{"id":4026,"date":"2022-03-28T10:48:48","date_gmt":"2022-03-28T08:48:48","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4026"},"modified":"2022-03-29T08:29:36","modified_gmt":"2022-03-29T06:29:36","slug":"stiftsgasse-stiftskirche-st-peter-und-alexander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/stiftsgasse-stiftskirche-st-peter-und-alexander\/","title":{"rendered":"Stiftsgasse &#8211; Stiftskirche St. Peter und Alexander"},"content":{"rendered":"<p>Neben Schloss Johannisburg als kurf\u00fcrstlichem Herrschaftssitz bestimmt die kath. Stiftskirche St. Peter und Alexander als geistliches Zentrum durch ihre Lage auf einem steil abfallenden Plateau hoch \u00fcber dem seit alters genutzten Main\u00fcbergang bis heute die Silhouette der Stadt. \u00dcber Jahrhunderte war sie sichtbares Zeugnis f\u00fcr die Heilsgewissheit und Memoria der hier begrabenen Adelsgeschlechter. Sie diente sp\u00e4ter Erzbisch\u00f6fen, Stiftsgeistlichen, privilegierten B\u00fcrgern und Hofbeamten als Grablege und war nach dem Erbfall an das Erzbistum Mainz, wie das Schloss, un\u00fcbersehbares Zeichen f\u00fcr die W\u00fcrde der \u00fcber den Ort gebietenden geistlichen Herren. Die Stiftskirche bildet heute zusammen mit den Stiftsgeb\u00e4uden eine Baugruppe auf dem \u00f6stlichen, h\u00f6chst gelegenen Felsensporn jener Erhebung, auf welcher sich die Oberstadt entwickelt hat. Aufgrund der Lage eines ersten, im 9. Jh. an dieser Stelle errichteten Sakralbaus, \u00fcber dem sp\u00e4ter der Chor der sich nach Westen erstreckenden Kirche erbaut wurde, fand sich an dem im S\u00fcden j\u00e4h abfallenden Hang in der weiteren Folge weder geeigneter Baugrund f\u00fcr die notwendigen Stiftsgeb\u00e4ude noch ausreichend Raum f\u00fcr einen Kreuzgang. Von der Bautradition abweichend, wurden diese Bauten daher n\u00f6rdlich der Kirche klosterartig um einen Hof gruppiert. Erschlossen wird die Kirche an ihrer nordwestlichen Partie, die dem Stiftsplatz als ehem. Marktplatz zugewandt ist, \u00fcber die gro\u00dfe barocke Treppenanlage von 1723. Diese f\u00fchrt auf eine Terrasse und von dort zu n\u00f6rdlich und westlich der Kirche vorgelagerten kreuzgang\u00e4hnlichen Vorhallen mit Portalen. Die erh\u00f6hte Lage der Kirche wird dadurch st\u00e4dtebaulich wirkungsvoll inszeniert.<\/p>\n<p>Die monumentale mittelalterliche Kirche folgt kreuzf\u00f6rmigem Grundriss und ist von einem einheitlichen barocken Mansarddach bedeckt. Wie bei den Stiftsgeb\u00e4uden handelt es sich um einen Putzbau, dessen Gliederungselemente aus Rotsandstein bestehen. Der im Innern zwei Joche tiefe und flach geschlossene Chor und das vergleichsweise breite Querhaus mit einjochigen Armen werden von gotischen Kreuzrippengew\u00f6lben \u00fcberfangen. Das elfjochige Langhaus, das leicht aus der Achse nach S\u00fcden abweicht, verf\u00fcgt \u00fcber einen basilikalen Querschnitt und ist im Mittelschiff etwas breiter als Vierung und Chor. Die Langhausw\u00e4nde werden von rundbogigen Pfeilerarkaden getragen und weisen rundbogige schmale Obergadenfenster auf. Das Mittelschiff schlie\u00dft ein schlichtes barockes Muldengew\u00f6lbe. Im Westen des Langhauses ist eine zwei Joche tiefe, dreiachsige Empore in romanischen Formen erhalten. Die schlicht \u00fcberw\u00f6lbten Seitenschiffe nehmen weniger Raum als die halbe Breite des Mittelschiffs ein und r\u00fccken hinter die Flucht der Stirnseiten des Querhauses zur\u00fcck. Sie werden bis auf einen Abschnitt am Kreuzgang jeweils von angelagerten gotischen Kapellen ges\u00e4umt. Diese und die Seitenschiffe werden von einem gemeinsamen Pultdach bedeckt. In den Ecken zwischen Chor und Querhaus sind zwei Kapellen mit schlichten Dachungen eingef\u00fcgt, deren s\u00fcdliche den Vorraum der im 17. Jh. \u00f6stlich angebauten Sakristei bildete. Als weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt erhebt sich an der S\u00fcdwestecke der sp\u00e4tgotische Turm als monumentaler steinsichtiger Rotsandsteinbau mit einem kr\u00e4ftige Untergeschoss und zwei hohen Hauptgeschossen. Die Geb\u00e4udekanten sind an den frei stehenden Seiten mit Strebepfeilern verst\u00e4rkt. Den Abschluss bildet ein achteckiger, reich gegliederter, sp\u00e4tgotischer Aufbau mit L\u00e4uthaus und hohem Spitzhelm. Die Westpartie der Kirche, in deren Mitte sich das alte romanische Hauptportal befindet, wird auf der linken Seite von einem in \u00e4lterer Forschung als \u201eTurmstumpf\u201c interpretierten Bauteil flankiert, den ein schlichtes Walmdach bedeckt. Als Hauptfassade dient seit 1516 der in die Nordseite eingef\u00fcgte Bau der zweijochigen Maria-Schnee-Kapelle, der in seinem Untergeschoss die Vorhalle \u00fcberw\u00f6lbt und im Obergeschoss die Kapelle aufnimmt. Diese neue Eingangsfront wurde in ihrer Funktion 1870 durch einen neugotischen Giebel zus\u00e4tzlich hervorgehoben. Die Entwicklung von der karolingischen Grabkapelle zum geistlichen Zentrum der Stiftkirche bis hin zur heutigen Stadtpfarrkirche St. Peter und Alexander umfasst einen weit \u00fcber 1.000-j\u00e4hrigen Zeitraum, der sich in der Baugeschichte dieses Kernbaus der Stadt manifestiert.<\/p>\n<p>Geschichte und Baugeschichte:<\/p>\n<p>Der folgende \u00dcberblick basiert wesentlich auf den Forschungen von Grimm I 1985, Klewitz 1953 und Oswald 1972 sowie eigenen Forschungen des Verfassers, die zum Abschluss der Kirchenrenovierung 2017 erscheinen werden. Der befestigte, seit alamannischer und fr\u00e4nkischer Zeit besiedelte Ort am Main lag im Schnittpunkt bedeutender Fernstra\u00dfen, wie der zwischen Frankfurt und N\u00fcrnberg, der Heerstra\u00dfe nach W\u00fcrzburg oder der karolingischen K\u00f6nigstra\u00dfe nach Worms. Der Stiftsberg erhielt seine Bedeutung in geschichtlicher Zeit als Aufenthalts- und Begr\u00e4bnisort hochadeliger Personen. Die Gemahlin des ostfr\u00e4nkischen K\u00f6nigs Ludwig III. (reg. 876\u2013882), Liutgard (\u2020 885) aus dem Haus der Liudolfinger (Ottonen), wurde hier, wie der Annalista Saxo berichtet und arch\u00e4ologische Grabungen best\u00e4tigten, in einem ersten Kirchenbau bestattet, der wohl schon bei ihrer zwischen 865 und 874 erfolgten Eheschlie\u00dfung bestanden hat. Der Spessart, 839 als karolingisches K\u00f6nigsgut nachgewiesen, diente, wie die Siedlung, vermutlich als Wittum Liutgards. Das Kollegiatsstift gr\u00fcndete nach Decker-Hauff wohl erst Herzog Liudolf von Schwaben (reg. 949\u2013954, \u2020957), der erste Sohn Kaiser Ottos des Gro\u00dfen (reg. 936\u2013973), mit seiner Gemahlin Ida, der Tochter Herzog Hermanns von Schwaben, die er 947 geheiratet hatte. Da der durch Grabung nachgewiesene, um 950\/60 begonnene vorromanische Kirchenbau bei Liudolfs Tod wohl noch nicht weit genug gediehen war, wurde dieser in St. Alban bei Mainz bestattet. Die sp\u00e4tere Tradition beruft sich aber auf deren in der Stiftskirche bestatteten Sohn Otto, Herzog von Schwaben (954\u2013982), als eigentlichem \u201eStifter\u201c. M\u00f6glicherweise war die Siedlung und mit ihr eine erste geistliche Niederlassung schon nach dem Tod K\u00f6nigin Liutgards an Herzog Liudolf gefallen, denn die K\u00f6nigin war die Schwester Ottos von Sachsen, des gemeinsamen Urgro\u00dfvaters von Liudolf und Ida. Luitgard tritt jedenfalls in der \u00dcberlieferung als \u201efundatrix\u201c und gar als heiligm\u00e4\u00dfige Person (\u201esancta\u201c) sehr viel deutlicher in Erscheinung als Herzog Liudolf. Nach dessen Tod oblagen der Ausbau der Kirche und die Ausstattung des Stiftes seinem Sohn Otto, Herzog von Schwaben, der neben eigenen Dotierungen auch Zuwendungen durch Kaiser Otto II. (reg. 967\u2013983), mit dem er von Jugend auf verbunden war, f\u00fcr das Stift erhielt. Die fr\u00fcheste erhaltene kaiserliche Urkunde bezeugt am 20. Juni 974 die schon zur\u00fcckliegende Kirchenweihe, eine zweite best\u00e4tigt am 11. M\u00e4rz 975 das Patrozinium \u201esancto Petro apostolorum principi\u201c. Neben anderen Reliquien stiftete Herzog Otto vor 982 auch diejenige des hl. Papstes Alexander I. (reg. 105\u2013115), der als Nebenpatron der Kirche aber erst seit dem 13. Jh. deutlicher in Erscheinung tritt. Sp\u00e4testens seit 1183 wird Herzog Otto in den Urkunden regelm\u00e4\u00dfig als \u201efundator\u201c bezeichnet. Als solchen ehrt ihn auch die 1956 zeitweilig freigelegte Umschrift seines um 1250\/60 geschaffenen Sarkophags im Chor.<\/p>\n<p>Mit dem fr\u00fchen Tod des kinderlos verstorbenen Herzogs gelangten Ort und Stift als Schenkung an das Mainzer Erzstift, das die Oberhoheit bis zur Aufhebung des Kollegiatsstifts 1802\/03 aus\u00fcbte. Schon in der Gr\u00fcndungszeit verf\u00fcgte das Stift \u00fcber 25 bis 28 Kanonikate und eine Stiftsschule ist bereits im 10. Jh. belegt. Wichtige Quelle f\u00fcr die liturgische Nutzung der ottonischen Stiftskirche bilden Eintr\u00e4ge in deren \u00e4ltestem Evangeliar, einer Schenkung Liudolfs oder seines Sohnes Otto an das Stift. Es enth\u00e4lt drei Reliquienverzeichnisse sowie Angaben zu f\u00fcnf Alt\u00e4ren, von denen einer sich auf der Westempore befand. Im 13. Jh. wurde Aschaffenburg mit umfangreichen Bauma\u00dfnahmen zur Mainzer Nebenresidenz ausgebaut. Dazu geh\u00f6ren der Vorg\u00e4ngerbau des heutigen Schlosses und die vergr\u00f6\u00dfernde Erneuerung der ottonischen Kirche, die beide W\u00fcrde und Anspruch der Mainzer Erzbisch\u00f6fe und ihres Domkapitels dokumentierten. Die Weihe der neuen Kirche gilt 1283 als bereits vollzogen (Fath 1972, S. 290). Weitere Stiftungen f\u00fchrten zwar zur Vermehrung der Vikarstellen (\u201ePfr\u00fcnde\u201c) bis auf 32 um die Mitte des 16. Jh. (bei Aufhebung des Stiftes 1802\/03 waren es nur noch 13). Die Versuche der Stiftsherren, sich gegen\u00fcber Mainz mehr Rechte zu verschaffen, blieben jedoch wenig erfolgreich. Seit 1120 fungierte der \u201evicedominus\u201c als erzbisch\u00f6flicher Vertreter. Zwar stand seit 1262 die Wahl des Propstes dem Aschaffenburger Kapitel zu, doch kam als Kandidat nur ein Mainzer Domherr in Frage. Noch 1418 best\u00e4tigte Papst Martin V. dem Kapitel die freie Wahl, doch 1588 resignierte schlie\u00dflich der letzte Propst und nahm die Dechantei, ebenfalls ein Nebenamt des Mainzer Erzbischofs, an. In eine Zeit des erstarkenden Selbstvertrauens im Stiftskapitel fiel jedoch das Bauprojekt f\u00fcr den m\u00e4chtigen S\u00fcdturm im fr\u00fchen 15. Jh., der erst zu Ende des Jahrhunderts fertiggestellt wurde.<\/p>\n<p>Im 16. Jh. erfuhr die Kirche vor allem durch den Bau der 1516 durch Kardinal Albrecht von Brandenburg (reg. 1514\u20131545) geweihten Maria-Schnee-Kapelle einen herausragenden baulichen Akzent, mit dem die Hauptfassade der Kirche st\u00e4dtebaulich wirksam nach Norden zum Platz hin verlegt wurde. Mit Erzbischof und Kurf\u00fcrst Johann Schweikard von Kronberg (reg. 1604\u20131626) begann neben dem Schlossneubau von 1605\u201314 auch in der Stiftskirche von 1606 bis etwa 1630 eine umfangreiche Modernisierungskampagne, w\u00e4hrend der die Kirche systematisch renoviert und ausgestattet wurde. Dabei sollten einerseits die ver\u00e4nderte liturgische Praxis und neue Formen der Repr\u00e4sentation im Zeitgeschmack ber\u00fccksichtigt werden, andererseits sollte der Tradition des Ortes und seiner Denkm\u00e4ler im Sinne der Sukzession der Mainzer Erzbisch\u00f6fe entsprochen werden. Bis 1618 wurden Fenster und Alt\u00e4re \u00fcberarbeitet sowie das Chorgest\u00fchl und zahlreiche Grabdenkm\u00e4ler geschaffen. Infolge des Konzils von Trient war am Hochaltar der Einbau eines Hostientabernakels vorgesehen. F\u00fcr diese Ma\u00dfnahmen wurde der W\u00fcrzburger Maler Georg Rudolf Henneberger (um 1540\u20131609) als Generalunternehmer verpflichtet. Sp\u00e4testens seit 1625 war der unter Georg Ridinger (1568\u20131617) am Schloss besch\u00e4ftigte und diesem als kurf\u00fcrstlicher Baumeister nachfolgende Matth\u00e4us Erbinius (Matthias Erb, um 1560\u2013nach 1625) in der Kirche t\u00e4tig. Sein Plan zur W\u00f6lbung der Schiffe unterblieb wohl aus Kostengr\u00fcnden. F\u00fcr den Anbau der Sakristei 1612\/13 nutzte man f\u00fcr die S\u00fcdostecke die Stadtmauer als Substruktion. Die Bildhauerarbeiten lieferte, wie f\u00fcr das Schloss Johannisburg, seit 1602 vornehmlich die Werkstatt des bedeutenden Bildhauers Hans Juncker (1582\u2013nach 1624). Das Chorgest\u00fchl und andere Schreinerarbeiten fertigte bis 1608 der in Speyer ans\u00e4ssige Georg Kayser von Eydenheim. 