e4ude hinzu. Das Hirtenh\u00e4uschen musste in Folge eines Brandes 1789 neu gebaut werden. Als \u201eWacht\u201c werden die Geb\u00e4ude seit dem fr\u00fchen 19. Jh. bezeichnet, als die den Park bewachenden Invaliden hier untergebracht waren.<\/p>\n<p><strong>Salettchen<\/strong><\/p>\n<p>Das als \u201eSalettchen\u201c bezeichnete kleine H\u00e4uschen am Waldrand entstand 1796 und diente dem Kurf\u00fcrsten als kleiner Speisesaal. Der Bau wurde nach Pl\u00e4nen von Herigoyen von Steinmetz Mang ausgef\u00fchrt. Der Satteldachbau erhebt sich auf fast quadratischem Grundriss und hat einen Dreiecksgiebel mit einem runden Fenster im Giebelfeld. Die Eingangst\u00fcr liegt um vier Stufen erh\u00f6ht. Zwei Fenster je Seite erhellen den kleinen Saal mit Muldengew\u00f6lbe. Die W\u00e4nde sind mit einer dekorativen Bemalung gestaltet.<\/p>\n<p><strong>D\u00f6rfchen<\/strong><\/p>\n<p>Vier einst\u00f6ckige kleine Bauernh\u00e4uschen, die von Herigoyen 1788\/89 errichtet wurden, bilden das sog. \u201eD\u00f6rfchen\u201c und erzeugen in ihrer unregelm\u00e4\u00dfigen Anordnung gemeinsam mit dem Ziehbrunnen und einem Vogelhaus sowie den umliegenden Viehweiden eine malerische Landschaftsszene mitten im Park. Die d\u00f6rflich anmutende H\u00e4usergruppe spiegelt das Naturideal des franz\u00f6sischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau und dessen formulierte Sehnsucht nach der Einfachheit des Landlebens wider. Bis 1830 dienten die kleinen H\u00e4uschen dem Dienstpersonal als Wohnungen.<\/p>\n<p><strong>Wirtschaftsgeb\u00e4ude<\/strong><\/p>\n<p>Das Wirtschaftsgeb\u00e4ude wurde zwischen 1781 und 1783 von Maurermeister Johann Streiter nach Pl\u00e4nen von Emanuel Joseph von Herigoyen als Parkwirtschaft und G\u00e4rtnerwohnung errichtet. Das langgestreckte, zweigeschossige Geb\u00e4ude mit \u00fcbergiebeltem Mittelrisalit und zwei Eckrisaliten war zun\u00e4chst an der Vorderfront durchgehend nur zweigeschossig und der Trakt zwischen den Eckrisaliten auf der R\u00fcckseite nur eingeschossig mit einem Pultdach. 1877\/78 wurden die Geschosse angeglichen. Dabei wurde der Mittelrisalit um ein 3. Geschoss erh\u00f6ht und mit einem Dreiecksgiebel versehen. Zwischen den Geschossen verl\u00e4uft im Bereich der Risalite ein verkr\u00f6pftes Gesims. Das Traufgesims ist mehrfach profiliert und kragt vor. Jeweils drei Fensterachsen gliedern die Zwischentrakte, nur eine die Risalite. Die Fenster des Erdgeschosses weisen eine tiefe Br\u00fcstung auf bzw. sind im Bereich der Risalite als Fenstert\u00fcren ausgebildet. Die Obergeschossfenster haben quadratische Formate. Bei dem Plan hat sich Herigoyen an einem 1780 ver\u00f6ffentlichten Entwurf von Jean-Fran\u00e7ois de Neufforge (1714\u20131791) orientiert und damit einen Bau im zeitgen\u00f6ssischen klassizistischen Stil entworfen.<\/p>\n<p><strong>Philosophenhaus<\/strong><\/p>\n<p>Beim Bau des Philosophenhauses orientierte sich Herigoyen an dem Motiv der barocken Eremitage. Es entstand zwischen 1785 und 1787 als St\u00e4tte der Einsamkeit und des besinnlichen Nachdenkens. Das quadratische Geb\u00e4ude hat an allen vier Seiten einen leicht vorspringenden, durch B\u00e4nderrustika gekennzeichneten Risalit mit Dreiecksgiebel. In einem davon befindet sich die Eingangst\u00fcr, daneben liegen schmale Fenster, durch die der Innenraum nur schwach erhellt wird. Im Innern befinden sich Stuckreliefs und eine \u00fcberlebensgro\u00dfe Skulptur, gefertigt von dem Bildhauer Philipp Sommer.