{"id":4020,"date":"2022-03-28T10:51:33","date_gmt":"2022-03-28T08:51:33","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4020"},"modified":"2022-03-29T08:18:11","modified_gmt":"2022-03-29T06:18:11","slug":"steingasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/steingasse\/","title":{"rendered":"Steingasse"},"content":{"rendered":"<p class=\"MsoNormal\">Die Steingasse beginnt an der Herstallstra\u00dfe, verl\u00e4uft in westlicher Richtung parallel zur Landingstra\u00dfe und endet an der Luitpoldstra\u00dfe. Der Name der Gasse wird damit erkl\u00e4rt, dass sie schon fr\u00fcher als andere Stra\u00dfen einen befestigten, gepflasterten Untergrund hatte. Die Gasse gilt als eine fr\u00fche wichtige Verbindung aus der Stadt heraus auf der rechtsmainischen Stra\u00dfe \u00fcber Damm und Kleinostheim nach Hanau und weiter nach Frankfurt am Main und Mainz. Im Mittelalter waren in der Steingasse wie in der Pfaffen- und der Stiftsgasse viele Stiftsh\u00f6fe angesiedelt. Die s\u00fcdliche Stra\u00dfenseite war von einer geschlossenen Bebauung gepr\u00e4gt. Zum Landing hin lagen die G\u00e4rten der Anwesen mit den dazugeh\u00f6rigen Scheunen. Seit der 2. H\u00e4lfte des 19. Jh. entwickelte sich die Steingasse zu einer ausgesprochenen Gesch\u00e4ftsstra\u00dfe. Fast in jedem der H\u00e4user war ein Gesch\u00e4ft zu finden. 1973 wurde die bis dahin vom Autoverkehr stark frequentierte Steingasse zur Fu\u00dfg\u00e4ngerzone erkl\u00e4rt und an der Mauer zum Garten des Grundst\u00fccks Treibgasse 7, dem ehem. Ingelheimischen Stadthof, der heute als Kindergarten dient, wurde ein Brunnen von Bildhauer Hermann Kr\u00f6ckel angebracht.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 1<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der aus Italien stammende Handels- und Stadthauptmann Domenicus Frank lie\u00df Anfang des 19. Jh. einen Neubau auf dem aus urspr\u00fcnglich vier Grundst\u00fccken bestehenden Anwesen an der Ecke Herstallstra\u00dfe\/ Steingasse errichten. Die Pl\u00e4ne f\u00fcr das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus lie\u00df er von dem kurf\u00fcrstlichen Baumeister Emanuel Joseph von Herigoyen zeichnen. Dieser sah einen Walmdachbau mit breiter Fassade und einem Mittelgiebel im klassizistischen Stil vor. Der Wunsch des Bauherrn, das Geb\u00e4ude mit einem massiven Erdgeschoss und Fachwerkobergeschossen auszuf\u00fchren, entsprach zun\u00e4chst nicht den Vorgaben des Landbaumeisters Wolfgang Streiter. Da aber die Symmetrie und der repr\u00e4sentative Charakter der Fassade gro\u00dfen Gefallen fanden, wurde die Erlaubnis doch erteilt und Domenicus Frank konnte im Fr\u00fchjahr des Jahres 1804 mit dem Bau seines Hauses beginnen. Schon wenige Jahrzehnte nach der Errichtung des Hauses wurde das Erdgeschoss zum ersten Mal f\u00fcr L\u00e4den ver\u00e4ndert. 1868 lie\u00df der Lederh\u00e4ndler Zadok Adler sich einen Laden einrichten und die Fenster rechts des Hauseingangs zu Schaufenstern vergr\u00f6\u00dfern. Die gleiche \u00c4nderung wurde 1880 mit zwei Fenstern auf der linken Seite vorgenommen. 1883 wurde das gesamte Erdgeschoss f\u00fcr Ladengesch\u00e4fte umgestaltet. 1901 erfolgte die Modernisierung des Ladens links des Hauseingangs, 1937 rechts davon. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Geb\u00e4ude vergleichsweise wenig zerst\u00f6rt. Durch Luftdruck wurden Schaufenster sowie W\u00e4nde, Fenster und T\u00fcren besch\u00e4digt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bei der Behebung der Kriegssch\u00e4den wurde 1954 die gesamte Erdgeschosszone bis auf das Portal erneuert. 1966 wurde der Laden rechts des Eingangs nochmals umgestaltet, dabei hat man die genuteten Zwischenpfeiler und die abgerundete Geb\u00e4udekante an der Herstallstra\u00dfe durch gro\u00dfe Glasfl\u00e4chenfenster ersetzt. Bei der letzten Fassadensanierung 2003 wurde der Erdgeschossbereich wieder ann\u00e4hernd in den Zustand des 19. Jh. versetzt und die Fenster nach dem Vorbild des urspr\u00fcnglichen Baus ausgetauscht. Das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus steht mit neun Fensterachsen zur Steingasse und mit drei Fensterachsen zur Herstallstra\u00dfe. \u00dcber einem (mehrfach erneuerten) massiven Erdgeschoss folgen zwei verputzte Fachwerkobergeschosse. Den Abschluss bilden ein weit \u00fcberkragendes Traufgesims mit Zahnschnitt und ein flach geneigtes Walmdach. Die jeweils \u00e4u\u00dferen zwei Achsen der Hauptfassade zur Steingasse springen leicht risalitartig vor, die mittleren f\u00fcnf sind durch einen Mittelgiebel betont. Im Giebelfeld befindet sich ein kleines Fenster. Die \u00fcbrigen Fenster sind gleichm\u00e4\u00dfig auf der Fassade verteilt; die des 1. Obergeschosses sitzen auf einem umlaufenden Sohlbankgesims auf und sind etwas gr\u00f6\u00dfer als die im 2. Obergeschoss. Das Portal in der Mittelachse weist einen profilierten Sturz und eine zweifl\u00fcgelige T\u00fcr aus Eichenholz mit Schnitzereien auf. Das repr\u00e4sentative Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus steht in der Blickachse der Herstallstra\u00dfe in Richtung Landing. Es ist aus k\u00fcnstlerischer und st\u00e4dtebaulicher Sicht ein bemerkenswertes Geb\u00e4ude.