1660 beschrieben die reisenden Jesuiten-Patres Gottfried Henschen (1601\u20131682) und Daniel Papebroch (1628\u20131714) das Gest\u00fchl, das die Querhausarme vom Sanctuarium schied und sich an den Chorw\u00e4nden entlang erstreckt. Von dieser Renaissanceausstattung aus Holz zeugen heute nur noch die mit dem Wappen des Kanonikus Christoph Weber versehenen Sakristeischr\u00e4nke von 1614.<\/p>\n<p>Aus wirtschaftlichen, aber auch aus historisch-dokumentarischen Gr\u00fcnden wurden \u00e4ltere Ausstattungsst\u00fccke \u00fcbernommen. Der sp\u00e4tgotische Hochaltar sollte nach dem mit Henneberger geschlossenen Kontrakt modernisiert werden, die alten Figuren sollten aber von Hans Juncker restauriert, mit neuen Skulpturen erg\u00e4nzt und mit neuen Tafelbildern kombiniert werden. Das \u201eFundatoris Epitaphium\u201c von 1524 wurde neu gefasst und \u201ebeede S\u00e4rch Fundatoris et Fundatricis\u201c des 13. Jh. wurden marmoriert und vergoldet sowie das Bronzeepitaph Kardinal Albrechts von Brandenburg renoviert. Zudem war es der Wunsch des Kapitels, die Fenster hinter und neben dem Altar mit blauer \u201eWasserfarbe\u201c zu t\u00f6nen und die Chorw\u00e4nde mit gemalter \u201eDama\u00dfcierte[r] Tapetzerey\u201c zu versch\u00f6nern. Einen Eindruck von Hennebergers \u00dcberfassungsarbeiten, die \u201e\u2026uff Marmel Vnndt Allabaster Mannier gemacht \u2026\u201c wurden, vermittelt heute noch im Stiftsmuseum der \u201eWimperg\u201c des ehem. Heiligen Grabes der Stiftskirche. Die Neuordnung des Chorbereichs von 1606 bis 1611 f\u00fchrte zum Abbruch bzw. zur Verlegung mehrerer Oratorien und Grabanlagen. Der Eingabe des Kapitels beim Erzbischof von 1607 zufolge wurden das Oratorium (\u201eStand\u201c) Kardinal Albrechts sowie die Tumba eines seiner Vorg\u00e4nger, Theoderichs Schenk von Erbach (reg. 1434\u20131459), entfernt, wobei f\u00fcr letzteren ein neues Wandepitaph von Hans Juncker an der s\u00fcdlichen Chorwand geschaffen wurde. Das Oratorium Kardinal Albrechts erhob sich als Erker an der S\u00fcdwand des Chores, wo sich noch heute ein ehem. Durchgang im Mauerwerk abzeichnet. Es wurde als schadhaft und seines Bildschmucks beraubt beschrieben. Seine Entfernung erm\u00f6glichte die vom Kapitel erw\u00fcnschte Erh\u00f6hung des Gest\u00fchls. Als Ausgleich wurde dem Erzbischof das damals noch auf der S\u00e4ngertrib\u00fcne des Lettners neben dem \u201eMartinsaltar\u201c vorhandene Oratorium Theoderichs von Erbach angeboten. Auch in der Barockzeit wurden Ver\u00e4nderungen an der Kirche vorgenommen und ihr Inneres weiter ausgestattet. 1719\u201322 ersetzte Stuckator Franz Laub aus Heidelberg die Flachdecke des Langhauses durch ein Muldengew\u00f6lbe mit umlaufendem Gesims, das aber ohne Gliederung und Ausmalung geblieben ist. Damals wurden im westlichen Langhaus die Ochsenaugenfenster eingesetzt. Gro\u00dfe Wirkung f\u00fcr den Au\u00dfenbau entfaltete das moderne barocke Mansarddach \u00fcber der gesamten Kirche und die damit verbundene Vereinheitlichung der Mauerkronen auf gleicher H\u00f6he mit umlaufendem Gesims. Hierf\u00fcr fielen die \u00e4lteren in den Erb\u2019schen Pl\u00e4nen dokumentierten Dreiecksgiebel am Querhaus, an der Maria-Schnee-Kapelle und an der Westfassade. Zu den barocken Ver\u00e4nderungen am Au\u00dfenbau geh\u00f6rt auch die 1723 vom Bildhauer Johann Schuller anstelle einer alten breiten Treppenrampe neu errichtete gro\u00dfe barocke Treppenanlage, mit der die erh\u00f6ht stehende Kirche st\u00e4dtebaulich sehr wirkungsvoll an den Stiftsplatz angebunden wurde.<\/p>\n<p>Die reiche Ausstattung der Kirche in der Barockzeit belegt ein Verzeichnis von 1730, das insgesamt 17 Alt\u00e4re aufz\u00e4hlt. Bei der n\u00e4chsten gro\u00dfen Erneuerung 1771\/72 wurde besonders der Altarraum im Chor den Bed\u00fcrfnissen der Zeit angepasst, wobei man auch jetzt der Idee politischer und geistlicher Kontinuit\u00e4t folgte. Erneut gerieten die \u201eStiftergrabm\u00e4ler\u201c in den Fokus der Planer: Das \u00e4ltere Grabmal von K\u00f6nigin Liutgard wurde r\u00e4umlich und formal mit dem \u201eStiftergrab\u201c Herzog Ottos verbunden, wobei man sich an den vorhandenen \u00e4lteren Formen der Sp\u00e4tgotik und der Renaissance orientierte. Die nun stark erh\u00f6hte Altaranlage kombiniert raumillusionistische Stuckaturen mit geschickter Lichtregie und inszeniert den gotischen Chor nach barockem Raumempfinden. Mit der Aufl\u00f6sung des Stifts 1802 und mit dem \u00dcbergang des Territoriums an Bayern 1814 wurden Besitz und Eink\u00fcnfte in den \u201eAllgemeinen Schul- und Studienfonds\u201c \u00fcberf\u00fchrt. Die Liegenschaften verwaltete seither das \u201eStiftungsamt\u201c. Seit der Eingliederung Aschaffenburgs in die Di\u00f6zese W\u00fcrzburg 1821 wird die Stiftskirche als Pfarrkirche genutzt. Die barocke Ausstattung wurde bald wieder reduziert. Noch unter der Regentschaft Carl Theodor von Dalbergs (1744\u20131817) wurden zahlreiche Ver\u00e4nderungen in der Kirche vorgenommen und 1811 u. a. sechs Alt\u00e4re aus der Kirche entfernt und in die Schlossgalerie zur Erbauung der Hofes und zur Repr\u00e4sentation des Primatialstaates verbracht.<\/p>\n<p>Unter der \u00c4gide des seit 1860 t\u00e4tigen Vorstands des Stiftungsamtes, Michael Kaspar Martin, setzten nach Einrichtung eines Fonds zur Umgestaltung des Innenraums der Stiftskirche historisierende Ma\u00dfnahmen ein, die sich auf mehrere Fachgutachten st\u00fctzten. Dabei gelang es dem aus Aschaffenburg stammenden Generalkonservator Dr. Jakob von Hefner-Alteneck (1811\u20131903) vor allem mit weiteren Gutachten 1875\u201378 tiefere Eingriffe zu verhindern. Dennoch erfuhr die Ausstattung weit reichende Ver\u00e4nderungen: 1855 wurde der um 1700 anstelle des 1691 entfernten Lettners errichtete \u201eMuttergottes-Altar\u201c abgebaut und nach Haibach abgegeben. Nach Laufach kam sein Pendant, der \u201eHeilig-Kreuz-Altar\u201c, dessen Kruzifix aus dem Umfeld Tilman Riemenschneiders sich heute in der Skulpturensammlung der Staatlichen Museen in Berlin befindet. Am Triumphbogen errichtete man nun schr\u00e4g gestellte, neugotische Retabel des W\u00fcrzburger Bildhauers Andreas Halbig mit in Schreinen eingestellten Figuren und hoch aufragendem Gesprenge, wobei die alten Bildprogramme aufgegriffen wurden: Im Norden die \u201eHeiligen Drei K\u00f6nige in Anbetung des Kindes\u201c, seitlich mit den hll. Johannes der T\u00e4ufer und Josef, im Gesprenge die gekr\u00f6nte Gottesmutter und zwei weitere Heilige; im S\u00fcden eine Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Maria Magdalena, im Gesprenge der Auferstandene, die hl. Helena und eine weitere Heilige. Zwei vergoldete Kredenztische nach Entwurf von Bauinspektor Sodi waren schon 1851 von Bildhauer Simon geliefert worden. Auch am Kirchengeb\u00e4ude selbst wurden Ver\u00e4nderungen vorgenommen. So wurde 1874 das Dach des s\u00fcdlichen Seitenschiffs abgeflacht, um die Belichtung des Obergadens zu verbessern. Die umfangreichste Kampagne des Jahrhunderts fand 1881\/82 nach Pl\u00e4nen des Frankfurter Dombaumeisters Josef Denzinger und des Architekten Theodor Schlieben statt. Die Seitenschiffe wurden zum Querhaus ge\u00f6ffnet, die B\u00f6gen hingegen, welche die Querhausarme mit den Chorkapellen (Nikolauskapelle, Andreaskapelle) verbunden hatten, geschlossen, um Wandfl\u00e4chen f\u00fcr die genannten Alt\u00e4re von Andreas Halbig von 1855 zu gewinnen, die dann aber doch nicht dorthin versetzt worden sind. Stattdessen wurden neue Alt\u00e4re nach Entw\u00fcrfen von Schlieben im gotischen Stil errichtet: f\u00fcr den n\u00f6rdlichen Querhausarm (\u201eMartinskapelle\u201c) ein Martinsaltar, in dem der hl. Martin von Engeln flankiert unter einem Baldachin erscheint, an den Altarseiten Szenen aus seinem Leben. Ein auf die Wand gemalter, von Engeln getragener Vorhang bildete den Fond f\u00fcr den Altar, dessen Retabel etwa 7 m hoch war. Im s\u00fcdlichen Querhausarm (\u201eValentinskapelle\u201c) wurde ein Valentinsaltar errichtet, der den Heiligen von Szenen seiner Vita umgeben zeigte. Beide Alt\u00e4re f\u00fchrte Bildhauer Richard M\u00f6st aus K\u00f6ln (1881) aus. Die Kommunionbank fertigten nach Entwurf Schliebens der Frankfurter Bildhauer Kaspar Wei\u00df und der Schreinermeister Josef Fries aus Aschaffenburg. Das Renaissance-Chorgest\u00fchl von 1608 wurde an den Nordw\u00e4nden des Querhauses aufgestellt, wo es am 1944 den Bomben zum Opfer fiel. Die Alt\u00e4re gingen 1945 zugrunde. Stipes und Mensa der beiden genannten Alt\u00e4re von 1881 in den Querhausarmen sind erhalten und wurden 1956\/57 leicht ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Von den technischen Erg\u00e4nzungen sind etwa das bis 1888 in allen Schiffen installierte Gaslicht zu erw\u00e4hnen, das 1909 durch eine elektrische Beleuchtung ersetzt wurde, sowie der Einbau eines Tresors f\u00fcr den Stiftsschatz in der Sakristei durch die Frankfurter Firma Valentin Hammeran. Einen gro\u00dfen Eingriff bedeutete 1910 der Einbau der Warmluftheizung, der u. a. den ver\u00e4nderten Zuschnitt der Gruftanlagen zur Folge hatte. Trotz schwerer Kriegszerst\u00f6rungen vor allem im Bereich des Querhauses und des s\u00fcdlichen Seitenschiffs, blieb das Gesamtgef\u00fcge der Kirche weitgehend verschont. Der Wiederaufbau begann zum Teil schon im Sommer 1945. Die Kirche und die angrenzenden Stiftsgeb\u00e4ude, die seit 1861 das kommunale Stiftsmuseum beherbergten, gingen 1952 durch Schenkung an die Katholische Kirchenstiftung St. Peter und Alexander \u00fcber. Wiederherstellungen und Ver\u00e4nderungen erfolgten verst\u00e4rkt seit Mitte der 1950er Jahre im Hinblick auf die 1000-Jahr-Feier des Stiftes 1957. Die vom Architekten Franz Schmitt aus Aschaffenburg geleiteten Arbeiten standen unter Aufsicht des Bisch\u00f6flichen Ordinariats W\u00fcrzburg und des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege. Am 7. Juni 1958 verlieh Papst Pius XII. der Pfarrkirche den Ehrentitel einer \u201eBasilica minor\u201c. 1952 waren als Ersatz f\u00fcr die verloren gegangenen Alt\u00e4re des Historismus am Triumphbogen zwei einfache Alt\u00e4re mit textilen Wandbeh\u00e4ngen von Grete Badenheuer aus Essen-Werden angebracht worden, auf denen links die Muttergottes, rechts das Kruzifix dargestellt waren. Bei der liturgischen Neuordnung in den Jahren 1978\u201381 wurde diese Ausstattung wieder entfernt. Die Weihe des neuen Volksaltars mit den Reliquien der hll. Burkard von W\u00fcrzburg und Alexander sowie des sel. Liborius Wagner erfolgte am 8. November 1981. Altar, Ambo, Sedilien, der Osterleuchter aus Bronze und das Sakramentshaus wurden 1979 nach Entw\u00fcrfen von Max Walter aus Vasb\u00fchl bei Werneck in Anlehnung an die Beschl\u00fcsse des II. Vatikanums gefertigt. In gleicher Formensprache entstand damals auch der Sockel der wertvollen, allerdings verunkl\u00e4rend \u00fcberfassten gotischen Madonna aus der Zeit um 1450\/60.<\/p>\n<p>Baubeschreibung:<\/p>\n<p>Auf dem \u00f6stlichen Sporn des Stiftsberges wurden 1949 von Martin Klewitz durch Grabung die Reste der karolingischen Grabkapelle der K\u00f6nigin Liutgard aus der Mitte des 9. Jh., eines rechteckigen Steinbaus in den Ma\u00dfen von ca. 14,70\u00d79,80 m, ebenso nachgewiesen wie der ottonische Nachfolgebau. Die m\u00e4chtigen, zweischaligen Mauern der Kapelle mit St\u00e4rken zwischen 2,40 bis 2,45 m reduzierten deren Innenraum auf eine Breite von etwa 4,90 m. Die Ch\u00f6re der ottonischen wie der heutigen Kirche ruhen absichtsvoll auf dem Fundament der damit als Gr\u00fcndungsbau interpretierten Grabkapelle. Der durch Grabung festgestellte, dreischiffige Bauk\u00f6rper der ottonischen Kirche aus der Mitte des 10. Jh. mit einem durchgehendem Querhaus pr\u00e4gte als Vorbild die Gesamtdisposition der in gr\u00f6\u00dferen Dimensionen in der fr\u00fchen Gotik neu aufgef\u00fchrten heutigen Kirche. Das Langhaus der ottonischen Kirche ma\u00df 17,80 m in der lichten Breite, wobei das Mittelschiff bereits die heutige Abmessung einnahm. Auch das heutige Querhaus steht im Wesentlichen auf den Fundamenten des alten Querbaus, der ohne ausgeschiedene Vierung aufgef\u00fchrt wurde. Die ehem. Westfassade mit einem Portal in der Mitte lag etwa an der Stelle, wo in der heutigen Kirche das achte Pfeilerpaar von Osten steht. Klewitz schloss am ottonischen Westbau auf zwei seitliche T\u00fcrme und ein vorgelagertes Atrium. Quellen berichten von der Flucht eines Stiftslehrers vor 976 \u201ein turribus ecclesie\u201c. Die Grabung an der S\u00fcdwestecke der ottonischen Fassade im Bereich der Seitenkapellen der heutigen Kirche ergab aber keinen eindeutigen Befund f\u00fcr ein Turmfundament. \u201eIn turribus\u201c k\u00f6nnte, wie Oswald annahm, den massiven Westbau der Kirche gemeint haben, in dem sich eine Empore mit Altar befand (\u201ein occidentali altare sursum posito\u201c). Reste vorgelagerter Bauteile reichen bis unter die heutige Vorhalle. Dieses \u201eAtrium\u201c k\u00f6nnte nach Klewitz zun\u00e4chst auf einen unmittelbar vor dem Portal quer liegenden Bauk\u00f6rper von ca. 16 m L\u00e4nge beschr\u00e4nkt gewesen sein.