{"id":4050,"date":"2022-03-28T10:29:46","date_gmt":"2022-03-28T08:29:46","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4050"},"modified":"2022-03-29T08:39:27","modified_gmt":"2022-03-29T06:39:27","slug":"ziegelbergstrasse-pompejanum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/ziegelbergstrasse-pompejanum\/","title":{"rendered":"Ziegelbergstra\u00dfe &#8211; Pompejanum"},"content":{"rendered":"<p>Die Ziegelbergstra\u00dfe ist die Verl\u00e4ngerung der Pompejanumstra\u00dfe in westlicher Richtung. Sie verl\u00e4uft s\u00fcdlich parallel zur Hanauer Stra\u00dfe und endet am Schlotfegergrund. Unterhalb der beidseitig locker mit einzelnen Villen bebauten Stra\u00dfe flie\u00dft der Main. Diese landschaftlich herausragende Lage zeichnet die Stra\u00dfe besonders aus. Der Ausbau der Ziegelbergstra\u00dfe kann als Folge der Errichtung des Pompejanums (1840\u20131848) angesehen werden. Da der Bereich zwischen Hanauer Stra\u00dfe und dem s\u00fcdlich zum Mainufer abfallenden Gel\u00e4nde auf dem Urkataster von 1845 nach den hier vorherrschenden, zu Ziegelsteinen verarbeiteten Erden als \u201eZiegelberg\u201c bezeichnet wurde, ist die Benennung des Stra\u00dfenzuges naheliegend.<\/p>\n<p><strong>Ziegelbergstra\u00dfe 1 &#8211; Parkanlage<\/strong><\/p>\n<p>Die Parkanlage zwischen Schloss Johannisburg und Pompejanum auf dem Terrassenplateau \u00fcber dem Main entstand Ende des 18. Jh. unter Erzbischof und Kurf\u00fcrst Friedrich Carl Joseph von Erthal, der den einst das Schloss umgebenden schmalen Gr\u00fcnstreifen zu einem Park im Verlauf des ehem. Stadtgrabens und \u00fcber der Stadtmauer den Weinlaubengang anlegen lie\u00df. Unter K\u00f6nig Ludwig I. von Bayern wurde der Schlossgarten in den 40er Jahren des 19. Jh. erweitert und durch einen Steg \u00fcber den ehem. Graben eine Verbindung zwischen Schloss Johannisburg und dem zwischen 1840 und 1848 erbauten Pompejanum geschaffen. Um das von Friedrich von G\u00e4rtner geplante Geb\u00e4ude im pompejanischen Stil setzte Hofg\u00e4rtner Maximilian May die Pl\u00e4ne des bayerischen Gartenintendanten Carl Ludwig Seitz um und versuchte durch Pflanzen des Mittelmeerraumes wie Mandelb\u00e4umchen, Feigen und Agaven eine mediterrane Landschaft zu inszinieren. Pinien wurden dabei durch Schwarzkiefern und Zypressen durch Pyramidenpappeln ersetzt. Die s\u00fcdliche Szene wird durch den im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rten, aber 1963 wieder angelegten Weinberg am S\u00fcdhang der Anh\u00f6he vervollkommnet. Die in Erweiterung des Schlossgartens nordwestlich des Pompejanums befindliche \u201eSt.-Germain-Terrasse\u201c wurde nach der Aschaffenburger Partnerstadt Saint-Germain-en-Laye benannt. Hier wurden 1964 vier barocke Gartenfiguren aufgestellt, die von dem damaligen Museumsdirektor Dr. Ernst Schneider aus dem Bamberger Kunsthandel erworben worden waren. Die vier barocken Kopien antiker Statuen aus der griechisch-r\u00f6mischen Mythologie waren neben zwei weiteren um 1760 f\u00fcr den Garten von Schloss Th\u00fcrnhofen (Feuchtwangen) erworben worden. Dargestellt sind Silen mit Dionysosknaben, Fortuna, Hermes und ein Fl\u00f6te spielender Satyr. Die Figuren sind aus Schilfsandstein gefertigt und wurden bei der letzten Restaurierung 1997\/98 mit einer marmor\u00e4hnlichen, wei\u00dfen Oberfl\u00e4che versehen.