{"id":4207,"date":"2022-03-28T09:43:36","date_gmt":"2022-03-28T07:43:36","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4207"},"modified":"2022-03-28T09:43:36","modified_gmt":"2022-03-28T07:43:36","slug":"grossostheimer-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/grossostheimer-strasse\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfostheimer Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die Gro\u00dfostheimer Stra\u00dfe f\u00fchrt auf der linken Mainseite in s\u00fcdwestlicher Richtung aus der Stadt heraus. Entlang der gerade verlaufenden Stra\u00dfe hat sich in j\u00fcngerer Vergangenheit vor allem kleines Gewerbe angesiedelt. Wohnbebauung gibt es kaum. Die Stra\u00dfe f\u00fchrt parallel den Main entlang, vorbei am Nilkheimer Park und Nilkheimer Hofgut bis in den namensgebenden Ort Gro\u00dfostheim. Die Stra\u00dfe war der alte Wallfahrtsweg zur Kreuzkapelle Gro\u00dfostheim, an dem sich die Sieben Fu\u00dff\u00e4lle erhalten haben. Das Denkmal am Beginn der Sch\u00f6nbuschallee erinnert an Pater Bernhard von Trier, der zwischen 1624 und 1627 sowie von 1631 bis 1634 Guardian des Kapuzinerklosters in Aschaffenburg war. Im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg sollte er im November 1631 den schwedischen K\u00f6nig Gustav II. Adolf (1594\u20131632) davon abhalten, die Stadt mit seinen Truppen zu st\u00fcrmen. Pater Bernhard bot dem K\u00f6nig die Schl\u00fcssel der Stadt als Zeichen der Kapitulation. Der Erz\u00e4hlung nach brachte der Mut des M\u00f6nchs den K\u00f6nig dazu, die Stadt nicht einzunehmen. Der dreiteilige Muschelkalkblock zeigt im oberen Teil das Brustrelief von Pater Bernhard mit den Stadtschl\u00fcsseln in der Hand. Darunter ist die Inschrift \u201eZum dankbaren Gedenken an \/ P. BERNHARD v. TRIER \/ Guardian des Kapuziner- \/ klosters den F\u00fcrsprecher der \/ Stadt Aschaffenburg vor dem \/ Schwedenk\u00f6nig Gustav Adolf \/ am Abend des 23. November \/ 1631\u201c zu lesen. Angefertigt wurde das Denkmal von Otto Gentil. Die Aufstellung erfolgte zum 300-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um 1931 am Ort des Geschehens.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfostheimer Stra\u00dfe 170<\/strong><\/p>\n<p>Die Urspr\u00fcnge der direkt an der Staatsstra\u00dfe 3115 nach Gro\u00dfostheim gelegenen barocken kath. Kapelle St. Kilian reichen vermutlich in das 8. und 9. Jh. zur\u00fcck. Au\u00dferdem existieren Urkunden, die \u00fcber eine Nilkheimer Pfarrei im 13. Jh. berichten. Nachdem die Kapelle im Markgr\u00e4flerkrieg ruiniert worden war, wurde sie 1596 abgetragen. Sie war seit 1552 der Pfarrei Unserer Lieben Frau zu Aschaffenburg untergestellt, weil das Dorf Nilkheim nach den Markgrafenkriegen gr\u00f6\u00dftenteils zerst\u00f6rt und nach dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg nur das kurmainzische Hofgut \u00fcbrig geblieben war. Dessen P\u00e4chter und sp\u00e4tere Besitzer waren es, die sich des Erhalts des Kirchenstandortes annahmen. 1661 stifteten die damaligen P\u00e4chter des Hofgutes Johann Jacob Morhard und seine Frau Maria Martha eine neue Kapelle. Die jetzige Kapelle wurde wohl von den Nachkommen der Morhards 1720 errichtet. Ende des 19. Jh. lie\u00df Dr. Philipp Victor Pauli (1836\u20131890, Besitzer des Nilkheimer Hofes) die Kapelle restaurieren und 1895 neu weihen. Der kleine Saalbau steht mit der Giebelseite und dem Portal zur Stra\u00dfe und ist mit einem au\u00dfen polygonalen, leicht eingezogenen Chor geschlossen. Auf der s\u00fcdwestlichen Seite befindet sich ein kleiner quadratischer Sakristeianbau. Das Portal der Kapelle ist mit einem profilierten Gew\u00e4nde mit Ohrung versehen, dar\u00fcber befindet sich ein gesprengter Giebel, zwischen dessen Schenkeln eine Nische in das Mauerwerk eingearbeitet ist, die die Figur des hl. Kilian enth\u00e4lt. \u00dcber dem Sturz des Portals steht die Jahreszahl 1720. Der kleine