<\/p>\n<p>Besch\u00e4digungen der ottonischen Kirche \u2013 ob durch Feuer oder Vernachl\u00e4ssigung des Geb\u00e4udes aufgrund politischdynastischer Ver\u00e4nderungen im Reich \u2013 gaben in staufischer Zeit abermals Anlass zum Neubau einer dreischiffigen Basilika mit Ostquerhaus und einschiffigem Chor sowie mit einem Kreuzgang, der wegen der topographischen Bedingungen im Norden anschlie\u00dft. Urkundliche Belege fehlen, doch Baubefunden zufolge begann man den Neubau in der 2. H\u00e4lfte des 12. Jh. im Bereich des westlichen Langhauses. Im Nordwesten ist ein \u201eTurmgeschoss\u201c durch Grabung und aufgehendes Mauerwerk nachgewiesen. Ob dieser Turm ausgef\u00fchrt worden war, zerst\u00f6rt oder aufgrund von Baum\u00e4ngeln abgetragen wurde, ist strittig. Das hier steil abfallende und f\u00fcr den Bau aufgesch\u00fcttete Terrain bot f\u00fcr einen Turmbau \u00fcberhaupt nur eingeschr\u00e4nkte M\u00f6glichkeiten. Das bei der Grabung 1949 freigelegte Mauerwerk war f\u00fcr eine Mehrgeschossigkeit recht schwach dimensioniert und diente als Westbau vielleicht nur als Widerlager f\u00fcr die Hochschiffarkaden und als Unterbau f\u00fcr eine neue Westempore. M\u00f6glicherweise glich die Westfassade des damaligen Neubaus dem verbreiteten Typus turmloser ottonischer Stifts- oder Grabeskirchen nach burgundischem Vorbild, etwa in der Art der Stiftskirche Berom\u00fcnster: mit einem basilikalen Aufriss mit Satteldach, Pultd\u00e4chern \u00fcber den Seitenschiffen, einem zentralen Portal und davor einer schmalen, queroblongen Vorhalle, die ebenfalls mit Pultach auf halber H\u00f6he an die Fassade anschlie\u00dft; dar\u00fcber eine Fenstergruppe, die in Aschaffenburg als Dreiergruppe aus der Bauzeit des 12. Jh. erhalten geblieben ist. Diesem Typus, dem etwa in der Nachfolge von Cluny II auch schon die Stiftskirche Zyfflich am Niederrhein folgt, entsprechen in Aschaffenburg auch das wenig \u00fcber die Flucht der Seitenschiffe vortretende Querhaus, der flache Chorschluss sowie die zwischen Querhaus und Chor gesetzten (doppelgeschossigen) Kapellen.<\/p>\n<p>Im Bauverlauf folgen im 2. Viertel des 13. Jh. die ein Joch tiefe Westempore, das Querhaus und der Chor und gegen Ende des Jahrhunderts die Vorhallen. Die \u00e4ltesten Steinmetzzeichen am Vierungspfeiler werden der 2. H\u00e4lfte des 13. Jh. zugewiesen. Das Langhaus mit zehn Achsen, das nach Entfernung des Lettners vor 1691 erst 1880\/81 auf elf Achsen erweitert werden sollte, wurde im Verh\u00e4ltnis zum Vorg\u00e4nger etwa doppelt so lang. Ebenso wurden die Seitenschiffe verbreitert. Das notwendige Heranr\u00fccken des Chors an Hang und Stadtmauer im S\u00fcdosten f\u00fchrte zur Abweichung der Chorachse nach Norden. Geschuldet war auch dies dem Wunsch, den Grabbau der K\u00f6nigin Liutgard im Sinne der geistlich-politischen Sukzession der Bauherren als Fundament des Chores zu integrieren. \u00dcber den Langhausarkaden sitzen im Obergaden Rundbogenfenster, von denen drei \u00fcber dem ehem. Orgelerker im Westen der S\u00fcdwand verk\u00fcrzt werden mussten. Charakteristisch f\u00fcr die Aschaffenburger Kirche ist der wohl auf den karolingischen Vorg\u00e4ngerbau zur\u00fcckgehende flache Schluss des einschiffigen Chores, der in zwei Jochen mit stark \u00fcberh\u00f6hten Kreuzrippengew\u00f6lben ausgef\u00fchrt wurde. W\u00e4hrend seine Gurte und B\u00f6gen ungegliedert sind, zeigen die spitzbogigen Rippen ein Birnstabprofil. Die Wandpfeiler entwickeln runde, sich ins Quadrat wendende Eckdienste mit Knospenkapitellen. Im Querhaus und im Vierungsgew\u00f6lbe erscheinen Schlusssteine bzw. ein Steinring. Der Chorbogen ruht auf maskierten und reich mit Akanthus ornamentierten Konsolen aus der Bauzeit. Die Gew\u00f6lberippen der Vierung sind im Querschnitt kleeblattf\u00f6rmig. Sie ruhen auf Dreivierteldiensten mit attischen Basen, Blattkapitellen und Schaftringen (Reste der Vergoldung des 19. Jh.).<\/p>\n<p>Aus dem westlichen Joch des Chores f\u00fchren Pforten in die angrenzenden R\u00e4ume. Im \u00f6stlichen Chorjoch sind an den Seiten zur Belichtung des Altarraums je zwei romanische Rundbogenfenster erhalten. Die gro\u00dfen dreibahnigen spitzbogigen Fenster an den Stirnw\u00e4nden des Querhauses sind nachgotische Zutaten der Erneuerung nach 1618. Zur effektvolleren Inszenierung des Chorraums wurde dessen gro\u00dfes Ostfenster 1771\/72 zugesetzt und der Chorschluss im Zuge des barocken Altarneubaus als flache Nische mit illusionistischem Architekturstuck gestaltet. Die seitlich in den Chorw\u00e4nden vorhandenen barocken Wandnischen wurden 1880\/82 mit K\u00e4mpferprofilen teilweise neuromanisch \u00fcberformt. Neben der raumk\u00fcnstlerischen Absicht bedingte auch der Einbau einer Gruftkammer die Erh\u00f6hung des \u00f6stlichen Chorjochs um sieben Stufen, wof\u00fcr auch die \u201eStiftergr\u00e4ber\u201c versetzt werden mussten. Der ehemals das Sanctuarium abgrenzende Lettner wurde 1691 durch ein Chorgitter des Schlossers Hans Georg Ulrich ersetzt, das man 1772 im Zuge der Hochaltargestaltung wieder beseitigte. Der Lettner schloss zuvor das letzte Joch des Langhauses mit Vierung und Chor zusammen. Eine Abtrennung gegen die Querhauskapellen unterblieb, da die Seitenschiffe im Osten urspr\u00fcnglich geschlossen waren. Fundamentreste des Lettners wurden von Klewitz ergraben; von der Bauplastik sind Kapitelle erhalten (Historisches Museum Frankfurt). Ein Plan des zwischen 1618 und 1625 im kurmainzischen Dienst t\u00e4tigen Hofbaumeisters Matthias Erb zeigt einen Lettner mit dreischiffigem und zwei Joche tiefem Gew\u00f6lbe, zur Vierung weist er Strebepfeiler und zwei den Vierungspfeilern vorgesetzte Spindeltreppen zur Lettnerempore auf. Zum Langhaus tragen vier frei stehende S\u00e4ulen verzogene Gew\u00f6lbe mit sp\u00e4tgotischen Stutzrippen. Drei Arkaden \u00f6ffneten sich zum Langhaus und je eine weit gespannte Arkade zu den beiden Seitenschiffen. Fath geht daf\u00fcr vom Vorbild des vor 1239 vollendeten Lettners des Naumburger Meisters und der Werkst\u00e4tten am Mainzer Dom aus. Der Erb\u2019schen Zeichnung zufolge erscheint der Lettner im Kern der polygonal vorspringenden Chorschranke der Marienkirche in Gelnhausen verwandt. Da der Erb\u2019sche Grundriss jedoch eher als Mischung von Bestandserfassung und Planung anzusehen ist, k\u00f6nnten die komplizierten Gew\u00f6lbeformen auf eine erst geplante \u00dcberarbeitung oder Erweiterung des Lettnergew\u00f6lbes hindeuten. 1568 wird jedenfalls ein Kreuzaltar am Lettner, der im Erb\u2019schen Plan am s\u00fcdlichen Pfeiler eingetragen ist, als Fr\u00fchmessaltar erw\u00e4hnt. Die nach dem Abbruch des Lettners fehlenden Langhauspfeiler vor dem Chorbogen wurden erst 1880\/81 in \u201ealter\u201c Form erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p>Nach dem Erb\u2019schen Plan waren die Querhausarme an den \u00f6stlichen Stirnseiten der Seitenschiffe urspr\u00fcnglich geschlossen. Hier f\u00fchrten nur kleine Pforten in die als eigenst\u00e4ndige Kapellen genutzten Querhausarme. In der n\u00f6rdlichen Thomaskapelle ist eine Altarstiftung schon 1259 nachgewiesen. Mit dem Abbruch der Martinskapelle am Badberg 1771\/72 wurde deren Patrozinium 1776 auf die hiesige Kapelle \u00fcbertragen. F\u00fcr den Thomasaltar hatte Konrad Bechtold (1698\u20131786) ein Altarblatt gemalt. Dieser Altar wurde 1816 abgebrochen und an seiner Stelle Heinrich Philipp Sommers (1778\u20131827) Erthal-Monument aufgestellt, wo es bis 1879 verblieb. Im s\u00fcdlichen Querhausarm, der \u201eValentinskapelle\u201c, stand der von Kardinal Albrecht beauftragte und aus Halle nach Aschaffenburg transferierte Valentinsaltar mit den Tafeln der Malerwerkstatt Lucas Cranachs. Die zweigeschossigen Chorkapellen zwischen Chor und Querhausarmen sind anstelle von Vorg\u00e4ngerbauten bereits in der 2. H\u00e4lfte des 13. Jh. entstanden. Sie waren urspr\u00fcnglich zum Querhaus mit Arkaden ge\u00f6ffnet, die man 1880\/81 f\u00fcr die Altareinbauten im Querhaus geschlossen hat. Die Andreaskapelle im S\u00fcden zeigt Kreuzgratgew\u00f6lbe \u00fcber Konsolen. Sie dient heute als Vorraum zur Sakristei. Noch zu Beginn des 19. Jh. ist in der Nordostecke ein Altar dokumentiert. \u00dcber eine Wendeltreppe der Renaissance gelangt man in das Obergeschoss, das 1554 als \u201eNeue Ornatkammer\u201c bezeichnet wird. Hier befand sich der sp\u00e4ter zugesetzte Zugang zum Oratorium (\u201eStand\u201c) Albrechts von Brandenburg. Nach Westen sind zwei zugesetzte, spitzbogige Fenster erhalten. Im Zuge des Sakristeianbaus wurde 1612\/13 die Wendeltreppe erweitert. Der obere Raum wurde damals als \u201eSilberkammer\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p>Die n\u00f6rdliche Chorkapelle, die Nikolauskapelle, dient heute als Lagerraum. Auch sie zeigt Kreuzgratgew\u00f6lbe \u00fcber Konsolen. Die urspr\u00fcnglich apsidiale Altarnische in der ehem. Ostwand wurde von Klewitz nachgewiesen. Die heute hier ansetzende Raumflucht ist eine Erweiterung von 1914 und diente als Paramentenkammer. Das Obergeschoss der Kapelle war vom Kreuzgang her zug\u00e4nglich. Der Raum ist mit einem Tonnengew\u00f6lbe versehen und ehemals gew\u00e4hrte ein kleines Fenster Einblick in den Chorraum. Auf der Nordseite befindet sich ein zweibahniges, nachgotisches Fenster. Der Raum, dessen urspr\u00fcngliche Funktion unbekannt ist, dient heute dem Stiftsmuseum zu Ausstellungszwecken. Im sp\u00e4ten 13. Jh. wurde am s\u00fcdlichen Seitenschiff, beginnend im Osten, mit dem Anbau von Kapellen begonnen. Diese Baut\u00e4tigkeit w\u00e4hrte bis gegen Ende des 14. Jh. Die Dreifaltigkeitskapelle umfasst zwei Joche und ist mit dem Seitenschiff \u00fcber zwei Kleeblattarkaden unterschiedlicher Weite und mit variierter Bogenlinie verbunden. An ihrer Ostwand befindet sich das Epitaph des Kanonikers Heinrich Reitzmann (\u20201528), darunter seit den 1950er Jahren die \u201eBeweinung Christi\u201c von Matthias Gr\u00fcnewald. Die folgenden vier Kapellen mit Kreuzgratgew\u00f6lben springen leicht \u00fcber die Flucht des Querhauses vor. Sie wurden 1811 durch \u00d6ffnung der Trennw\u00e4nde r\u00e4umlich aneinander gekoppelt. Die Magdalenenkapelle vom Anfang des 14. Jh. hat drei getreppte Spitzbogenfenster mit je zwei Bahnen. Hier befindet sich seit seiner Entstehung der Magdalenenaltar von Hans Juncker von 1617\/20. Die Jakobuskapelle hat drei gleich hohe Spitzbogenfenster, w\u00e4hrend die Laurentiuskapelle ein Kreuzrippengew\u00f6lbe ohne Konsolen und erneut getreppte Spitzbogenfenster zeigt. Die Leonhardskapelle stammt aus dem fr\u00fchen 15. Jh. Ihr Gew\u00f6lbescheitel liegt h\u00f6her als bei den vorher genannten Kapellen. Sie hat ein Kreuzrippengew\u00f6lbe mit Birnstabprofil und ein sechsteiliges Spitzbogenfenster. Die Kapellen im Norden entstanden erst Ende des 15. Jh. Sie weisen, bedingt durch ihre Lage am n\u00f6rdlichen, zum Kreuzgang f\u00fchrenden Umgang, eine nur geringe Tiefe auf. Die \u00f6stliche Nothelferkapelle (bis 1803 Hieronymuskapelle) besitzt ein Kreuzrippengew\u00f6lbe. An ihrem Bogen befindet sich das Wappen des Erzbischofs Berthold von Henneberg (reg. 1484\u20131504), an der Westwand steht das Epitaph des Stifters, des Kanonikers und Kustos Johannes Will (\u2020 1517), dessen Wappen auch im Gew\u00f6lbe erscheint. 