{"id":4044,"date":"2022-03-28T10:34:11","date_gmt":"2022-03-28T08:34:11","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4044"},"modified":"2022-03-28T10:34:11","modified_gmt":"2022-03-28T08:34:11","slug":"wermbachstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/wermbachstrasse\/","title":{"rendered":"Wermbachstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die Wermbachstra\u00dfe beginnt am sog. \u201eScharfeck\u201c, der Stelle, an der Dalbergstra\u00dfe, Sandgasse und Herstallstra\u00dfe aufeinander treffen. Sie f\u00fchrt in \u00f6stlicher Richtung vorbei am Sch\u00f6nborner Hof (Freihofsplatz) und endet in stadtausw\u00e4rtiger Richtung bei den Abzweigungen von Alexandra-, Lamprecht-, Schweinheimer und Brentanostra\u00dfe. Benannt wurde die Stra\u00dfe nach dem Wermbach, der auf einem Teil ihres Verlaufs geflossen ist. Allerdings erhielt die Stra\u00dfe erst 1881 diesen Namen f\u00fcr ihre gesamte L\u00e4nge. In den Stadtpl\u00e4nen von 1809 und 1846 ist sie unterteilt in \u201eScharfes Eck\u201c, dessen Grenzen sich nicht genau bestimmen lassen, \u201eHeumarkt\u201c, seit um 1870 Freihofsplatz, sowie \u201eWermbachsgasse\u201c, zwischen Sch\u00f6nborner Hof bis zum ehem. Standort des Wermbacher Tores und \u201eWermbach-Thor\u201c, dem Stra\u00dfenst\u00fcck zwischen Stadttor und der heutigen Verzweigung von Alexandra-, Lamprecht-, Schweinheimer und Brentanostra\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Wermbachstra\u00dfe 15 &#8211; Sch\u00f6nborner Hof<\/strong><\/p>\n<p>Der Obersthofmarschall Melchior Friedrich Graf von Sch\u00f6nborn (1644\u20131717) lie\u00df den Sch\u00f6nborner Hof als Stadtpalais f\u00fcr sich und seine Gemahlin Maria Sophia von Boineburg nach Pl\u00e4nen des Kapuzinerpaters Mathias von Saarburg aus Mainz zwischen 1676 und 1681 errichten. Der neue Wohnsitz wurde an einer st\u00e4dtebaulich bewusst gew\u00e4hlten Stelle, der M\u00fcndung der L\u00f6herstra\u00dfe, in einer Achse zur Mainbr\u00fccke errichtet. Auf dem Grundst\u00fcck, wo sich zuvor noch einige Neben- und Wirtschaftsgeb\u00e4ude des Freihofs befanden, entstand eine zur Wermbachstra\u00dfe offene, barocke Dreifl\u00fcgelanlage aus zweigeschossigen Walmdachbauten, die einen Innenhof umschlie\u00dfen. Die Fl\u00fcgel sind zur Stra\u00dfe mit je einem dreigeschossigen Turm mit Haube und Laterne versehen. Ein dritter Turm befindet sich an der Nordostecke des Geb\u00e4udes. Der Hof wird durch eine in der Mitte leicht zur\u00fcckschwingende Mauer zur Stra\u00dfe abgeschlossen. Ein von ionischen S\u00e4ulen flankiertes Portal in der Mauer erm\u00f6glicht den Zugang zum Innenhof. Die S\u00e4ulen stehen auf Maskenpostamenten und tragen einen Segmentgiebel, in dessen Tympanon das von zwei L\u00f6wen gehaltene Ehewappen Sch\u00f6nborn\/Boineburg zu sehen ist. Auf der Mauer verl\u00e4uft eine Balustrade. Vom Innenhof f\u00fchren zwei Portale in den Haupttrakt (heute Eingang zum Naturwissenschaftlichen Museum und zum Stadt- und Stiftsarchiv). Urspr\u00fcnglich befand sich nur ein Eingang in der Mittelachse, dahinter folgte ein Treppenaufgang und dar\u00fcber der Saal. Die Fassaden des verputzten Massivbaus sind durch Eckquaderungen, ein profiliertes Gurtgesims zwischen Erd- und Obergeschoss sowie geohrte Fenstergew\u00e4nde aus rotem