Dachreiter mit Zwiebelhaube wurde einer Inschrift auf einer Glocke zufolge wohl erst 1782 aufgesetzt. Das Langhaus ist mit einer Flachtonne abgeschlossen, deren Quergurte es in drei Joche teilen. Der Chor ist halbrund und mit einer mit fig\u00fcrlichen Motiven stuckierten Halbkuppel abgeschlossen. Der Barockaltar mit zwei S\u00e4ulen tr\u00e4gt ein Altarbild in halbrund geschlossenem Rahmen mit der Darstellung des hl. Kilian und seiner Begleiter. In die Inschrift des Bildes ist ein Chronostichon integriert, das den Altar in das Jahr 1731 datiert. Das als eine Art Antependium gestaltete Gem\u00e4lde Christi im Grab wurde 1947 von dem Aschaffenburger Maler Heinrich Heilos geschaffen. In der stuckierten Halbkuppel sind eine Gloriole mit dem Signet \u201eIHS\u201c \u2013 da die Jesuiten lange Zeit Seelsorge in Nilkheim betrieben \u2013 und die sternenbekr\u00f6nte Muttergottes umgeben von Engeln dargestellt. An der Fassade der Kapelle sind zwei Grabsteine angebracht: einer f\u00fcr Maria Martha Morhard, gest. 1725, und einer f\u00fcr Matheus Morhard, gest. 1777, Mitglieder der Stifterfamilie.<\/p>\n<p>An der Nordwestseite der Kilianskapelle steht auf einem vasenf\u00f6rmigen Postament eine aus rotem Sandstein gefertigte Muttergottesfigur. Das Postament ist mit einer mehrfach profilierten Platte abgeschlossen. Auf der Vorderseite befindet sich eine erhabene Kartusche mit einer Inschrift. Darunter sind die Namen Matheus Morhard und Maria Morhard mit der Jahreszahl 1754 eingemei\u00dfelt. Die Familie Morhard stammte aus Gro\u00dfostheim und war in vier Geschlechterfolgen Erbbest\u00e4nder des Nilkheimer Hofes. Matheus und seine Frau stifteten die Marienfigur, deren urspr\u00fcnglicher Aufstellungsort nicht bekannt ist. Sie wurde Ende des 19. Jh. bei den Restaurierungsarbeiten aus dem Bodenschutt im Innern der Kapelle geborgen. M\u00f6glicherweise ist sie Teil einer Kreuzigungsgruppe mit den Assistenzfiguren Maria und Johannes gewesen.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfostheimer Stra\u00dfe 199 \u2013 Nilkheimer Park<\/strong><\/p>\n<p>Das urspr\u00fcnglich als Obsthain geplante Gel\u00e4nde wurde unter dem Landwirt Freiherr Carl Constantin Victor von Mergenbaum, der seit 1811 Erbp\u00e4chter des Hofgutes war, bis zu seinem Tod 1845 in einen Park umgestaltet. Zu den Einrichtungen im Park geh\u00f6rt ein klassizistischer Pavillon auf einer Terrasse in der Form eines griechischen Amphiprostylos mit zwei S\u00e4ulenvorhallen. Die S\u00e4ulen aus rotem Sandstein mit ionischen Kapitellen st\u00fctzen ein flaches Walmdach. Der quadratische Innenraum besitzt je zwei Doppelt\u00fcren an allen Seiten. Er wird wegen der Verspiegelung der abgeschr\u00e4gten Ecken und der Wandpfeiler auch als Spiegelsaal bezeichnet. Bis heute ist nicht ganz gekl\u00e4rt, wann dieser Pavillon errichtet wurde. Er k\u00f6nnte bereits 1783 unter der Federf\u00fchrung von Herigoyen entstanden sein oder erst einige Jahrzehnte sp\u00e4ter w\u00e4hrend der Umgestaltung des Parks unter Mergenbaum. Schr\u00e4g zum Pavillion steht ein kleiner, au\u00dfen v\u00f6llig schmuckloser Walmdachbau, der sog. Billardsaal. Er war urspr\u00fcnglich innen im Stil einer gotischen Kapelle ausgemalt und verf\u00fcgte \u00fcber einen (heute verf\u00fcllten) Keller, der wohl zur Lagerung von Getr\u00e4nken gedient haben mag. In der Achse des den Park gerade durchquerenden Weges steht ein kleiner Rundtempel, ein Monopteros mit acht toskanischen S\u00e4ulen aus rotem Sandstein mit phantasievollen Kapitellen und flacher Kuppel. Dieser wird der Zeit der Parkgestaltung unter Mergenbaum zugeschrieben. Zur weiteren Ausstattung des Parks geh\u00f6ren eine Hermenstatue eines b\u00e4rtigen Mannes mit Umhang, zwei Pfosten einer Schaukel mit geschmiedeter Traverse (hierbei k\u00f6nnte es sich um die ehemals im Park Sch\u00f6nbusch gestandene transferierte Schaukel handeln), ein Steinbrunnen und eine an die Parkmauer angebaute Kegelbahn. Zwei steinerne L\u00f6wen sind Reste des von Johann Jakob Hofmann 1907 geschaffenen Siegfried-Denkmals. Die Sphinx wurde von der Bildhauerin Luise Terletzky-Scherf geschaffen und zwischen 1965 und 1974 im Park aufgestellt.