1811 wurde der 1682 gestiftete Nothelferaltar aus der benachbarten Annakapelle in diese Kapelle \u00fcbertragen.<\/p>\n<p>Die Annakapelle zeigt ein Kreuzrippengew\u00f6lbe und Fensterma\u00dfwerk mit Fischblasenmotiven. Hier wird 1568 ein Annenaltar erw\u00e4hnt. In der Kapelle befindet sich die um 1645\/45 entstandene Kalvarienberggruppe mit hl. Katharina und \u201eAnna selbdritt\u201c von Zacharias Juncker d. \u00c4. (1578\u20131665); sie ist der Rest des sog. \u201eTaufaltars\u201c, der sich von 1767 bis 1879 in der s\u00fcdlichen, danach bis 1981 in der n\u00f6rdlichen Turmkapelle befand. Die Maria-Schnee-Kapelle wurde von den Kanonikern Georg und Kaspar Schanz gestiftet. Kardinal Albrecht von Brandenburg weihte sie am 21. Oktober 1516. Der Bau erstreckt sich \u00fcber zwei Geschosse und \u00fcberw\u00f6lbt die Nordvorhalle. Dabei schneidet die Fassadengliederung in die Arkadenstellung des 13. Jh. ein. Der Kapellenraum mit zwei in west\u00f6stlicher Richtung angelegten Jochen wird von Sterngew\u00f6lben mit Schlingrippen \u00fcber fig\u00fcrlichen Konsolsteinen charakterisiert. An der Nordwand tr\u00e4gt der Gew\u00f6lbeanf\u00e4nger das Wappen Kardinal Albrechts mit Widmungsinschrift. Als Schlussstein erscheint im Gew\u00f6lbe das b\u00fcrgerliche Wappen der Br\u00fcder Schanz. Die Gew\u00f6lbe im n\u00f6rdlichen Seitenschiff wurden an der durch zwei Spitzbogenarkaden gegliederten Licht\u00f6ffnung zum Kircheninneren erh\u00f6ht; im Dachgeschoss zugesetzte S\u00e4ngerempore. An der Ostwand der Kapelle befindet sich das bedeutende Renaissance-Retabel f\u00fcr Matthias Gr\u00fcnewalds \u201eMaria-Schnee-Altar\u201c. 1871\/73 erfolgte im Innern eine Rekonstruktion der Gew\u00f6lbemalerei nach Befund. Die Wandschale wurde daraufhin mit einem \u201eTeppichmuster\u201c gefasst. Die Schmiedearbeiten aus dieser Zeit wurden nach Entw\u00fcrfen des Architekten Schlieben ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die sp\u00e4tromanische Westempore wird in Quellen des 17. Jh. \u201ehinterer Lettner\u201c genannt und war von Anfang an mit einem Altar ausgestattet. Ihre Vergr\u00f6\u00dferung zu einer dreischiffigen S\u00e4nger-, sp\u00e4ter Orgelempore erfolgte in nachgotischen Formen ab 1618 unter Leitung von Matthias Erb. Das Gew\u00f6lbe wurde in der Tiefe zweijochig mit breiten Gurten und Kreuzgratgew\u00f6lben unter Verwendung aufwendiger \u00e4lterer Blattkapitelle aus der Zeit um 1220\/30 ausgef\u00fchrt. Diese stammen wahrscheinlich aus dem Abbruchmaterial der alten, 1552 zerst\u00f6rten Aschaffenburger Burg. Die vegetabilen Formen weisen nach Fath u. a. nach Mainz (Dom, Leichhofportal) und Gelnhausen (St. Peter). Zum Langhaus hin schlie\u00dft die Empore mit gekuppelten S\u00e4ulenpaaren. Von den Vorhallen, die als Umgang der \u00e4u\u00dferen Erschlie\u00dfung des Kreuzgangs dienten, f\u00fchren zwei Portale ins Kircheninnere: das um 1220\/40 entstandene Hauptportal im Westen und das wohl noch etwas \u00e4ltere Nordwestportal. \u00dcber diesem wurde ein 1483 datiertes Lichth\u00e4uschen angebracht. Als drittes verbindet das Nordostportal, das wohl aus der Bauzeit des Chores stammt, den Kreuzgang mit dem n\u00f6rdlichen Seitenschiff. Das dreifach gestufte Westportal wird durch eine durchlaufende Archivolte mit Rankenfries charakterisiert. Die nahezu vollplastischen Figuren der Stiftspatrone im Tympanon \u00fcberschneiden dessen Bogenlinie und steigern dadurch den r\u00e4umlichen Eindruck der Skulpturengruppe. Wie am etwa zeitgleichen Hochaltargem\u00e4lde (Stiftsmuseum) erscheint der thronende Heiland am Ende der Zeit flankiert von Petrus mit dem Schl\u00fcssel in antikisierender Tracht und dem hl. Alexander in p\u00e4pstlichem Ornat mit M\u00e4rtyrerpalme. Wirth konnte Vorbilder f\u00fcr die Bildhauerarbeit u. a. am Dom zu Worms und an St. Peter in Gelnhausen wahrscheinlich machen. Eine Restaurierung des Portals erfolgte 1881\/82. Die westliche Vorhalle wurde wie auch das Langhaus zwischen 1719\u201321 durch Heinrich Wilhelm Warth aus Heidelberg mit einer Tonnendecke \u00fcber Lattenger\u00fcst versehen. Unter dem Boden der Vorhalle und bis in den nordwestlichen \u201eTurmstumpf\u201c reichend, hat sich ein bis in das 18. Jh. als Karner genutztes Gew\u00f6lbe erhalten. Es wurde im Zuge der Kirchenerneuerung in den Jahren 1875\/79 verf\u00fcllt. Nach Fath zeugt die Stiftskirche in der heute noch vorherrschend sichtbaren Gestalt des 13. Jh. vom Einfluss der niederrheinischen Baukunst. \u00dcber den Westchor des Mainzer Doms, die Marienkirche in Gelnhausen sowie \u00fcber Motive am Chor der Abteikirche in Seligenstadt und der Klosterkirche Bronnbach sei dieser verwandte Formbestand mit der Ornamentik der Aschaffenburger Stiftskirche verbunden. Fath verwies zudem auf westf\u00e4lische Vorl\u00e4ufer, insbesondere die verwandte Chorgestalt des Doms zu Paderborn, und, wie Wirth, auf \u00c4hnlichkeit der Tympanonplastik am ehem. Portal des Wormser Doms. Klewitz sah dagegen f\u00fcr die fr\u00fchen Bauteile und f\u00fcr das Aschaffenburger Langhaus das Vorbild in den Reformbauten der Hirsauer Schule und verwies f\u00fcr die sp\u00e4teren Teile auf die zisterziensische Bautradition (Maulbronn, Ebrach, Michaelskapelle). Die zeitliche Abfolge beschrieb er als mit den Bauten in Mainz beginnend, worauf die Bauten von Aschaffenburg folgten, die er um 1250 als weitgehend vollendet erachtete, und dann, wiederum hiervon beeinflusst, als mit Babenhausen (Pfalzsaal) und Gelnhausen abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>Der Neubau der Kirche im sp\u00e4ten 12. und 13. Jh. stellte eine ambitionierte Erweiterung nach Westen dar, in der man die Kirche bis hart an den Rand der bebaubaren Fl\u00e4che f\u00fchrte. Jedoch erst der Architekt der sp\u00e4ten Gotik errichtete s\u00fcdlich der Fassade einen Turm auf dem dort geeignet erscheinenden Baugrund. Das m\u00e4chtige Bauwerk dient bis heute als weithin sichtbare Landmarke. Der S\u00fcdturm wurde vielleicht schon vor 1418, als Stiftungen f\u00fcr den Kirchenbau belegt sind, begonnen. F\u00fcr einen Plan, dem S\u00fcdturm ein Pendant im Norden an die Seite zu stellen, gibt es keine Anhaltspunkte, auch wenn man aus einem vermuteten misslungenen fr\u00fcheren Versuch einer Zweiturmfront am absch\u00fcssigen Stiftsberg entsprechende Schl\u00fcsse gezogen hat. Der Turm erhebt sich \u00fcber zweigeschossigem, quadratischem Unterbau mit Strebepfeilern. Das Erdgeschoss wurde als Turmkapelle mit Kreuzrippengew\u00f6lbe und ringf\u00f6rmigem Schlussstein angelegt und besitzt vierbahnige gotische Ma\u00dfwerkfenster. Das zweite hohe Turmgeschoss weist nur kleine gekuppelte Spitzbogenfenster auf. Dar\u00fcber folgt die hohe, ungleichm\u00e4\u00dfig oktogonale Glockenstube \u00fcber einer kr\u00e4ftig dimensionierten Sockelzone. Der R\u00fccksprung am Abschluss des Turmquadrats zum Oktogon wird durch eine umlaufende Ma\u00dfwerkbalustrade und Fialen \u00fcber kleinen Strebepfeilern akzentuiert. Die hohen, zwei- bzw. dreibahnigen Schallfenster laufen in Dreip\u00e4ssen und bekr\u00f6nendem Vierpass aus und werden von Strebepfeilern mit Fialen begleitet. Die Fensterverdachung bilden reich verzierte Wimperge mit bekr\u00f6nenden Kreuzblumen. Der Turm wurde in den oberen Partien erst gegen Ende des 15. Jh. fertiggestellt. Technologische Untersuchungen der erhaltenen Bauh\u00f6lzer im Dachwerk lieferten F\u00e4lldaten zwischen 1342\/43 und 1420\/21. Der bekr\u00f6nende Engel wurde 1539 aufgesetzt. Der steil aufragende Turmhelm ist heute schiefergedeckt (1970\/71) und weitgehend schmucklos. Eine umfassende Au\u00dfenrenovierung mit Sanierung des Glockenturms erfolgte in den Jahren 2003\/06. Die Turmkapelle im nordwestlichen \u201eTurmstumpf\u201c diente ehemals als Paramentenkammer mit Zugang von der Vorhalle. Von 1879 bis 1981 war sie als \u201eTaufkapelle\u201c in Gebrauch, seitdem als \u201eMarienkapelle\u201c. Ein 1881\/82 neu eingezogener Rundbogen \u00f6ffnet sie zum Emporengew\u00f6lbe. Die Wand- und Deckenausmalung von 1875\/79 wurde 1981 wieder freigelegt. Sie besteht aus gequaderten Wandfl\u00e4chen mit oben und unten durchlaufenden Zierfriesen und einem blauen, goldgestirnten Himmel .<\/p>\n<p>In der Karwoche 1945 erfolgten an der S\u00fcdseite der Kirche starke Besch\u00e4digungen durch Artilleriebeschuss. 1946\/48 wurden erste Erg\u00e4nzungen der Dachkonstruktion und des Umgangs sowie der Schiefereindeckung durchgef\u00fchrt. Die Erneuerung der Ma\u00dfwerkfenster erfolgte in ver\u00e4nderten Formen durch die Meisterschule f\u00fcr Steinmetze, Aschaffenburg. Das Gel\u00e4ute der Stiftskirche umfasst heute 10 Glocken, darunter die um 1250 gegossene Gloriosa (f\u2019) als einzige in situ verbliebene Glocke des historischen Bestands. Alle \u00fcbrigen Glocken wurden zwischen 1955 und 2005 hergestellt. Das vergoldete Zifferblatt der Turmuhr tr\u00e4gt die Datierung 1714. Uhr und L\u00e4utwerk wurden 1872 von der Firma J. Mannhardt, M\u00fcnchen, installiert. 1958 wurde ein Werk der Firma Neher S\u00f6hne, M\u00fcnchen, eingebaut. Die Au\u00dfenfassade der Maria-Schnee-Kapelle war bis zur barocken Dacherneuerung mit einem Treppengiebel abgeschlossen und von drei Strebepfeilern mit Figurenbaldachinen gegliedert. Die Kapelle erreichte am Au\u00dfenbau die H\u00f6he und Ausdehnung eines zweiten \u201eQuerhausarms\u201c im Westen. Durch ihren Bau wurde eine bewusste st\u00e4dtebauliche Ma\u00dfnahme getroffen und die \u201eHauptfassade\u201c der Kirche von der eng bebauten Westseite dem offenen Platz zugekehrt. In die Fassade wurde die um 1440 entstandene Figurengruppe des hl. Martin mit dem Bettler, des Stadt- und Bistumspatrons, deren Original sich heute im Stiftsmuseum befindet, eingesetzt. Sie wurde ebenso wie die um 1500 anzusetzende Drei-K\u00f6nigs-Gruppe an den Strebepfeilern 1981 kopiert; letztere gelangte ins Kircheninnere.<\/p>\n<p>Den starken H\u00f6henanstieg zwischen dem Niveau des Stiftsplatzes und der Vorhalle der Kirche mit ihrer neuen durch die Maria-Schnee-Kapelle bewirkten Hauptfassade erschloss urspr\u00fcnglich eine schlichte Treppenrampe. Die Umorientierung der Hauptfassade wurde 1723 durch die repr\u00e4sentative, vom Platz her \u00fcberleitende barocke Treppenanlage des Steinmetzen Johann Schuller aus Pflaumheim st\u00e4dtebaulich hochwirksam gesteigert. Mit wenigen breiten Stufen anhebend, f\u00fchrt sie, einen heute begr\u00fcnten Hof einfassend, mit zwei je zweil\u00e4ufigen Armen auf die der n\u00f6rdlichen Vorhalle vorgelagerte Terrasse. Dabei wird ihre r\u00e4umliche Qualit\u00e4t durch die schweren Balustraden unterstrichen. Der Treppenhof wird als hyp\u00e4thraler Andachtsraum am Eingang von den monumentalen Figuren der Stiftspatrone St. Peter und Alexander flankiert. \u00dcber seiner Stirnseite steht oben \u00fcber der Br\u00fcstung auf der Terrasse eine gro\u00dfe Kreuzigungsgruppe. Sie ist eine Stiftung des Kustos Johann Heinrich R\u00fccklin und wurde 1699 von Anton Wermerskirch (1654\u20131728) aus Aschaffenburg geschaffen. Die Originalfiguren der Stiftspatrone von 1723 vom Speyrer Bildhauer Vinzenz M\u00f6hring (1718\u20131777) befinden sich heute im Museum, statt ihrer wurden 1931 die Sandsteinkopien des Aschaffenburger Bildhauers Otto Gentil (1892\u20131969) aufgestellt, die wiederum nach Kriegszerst\u00f6rung durch die Steinmetzschule ersetzt werden mussten. 1870 wurde die neue Hauptfassade nach Pl\u00e4nen von Professor Georg Eberlein aus N\u00fcrnberg mit einem reichen neugotischen Fassadengiebel nachgestaltet. Der neue Treppengiebel, der weit unter der H\u00f6he des barocken Traufgesims mit einem gestuften, von einem Ma\u00dfwerkfries begleiteten Kaffgesims ansetzt, wird von Fialen und Ma\u00dfwerkornamenten gegliedert, die, nach oben hin vollplastisch werdend, dem Giebel eine gesprengeartige Erscheinung verleihen. In der Giebelmitte erscheint unter einem krabbenbesetzten Kielbogen eine Ma\u00dfwerkrosette (Ma\u00dfwerk 1978\/81 z.T. erneuert). Darunter befindet sich auf einer im Kaffgesims verkr\u00f6pften Konsole und von einem gotischen Baldachin \u00fcberfangen die o. gen. Figurengruppe des hl. Martin mit dem Bettler. Der Platz, die 1995 mit der Rekonstruktion der \u201eL\u00f6wenapotheke\u201c vervollst\u00e4ndigte Randbebauung und die Kirche bilden gemeinsam ein markantes stadtr\u00e4umliches Ensemble, zu dem der qualit\u00e4tsvolle Rathausneubau (1958) in einen reizvollen Dialog tritt.