<\/p>\n<p><strong>Ziegelbergstra\u00dfe 1 &#8211; Pompejanum<\/strong><\/p>\n<p>Das Pompejanum ist eine idealisierte Nachbildung des beim Ausbruch des Vesuvs in Pompeji im Jahr 79 n. Chr. versch\u00fctteten \u201eHauses der Dioskuren\u201c oder auch \u201eHauses des Castor und Pollux\u201c (nach den im Eingangsbereich aufgefundenen Wandmalereien). Die Nachbildung wurde auf Wunsch des antikenbegeisterten K\u00f6nigs Ludwig I. von Bayern ab 1840 nach Pl\u00e4nen des Architekten Friedrich von G\u00e4rtner (1791\u20131847) auf den H\u00f6hen des Ziegelberges oberhalb des Mains errichtet. Die Ausf\u00fchrung des Baus \u00fcberwachte vor Ort Karl Ludwig Louis (1793\u20131854), Professor f\u00fcr Bauwesen am Aschaffenburger Forstinstitut. Das fac similie im w\u00f6rtliche Sinne von \u201eetwas \u00c4hnliches machen\u201c sollte nicht zu Wohnzwecken, sondern als Besichtigungsobjekt f\u00fcr interessierte Besucher dienen, die auf diese Weise in Aschaffenburg sehen konnten, was in Pompeji schon im 19. Jh. nicht mehr vollst\u00e4ndig erlebbar war: die Anordnung und Gestaltung der Innenr\u00e4ume eines r\u00f6mischen Wohnhauses. Entstanden aus der verbreiteten Antikenbegeisterung des 19. Jh., erf\u00fcllt das Pompejanum auch heute noch diese Funktion. Jedoch ist es neben dem Imitat einer r\u00f6mischen Villa des 1. Jh. n. Chr. vor allem ein Kunstprodukt des 19. Jh. Die Entstehungszeit ist am Stil des Geb\u00e4udes deutlich ablesbar.<\/p>\n<p>Den Grundstein f\u00fcr den zun\u00e4chst als \u201ePompejanisches Haus\u201c bezeichneten Bau legte K\u00f6nig Ludwig I. am 10. Juni 1843 selbst. W\u00e4hrend der Bauzeit unternahmen G\u00e4rtner und Louis 1844 noch eine gemeinsame Reise nach Pompeji, um Details f\u00fcr die Gestaltung der Innenr\u00e4ume zu studieren. Auf ihrer Reise wurden sie begleitet von dem Maler Joseph Schlotthauer (1789\u20131869), Professor an der M\u00fcnchner Akademie, dem die Gestaltung der Au\u00dfenfassade oblag. Diese wurde nach Fertigstellung des Rohbaus ab 1845 bis 1847 ausgef\u00fchrt. Etwa zur gleichen Zeit arbeiteten Steinmetzen und Bildhauer an den Ziergesimsen, Profilen und Kapitellen der Au\u00dfenfassade, unter ihnen Joseph Hautmann, Anselm Sickinger und der Darmst\u00e4dter Hofbildhauer Johann Baptist Scholl. Zwischen 1847 und 1849 erhielten die Innenr\u00e4ume ihre Putze, die den Hintergrund f\u00fcr die Malereien bildeten. Die au\u00dfergew\u00f6hnliche Farbintensit\u00e4t kam dadurch zustande, dass die Farbe nicht aufgetragen, sondern der Putz eingef\u00e4rbt wurde. Er wurde in mehreren Schichten aufgebracht, denen immer feiner gemahlenes kristallines Gestein beigegeben wurde. Nachdem die Oberfl\u00e4chen gegl\u00e4ttet und poliert worden waren, entstand durch die Lichtreflexe der Gesteinskristalle ein Tiefenglanzeffekt. Im Sommeratrium hingegen wurde der in der Antike unbekannte Stuckmarmor zur Wandgestaltung als Ersatz von echtem Marmor verwendet. Nach dem Tod G\u00e4rtners 1847 wurde der Bau von seinem Sch\u00fcler und Mitarbeiter, dem Architekten Friedrich Andreas Klumpp (1811\u20131885), bis zu seiner Fertigstellung 