<\/p>\n<p>Im \u00f6stlichen Teil des Parks wurde im Rahmen einer Neugestaltung in den 1960er Jahren eine in Stockstadt ausgegrabene r\u00f6mische Ruine \u00fcbertragen. Am \u00f6stlichen Ende des Mittelwegs steht ein Obelisk aus rotem Sandstein. Auf den vier Seitenfl\u00e4chen stellen Reliefs griechische G\u00f6tter dar, die allegorisch auf die vier Tageszeiten bzw. die vier Himmelsrichtungen verweisen. Der Obelisk ist mit einer Kugel bekr\u00f6nt, auf der sich eine Wetterfahne in Gestalt des Chronos dreht. Die Fundamente des Obelisken wurden 1819 ergegraben. Er l\u00e4sst sich stilistisch allerdings noch Herigoyen zuschreiben, daher ist nicht auszuschlie\u00dfen, dass es sich evtl. um den um 1788 am Oberen See im Sch\u00f6nbusch befindlichen Obelisken handelt, der im 19. Jh. in den Nilkheimer Park gelangte.<\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfostheimer Stra\u00dfe 201 \u2013 Nilkheimer Hof<\/strong><\/p>\n<p>Ab 1782 lie\u00df Kurf\u00fcrst Friedrich Carl Joseph von Erthal das Hofgut nach Pl\u00e4nen von Emanuel Joseph von Herigoyen erbauen. Der dreifl\u00fcgelige \u00d6konomiehof diente als Mustergut zur Ausbildung junger Landwirte. In dem Gut wurde Versuchs-Viehzucht betrieben. Zu dem Anwesen geh\u00f6rten ausgedehnte Felder und Wiesen sowie eine gro\u00dfe Obstbaumschule und eine Bienenzucht. Gleichzeitig befanden sich in den Geb\u00e4uden Wohnungen f\u00fcr die jungen \u00d6konomen. 1811 wurde das Hofgut unter F\u00fcrstprimas Carl Theodor von Dalberg an den damaligen P\u00e4chter Carl Constantin Victor von Mergenbaum verkauft. Der Erl\u00f6s des Verkaufs wurde f\u00fcr den Bau des neuen Theaters verwendet. Mergenbaum lie\u00df das Gut weiter ausbauen und richtete ein Gasthaus, eine Branntweinbrennerei, eine Bierbrauerei und eine Essigsiederei ein. Neben dem Ausbau des Hofgutes ist ihm vor allem die Anlage des Parks zu verdanken. Ehem. Hofgut und Park, die zwischen 1950 und 1965 von der Schl\u00f6sserverwaltung betreut wurden, werden seither von der Stadt Aschaffenburg unterhalten und dienen als Sitz des st\u00e4dtischen Garten- und Friedhofsamtes. Das langgestreckte, eingeschossige ehem. Wohngeb\u00e4ude bildet den n\u00f6rdlichen Fl\u00fcgel. Es ist mit einem Halbwalmdach abgeschlossen. Auf der Giebelseite befinden sich drei relativ gro\u00dfe Erdgeschossfenster und im Obergeschoss ein Fenster im Palladio-Motiv. Dem zum Hof gerichteten Eingang ist eine Portikus mit zwei toskanischen S\u00e4ulen vorgestellt. Im Giebelfeld ist eine kleine Krone dargestellt. An der \u00f6stlichen Stirnseite der Hofanlage steht eine aus Bruchsteinmauerwerk errichtete Scheune mit steilem Satteldach und zwei Einfahrtstoren. Den dritten Fl\u00fcgel bildet ein dem ehem. Wohnhaus \u00e4hnliches ehem. Stallgeb\u00e4ude. Abgeschlossen wird die Hofanlage von einer zweiten Scheune an der s\u00fcd\u00f6stlichen Stirnseite. Im Hof steht ein Taubenschlag in Form eines klassizistischen Zentralbaus mit S\u00e4ulenportikus und Rundturm. Das den Hof abschlie\u00dfende Tor wird von zwei Pfeilern flankiert, auf denen je ein L\u00f6we mit Putto sitzt, der ein Wappen mit dem Monogramm Mergenbaums h\u00e4lt. Die Figuren aus rotem Sandstein wurden von J. B. Scholl d. \u00c4. um 1780 gefertigt.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 262-263.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gro\u00dfostheimer Stra\u00dfe f\u00fchrt auf der linken Mainseite in s\u00fcdwestlicher Richtung aus der Stadt heraus. Entlang der gerade verlaufenden Stra\u00dfe hat sich in j\u00fcngerer Vergangenheit vor allem kleines Gewerbe angesiedelt. 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