<\/p>\n<p><strong>Freundschaftstempel<\/strong><\/p>\n<p>Diese als Freundschaftstempel bezeichnete Miniaturausgabe des r\u00f6mischen Pantheons wurde zwischen 1786 und 1789 errichtet. Herigoyen griff damit eine 1719 erstmals in England realisierte Form einer Parkstaffage auf. Der kubische, wei\u00df verputzte Steinbau mit achteckigem Tambour und Kuppel besitzt eine S\u00e4ulenportikus mit Dreiecksgiebel, in dessen Tympanon ein Dreigesicht mit Krone darstellt ist. \u00dcber dem von zwei Steinb\u00e4nken flankierten Eingang steht die Inschrift \u201eDER FREUNDSCHAFT\u201c. In dem achteckigen Innenraum sind in den Nischen der Diagonalw\u00e4nde vier wei\u00df gefasste Holzskulpturen aufgestellt, die sich jeweils auf das Thema Freundschaft beziehen. An den W\u00e4nden dazwischen befinden sich Gipsreliefs, die mit klassizistischen Stuckarbeiten gerahmt sind. Die achteckige Kuppel ist ebenfalls mit Stuck auf hellblauem Grund gestaltet. Im Fu\u00dfboden wechseln sich wei\u00dfe und rote Sandsteinplatten ab.<\/p>\n<p><strong>Tanzsaal<\/strong><\/p>\n<p>Der Tanzsaal entstand 1801\/02 als Speise- und Veranstaltungsraum. Diese Funktion erf\u00fcllt er bis heute. Der verputzte Fachwerkbau erhebt sich auf rechteckigem Grundriss mit abgeschr\u00e4gten Kanten und \u00fcbergiebelten Anbauten an den Schmalseiten. Das Geb\u00e4ude ist mit zehn rundbogigen Fenstert\u00fcren versehen. Die Fassaden sind ohne Dekor glatt verputzt. Im Innern besteht das Geb\u00e4ude aus einem einzigen ovalen Raum mit Spiegelgew\u00f6lbe und Wandmalereien. Restauriert wurde der Tanzsaal 1932, 1947 und 1988. Die Fassade wurde zuletzt im Jahr 2004 saniert.<\/p>\n<p><strong>Speisesaal<\/strong><\/p>\n<p>Der Speisesaal wurde nach einer Vorlage von Robert Morris (von 1751) 1787\u201389 als Gesellschafts- und Festsaal errichtet und ersetzte einen Vorg\u00e4ngerbau aus Holz. Das Geb\u00e4ude umfasst einen einzigen Saal und wurde auf einem originellen Grundriss, einem Quadrat mit vier Konchen mit je drei Fenstert\u00fcren, errichtet. Den Konchen sind jeweils halbrunde Treppenpodeste vorgelagert. Das Geb\u00e4ude ist mit einem Pyramidendach abgeschlossen. Darauf ist, wie auf den Ecken des Dachgesimses, eine Urne gestellt. Der Eingang befindet sich auf der zum Unteren See gerichteten Seite, dar\u00fcber das Wappen des Bauherrn Friedrich Carl von Erthal. Im Innern des Speisesaals sind die Ecken des Grundrissquadrates zu flachen Nischen ausgebildet. Diese sind, ebenso wie die Kuppeln, mit Landschaftsmalerei ausgestaltet. Die Ausmalung stammt von Edmund Seeland. Sie hat im Laufe der Zeit stark unter Feuchtigkeitssch\u00e4den gelitten und wurde mehrfach ausgebessert und \u00fcbermalt. Der Boden ist abwechselnd mit wei\u00dfen und roten Sandsteinplatten ausgelegt.<\/p>\n<p><strong>Schloss Sch\u00f6nbusch<\/strong><\/p>\n<p>Das Schloss Sch\u00f6nbusch wurde auf einem Landstreifen zwischen Oberem und Unterem See in einer Sichtachse zum Schloss Johannisburg errichtet. Es war im Rohbau 1778\/79 fast fertiggestellt. Der Innenausbau mit Ausstattung erfolgte dann bis 1788. Der zweieinhalbgeschossige Repr\u00e4sentationsbau erhebt sich mit sieben zu vier Achsen auf rechteckigem Grundriss. Auf der Ostseite springen die mittleren drei Achsen in Form eines Mittelrisalits mit Treppenpodest leicht vor. Die Fenster des Erdgeschosses sind im Stil eines Gartenpalais als gro\u00dfe Fenstert\u00fcren ausgebildet und im Bereich des Risalits rundbogig abgeschlossen. Dahinter liegen die Vorhalle und im 1. Stock der Saal, der nach au\u00dfen mit drei Fenstern und Balkon gekennzeichnet ist. Die \u00fcbrigen Obergeschossfenster sind mit einem geraden Sturz und Konsolen unter den Sohlb\u00e4nken versehen. Im Mezzaningeschoss befinden sich flache Fenster. Dar\u00fcber folgt eine Attikabalustrade mit Vasen, die das flache Walmdach fast v\u00f6llig verdeckt. Im Bereich des Risalits ist die Attika mit einem Relief versehen, welches eine antike Opferszene darstellt. Dar\u00fcber befindet sich ein bekr\u00e4nztes Medaillon mit den Initialen des Bauherrn \u201eFC\u201c f\u00fcr Friedrich Carl Joseph von Erthal (reg. 1774\u2013 1802). Das Schloss Sch\u00f6nbusch ist inspiriert von der Plansammlung mit Entw\u00fcrfen zu einem Stadtpalais von Jean-Fran\u00e7ois de Neufforge (1714\u20131791).<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 270-276.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die sog. 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