1848 begleitet. Letztlich erfolgte von 1848 bis 1850 die Ausmalung der R\u00e4ume nach den von G\u00e4rtner vorbereiteten Entw\u00fcrfen. Joseph Schwarzmann und seine Mitarbeiter fertigten die architektonischen und dekorativen Malereien, w\u00e4hrend die fig\u00fcrlichen Einzelbilder von Christoph Nilson geschaffen wurden. Als Vorlage dienten ihm neben Kupferstichen in erster Linie Kopien pompejanischer Wandbilder, die der r\u00f6mische Maler Carlo Ruspi im Auftrag Martin von Wagners (1777\u20131858) 1846 in Pompeji und im Museum von Neapel angefertigt hatte. F\u00fcr die Gestaltung der B\u00f6den sollten urspr\u00fcnglich einfache antike Fu\u00dfbodenmosaike gekauft werden. Als sich dies als zu teuer erwies, wurde eigens der Steinmetz Giovanni Battista Chiochetti nach Rom geschickt, um eine Ausbildung bei einem Mosaikbildner namens Rinaldi zu absolvieren. Neben Chiochetti waren zwischen 1843 und 1847 weitere Arbeiter mit dem Legen der Mosaikfu\u00dfb\u00f6den besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Wilhelm Hopfgartner, der in Rom eine Erzgie\u00dferei betrieb, fertigte, nachdem er unter den Funden im Museum von Neapel nach geeigneten Vorbildern gesucht hatte, die Brunnenfigur des laufenden Knaben f\u00fcr das Impluvium und einige Leuchterst\u00e4nder, Gef\u00e4\u00dfe und K\u00fcchenger\u00e4te als antike Bronzerepliken an. Au\u00dferdem wurden f\u00fcr die Ausstattung des Pompejanums sechs original antike Amphoren gekauft. F\u00fcr die M\u00f6blierung der R\u00e4ume hatte Martin von Wagner, Kunstagent Ludwigs I. und Freund von G\u00e4rtner, ein Konzept erstellt, welches allerdings \u2013 laut Einsch\u00e4tzung Wagners \u2013 unzureichend sei, da es nur wenig Kenntnisse \u00fcber die Wohnkultur in der Antike g\u00e4be. Die angefertigten Pl\u00e4ne f\u00fcr die M\u00f6blierung des Pompejanum wurden letztlich nie ausgef\u00fchrt, sodass das Pompejanum im Innern unvollendet blieb, obwohl das Geb\u00e4ude fertiggestellt war und von Zeitgenossen bewundert und gelobt wurde. Bereits wenige Jahre nach Fertigstellung des Geb\u00e4udes traten schwerwiegende Sch\u00e4den durch K\u00e4lte und Feuchtigkeit an den Wandmalereien auf, obwohl entsprechend dem Klima am Untermain das Impluvium \u00fcberdacht und die Fenster mit Glasscheiben versehen worden waren. 1887 f\u00fchrte der M\u00fcnchner Historienmaler August Spie\u00df im Auftrag des \u201eK\u00f6niglichen Oberst Hofmeisterstabs\u201c Untersuchungen durch und kam in seinem Gutachten zu dem Ergebnis, dass 50 Einzelbilder restauriert werden m\u00fcssen, 32 davon seien ganz neu herzustellen. Spie\u00df zog sich sp\u00e4ter von den Restaurierungsarbeiten zur\u00fcck, stattdessen \u00fcbernahm der Kunstmaler Adalbert Hock die Aufgabe, mit dem er sich ein geregeltes Einkommen sicherte. Er arbeitete zwischen 1894 und 1934 im Pompejanum und war somit \u00fcber einen Zeitraum von 40 Jahren mit Ausbesserungs- und Nachmalarbeiten bis hin zu Neusch\u00f6pfungen besch\u00e4ftigt. Unterst\u00fctzt wurde er von seinem Vater Heinrich Hock (1839\u20131908) sowie nach dessen Tod von seinem Bruder Ernst Hock (1873\u20131935). Zus\u00e4tzlich war er von einem gro\u00dfen Stab nicht einzeln genannter Helfer umgeben. W\u00e4hrend