Mainsandstein gegliedert. Im Erdgeschoss des s\u00fcdlichen Turmes befindet sich eine Kapelle in einem rechteckigen Raum mit Tonnengew\u00f6lbe. Das Portal zur Kapelle wird von zwei S\u00e4ulen flankiert, die einen geraden Sturz mit weit vorkragendem verkr\u00f6pftem Gesims tragen. Dar\u00fcber ist ein gro\u00dfes Halbkreisfenster. Die Geb\u00e4ude sind z.T. unterkellert. Unter dem Nordfl\u00fcgel liegt ein Gew\u00f6lbekeller, der die L\u00e4nge des gesamten Baus einnimmt. Der Nordwestturm ist ebenfalls unterkellert. Hier fand man 1973 die Jahreszahl \u201e1676\u201c auf einem Fundamentmauerstein. Der Mittelfl\u00fcgel ist nur teilunterkellert. Dieser Keller stammt wohl von einem Vorg\u00e4ngerbau. Der S\u00fcdfl\u00fcgel entlang der Erbsengasse ist nur im vorderen Teil zur Wermbachstra\u00dfe unterkellert.<\/p>\n<p>Aufgrund von unterschiedlichen, oft wechselnden Nutzungen und damit verbundenen Umbauten, Kriegssch\u00e4den sowie Wiederaufbau zeigt sich das Geb\u00e4ude heute nur noch \u00e4u\u00dferlich in der Form des 17. Jh. Bis 1832 war das Anwesen im Besitz der Familie Sch\u00f6nborn. Dann kaufte es die Stadt, um darin das Appelationsgericht, welches ihr von K\u00f6nig Ludwig I. von Bayern (reg. 1825\u20131848) als Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Wegnahme der Carls-Universit\u00e4t und der Forstlehranstalt zugeteilt wurde, unterzubringen. Das Appelationsgericht blieb bis 1873 im Sch\u00f6nborner Hof. Nach Verkauf an das Stiftsamt und erneuten An- und Umbauten bezog 1875 die \u201eK\u00f6nigliche H\u00f6here Weibliche Bildungsanstalt\u201c die R\u00e4ume des ehem. Adelssitzes. 1901 erwarb die Stadt den Sch\u00f6nborner Hof vom Stiftsrentamt zur\u00fcck und brachte dort 1906 eine zweite st\u00e4dtische Volksschule unter. 1912 waren insgesamt drei verschiedene Schulen mit Nebenr\u00e4umen im Sch\u00f6nborner Hof untergebracht. Seit 1913 hatte das Standesamt in einigen R\u00e4umen sein Domizil. Au\u00dferdem war zwischen 1913 und 1929 in dem Fl\u00fcgel zum Freihofsplatz die Stadtsparkasse einquartiert. Anschlie\u00dfend belegte die Post von 1929 bis 1945 die von der Sparkasse genutzten R\u00e4ume. Beim Luftangriff auf die Stadt am 21. November 1944 wurde der Sch\u00f6nborner Hof durch einen Volltreffer schwer besch\u00e4digt, insbesondere D\u00e4cher und Fenster. Die Stirnseite des S\u00fcdfl\u00fcgels wurde vollst\u00e4ndig und der Fl\u00fcgel am Freihofsplatz bis auf den Gew\u00f6lbekeller zerst\u00f6rt, der dazugeh\u00f6rige Turm wurde teilweise aufgerissen. Die Stadt bem\u00fchte sich in der Nachkriegszeit sehr um den Erhalt des stark in Mitleidenschaft gezogenen Geb\u00e4udes. Zwischen 1949 und 1952 erfolgte der Wiederaufbau des Nordfl\u00fcgels. 1957\/58 musste der Mittelfl\u00fcgel wegen Bauf\u00e4lligkeit abgetragen werden. Er wurde unter Verwendung der Fundamente und Keller neu errichtet. Das Eingangsportal an der Wermbachstra\u00dfe wurde durch die Meisterschule f\u00fcr Steinmetze wieder hergestellt. Nach Beschluss des Stadtrates wurde der Sch\u00f6nborner Hof zwischen 1977 und 1981 unter Leitung von Baudirektor Alois Grimm f\u00fcr das Stadt- und Stiftsarchiv renoviert. W\u00e4hrend dieser Arbeiten wurde der S\u00fcdfl\u00fcgel, au\u00dfer der Stirnseite und dem Turm, abgebrochen und auf den alten Fundamenten neu errichtet. 