{"id":4024,"date":"2022-03-28T10:49:52","date_gmt":"2022-03-28T08:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4024"},"modified":"2022-03-29T08:19:27","modified_gmt":"2022-03-29T06:19:27","slug":"stiftsgasse-stiftsmuseum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/stiftsgasse-stiftsmuseum\/","title":{"rendered":"Stiftsgasse &#8211; Stiftsmuseum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stiftsgasse 1a &#8211; Stiftsmuseum<\/strong><\/p>\n<p>Das vom Stiftsplatz aus als dreigeschossiger Satteldachbau mit zwei Treppengiebeln in Erscheinung tretende ehem. Stiftsgeb\u00e4ude, jetzt Stiftsmuseum der Stadt, erstreckt sich als dreifl\u00fcgelige und zweigeschossige Anlage an der Nordseite der Stiftskirche um einen Kreuzgang. Der entlang der Stiftsgasse traufst\u00e4ndige Westfl\u00fcgel setzt sich aus urspr\u00fcnglich zwei Geb\u00e4udeteilen zusammen: der s\u00fcdliche, erkennbar an den etwas enger stehenden Fensterachsen, besteht im Kern wohl seit Gr\u00fcndung des Stifts; f\u00fcr ihn wird ein romanischer Vorg\u00e4ngerbau angenommen. Balken \u00fcber dem Kellergeschoss datieren ins 13. Jh. Im 14. Jh. bestand der Bau aus einem zum Stiftsplatz ebenerdigen Untergeschoss und einem Obergeschoss mit vier gekuppelten, spitzbogigen Fenstern und einem \u00fcber eine Au\u00dfentreppe erreichbaren, rundbogigen Portal. Die Fenster des 2. Obergeschosses waren rechteckig mit Sandsteinfensterkreuz. 1480\/83 wurde der Bau mit dem n\u00f6rdlichen Geb\u00e4ude vereinigt. Dieser Teil, das ehem. sog. Haus \u201eZum Sonnenberg\u201c, war bis zum 14. Jh. wahrscheinlich giebelst\u00e4ndig. \u00dcber dem vom Stiftsplatz her ebenerdigen Keller befand sich ein Wohngeschoss. Der Zugang zum Geb\u00e4ude erfolgte \u00fcber die Nordseite in dem Zwischenraum zum Stiftsgl\u00f6cknerhaus (Stiftsgasse 1). Beide Geb\u00e4udeteile wurden bis zur heutigen Traufh\u00f6he aufgestockt und davor die Terrasse mit Pilgerkanzel errichtet. Wohl im 17. oder 18. Jh. wurden die Fenster barockisiert, indem man die steinernen Fensterkreuze entfernte sowie im Erdgeschoss neue Fenster einrichtete. W\u00e4hrend dieser Bauphase wurden auch die innere Stockwerksteilung angeglichen und die Fenster der Fassade zum Stiftsplatz aneinander angepasst. Der Nordfl\u00fcgel wird heute durch eine bis ins Dach reichende Zwischenmauer in zwei Teile geschieden (Grimm I 1985, S. 323). W\u00e4hrend der westliche Teil Bestandteil des Hauses \u201eZum Sonnenberg\u201c war, bildete der \u00f6stliche Teil lange Zeit ein eigenes Geb\u00e4ude (Balken um 1340 datiert), bis beide Teile 1480\/83 vereinigt wurden und eine Spindeltreppe, bez. 1481, erhielten.<\/p>\n<p>Im 16. Jh. und 1621\u201324 wurde der Fl\u00fcgel im Innern umgestaltet. Der Neue Kapitelsaal erhielt damals Beschlag- und Rollwerkstuck mit Reliefs der Kirchenv\u00e4ter und Stiftspatrone von Eberhard Fischer aus Babenhausen. Gegen Osten ist der Bau mit einem Fachwerkgiebel abgeschlossen. Zum Kreuzgang ist ein Anbau gerichtet, der im unteren Bereich Teil desselben ist, im Obergeschoss drei gotische Fenster mit Sandsteinkreuzen aufweist und dar\u00fcber einen Fachwerkgiebel mit gebogenen Fu\u00dfstreben und Schopfwalm tr\u00e4gt. Der Ostfl\u00fcgel entsprach zur Gr\u00fcndungszeit des Stifts in etwa der Ausdehnung der \u201eMichaeliskapelle\u201c, deren Apsis im \u201eStiftsh\u00f6fchen\u201c ergraben worden ist. Dieser zun\u00e4chst eingeschossige Bau des 12. Jh. wurde Mitte bis 2. H\u00e4lfte des 13. Jh. abgebrochen und auf den Resten des Mauerwerks ein Neubau errichtet; er war urspr\u00fcnglich \u00fcber eine Freitreppe an der s\u00fcdlichen Stirnseite erschlossen. Seine Fassade zum Kreuzgang ruht auf dessen Arkaden auf. Der vormalige Kapellenraum wurde damals zum Kapitelsaal, dessen breites rundbogiges Portal am Kreuzgang von Biforien mit Kleeblattb\u00f6gen flankiert ist. Ende des 16. Jh. wurden die Fenster der \u00f6stlichen Traufwand der ehem. Michaeliskapelle ver\u00e4ndert. Im Obergeschoss befindet sich der \u201eGotische Saal\u201c, wohl das ehem. Dormitorium, mit sp\u00e4tgotischen gekuppelten Spitzbogenfenstern und einer Mittelst\u00fctze um 1480 sowie einer dem urspr\u00fcnglichen Bestand 1954 nachempfundenen Bohlenbalkendecke. Um 1720 wurden n\u00f6rdlich f\u00fcr die Archivalien des Stiftes Gew\u00f6lbe eingebaut. Eine Sanierung der Stiftsgeb\u00e4ude mit Ver\u00e4nderung der Erschlie\u00dfungen erfolgte 1985\u201394. Der Kreuzgang entstand im Anschluss an den n\u00f6rdlichen Querhausfl\u00fcgel in mehreren Abschnitten etwa zwischen 1220 und 1250. Archivalische Belege zu seiner Baugeschichte fehlen, doch war offenbar von Beginn an keine W\u00f6lbung geplant. Er diente Prozessionen, als Grablege und als Verbindungsgang zu den Bauten der Stiftskapitels.<\/p>\n<p>Sein nicht rechtwinkliger Grundriss ist der Stellung der ihn umgebenden \u00e4lteren Geb\u00e4ude geschuldet. W\u00e4hrend der Ostfl\u00fcgel des Kreuzgangs in das Stiftsgeb\u00e4ude einbezogen und demnach mit diesem gleichzeitig entstanden ist, sind die \u00fcbrigen Fl\u00fcgel an die umgebenden Geb\u00e4ude angelehnt. Der Kreuzgang ist ein f\u00fcr die Kunstgeschichte bedeutendes Zeugnis des \u00dcbergangsstils von der Romanik zur Gotik. Die fr\u00fchesten Formen begegnen im S\u00fcdfl\u00fcgel, danach folgen Ost-, Nord- und Westfl\u00fcgel. 64 Kapitelle weisen variierende Schmuckformen von romanischen Blockkapitellen bis hin zu fr\u00fchen gotischen Blattkapitellen auf. Im S\u00fcden wechseln runde und kannelierte S\u00e4ulensch\u00e4fte. Im Osten sind die Zwischenpfeiler breiter, die Strukturen massiger und die dekorativen Formen kr\u00e4ftiger. Die Kapitelle im Norden sind zum Teil fig\u00fcrlich. Im Westfl\u00fcgel erscheinen mittig \u00fcberh\u00f6hte Dreierarkaden und fr\u00fche gotische Blattkapitelle, die von Mainzer Formen in der Nachfolge des Naumburger Meisters beeinflusst sind. Die sp\u00e4tgotische Holzdecke wurde 1866\/67 erg\u00e4nzt. In der Nordostecke befindet sich ein Rippengew\u00f6lbe mit Schlussstein, das vor 1448 von Theoderich Ebbracht gestiftet wurde. Die Gew\u00f6lbekappen sind um 1470\/80 mit den \u201eVier Wesen\u201c bemalt worden. Reste einer Anbetung des Kindes durch die Heiligen Drei K\u00f6nige an der S\u00fcdwand aus der 1. H\u00e4lfte des 14. Jh. lassen auf eine weitergehende Ausmalung des Kreuzgangs schlie\u00dfen. Im Kreuzhof befindet sich das 1637 von D. Clemens zum Ged\u00e4chtnis an seine verstorbene Frau Anna Maria Clemens gestiftete Kruzifix. Wie in der Kirche sind auch im Kreuzgang zahlreiche Epitaphien aufgestellt, die den hohen Anspruch des Stifts und die k\u00fcnstlerische Vielfalt vom 15. bis 18. Jh. spiegeln und die von gro\u00dfem historischen und kunstgeschichtlichen Interesse sind: Das Meister Wendel zugeschriebene Epitaph f\u00fcr Kanonikus Albert Geippel (\u20201524) im S\u00fcdfl\u00fcgel zeigt den Verstorbenen kniend vor dem Schmerzensmann.