sein Vorbild einer Naturkatastrophe zum Opfer fiel, wurde das Pompejanum in der Endphase des Zweiten Weltkrieges von Bomben schwer getroffen und dabei im Kern zerst\u00f6rt. Decken und W\u00e4nde st\u00fcrzten ein, die Malereien wurden vernichtet. Weitere Sch\u00e4den entstanden an der mainseitigen S\u00fcdfassade durch Granatbeschuss. Nach ersten Sicherungsma\u00dfnahmen zwischen 1945 und 1947 wurde das Haus ab 1960 in mehreren Phasen instand gesetzt und restauriert. Seit 1994 sind im Erdgeschoss Kunstwerke der M\u00fcnchner Staatlichen Antikensammlung und Glyptothek ausgestellt. Die R\u00e4ume des Obergeschosses sind f\u00fcr Besucher seit 2002 zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Der Grundriss des Pompejanums entspricht dem des \u201eHauses des Castor und Pollux\u201c, welches Friedrich von G\u00e4rtner anl\u00e4sslich mehrerer Italienreisen in Pompeji eingehend studiert hatte. Um zwei Innenh\u00f6fe (Atrium und Peristylium) sind die nach au\u00dfen nahezu fensterlosen R\u00e4ume angeordnet. Sie werden vom Innenhof belichtet. Im \u00f6stlichen Bereich befinden sich die Empfangs- und G\u00e4stezimmer mit Sklavenr\u00e4umen, die um das Atrium angeordnet sind, in dessen Mitte sich das Impluvium, ein Regensammelbecken mit Springbrunnen befindet. Dass dem Innenhof, im Gegensatz zum pompejanischen Vorbild, ein Glasdach aufgesetzt wurde, ist dem n\u00f6rdlichen Klima geschuldet. Das sog. Tablinum bildet als Empfangszimmer des Hausherrn die Verbindung zum n\u00f6rdlichen Teil, dem privaten Bereich des Hauses. Hier liegt der zweite S\u00e4ulengang, das Peristylum, der sich zu einem als Garten angelegten Innenhof (Viridarium) \u00f6ffnet. Dieser wird von Sommerspeisezimmer (Sommertriclinium) und K\u00fcche (Culina) flankiert. Der n\u00f6rdliche Teil verf\u00fcgt \u00fcber ein Obergeschoss, das urspr\u00fcnglich nur \u00fcber die s\u00fcdlich angef\u00fcgte Au\u00dfentreppe zu erreichen war. Heute befindet sich im Innern des Geb\u00e4udes ein Treppenhaus. Die Obergeschossr\u00e4ume des r\u00f6mischen Wohnhauses in Pompeji waren weitestgehend eingefallen, man interpretierte sie als die Wohn- und Schlafr\u00e4ume und richtete dementsprechend das Obergeschoss im Pompejanum ein. Auf das 2. Obergeschoss ist das sog. K\u00f6nigszimmer aufgesetzt worden, f\u00fcr das es in Pompeji kein Vorbild gibt. Dass das Pompejanum keine getreue Kopie ist, sondern vielmehr eine Art Idealtypus eines r\u00f6mischen Stadthauses, zeigt sich an der Au\u00dfentreppe mit S\u00e4ulenvorbau an der S\u00fcdseite des Geb\u00e4udes. Diese Zuf\u00fcgung G\u00e4rtners ist der frei stehenden Lage des Pompejanums \u00fcber dem Main geschuldet. Unter dem Geb\u00e4ude befindet sich ein Keller. Die Nutzung des Geb\u00e4udes als Museum erforderte kleinere Ver\u00e4nderungen wie die Verglasung des urspr\u00fcnglich offenen Peristyls, einen Windfang sowie Kassen- und Toilettenr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Ein erhaltener Bauplan aus dem Jahr 1869 zeigt ein kleines Geb\u00e4ude mit einem Pultdach. Er ist mit \u201eErrichtung eines Wachthauses am Pompejanum\u2019schen Hausbau in Aschaffenburg\u201c \u00fcberschrieben. Das kleine Wachthaus erhob sich eingeschossig \u00fcber quadratischem Grundriss und verf\u00fcgte gerade einmal \u00fcber zwei Fenster, eine schmale T\u00fcr und einen Kamin. Die n\u00f6rdliche R\u00fcckwand war in die bestehende Grundst\u00fccksmauer integriert. Davor verlief ein Weg, die Fl\u00e4chen neben dem Geb\u00e4ude sind mit \u201eRasen-Anlage\u201c bezeichnet. Unterzeichnet ist der Plan von Hoftechniker B. J. Hofmann. Das kleine Wachthaus wurde 1883 erweitert. Der quadratische Bau erhielt in westlicher Richtung einen eineinhalbgeschossigen Anbau mit einem flach geneigten Satteldach und einem runden Fenster im Giebelfeld. Daran schloss sich weiter in westlicher Richtung ein eingeschossiger, l\u00e4ngsrechteckiger Anbau an, der ebenfalls ein flaches Satteldach tr\u00e4gt. Der verputzte Massivbau ist nur durch ein Gesims leicht akzentuiert und ansonsten schmucklos. Im Zweiten Weltkrieg wurde das W\u00e4chterhaus beim Angriff auf die Stadt am 21. November 1944 durch Bomben besch\u00e4digt. Noch 1945 erfolgte die Bauerlaubnis zur Erneuerung zersprengter Mauer- und Zwischenw\u00e4nde, zur Auswechslung zerst\u00f6rter Holzteile sowie zur Erneuerung und Erg\u00e4nzung von T\u00fcren und Fenstern, des Putzes und der Dachrinnen. 1985 wurde das Dienstgeb\u00e4ude leicht umgebaut und erweitert. Dabei blieb der \u00e4lteste Kern des Geb\u00e4udes unber\u00fchrt, nur der westliche Anbau wurde verbreitert.<\/p>\n<p><strong>Ziegelbergstra\u00dfe 2<\/strong><\/p>\n<p>1899 zeichnete der Baumeister und Bauunternehmer Johann Scheuermann den Plan zum Neubau einer Villa f\u00fcr Direktor Valentin Stenger. Der kolorierte Plan zeigt einen Ziegelbau mit Sandsteingliederungen, einem hohen Walmdach sowie Zierelementen aus Holz. Die Villa wurde 1900 fertiggestellt und mit einer Einfriedung aus Sandsteinst\u00fctzen und gusseisernen Gittern umgeben. Das vielgliedrige Geb\u00e4ude ist vollst\u00e4ndig unterkellert. Im Erdgeschoss waren die K\u00fcche sowie das Empfangs- und das Speisezimmer vorgesehen, w\u00e4hrend sich die Privatr\u00e4ume wie Schlaf- und Badezimmer im Obergeschoss befanden. Mit Anschluss an die st\u00e4dtische Kanalisation wurden 1963 sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss Badezimmer eingerichtet, sodass in beiden Etagen eine separate Wohnung entstand. Gleichzeitig wurde die bauzeitliche Veranda aufgestockt, um auch im Obergeschoss einen Wintergarten zu erhalten. Der neue Anbau ist deutlich als Neubau zu erkennen, da er nicht in historistischem Stil, sondern in der Formensprache der Nachkriegsmoderne ausgef\u00fchrt wurde. Die Fl\u00e4chen zwischen und \u00fcber den Fenstern des Erd- und des Obergeschosses sind mit farbigen Putzreliefs des fr\u00e4nkischen K\u00fcnstlers Alois Bergmann-Franken versehen. Die Villa zeigt sich heute in fast unver\u00e4nderter Form, obgleich im Zweiten Weltkrieg am 21. November 1944 Sch\u00e4den an Dach, W\u00e4nden, T\u00fcren und Fenstern durch Luftdruck entstanden. Das Geb\u00e4ude steht am Beginn der Ziegelbergstra\u00dfe, an der Stelle, wo die Pompejanumstra\u00dfe einen leichten Bogen nimmt. Durch diese etwas exponierte Lage kommt dem Bau eine besondere st\u00e4dtebauliche Bedeutung zu. Das zweigeschossige Geb\u00e4ude ist durch die Vielgliedrigkeit und