<\/p>\n<p>Ausstattung:<\/p>\n<p>In ihrer bis heute reichen Ausstattung tritt die \u00fcber 1000-j\u00e4hrige Kunst- und Fr\u00f6mmigkeitsgeschichte der Kirche zum Teil in Werken von h\u00f6chstem Rang in Erscheinung. Gleichwohl sind im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Werke verloren gegangen, andere sind in \u00f6ffentliche Sammlungen gelangt, darunter die Museen der Stadt Aschaffenburg (Stiftsmuseum und Schlossmuseum) und die Bayerischen Staatsgem\u00e4ldesammlungen. Diese historisch bedingte Abwanderung betrifft insbesondere den einst gro\u00dfen Bestand an Werken Matthias Gr\u00fcnewalds. Unter den zahlreichen Tafelbildern, die das Stiftungsamt 1829 an die Bayerische Zentralgem\u00e4ldegalerie verkaufte, befand sich auch die Erasmus-Mauritius-Tafel (vor 1525), die 1836 Teil der glanzvollen Er\u00f6ffnung der Alten Pinakothek in M\u00fcnchen war. Schon 1613 hatte man als Geschenk f\u00fcr Herzog Wilhelm V. Gr\u00fcnewalds \u201eVerspottung Christi\u201c (um 1503\/05) an den M\u00fcnchner Hof gegeben, eine Tafel, die urspr\u00fcnglich wohl Teil eines Epitaphs f\u00fcr den Vizedominus Johannes von Cronberg (\u20201506) gewesen war. Nach 1809 gelangte, ebenfalls nach Verkauf, Gr\u00fcnewalds \u201eStuppacher Madonna\u201c in die Pfarrkirche des gleichnamigen Ortes nahe Wertheim. Das heute an der n\u00f6rdlichen Langhauswand der Kirche angebrachte \u00fcberlebensgro\u00dfe ottonische Kruzifix kann nach einer 1988\/90 durchgef\u00fchrten Untersuchung in die Zeit kurz nach 980 datiert werden (Kreuz dendrochronologisch auf \u201e978\u201c, Korpus mit C-14-Methode \u201eum 980\u201c datiert). Es z\u00e4hlt damit zu den \u00e4ltesten gro\u00dfplastischen Werken des Mittelalters in Deutschland. Die eindringliche Darstellung hing sehr wahrscheinlich im Triumphbogen der ottonischen Kirche. Dass es sich noch in der staufischen Kirche an solcher Stelle befand, belegt nach Horn das zweite, aufgemalte und erst bei der Restaurierung 1952 in den Werkst\u00e4tten des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege auf der R\u00fcckseite unter einer \u00dcberfassung wieder entdeckte Kruzifix des fr\u00fchen 15. Jh.. Das Kreuz besteht aus Eichenholz, der Korpus ist aus Linde gearbeitet; beide Teile zeigen weitgehend Originalfassung. Der Typus folgt dem mit vier N\u00e4geln gemarterten Christus mit Suppedaneum. Das nach links gewendete Haupt wird von einem gemalten Kreuznimbus hinterfangen. Der an den R\u00e4ndern des Kreuzes umlaufende Edelstein- und Perlenfries erinnert nicht nur formal an das als crux gemmata gestaltete \u201eMathildenkreuz\u201c im Essener Stiftsschatz, auf dem r\u00fcckseitig die \u00c4btissin Mathilde (\u20201011) und ihr Bruder Herzog Otto von Schwaben gemeinsam als Stifter erscheinen. M\u00f6glicherweise handelt es sich bei dem repr\u00e4sentativen Aschaffenburger Bildwerk um eine Ged\u00e4chtnisstiftung Mathildes f\u00fcr ihren 982 verstorbenen Bruder. Beide waren Erben aller mit dem Stift verbundenen Rechte, die nach dem Tod des Herzogs als Schenkung an den Mainzer Stuhl gelangten. Das ottonische Kruzifix befand sich lange Zeit am Treppenaufgang zur Maria-Schnee-Kapelle. 1952 tauschte es den Platz mit dem im \u201ebyzantinischen\u201c Stil von Ludwig Foltz 1862 geschaffenen Kruzifix im Langhaus, wobei man dessen neuromanische Konsole \u00fcbernahm.<\/p>\n<p>Zu den \u00e4ltesten Ausstattungsst\u00fccken der Kirche z\u00e4hlt das 1986 im Fehlboden des Stiftskapitelhauses aufgefundene Aschaffenburger Tafelbild aus der Zeit um 1240\/50. Es stammt vermutlich vom ehem. Hochaltar der Stiftskirche und befindet sich im Stiftsmuseum. Auf \u00fcber Eichenholz gespanntes Pergament gemalt, zeigt es die Deesis, Christus flankiert von Maria und Johannes dem T\u00e4ufer, und die Stiftspatrone, die hll. Petrus und Alexander. Das Bild unbekannter Herkunft geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten Tafelgem\u00e4lden Deutschlands. Elemente des \u201eZackenstils\u201c verbinden es mit der mittelrheinischen Kunst wie auch mit Werken des W\u00fcrzburger Raums. Das \u201eStiftergrabmal\u201c Herzog Ottos in der s\u00fcdlichen Chorwand, der heute auf dem Niveau der barocken Altaranlage von 1772 in eine Nische eingelassene Sarkophag des 13. Jh., bildete mit dem Otto-Epitaph von 1524, dem historisierend gestalteten Erbach\u2019schen Epitaph von 1606 und der Hallenser Grabplatte Kardinal Albrechts ein im Laufe der Zeit zusammengewachsenes Ensemble. Die so nach und nach entstandene, der Memoria zentraler Protagonisten der Stiftsgeschichte dienende Grabanlage im Chor (\u201ein loco epitaphii\u201c) stand im Dienste des Sukzessionsgedankens der Mainzer Erzbisch\u00f6fe. Diese Auffassung wurde noch im Barock durch eine formale, gotisierende Vereinheitlichung unterstrichen, seit dem 19. Jh. im Zuge der Nutzung als Pfarrkirche jedoch \u00fcberformt und in j\u00fcngster Zeit durch Abtrennung einzelner Teile ganz in musealisierender Weise ver\u00e4ndert und dadurch in ihrer urspr\u00fcnglichen Intention verunkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Wie die bei \u00d6ffnung der Sarkophage von Herzog Otto und K\u00f6nigin Liutgard 1956 festgestellten geringen Innenma\u00dfe der Beh\u00e4lter (1,74\u00d70,56\u00d70,42 m und 1,48\u00d70,26\u00d70,23 m) nahelegen, scheint schon im 13. Jh. die r\u00e4umliche Inszenierung der \u201eStiftergrabm\u00e4ler\u201c mehr im Vordergrund gestanden zu haben als die eigentliche Umbettung der Leichname, wof\u00fcr auch die Zusammenlegung der Gebeine K\u00f6nigin Liutgards mit jenen ihrer Tochter Hildegard (\u2020 895) spricht. 1772 wurde der Sarkophag Ottos in eine h\u00f6here und weiter \u00f6stlich liegende Position versetzt und erst beim Einbau des Chorpodestes mit dem Wandepitaph f\u00fcr Herzog Otto von 1524 vereinigt. Wahrscheinlich stand der um 1260 entstandene, allansichtig gearbeitete Sarkophag Herzog Ottos einst frei im Chorraum. Doch schon seit dem 15. Jh. befand er sich, dem Liutgard-Monument entsprechend, in einer ausgemalten Nische in der S\u00fcdwand und war von oben und an drei Seiten zug\u00e4nglich. Das vertiefte Feld des Tumbendeckels war urspr\u00fcnglich mit einer gemalten oder stuckierten Darstellung des Herzogs versehen, deren Umrisse beim Ausbau noch erkennbar waren. Als Ersatz hierf\u00fcr schuf 1606\/08 Hans Juncker die den Herzog historisierend darstellende Bildnisplatte, die sich heute im Stiftsmuseum befindet. 1772 wurde dieses Relief entfernt und der Sarkophag unter dem Otto-Epitaph von 1524 wandb\u00fcndig eingemauert. Dieses von Kanonikus und Kustos Heinrich Reitzmann in Auftrag gegebene Epitaph ist mit einem Korbbogen abgeschlossen und wird von einem Eselsr\u00fccken bekr\u00f6nt. Im Bogenfeld erscheint die mit \u201eOTTO DVX\u201c bezeichnete Halbfigur des \u201eStifters\u201c. Die Steinarbeiten werden dem im Stift etwa zwischen 1520 und 1530 t\u00e4tigen Meister Wendel zugeschrieben. Otto ist mit Herzogshut und Schwert in einem mit Hermelin verbr\u00e4mten Umhang wiedergegeben. Gefl\u00fcgelte Genien pr\u00e4sentieren die Wappen von Schwaben, Bayern und Sachsen. Die bronzene Inschriftenplatte ist mit seitlichen Balusters\u00e4ulen und gefl\u00fcgelten Genien besetzt. Letztere tragen Trauerfackeln und halten jeweils einen Reichsapfel als Zeichen von Ottos Abkunft aus kaiserlicher Familie in der Hand. Die Tafel wurde von Mader und Arens der N\u00fcrnberger Vischer-H\u00fctte zugewiesen. Reitzmann lieferte wohl den Text der Inschrift. Sie bezeichnet K\u00f6nigin Liutgard und Herzog Otto, einem damals verbreiteten Gr\u00fcndungsmythos folgend, f\u00e4lschlich als Eheleute und nimmt Hildegard, einst Nonne im Konvent von Kloster Chiemsee, als deren gemeinsame Tochter in Anspruch. Das untere, in Stein ausgef\u00fchrte Distichon ist Teil der Wandnische. Sein appellativ vorgetragener Vanitas-Topos wird seitlich von den Allegorien \u201eJugend (Leben)\u201c und \u201eTod\u201c in Gestalt eines M\u00e4dchens und eines gekr\u00f6nten Totensch\u00e4dels illustriert.<\/p>\n<p>Das \u201eStiftergrabmal\u201c der K\u00f6nigin Liutgard und ihrer Tochter Hildegard (\u2020 895) an der Nordwand des Chores entstand um die Mitte des 13. Jh. zusammen mit dem Chorneubau. Farbabnahmen einer \u00dcberfassung von 1881\/82 und eine anschlie\u00dfende Restaurierung erfolgten durch Hans Schubert, Karlstein, nach der \u00d6ffnung von 1956. Nach Arens wurde damals eine flache Wandnische (T. 0,29 m) mit Segmentbogen sowie Resten einer sp\u00e4ter \u00fcbert\u00fcnchten Wandmalerei des 15. Jh. freigelegt, auf der Liutgard und Hildegard ein Kirchenmodell mit Doppelt\u00fcrmen auf den H\u00e4nden tragen. Mit der Wandmalerei am Turmaufgang, einer \u201eKreuzigung\u201c des 15. Jh., und einigen Fragmenten im Kreuzgang sind dies die geringen Reste einer einst wohl umfangreicheren Ausmalung der Kirche. Beim Ausbau des Sarkophags zeigte sich zudem, dass die Tumba der K\u00f6nigin Liutgard jeweils seitlich etwa bis zur H\u00e4lfte sauber und teilweise durchbrochen gearbeitet ist und somit urspr\u00fcnglich in der Nische des 13. Jh. nur teilweise frei stand. Wie beim Otto-Grabmal gegen\u00fcber wurde der Sarkophag 1772 beim Einzug des Chorpodestes erh\u00f6ht und nach Osten versetzt eingemauert. Johann Wirsching, Konrad Sch\u00fcller und Franz Wilhelm K\u00f6hler fertigten im Auftrag des Kapitels dazu in gotischen Formen nach Vorbild des Otto-Grabmals den architektonischen Wandschmuck aus Stuck und bemaltem Sandstein. Auf diese Weise wurde das formal heterogene Ensemble zusammen mit dem neuen Hochaltar zu einer repr\u00e4sentativen Grabanlage im Chor vereinheitlicht. Im Bogenfeld des Liutgard-Grabmals pr\u00e4sentieren zwei Putten das Wappen Sachsens. Die beim Umbau angebrachte Inschrift greift wie am Otto-Epitaph den Gr\u00fcndermythos des \u201eStifterehepaares\u201c auf. Die untere in Stein ausgef\u00fchrte Inschrift mit Chronogramm (1772) bildet mit \u201eM\u00e4dchen\u201c und \u201eTotensch\u00e4del\u201c die Vanitas-Thematik des Otto-Grabmals nach. Die Nischenarchitektur wurde 1956 nach Wassersch\u00e4den durch kriegsbedingte Besch\u00e4digung weitgehend erneuert. Der heutige 1771\/74 errichtete Baldachinaltar folgt einem Entwurf des kurtrierischen Hofarchitekten Johannes Seitz. Ausf\u00fchrende der Marmorarbeiten waren Johann Hoyer aus Mainz und Hieronymus Schwind aus Nassau-Diez. Johann Michael Henle aus Mainz f\u00fchrte die Schreiner- und Bildhauerarbeiten aus und Christoph Erbes \u00fcbernahm 1774 die Fassmalereien. Die Konkurrenzentw\u00fcrfe des kurpf\u00e4lzischen Hofbaumeisters Francesco Rabaliatti (um 1716\u20131782) und Johann Konrad Bechtolds aus Aschaffenburg sind erhalten.<\/p>\n<p>Die Altaranlage mit den Patrozinien Gottvater, Maria Himmelfahrt, Petrus und Alexander, Jakobus sowie Martin von Tours wurde auf die optische Weitung der durch die Topographie eingeschr\u00e4nkten Chorarchitektur angelegt. Sie nutzt das Motiv des seitlichen Lichteinfalls sowie der r\u00e4umlichen Trennung von Altartisch und Tabernakel f\u00fcr einen r\u00e4umlich-illusionistischen Effekt. An der Bekr\u00f6nung erscheint das Stifterwappen des Kanonikers Jakob Merkel (\u2020 1769), der ein Legat f\u00fcr diesen Altar hinterlassen hatte. Die Weihe erfolgte im September 1775. Der Baldachin wurde 1881\/82 graugr\u00fcn gefasst, eine Farbabnahme und angleichende Restaurierung erfolgte 1956 durch Hans Schubert, Karlstein. Hinter dem um drei Stufen erh\u00f6ht stehenden Altar erscheint der zugeh\u00f6rige, r\u00fcckw\u00e4rtig an der Chorwand errichtete Tabernakel in Form eines von Engeln flankierten sp\u00e4tbarocken Altaraufbaus. Der Altar wird \u00fcberfangen von einem den Chorraum einnehmenden Ziborium in Form eines offenen Baldachins aus vier, auf hohen Postamenten stehenden S\u00e4ulen, die \u00fcber Geb\u00e4lkfragmenten ein geschwungenes Gesims tragen. \u00dcber den S\u00e4ulen entwickeln sich in zwei gegenl\u00e4ufigen C-Schw\u00fcngen schlanke Volutenspangen, die einen weiteren verkr\u00f6pften Gesimsring emporheben. Der Nahtstelle zwischen den Voluten entwachsen im Schwung nach oben strebende B\u00e4nder, die in eine Palmpflanze \u00fcbergehen, die den Gesimsring nach oben durchsteigt und diesen bekr\u00f6nt. W\u00e4hrend das vordere Baldachingesims sich \u00f6ffnend nach oben gebogen ist, erscheint am r\u00fcckw\u00e4rtigen Gesims eine transparente Gloriole, von der Lichtb\u00fcndel aus Wolken auf Tabernakel und Altar fallen. Der Hochaltar geht letztlich wie viele Alt\u00e4re des 18. Jh. in seiner Gestalt auf Berninis Baldachin in St. Peter in Rom von 1624\/33 zur\u00fcck und transponiert die klassische Idee in eine lichte und leichte Variante des Rokokos, zu der auch die als Hintergrund wirkende Gloriole \u00fcber dem Tabernakel wirkungsvoll in Einklang gesetzt ist.