<\/p>\n<p>Das 1606 datierte Epitaph f\u00fcr den Vikar Ludwig Reinhelt (\u20201460) stand ehemals im S\u00fcdfl\u00fcgel und ist heute im Schlossmuseum. Es wurde vom Kapitel als Ersatz f\u00fcr das urspr\u00fcngliche Grabmal des bedeutenden Stifters retrospektiv bei Johannes (Hans) Juncker in Auftrag gegeben, der daf\u00fcr 20 Gulden erhielt. Der Verstorbene kniet vor Maria mit dem Jesusknaben. Das aus gr\u00fcnem Sandstein gefertigte Bildwerk weist Reste von Vergoldung auf und befand sich bis 1880 im Querschiff der Kirche. Im S\u00fcdfl\u00fcgel begegnet das Epitaph f\u00fcr den Kustos und Kanoniker Wiederold von Lauerbach (\u20201477). Es zeigt ein Vesperbild mit dem davor knienden Verstorbenen. Ebenfalls im S\u00fcdfl\u00fcgel befindet sich das Epitaph f\u00fcr Ortwin Lupold, Kanoniker und Kustos (\u20201483). Es zeigt den Verstorbenen und dessen Mutter Dyna Platen (\u20201478) in Verehrung des hl. Martin zu Pferde bei der Mantelteilung. Nach Schneider (1999) ist das Epitaph f\u00fcr den Kanoniker und Scholaster Theoderich Kuchenmaister (\u20201493) dem Meister des Adalbert-Grabmals im Mainzer Dom zuzuweisen. Es zeigt den Verstorbenen und dessen Mutter Elisabeth Derinck (\u20201488) in Ganzfigur. Im Ostfl\u00fcgel befindet sich das Epitaph f\u00fcr den in der Zeit des Basler Konzils als kaiserlicher Protonotar einflussreichen Kanonikus Theoderich Ebbracht (\u20201462). Der Verstorbene erscheint mit seiner Mutter Elisabeth (\u20201446) zu F\u00fc\u00dfen des Gekreuzigten mit Maria und Johannes Evangelist. Im Ostfl\u00fcgel ist das Epitaph f\u00fcr den Kanoniker Peter Schenk von Weibstadt (\u20201437) aufgerichtet. Der Verstorbene verehrt kniend die Regina Coeli mit dem Jesusknaben. Im Nordfl\u00fcgel befindet sich das Epitaph f\u00fcr den Kanoniker und Scholaster Johannes von Kronenberg (\u20201439). Es zeigt den hl. Christophorus mit dem Jesusknaben. Dem Backoffen-Umfeld zugewiesen wird das Epitaph f\u00fcr Heinrich Sachs (\u20201545) und Johannes Scharlach (?), das den Verstorbenen Sachs in Form eines Portraitreliefs im Messgewand mit Kelch in H\u00e4nden wiedergibt. Das Epitaph f\u00fcr Gertrud von Breitenbach (\u20201421), Witwe Berthold Echters d. \u00c4., befindet sich im Westfl\u00fcgel. Es zeigt die Madonna auf der Mondsichel mit dem Kind und die kniende Verstorbene. F\u00fcr Meister Wendel archivalisch belegt ist das Epitaph f\u00fcr Kanonikus Michael Kemmerlin (\u20201529) im Westfl\u00fcgel. Es zeigt den Verstorbenen gegen\u00fcber einer Kreuzigungsgruppe mit Maria und Johannes. Von den Epitaphien des 18. Jh. ist das des Stiftsvikars Jakob Scheurig (\u20201764) in sp\u00e4tbarocken Formen hervorzuheben, dessen im Umriss asymmetrisch bewegte Inschriftkartusche von Rocaillen mit Sch\u00e4deln und Cherubim eingefasst wird und eine farbige Fassung zeigt.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 148-152.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stiftsgasse 1a &#8211; Stiftsmuseum Das vom Stiftsplatz aus als dreigeschossiger Satteldachbau mit zwei Treppengiebeln in Erscheinung tretende ehem. 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