die interessante Dachlandschaft bemerkenswert. Die zur Ziegelbergstra\u00dfe gerichtete Fassade betont ein vorspringender Risalit mit Zierfachwerkgiebel. Daneben befindet sich im Obergeschoss ein h\u00f6lzerner Balkon, der durch das weit vorgezogene Dach \u00fcberdacht ist. An der Ecke von Ziegelberg- und Pompejanumstra\u00dfe ist die Villa durch einen ganz aus rotem Sandstein gefertigten Eckerkerturm mit Zwiebelhaube akzentuiert. An der Fassade zur Pompejanumstra\u00dfe wiederholt sich das Motiv des Risalits mit Zierfachwerkgiebel. Die Fenster haben unterschiedliche Formate und sind jeweils mit Rahmungen aus rotem Sandstein hervorgehoben. Auch die Geb\u00e4udekanten sind aus rotem Sandstein gefertigt. Zwischen Erd- und Obergeschoss verl\u00e4uft ein profiliertes Sandsteingesims. Der Baumeister entschied sich bei der Gestaltung f\u00fcr die Formensprache der Neurenaissance. Daneben erinnern das gro\u00dfe, weit \u00fcberstehende Dach und die Holzelemente an den Schweizer Landhausstil.<\/p>\n<p><strong>Ziegelbergstra\u00dfe 4<\/strong><\/p>\n<p>Der Bauunternehmer Caspar Schmelzer plante 1900 den Neubau einer Villa f\u00fcr den Privatier Heinz Valt. Dahlem. Die Zeichnung zeigt einen vielgliedrigen Bauk\u00f6rper mit Risalit, T\u00fcrmchen und reich verziertem Treppengiebel im Stil der Neurenaissance. Der heutige Bau entspricht nicht mehr ganz der geplanten Villa, da diese beim Angriff am 21. November 1944 Sch\u00e4den am gesamten Geb\u00e4ude erlitten hatte und man sich f\u00fcr einen vereinfachten Wiederaufbau entschied, wie der \u201ePlan \u00fcber Behebung der Kriegssch\u00e4den am Anwesen Ziegelbergstra\u00dfe 4\u201c von 1946 dokumentiert. So wurde der Treppengiebel als einfacher Dreiecksgiebel wieder aufgerichtet, die Dachgaube mit einer schlichten Verdachung versehen und das T\u00fcrmchen statt mit einer Welschen Haube mit einem Spitzhelm abgeschlossen. Das Ausma\u00df der durch den Zweiten Weltkrieg am Geb\u00e4ude verursachten Sch\u00e4den l\u00e4sst sich somit heute noch ablesen. Dennoch hat das Geb\u00e4ude seinen Villencharakter behalten und entspricht in der \u00e4u\u00dferen Erscheinung dem Entwurf der Jahrhundertwende. Die zweigeschossige Villa wurde in der ortstypischen Ziegelbauweise mit reichen Sandsteinverzierungen errichtet. Das Erdgeschoss besteht g\u00e4nzlich aus roten Sandsteinquadern. Hohe Fenster mit Stichbogenabschl\u00fcssen pr\u00e4gen die Fassade. Die Fenster des Obergeschosses sind etwas kleiner und mit einem geraden Sturz versehen. Zus\u00e4tzlich sind die Br\u00fcstungsfelder mit Blendma\u00dfwerk verziert. Auf der rechten Seite befindet sich der \u00fcberdachte Eingang mit dar\u00fcberliegender Loggia. Dahinter schlie\u00dft sich der Turm an, in dem sich der Treppenaufgang befindet. 1924 wurde ein Ger\u00e4teschuppen f\u00fcr das Anwesen geplant und erbaut, 1989 die Dacheindeckung erneuert und 1998 im r\u00fcckw\u00e4rtigen Bereich der Villa ein Wintergarten errichtet.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 204-207.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ziegelbergstra\u00dfe ist die Verl\u00e4ngerung der Pompejanumstra\u00dfe in westlicher Richtung. 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