<\/p>\n<p>Der Hochaltar der Stiftskirche fand noch im 18. Jh. Nachahmungen in der Muttergottespfarrkirche (Schlo\u00dfstra\u00dfe 13) und in der Pfarrkirche St. Justinus von Alzenau. Die am n\u00f6rdlichen \u00dcbergang zum Chorraum aufgestellte Madonna ist eine sp\u00e4tgotische Figur aus der Zeit um 1450\/60 von hervorragender Qualit\u00e4t, die wegen der stark verunkl\u00e4renden \u00dcberfassung des letzten Jahrhunderts kunsthistorisch wenig beachtet wird. Nach E. Schneider soll sie sich einst in der n\u00f6rdlichen Turmkapelle befunden haben. Im s\u00fcdlichen Querhausarm befindet sich seit 1956\/57 der archivalisch f\u00fcr Steinmetz und Baumeister Konrad von Mosbach belegte und 1484 datierte Taufstein in Form eines Kelchs mit Blendma\u00dfwerk. Die Ma\u00dfwerkfelder zeigen farbige Reliefs mit dem Wappen des mehrfach in der Stiftskirche dokumentierten Erzbischofs Berthold von Henneberg (\u2020 1504) und f\u00fcnf Engel mit Musikinstrumenten, einem Buch bzw. einem Schriftband. Die Reste originaler Fassung gehen auf einen urkundlich belegten Fassmaler \u201eMathis\u201c zur\u00fcck, was in der \u00e4lteren Forschung im Hinblick auf Matthias Gr\u00fcnewald f\u00fcr Spekulationen gesorgt hat. Der Taufstein stand seit 1767 im Zusammenhang mit dem \u201eTaufaltar\u201c im s\u00fcdwestlichen Turmuntergeschoss. Davor war sein Platz am n\u00f6rdlichen Langhauspfeiler gegen\u00fcber der Kanzel gewesen, wo zuvor eine Fr\u00fchmesskanzel gestanden hatte. Ab 1879 befand er sich in der damals eingerichteten \u201eTaufkapelle\u201c im nordwestlichen Turmuntergeschoss. Sein neugotischer, nach Entwurf Theodor Schliebens von den Schreinermeistern Sebastian Brehm und Josef Fries, Aschaffenburg, ausgef\u00fchrter Deckel ging im Zweiten Weltkrieg verloren und wurde 1956\/57 durch einen Kupferaufsatz der Kunstwerkstatt Josef Amberg in W\u00fcrzburg ersetzt. Farbabnahmen und eine Restaurierung nach Befund erfolgten 1956 durch Hans Schubert, Karlstein.<\/p>\n<p>Das Maria-Schnee-Retabel in der gleichnamigen Kapelle wurde im Testament des Kanonikers und Kustos Heinrich Reitzmann (\u20201528) von 1514 und 1517 als vorbereitet bezeichnet. Die Tafeln daf\u00fcr sollte \u201emagister Matheus in Selgenstat\u201c liefern. Gemeint war der seit Joachim Sandrarts \u201eTeutscher Academie\u201c unter dem Pseudonym Matthias Gr\u00fcnewald (um 1475\/80\u20131528) ber\u00fchmte K\u00fcnstler, der in den Quellen auch als \u201eMathis Neithart Maler von W\u00fcrtzburgk\u201c erscheint. 1511 war Gr\u00fcnewald im Dienst des Erzbischofs Uriel von Gemmingen (reg. 1508\u20131514) leitender Werkmeister am Aschaffenburger Schloss geworden und ab 1515\/16 als kurmainzischer Hofmaler f\u00fcr Albrecht von Brandenburg t\u00e4tig. Die Altarstiftung durch Reitzmann, der 1506 das Fest Maria-Schnee in Aschaffenburg eingef\u00fchrt hatte, und den Kanoniker Kaspar Schanz ist in der Inschrift des 1517\/19 entstandenen Retabels dokumentiert und erfolgte 1519 zu Ehren des Heiligen Kreuzes, Maria-Schnee, der Heiligen Drei K\u00f6nige und der hll. Georg und Martin. Das an der Ostwand am urspr\u00fcnglichen Ort befindliche Retabel enthielt als Mitteltafel des \u201eSchneewunderaltars\u201c Gr\u00fcnewalds sog. \u201eStuppacher Madonna\u201c, die nach 1809 in die Pfarrkirche von Stuppach bei Bad Mergentheim gelangte. Das Retabel tr\u00e4gt rechts auf der Predella in Ligatur die Signatur \u201eMNG\u201c, f\u00fcr Mathis Nithart, gen. Gothart und ist 1519 datiert. Nach Hubach geht die Erg\u00e4nzung der \u00c4dikula durch seitliche Standfl\u00fcgel auf eine Plan\u00e4nderung noch zu Lebzeiten Gr\u00fcnewalds zur\u00fcck. Der rechte Fl\u00fcgel mit dem \u201eSchnee-Wunder\u201c ist erhalten (Augustinermuseum in Freiburg im Breisgau). Die Tafeln der hll. Martin und Georg, die sich heute in der n\u00f6rdlichen Turmkapelle befinden, gelten als weitere, sp\u00e4ter entfernte, schw\u00e4chere Teile des Retabels von anderer Hand. Das Retabel selbst stellt einen bedeutenden Entwurf in Formen und Proportionen der italienischen Renaissance dar. Anstelle des Gr\u00fcnewald-Bildes wurde zun\u00e4chst die im Format gr\u00f6\u00dfere \u201eAnbetung der K\u00f6nige\u201c Isaac Kienings von 1577 eingef\u00fcgt, wof\u00fcr die urspr\u00fcngliche Gliederung an den Seiten abgearbeitet werden musste. Der heutige Zustand des Retabels geht auf eine Restaurierung des Jahres 1956 von Hans Schubert, Karlstein, zur\u00fcck. Die Kopie des Madonnenbildes schuf Christian Schad (1894\u20131982) im Auftrag der Stadt Aschaffenburg 1943\/47. Es wurde 1948 aufgestellt.<\/p>\n<p>Matthias Gr\u00fcnewalds \u201eBeweinung Christi\u201c, ein gestreckt querformatiges, um 1524\/25 entstandenes Gem\u00e4lde, befindet sich seit den fr\u00fchen 1950er Jahren in einem Glaseinbau in der Dreifaltigkeitskapelle. Der vom Kreuz abgenommene Leichnam Christi und die hinter ihm kniende, eigent\u00fcmlich vom Bildausschnitt abgetrennte Gottesmutter sowie weitere, zum Teil ungedeutete Gestalten werden seitlich gerahmt von Wappenhaltern mit den Wappen des Auftraggebers Kardinal Albrecht von Brandenburg zur Linken und seines Amtsvorg\u00e4ngers Theoderich von Erbach (reg. 1434\u20131459). Letzterer etablierte die Heiliggrabverehrung in Aschaffenburg und ist in der Stiftskirche begraben. Mit guten Gr\u00fcnden stellt die Tafel nach Hubach urspr\u00fcnglich die Schreinfront des einst in der s\u00fcdlichen Turmkapelle aufgestellten \u201eHeiligen Grabes\u201c dar, einer Stiftung Theoderichs von Erbach. Die \u201eBeweinung\u201c diente bis 1880 am Valentinsaltar im s\u00fcdlichen Querhausarm als \u201ePredella\u201c, neben den Tafeln des \u201eMagdalenenaltars\u201c der Cranach-Werkstatt. 1881\/82 wurde sie durch den Hofmaler A. Hauser in M\u00fcnchen restauriert. In der s\u00fcdlichen Turmkapelle befand sich an der S\u00fcdwand bis 1879 die Nische, die wohl einst den genannten Heilig-Grab-Schrein enthielt. In die Nische wurde 1767 die Kreuzigungsgruppe von Zacharias Juncker (1578\u20131665) mit den Figuren der hll. Katharina und Anna eingestellt, die sich heute in der Annakapelle befindet. Farbabnahmen und eine erg\u00e4nzende Restaurierung der Gruppe erfolgten 1956 durch Hans Schubert, Karlstein. Bei der Demontage 1879 zerbrachen die Architekturteile der Nische bis auf den sie bekr\u00f6nenden \u201eWimperg\u201c aus der 2. H\u00e4lfte des 15. Jh., der 1880 vom Stiftungsamt an die st\u00e4dtischen Sammlungen \u00fcberwiesen wurde.<\/p>\n<p>Im n\u00f6rdlichen Querhausarm steht heute das Bronzegrabmal Kardinal Albrechts von Brandenburg, das dieser f\u00fcr seine geplante Grablege in der Neuen Stiftskirche in Halle an der Saale hatte anfertigen lassen und das er 1540\/41 nach Aschaffenburg mitbrachte. Die f\u00fcr das Gebiet n\u00f6rdlich der Alpen hochbedeutende Anlage in fr\u00fchen Renaissanceformen besteht aus zwei Bronzereliefs und einem Baldachin, auf dem der \u201eMargarethenschrein\u201c ruht. Ihre heutige Zusammenstellung ist nicht urspr\u00fcnglich, sondern erfolgte auf Vorschlag von Prof. Fritz Arens, Mainz, 1956\/57 im Sinne einer \u201eGed\u00e4chtnisanlage\u201c. Das Epitaph hat hochrechteckige Form und wird oben eingezogen segmentbogig geschlossen. Die Grabplatte aus Bronze wird auf drei Seiten von einem Groteskenfries ges\u00e4umt. Sie zeigt als Hochrelief die \u201eLiegefigur\u201c des Bischofs in frontal aufgefasster, \u201estehender\u201c Haltung mit Hirtenstab in der Linken und Kreuzpedum in der Rechten. Sein Haupt mit Mitra ist auf ein Brokatkissen gebettet. Die \u201etextilen\u201c Partien sind mit einem gestochenen Granatapfelmuster belegt. In der L\u00fcnette dar\u00fcber befindet sich die erzbisch\u00f6fliche Wappenzier. Der umlaufende Groteskenrahmen ist mit neun Wappen besetzt (im Uhrzeigersinn, beginnend rechts oben): Halberstadt, Wolgast, Cassuben, Zollern, Neues Stift zu Halle, Burggraf von N\u00fcrnberg, Pommern, Brandenburg und Mainz. Im segementbogigen Auszug das Kapitelswappen des Erzstifts Magdeburg, bekr\u00f6nt durch den Kardinalshut mit Pedum und Schwert. Hergestellt wurde der 1525 datierte Guss in der Werkstatt Peter Vischers d. \u00c4. (um 1450\u20131529) in N\u00fcrnberg. In der unteren Bildh\u00e4lfte wurde als Folge der schon in Halle nach 1527 erfolgten Umwidmung vom Tumbendeckel zum Wandepitaph eine Inschriftentafel montiert. Das Todesdatum wurde nachtr\u00e4glich aus der Bosse gearbeitet, der Text f\u00fcr Aschaffenburg aktualisiert und daf\u00fcr Buchstaben teilweise getilgt und ver\u00e4ndert neu aufgenietet. Die von Johannes Vischer (1490\u20131549) aus N\u00fcrnberg signierte und 1530 datierte Reliefplatte der Muttergottes mit dem Jesusknaben ist in ihrer Gestaltung am Epitaph orientiert. Maria erscheint im Strahlenkranz auf der Mondsichel stehend und von musizierenden Engeln in den oberen Zwickeln umgeben. Das Bild offenbart Anleihen graphischer Vorlagen Albrecht D\u00fcrers und Lucas Cranachs d. \u00c4. Die Gottesmutter ist, angelehnt an die zeitgen\u00f6ssische Tracht, in Hemd und Mieder in einen langen Mantel geh\u00fcllt und nach rechts gewendet und tr\u00e4gt das ihr zugewandte Kind im linken Arm. Da diese Platte von Anfang an f\u00fcr eine wandfeste Montierung gedacht war, erhielt sie eine ausgepr\u00e4gte Sockelzone, die Reliefs von Delfinen, Reben und Ranken zeigt. Die umlaufenden Schilde sind teilweise mit Motiven der Arma Christi und mit Wappen versehen (im Uhrzeigersinn, beginnend rechts oben): Hand mit Wundmahl, Fu\u00df mit Wundmahl, Kreuz, Gei\u00dfel, St\u00e4ubb\u00fcndel, Neues Stift zu Halle, Kardinal Albrecht von Brandenburg, Neues Stift zu Halle, Gei\u00dfels\u00e4ule mit zwei Stricken, Fu\u00df mit Wundmahl, Hand mit Wundmahl; in der L\u00fcnette zwei Putten und drei Wappen: Herzwunde, Vera Ikon sowie drei N\u00e4gel, Isopstab und Lanze.<\/p>\n<p>Der von der Vischer-H\u00fctte 1536 geschaffene Baldachin \u00fcberfing noch in Halle die steinerne, heute verlorene Tumba aus der Werkstatt des Bildhauers Loy Hering. Er besteht aus vier auf Piedestalen stehenden Pfeilern, die eine kastenartige Deckplatte mit Zargen im Geb\u00e4lkprofil tragen. Die eingetieften Spiegel der Postamente und Pfeiler zeigen gestochene Grotesken nach italienischen Vorbildern, die Kapitelle aus dem Beschlagwerk entwickelte Hermenweibchen. Der Architrav tr\u00e4gt eine umlaufende lateinische Inschrift. Auf den Baldachinecken pr\u00e4sentieren kniende Engel Standleuchter, zwei weitere Engel flankieren auf der Stirnseite das gro\u00dfe Brandenburger Wappen im Lorbeerkranz; zus\u00e4tzlich kragen Leuchterarme aus dem Geb\u00e4lk. Die Unterseite des Baldachindachs ist aus sechs Bronzeplatten gebildet, die in gestochenen Arbeiten die Herzwunde Christi verbunden mit den von Putten getragenen Arma Christi darstellen. Dazwischen sind zwei gestochene \u201eTafeln\u201c mit der Datierung \u201e15\/36\u201c zu erkennen. Die beiden bronzenen Reliefplatten waren seit ihrem Eintreffen aus Halle 1541 bis 1957 an den Chorw\u00e4nden installiert: Kardinal Albrecht im S\u00fcden, gegen\u00fcber das Marienrelief. Der Baldachin stand bis 1772 \u00f6stlich der Kanzel mitten im Hauptschiff, bis 1881\/82 in der Magdalenenkapelle und ab 1882 in der Annakapelle. Besch\u00e4digungen durch Kriegseinwirkung 1945 wurden bis 1957 behoben. Die Lage des Margarethenschreins auf dem Baldachin ist nicht urspr\u00fcnglich und ohne thematischen Zusammenhang, entspricht allerdings einer ins 17. Jh. zur\u00fcckreichenden Gepflogenheit. Der Margarethenschrein, vor 1520 entstanden, bildet den bedeutendsten Rest des sog. \u201eHalleschen Heiltums\u201c, der Reliquiensammlung Kardinal Albrechts von Brandenburg. Der verglaste und vergoldete Schrein mit einer kleeblattf\u00f6rmigen Verdachung pr\u00e4sentiert ein geschnitztes Skelett als Reliquienbeh\u00e4lter und ist eine fr\u00f6mmigkeitsgeschichtliche Besonderheit. Er ist im Heiltumsbuch von 1520 und im sog. Aschaffenburger Heiltumsbuch um 1526\/27 beschrieben und barg demnach Reliquien der hll. Margarete, Juliane, Adelgunde und Anastasie sowie einer weiteren Jungfrau aus der Gesellschaft der hl. Ursula und wurde an hohen Festen vor dem Chor aufgestellt. Das Geh\u00e4use tr\u00e4gt das Wappen des Kardinals. Der Reisebericht der Jesuitenpatres Henschen und Papebroch von 1660 erw\u00e4hnt den Schrein auf dem Bronzebaldachin vor dem Lettner. Der Schrein wurde 1945 besch\u00e4digt und 1955\/57 durch das Bayerische Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege vereinfachend rekonstruiert und restauriert, wobei die erg\u00e4nzenden Schnitzarbeiten Ernst Kreidel aus Karlstadt, die Vergoldung die Firma Wimmer aus M\u00fcnchen besorgte. Bei der letzten Restaurierung 2006\/07 durch Sabine Denecke, Haibach, wurden die fehlenden Gl\u00e4ser wieder ersetzt, zahlreiche Reliquien dokumentiert und wieder in den Schrein verbracht.