1978 wurde auch der dreigeschossige Anbau zwischen Sch\u00f6nborner Hof und Storchennest (von 1878) abgerissen und durch einen zweigeschossigen Neubau ersetzt. Das Naturwissenschaftliche Museum ist seit 1970 im Nordfl\u00fcgel eingerichtet.<\/p>\n<p><strong>Wermbachstra\u00dfe 28<\/strong><\/p>\n<p>Die Deutsche Bundespost war seit 1954 Eigent\u00fcmerin des Grundst\u00fccks zwischen Am Hei\u00dfen Stein und Wermbachstra\u00dfe an der M\u00fcndung der L\u00f6herstra\u00dfe. Sie lie\u00df 1955\/56 hier unter der Bauleitung von Oberpostbaurat Dipl.-Ing. Anton Ebner ein neues Stadtpostgeb\u00e4ude errichten. Das Geb\u00e4ude bildet den s\u00fcdlichen Abschluss eines Platzes, der sich ergab, nachdem die Reste der einst hier stehenden Anwesen abgetragen worden waren. Die Schnittstelle von drei wichtigen Stra\u00dfen, von denen eine aus der Innenstadt kommt, die zweite zur Mainbr\u00fccke und den Stadtgebieten auf der anderen Mainseite f\u00fchrt und die dritte schlie\u00dflich aus der Stadt hinaus f\u00fchrt, bildete im Stadtgrundriss schon seit der Entstehung der Unteren Stadt eine wichtige Kreuzung und hat sich nach dem Krieg zu einem belebten Verkehrspunkt entwickelt. Beim Bau des Postamtes wurde dem ansteigenden Gel\u00e4nde und der unregelm\u00e4\u00dfigen Grundst\u00fccksfl\u00e4che Rechnung getragen. Es erhebt sich dreigeschossig auf trapezf\u00f6rmigem Grundriss. Von der Landingstra\u00dfe zur Wermbachstra\u00dfe gesehen, bildet es eine zweigeschossige Dachkonstruktion aus, die auf der R\u00fcckseite nur eingeschossig ist. Mit Keller und Dachgeschossen verf\u00fcgt der Frackdachbau \u00fcber insgesamt f\u00fcnf Ebenen. Die einfache, streng gegliederte Fassade verzichtet auf eine Seiten- oder Mittelbetonung, noch ist sie auf Zentralisierung angelegt. Die Fenster sind entsprechend der Nutzung der Innenr\u00e4ume nicht achsgerecht, aber dennoch regelm\u00e4\u00dfig auf der Fassade verteilt und haben keine Rahmen. So handelt es sich um eine einheitlich gestaltete Lochfassade mit geringem Dach\u00fcberstand. Die Baulinie zur Wermbachstra\u00dfe wurde etwas zur\u00fcckgesetzt, um die Stra\u00dfe zu verbreitern. Der Fu\u00dfweg wird innerhalb der Geb\u00e4udelinie unter Arkaden hindurchgef\u00fchrt. Der in der Tradition der M\u00fcnchner Postbauschule errichtete Bau bildet einen eigenst\u00e4ndigen modernen Bauk\u00f6rper, ohne sich jedoch gegen\u00fcber der umgebenden historischen Bebauung in den Vordergrund zu spielen. Im Gegenteil, mit dem Schieferdach und den Giebeln nimmt er direkt Bezug auf den nahen Sch\u00f6nborner Hof und das benachbarte Fachwerkgiebelhaus Am Hei\u00dfen Stein 4. Das Geb\u00e4ude wurde nach dem Auszug der Post grundlegend saniert und mit Verkaufs- und Ausstellungsr\u00e4umen versehen. 2004 wurde das Dachgeschoss ausgebaut. Im Stadtbild von Aschaffenburg ist das ehem. Postgeb\u00e4ude ein sehr sch\u00f6nes Beispiel f\u00fcr st\u00e4dtebaulich gelungenen Wiederaufbau im Innenstadtbereich.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 193-195.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Wermbachstra\u00dfe beginnt am sog. \u201eScharfeck\u201c, der Stelle, an der Dalbergstra\u00dfe, Sandgasse und Herstallstra\u00dfe aufeinander treffen. 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