<\/p>\n<p>K\u00fcnstlerische H\u00f6hepunkte der Kirchenausstattung sind die Werke des als \u201efr\u00fchreifes Wunderkind\u201c (Leo Bruhns) bezeichneten bedeutenden Renaissancebildhauers Hans Juncker. Dazu geh\u00f6rt als ein ihm zugeschriebenes Fr\u00fchwerk die 1602 aus gefasstem Tuffstein und Alabaster geschaffene Kanzel. Ihre reiche Gestaltung zeigt am pfeilerartigen Fu\u00df die Standfiguren der hll. Petrus und Alexander sowie des Apostels Andreas, des Namenspatrons des Stiftskantors Andreas Weber (\u2020 1599), zu dessen Ged\u00e4chtnis die Kanzel errichtet wurde. Dar\u00fcber erhebt sich auf einer Konsole mit Cherubim und Girlanden der runde Kanzelkorb, umstanden von den vier Evangelisten und Christus Salvator. Zwischen ihnen befinden sich Reliefs mit typologischen Szenen: \u201eSamson mit den Toren Gazas\u201c, \u201eChristus am H\u00f6llentor\u201c nach D\u00fcrers Gro\u00dfer Passion, \u201eJonas und der Walfisch\u201c sowie die \u201eAuferstehung Christi\u201c. \u00dcber den Reliefs sind auf einem erh\u00f6hten Fries mit B\u00f6gen die vier lateinischen Kirchenlehrer als Halbfiguren dargestellt. Auffallend sind die ikonographischen \u00dcbereinstimmungen der Szenen mit dem Magdalenenaltar der Cranach-Werkstatt. Der barocke Schalldeckel von Johann Michael Henle (1765), ein 1603 datiertes Tafelbild mit der Predigt Johannes des T\u00e4ufers, gestiftet durch den Kanoniker Christoph Weber, sowie dessen aufwendiges von Hans Juncker geschaffenes Epitaph am Kanzelpfeiler wurden 1945 zerst\u00f6rt (letzteres 2012\/13 restauriert, heute im Schlossmuseum). Die ebenfalls zerbrochene Kanzel wurde zwischen 1947 und 1954 wieder hergestellt und dann vom f\u00fcnften an den dritten Langhauspfeiler versetzt. In der Magdalenenkapelle im s\u00fcdlichen Seitenschiff befindet sich heute noch in situ der von Hans Juncker in Alabaster und schwarz-grauem Marmor ausgef\u00fchrte Magdalenenaltar. Er ist zwischen 1617\/20 als Stiftung des Kanonikers Johannes Grimmel (\u2020 1616), Propst an St. Salvator zu Passau und Kanoniker der Stiftskirche, entstanden und wurde 1621 geweiht. In der relativ schlichten Architektur erscheint in einem Relief die hl. Magdalena kniend als B\u00fc\u00dferin in einer Felsenlandschaft. Das r\u00e4umlich sehr wirksame Relief wird flankiert und kommentiert von den hll. Johannes dem T\u00e4ufer und Margaretha von Antiochien, die als Figuren vor Nischen treten. Eine Entwurfszeichnung Junckers f\u00fcr den Altar ist erhalten. Auf ihr sind als Bekr\u00f6nung eine vollplastische Kreuzigungsgruppe und das Stifterwappen zu erkennen. Die Figurennischen, die Konsolen und die Inschrift im Auszug wurden sp\u00e4ter ver\u00e4ndert (Originalplatte mit Inschrift im Schlossmuseum). Der Altar wurde 1835 und 1881 restauriert, 1945 besch\u00e4digt und 1950 durch August End, Aschaffenburg, wieder hergestellt. Letzte Restaurierung Elke Umminger, Lauda, 2014.<\/p>\n<p>Den kulturellen Wandel am Ende des alten Reichs verdeutlicht das monumentale Kenotaph f\u00fcr den in der Gruft unter der Vierung beigesetzten vorletzten Kurf\u00fcrsten von Mainz Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal (\u20201802) in der s\u00fcdlichen Turmkapelle von Heinrich Philipp Sommer. Begonnen wurde das klassizistische Werk 1805 vom Bildhauer Andreas Clemens Eckardt aus W\u00fcrzburg (Entwurfsmodell im Schlossmuseum). Den Auftrag vergab Kurf\u00fcrst Carl Theodor von Dalberg, das allegorische Programm entwarf der Historiker und kurf\u00fcrstliche Bibliothekar Niklas Vogt (1756\u20131836): In Gestalt von drei antikischen Gewandfiguren l\u00fcftet die Religion f\u00fcr den Sterbenden den Schleier der Geschichte, die als Genius mit der Flamme der Erkenntnis \u00fcber der Stirn die Taten und Verdienste des Erzbischofs niederschreibt und ihm ein Diadem reicht. Zu F\u00fc\u00dfen der Gruppe sind zerbrochene Embleme des Mainzer Kurstaats zu erkennen. Nach dem Tod Eckarts 1808 legte der Professor der technisch-chemischen Schule Aschaffenburg Heinrich Philipp Sommer 1809 einen neuen Entwurf vor und begann im Folgejahr mit der Ausf\u00fchrung. Das Monument aus schwarzem Limburger Marmor und Aarauer Alabaster sollte urspr\u00fcnglich im Langhaus gegen\u00fcber der Kanzel aufgestellt werden. Zu diesem Zweck brach der Maurermeister Gabriel Hospes 1811 den entsprechenden Arkadenpfeiler aus und w\u00f6lbte den Bogen neu. Nach \u00c4nderung dieses Planes wurde der Pfeiler erst 1862 wieder errichtet. Das Grabmal ging an das Eigentum des K\u00f6nigreichs Bayern \u00fcber. Das Finanzministerium legte 1816 die Martinskapelle, also den n\u00f6rdlichen Querhausarm, als Standort fest. Dort wurde das Denkmal Ende 1818 aufgestellt. 1879 lie\u00df man das Monument durch die Bildhauer Heinrich Petry aus Frankfurt und Basilius Hofmann aus Aschaffenburg in mehrere Teile zers\u00e4gen und versetzte es an seinen heutigen Standort. Die Schmiedearbeiten fertigte nach Entwurf Schliebens Schlossermeister Sauerwein aus Frankfurt. 1945 besch\u00e4digt, wurde die Bildhauerarbeit zwischen 1947 und 1954 von Georg Schneider, W\u00fcrzburg, restauriert.<\/p>\n<p>Das Grab des letzten Erzbischofs von Mainz, ab 1804 auch Bischof von Regensburg, Carl Theodor von Dalberg (1744\u20131817), der seit 1806 F\u00fcrstprimas und Gro\u00dfherzog von Frankfurt war, befindet sich an dessen Sterbeort im Dom von Regensburg. In der Aschaffenburger Stiftskirche steht seine Herzurne in einer vergitterten neugotischen Nische vor gestirntem Fond im nordwestlichen Vierungspfeiler. Die mit Rosetten und Palmetten im Stil des Empire verzierte Regensburger Silberschmiedearbeit Christian Daniel H\u00e4nselmanns greift mit der Herzform des Gef\u00e4\u00dfes den sakralen Typus eines \u201eredenden Reliquiars\u201c auf. Das seit 1952 abseits am Aufgang zur Maria-Schnee-Kapelle befindliche Kruzifix schuf 1862 Professor Ludwig Foltz (1809\u20131867). Es sollte im \u201ebyzantinischen\u201c Stil den in diesem Jahr wieder gesetzten Pfeiler gegen\u00fcber der Kanzel zieren und steht exemplarisch f\u00fcr die unter Stiftungsvorstand M. K. Martin und Stiftspfarrer Franz Anton Faust verfolgte, jedoch nur teilweise im historisierenden Stilideal umgesetzte \u00dcberformung des Kirchenraums. Das Retabel des neugotischen Nothelferaltars in der gleichnamigen Kapelle wurde von Kaspar Wei\u00df aus Frankfurt nach Entwurf des Architekten Schlieben 1882\/83 ausgef\u00fchrt. Der 1682 gestiftete Nothelferaltar war 1811 aus der benachbarten Annakapelle in die Nothelferkapelle \u00fcbertragen worden. Das neugotische Retabel integriert die ann\u00e4hernd vollplastisch geschnitzten Reliefs der \u201eKreuztragung\u201c, \u201eKreuzigung\u201c und \u201eBeweinung\u201c eines um 1480\/90 entstandenen Br\u00fcssler Passionsaltars, der der Werkstatt Jan Borreman d. \u00c4. (t\u00e4tig 1479\u20131520) nahesteht. Die dar\u00fcber erscheinende Figur der \u201eAnna selbdritt\u201c (um 1480) stammt wohl aus dem aufgel\u00f6sten Sippenaltar der Annakapelle, dessen erhaltene Tafeln sich heute in der n\u00f6rdlichen Turmkapelle befinden. Die 14 Nothelfer mit Ausnahme der sp\u00e4tgotischen Figuren der hll. Barbara und Margaretha sind Neusch\u00f6pfungen der Werkstatt Kaspar Wei\u00df. Restaurierung und Neuvergoldung des Retabels erfolgten 1956 durch Hans Schubert, Karlstein.<\/p>\n<p>Aufgrund ihrer Bedeutung f\u00fcr die Stiftskirche sei hier auf herausragende Ausstattungselemente hingewiesen, die sich heute in Museen befinden: Vom sp\u00e4tgotischen Marienretabel am Hochaltar der Kirche, 1489\/96 von Hans Bilger aus Worms geschaffen, sind geschnitzte B\u00fcsten der \u201eVier Kirchenv\u00e4ter\u201c aus der Predella im Frankfurter Liebieghaus erhalten. 1606 wurden sie durch Hans Juncker und den W\u00fcrzburger Maler Georg Rudolf Henneberger restauriert. Zur bedeutendsten Ausstattung der Stiftskirche geh\u00f6rte der Magdalenenaltar, der um 1525\/30 f\u00fcr die Grablege des Kardinals Albrecht von Brandenburg im Neuen Stift in Halle entstanden war und dort den Abschluss eines 18-teiligen Heiligen- und Passionszyklus aus der Werkstatt Lucas Cranachs d. \u00c4. bildete. 1541 nach Aschaffenburg gebracht, wurden die Tafeln im fr\u00fchen 17. Jh. in den Valentinsaltar im s\u00fcdlichen Querhausarm eingebaut, in den man auch Gr\u00fcnewalds \u201eBeweinung Christi\u201c als \u201ePredella\u201c integrierte. Die Tafel mit dem hl. Valentin und das Hauptbild mit der Auferstehung blieben in der Stiftskirche, w\u00e4hrend die \u00fcbrigen Tafeln bereits unter Carl Theodor von Dalberg gespalten in die Schlossgalerie gelangt waren (eine Tafel ging verloren). Seit 2009 sind alle erhaltenen Gem\u00e4lde im Stiftsmuseum zusammengef\u00fchrt. Der Altar ist ein Hauptwerk der Cranach-Werkstatt. In H\u00e4nden Cranachs d. \u00c4. lag dabei nach Tacke Entwurf und Umsetzung des Programms sowie die Ausf\u00fchrung der qualit\u00e4tsvollsten Partien wie etwa der hl. Maria Magdalena. Die \u00fcbrige Ausf\u00fchrung wird Simon Franck (um 1500\u20131546) aus dessen Werkstatt zugewiesen, dem Nachfolger Gr\u00fcnewalds als Aschaffenburger Hofmaler. Eine Orgel befand sich urspr\u00fcnglich erkerartig an der Westseite des s\u00fcdlichen Obergadens. Das \u201eOrgelhaus\u201c \u00fcberragte hier das Seitenschiffsdach direkt am Turm. 1685 transferierte Johann Wilhelm M\u00fcssig, Aschaffenburg, die Orgel auf die Westempore. 1781\/82 wurde von Josef Bendel, Marktheidenfeld, ein neuer Prospekt eingebaut, der mit einem Neubau 1850\/56 durch Balthasar Schlimbach, W\u00fcrzburg, beseitigt wurde. 1920 erfolgte ein Neubau durch die Firma Steinmeyer, Oettingen, der nach Kriegssch\u00e4den 1947\/48 instand gesetzt wurde. Mit der abermaligen Vergr\u00f6\u00dferung der Empore 1956\/57 wurde die Orgel durch die Firma Michael Weise, Plattling, erneuert. Die heutige Orgel der Stiftskirche wurde 1984 von der Bonner Firma Johannes Klais errichtet, ihren Prospekt gestaltete Max Walter, Vasb\u00fchl. Sie wurde 2012\/13 restauriert und erweitert.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Anzahl erhaltener Epitaphien im Inneren wie im Au\u00dfenbereich der Kirche belegt deren Bedeutung als Begr\u00e4bnisort bis in das 18. Jh. Die heutige Steinsichtigkeit vieler Bildwerke sowie die teilweise Neufassung und partielle Vergoldung r\u00fchren meist von der gro\u00dfen Restaurierungsma\u00dfnahme 1879\/82 her. Starke Besch\u00e4digungen verursachte das Bombardement von 1945. Bei der Erneuerung des Holzbodens unter dem Kirchengest\u00fchl deckte man 1957 vor\u00fcbergehend 15 weitere Grabplatten des 15. bis 18. Jh. auf. Die Wiederherstellung der wertvollen Epitaphien im Langhaus erfolgte durch den Bildhauer August End aus Aschaffenburg 1946\/48. Dabei wurden die urspr\u00fcnglich das K\u00e4mpfergesims \u00fcberragenden Kartuschen, Wappen und Bekr\u00f6nungen sowie Verzierungen der unteren Abschl\u00fcsse teilweise nicht wieder hergestellt. Im Folgenden k\u00f6nnen die Epitaphien nur in Auswahl vorgestellt werden.<\/p>\n<p>Im Langhaus:<\/p>\n<p>Das aus rotem Sandstein im Auftrag der Geschwister errichtete Epitaph f\u00fcr den kurf\u00fcrstlichen Rat und Doktor beider Rechte Thomas Eisenberger (\u2020 1575) wird dem W\u00fcrzburger Bildhauer Albert Fried zugeschrieben. Der Verstorbene ist in b\u00fcrgerlicher Tracht mit Pelzmantel, Haube und Buch dargestellt. Ebenfalls Fried zugeschrieben wird das aus rotem Sandstein gefertigte Epitaph f\u00fcr den kurf\u00fcrstlichen Kanzler und Lizenziat beider Rechte Mathias von Albersweiler (\u2020 1567). Laut Inschrift erteilte den Auftrag Kurf\u00fcrst Daniel Brendel von Homburg (1523\u20131582). Es zeigt den Verstorbenen in b\u00fcrgerlicher Tracht, B\u00e9ret und Buch. Der Aufsatz tr\u00e4gt Inschrift und Wappen. Das aus gr\u00fcnem Sandstein gefertigte Epitaph f\u00fcr den Vizedominus und Bruder des Mainzer Erzbischofs Philipp Brendel von Homburg (\u2020 1573) wird Endres Wolff aus Heilbronn zugeschrieben. Die ger\u00fcstete Standfigur eines Ritters wird von einem Rundgiebel mit Familienwappen \u00fcberfangen. Dem Bildhauer Moritz Lechler aus Heidelberg wird das Epitaph f\u00fcr Georg von Liebenstein (\u2020 1533) zugeschrieben. Dieser war K\u00e4mmerer Kardinal Albrechts von Brandenburg, in dessen Auftrag das aus gr\u00fcnem Sandstein gearbeitete Epitaph errichtet wurde. Die Figur des Ritters ist kniend vor dem Kreuz wiedergegeben, dar\u00fcber erscheint Gottvater in Wolken. Das von Hieronymus Hack in Bronze ausgef\u00fchrte Epitaph f\u00fcr den aus rheinl\u00e4ndischem Geschlecht stammenden Vizedom Melchior von Gr\u00e4nroth (\u2020 1578) ist vom K\u00fcnstler signiert und 1584 datiert. Der Verstorbene kniet im Harnisch rechts unter dem Gekreuzigten. Ihm gegen\u00fcber erscheinen Maria und Johannes, im Hintergrund die Stadt Jerusalem mit der Szene der \u201eHimmelfahrt Christi\u201c. Sandsteinmodelle einzelner Partien sind in der Berliner Skulpturensammlung und den Museen Aschaffenburg erhalten. Albert Fried zugeschrieben wird das Epitaph f\u00fcr den kurf\u00fcrstlichen Stall- und J\u00e4germeister Stefan von Fechenbach (\u2020 1577). Die Inschrift ist in deutscher Fraktur ausgef\u00fchrt. Der Verstorbene erscheint ganzfigurig in R\u00fcstung. Das aus rotem Sandstein gearbeitete Epitaph zerbrach 1945 in mehrere Teile und wurde ohne Rekonstruktion verlorener Partien wieder aufgebaut. F\u00fcr Fried in Anspruch genommen wird auch das Epitaph f\u00fcr den kurf\u00fcrstlichen Rat Dr. Balthasar Sachs (\u2020 1570). Das in rotem Sandstein im Auftrag des Erzbischofs Daniel Brendel von Homburg errichtete Werk zeigt den Verstorbenen in b\u00fcrgerlicher Tracht mit B\u00e9ret und Buch. Aufsatz, Unterbau und Inschrift sind verloren. Dem f\u00fcr das Stift t\u00e4tigen Meister Wendel wird das aus rotem Sandstein im Stil der Backoffen-Nachfolge geschaffene Epitaph f\u00fcr den im Harnisch dargestellten Caspar von der Schulenburg (\u2020 1527), des Erziehers Kardinal Albrechts von Brandenburg, zugeschrieben. 1945 in mehrere Teile zerbrochen, wurde es ohne die verlorenen Partien wieder aufgebaut. An seinem urspr\u00fcnglichen Standort am 3. Langhauspfeiler wurde es in diesem Zuge mit der Kanzel getauscht. Das aus rotem Sandstein gefertigte Epitaph f\u00fcr Wolf Behaim (\u2020 1539) zeigt den kurmainzischen Rat und Hofmarschall in R\u00fcstung auf einem L\u00f6wen stehend. Hieronymus Hack aus Aschaffenburg wird das Bronzeepitaph f\u00fcr den aus Seligenstadt stammenden Stiftsdekan und erzbisch\u00f6flichen Kommissar Jodokus Cammerer (\u2020 1595) zugeschrieben. Dieser war der letzte, durch das Kapitel in selbstst\u00e4ndiger Wahl erkorene Propst des Stiftes und resignierte 1588. Der Verstorbene kniet vor dem Kruzifixus. Im Hintergrund ist eine Ansicht der Stiftskirche zu erkennen.<\/p>\n<p>Im Chor:<\/p>\n<p>Von Hans Juncker stammt das Epitaph f\u00fcr Erzbischof Theoderich Schenk von Erbach (\u2020 1459). Als Ersatz der sp\u00e4tmittelalterlichen Tumba im Chor schuf er das Werk 1606\/08 f\u00fcr die s\u00fcdliche Chorwand. Es zeigt den Bischof im Ornat mit Pedum und Kreuzstab im Hochrelief. Den Rahmen bilden 16 Ahnenwappen. 1956 wurde durch Hans Schubert die Fassung von 1881\/82 abgenommen und die Originalfassung nach Befund restauriert. Von dem in Frankfurt t\u00e4tigen Johann Wolfgang Fr\u00f6hlicher (1652\u20131700) stammt das aus wei\u00dfem und schwarzem Marmor hergestellte Epitaph f\u00fcr Erzbischof Anselm Franz von Ingelheim (\u2020 1695) an der n\u00f6rdlichen Chorwand. Es zeigt den im Ornat aufrecht stehenden und dem Altar zugewandten Erzbischof. Eine Restaurierung erfolgte 1956 durch Hans Schubert, Karlstein. Die Ingelheim\u2019sche Gruft liegt unmittelbar vor den Stufen des Altaraufgangs.<\/p>\n<p>Im n\u00f6rdlichen Seitenschiff:<\/p>\n<p>Das von Hans Juncker geschaffene Epitaph f\u00fcr den Bronzegie\u00dfer Hieronymus Hack (\u2020 1599) und seine Frau Margarethe Rossin (\u2020 1607) befand sich ehemals am s\u00fcdlichen Turmpfeiler und ist heute neben dem Ausgang zum Kreuzgang angebracht. Die Verstorbenen sind mit ihren heiligen Patronen unterhalb einer \u201eMarienkr\u00f6nung\u201c wiedergegeben und einander in betender Haltung zugekehrt. 1945 in mehrere Teile zerbrochen, wurde es von August End, Aschaffenburg, instand gesetzt, partiell jedoch abgearbeitet.<\/p>\n<p>In den Seitenkapellen:<\/p>\n<p>Neben dem Ausgang zum Kreuzgang ist das Bronzeepitaph f\u00fcr Heinrich Reitzmann (\u2020 1528) erhalten. Das zugeh\u00f6rige, wohl von Meister Wendel gearbeitete Steinepitaph des Kanonikers befindet sich in der Dreifaltigkeitskapelle. Dieses als Renaissance-\u00c4dikula gebildete Monument befand sich urspr\u00fcnglich zusammen mit der Bronzetafel an der Nordwand des n\u00f6rdlichen Querhausarms, sp\u00e4ter im n\u00f6rdlichen Seitenschiff. Der Kanonikus erscheint hier kniend mit Weihrauchfass in szenisch aufgefasster Verehrung der Piet\u00e0. Als trompe l\u2019\u0153uille wurde die Inschrift in Form eines aufgespannten Pergamentblattes am Sockel der Figurengruppe befestigt. Unterhalb erscheint das b\u00fcrgerliche Wappen mit den Initialen Reitzmanns. In der Hieronymuskapelle befindet sich das Epitaph ihres Stifters, des Kanonikers und Kustos Johannes Will (\u20201517). Der Verstorbene erscheint in Chorkleidung mit Rauchfass. Die Darstellung wird umrahmt von Astwerk, in dem zwei Tartschen mit dessen Monogramm in Ligatur sowie seinem Familienwappen, einem sechsstrahligen Stern, aufgeh\u00e4ngt sind. 1945 besch\u00e4digt, wurde es partiell erg\u00e4nzt von August End, Aschaffenburg. Die Abnahme der historisierenden Fassung von 1881\/82 und Restaurierung nach \u00e4lterem Farbbefund \u00fcbernahm 1956 Hans Schubert, Karlstein.<\/p>\n<p>In der Vorhalle:<\/p>\n<p>Im Westfl\u00fcgel befindet sich das Epitaph f\u00fcr Marget Hartlieb (\u20201527), Frau von Hermann von der Leyen, das dem Backoffen-Umfeld zugewiesen wird. Es zeigt die Frau mit Gebende und Schleier auf einem L\u00f6wen stehend, die Gebetsschnur in H\u00e4nden sowie zwei Tartschen. Der Bruder der Verstorbenen, Johannes (1491\u20131537), war Kanoniker am Stift. 1945 in mehrere Teile zerbrochen, wurde es von August End, Aschaffenburg, wieder instand gesetzt. Im Nordfl\u00fcgel befindet sich der Gedenkstein einer Stiftung des Aschaffenburger B\u00fcrgers Petrus Scheckemecher. Er zeigt das Motiv \u201eMaria Tempelgang\u201c. F\u00fcr die Stiftung wird das Datum \u201e1443\u201c \u00fcberliefert. Die entsprechende Passage der Inschrift ist aber hinter einer Gew\u00f6lberippe verborgen. Weitere Epitaphien des 15. bis 18. Jh. befinden sich im Kreuzgang. Von hoher kunsthistorischer Bedeutung f\u00fcr Stift und Kirche ist der Kirchenschatz, dessen wesentliche St\u00fccke sich seit 2009 im Stiftsmuseum befinden; Teile desselben sind nach wie vor in der Liturgie des Kirchenjahres im Gebrauch. Schatzverzeichnisse informieren \u00fcber Notverk\u00e4ufe nach dem \u201eMarkgr\u00e4flerkrieg\u201c 1552, wonach der \u00fcberwiegende Teil der wertvollen Donationen Kardinal Albrechts bis 1554 allerdings schon verkauft war. 1794 wurde der Schatz anl\u00e4sslich von Kriegslasten des Kurf\u00fcrstentums erfasst, entging aber seiner Aufl\u00f6sung. \u00dcber die Kostbarkeit der Reliquiare aus dem Halleschen Heiltum geben Inventare und das \u201eHallesche Heilthumsbuch\u201c Auskunft. Zur Jahrtausendfeier des Stifts 1957 wurde der Kirchenschatz von der Kunstwerkst\u00e4tte Josef Amberg in W\u00fcrzburg restauriert. Das wohl in Italien vor 1300 entstandene Brettspiel (Wurfzabelspiel) geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten in seiner Art in Deutschland. Es ist wohl identisch mit der in den Inventaren von 1543 und 1554 verzeichneten \u201eTafel mit Reliquien wie ein Brettspiel\u201c. Das reich geschm\u00fcckte Spiel aus mit emailliertem Silber beschlagenem Holz ist aufgrund seiner Zweitverwendung als Reliquiar im Sepulcrum des \u201eValentinsaltars\u201c erhalten geblieben und wurde 1854 entdeckt. Unter Bergkristallpl\u00e4ttchen erscheinen im Wechsel mit Jaspisfeldern bemalte und vergoldete Fig\u00fcrchen (Mischwesen).<\/p>\n<p>Die Reliquienb\u00fcste des hl. Papstes Alexander ist um 1410\/20 am Mittelrhein entstanden. Mit der zwischen 974 und 982 von Herzog Otto gestifteten Reliquie des hl. Papstes gelangte der kostbarste Schatz an die Kirche. Die auf kleinen L\u00f6wenfiguren stehende, aus Silber getriebene B\u00fcste zeigt den Heiligen im reichen Papstornat. Die emaillierte Pluvialschlie\u00dfe ziert ein Engel, der ehemals einen Edelstein, heute einen facettierten Glasstein vorweist. Die kegelf\u00f6rmige Tiara kann f\u00fcr die Betrachtung der Reliquie nach r\u00fcckw\u00e4rts geklappt werden. Als Pendant zu dieser B\u00fcste entstand f\u00fcr die Pr\u00e4sentation der beiden Patrone auf dem Altar 1473 die ebenfalls mit Pluviale, emailliertem Monile (\u201eMaria mit dem Kinde\u201c), Pallium, Amikt und Tiara versehene, bedeutende Silberb\u00fcste des hl. Petrus, die im Auftrag von Dekan Johannes Reiff der Frankfurter Silberschmied Hans Dirmstein (vor 1435\u20131494) schuf. Die prachtvolle, um 1430\/40 am Mittelrhein entstandene Hostienmonstranz mit hohem Gesprenge brachte Mader in Zusammenhang mit einer von Kustos Heinrich Laurin (1417\u20131433) beschafften. Den hohen Wert des Werks aus Silber spiegelt auch das Schaugef\u00e4\u00df, ein zweitverwendeter Deckelbecher aus Bergkristall wider. Kleine Fig\u00fcrchen von musizierenden Engeln sowie die Gottesmutter, die Kirchenpatrone und die Apostel Petrus und Paulus bilden das Figurenprogramm. Das sp\u00e4tgotische Vortragekreuz aus Bergkristall ist um 1450\/60 am Mittelrhein entstanden und diente fr\u00fcher dem feierlichen Einzug des Propstes. Das sp\u00e4tgotische Reliquienkreuz aus der Zeit vor 1519 ist laut Inschrift eine Stiftung des Stiftsdekans Ulrich Kemmerlin und barg fr\u00fcher die Reliquie eines Kreuzpartikels. M\u00f6glicherweise ist es eine Aschaffenburger Arbeit. Zu den bedeutenden Sch\u00e4tzen im Stiftsmuseum z\u00e4hlen auch Werke der Buchkunst, wie das gro\u00dfformatige Festmissale, das 1533 im Auftrag Kardinal Albrechts auf Pergament geschrieben und mit Deckfarbenmalerei und Vergoldung geschm\u00fcckt wurde. Die Rankenmalerei stammt von dem um 1530\/40 t\u00e4tigen Georg Stierlein. Die Darstellung des Gnadenstuhls schuf Nikolaus Glockendon (\u2020 1534) aus N\u00fcrnberg. In den vorderen Einband wurde D\u00fcrers Stich des \u201eGro\u00dfen Kardinals\u201c von 1523 eingeklebt. Ebenso gro\u00dfformatig ist das Passionslektionar, wie das Festmissale auf Pergament mit Deckfarbenmalerei und Vergoldung ausgef\u00fchrt. Unter den vier ganzseitigen Miniaturen tr\u00e4gt die Szene \u201eChristus vor Pilatus\u201c die Datierung \u201e1534\u201c. Der Maler wird dem Umfeld der Cranach-Werkstatt zugewiesen.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 153-176.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Neben Schloss Johannisburg als kurf\u00fcrstlichem Herrschaftssitz bestimmt die kath. 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