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 2<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bevor Ende des 19. Jh. das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus errichtet wurde, befand sich an der Ecke Herstallstra\u00dfe\/Steingasse die Herberge und Gasthalterei \u201eZum Affen\u201c. Das Anwesen erstreckte sich \u00fcber die sp\u00e4teren Grundst\u00fccke Steingasse 2 sowie Herstallstra\u00dfe 9 und 11. Das 1547 erw\u00e4hnte Gasthaus umfasste Stallungen f\u00fcr 40 Pferde und drei Stuben mit neun Betten f\u00fcr G\u00e4ste. Die Herberge besa\u00df damit die zweitgr\u00f6\u00dfte Stallung in der Stadt. Sie bestand bis 1766. Danach wurde das Anwesen aufgeteilt. 1894 wurde der Vorg\u00e4ngerbau, ein zur Herstallstra\u00dfe giebelst\u00e4ndiger dreigeschossiger Fachwerkbau, abgebrochen und die Kaufleute Ludwig Geiger und Abraham Hamburger von der Bayerischen Aktienbierbrauerei lie\u00dfen von den Bauunternehmern Franz und Roman Woerner einen Neubau errichten. Der viergeschossige Eckbau mit f\u00fcnf Fensterachsen entlang der Steingasse sowie einer abgeschr\u00e4gten Geb\u00e4udekante und nur einer Achse an der Herstallstra\u00dfe wurde an einer neuen Baulinie errichtet. Die Fassade aus rotem Backstein wird durch helle Sandsteinelemente gegliedert. Die abgeschr\u00e4gte Ecke besteht, als Blickfang vom Scharfeck her kommend, ganz aus grauen Sandsteinquadern. Erd- und 1. Obergeschoss wurden optisch miteinander verbunden, indem das Portal \u00fcber beide Geschosse reichte; es wurde mit einem Segmentbogen versehen. \u00dcber dem Portal im 2. Obergeschoss war ein von verzierten Konsolen getragener Balkon mit gotisierenden Elementen in der Sandsteinbr\u00fcstung angebracht. Die Fenster des 2. Obergeschosses sind zu einer Dreiergruppe zusammengefasst. Dar\u00fcber folgt wiederum eine Gruppe aus drei Fenstern mit Blendvorhangb\u00f6gen. Das Br\u00fcstungsfeld ist mit gotisierendem Blendma\u00dfwerk dekoriert. Den Abschluss bildete ein hohes Walmdach mit einer reich verzierten Zwerchgaube mit runder Fenster\u00f6ffnung, es wurde nach dem Krieg nicht wieder hergestellt. Die Fenster der Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume in Erd- und 1. Obergeschoss bilden eine Einheit und schlie\u00dfen mit Segementb\u00f6gen mit gro\u00dfen Scheitelsteinen ab. Die Fenster der ersten Achse nach der abgeschr\u00e4gten Kante heben sich gestalterisch von den \u00fcbrigen Fenstern ab. Profilierte Sohlbankgesimse und ein umlaufendes Sandsteinband in H\u00f6he der K\u00e4mpfer der gro\u00dfen Schaufenster des 1. Obergeschosses gliedern die Fassade horizontal. Schmiedeeiserne Anker sind zus\u00e4tzliche dekorative Konstruktionselemente. Ein stark profiliertes und vortretendes Traufgesims schlie\u00dft die Fassade ab. Der Eingang zu den Wohnungen in den Obergeschossen befindet sich in der letzten Achse an der Steingasse. Das spitzbogige Gew\u00e4nde tr\u00e4gt im Scheitelstein die Jahreszahl \u201e1543\u201c, die als Erbauungsjahr des Vorg\u00e4ngerbaus angenommen wird.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">In dem Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus befand sich eine Metzgerei und im Obergeschoss das \u201eCaf\u00e9 Central\u201c. 1905 wurden im Erdgeschoss Umbauten unter Leitung von Architekt Heinrich Morhard vorgenommen. Im Keller befanden sich die Wurstk\u00fcche, ein Bier-, ein Wein- und ein Gem\u00fcsekeller. Laden und Restaurant waren im Erdgeschoss untergebracht. Das \u201eCentral\u201c war ein stadtbekanntes Caf\u00e9, welches bis 1939 an dieser Stelle bestand und danach in das Geb\u00e4ude gegen\u00fcber verlegt wurde. 1939 wurde das Dachgeschoss \u201ewiedererrichtet\u201c und der Dachstock ausgebaut. Dabei verzichtete man auf das steile Walmdach \u00fcber der Hausecke, was die \u00e4u\u00dfere Wirkung des Anwesens einschneidend ver\u00e4nderte. Luftdruck zerst\u00f6rte im Zweiten Weltkrieg die Schaufenster im Erdgeschoss und 1. Stock. Dach, W\u00e4nde, Decken, Fenster und T\u00fcren wurden besch\u00e4digt. 1953 wurden die Schaufenster modernisiert, eine Passage hergestellt und 1960 der Verkaufsraum erweitert. 1968 entstanden im Erd- und 1. Obergeschoss neue R\u00e4ume f\u00fcr die Buchhandlung Paul Pattloch. 1979 wurden die Passage wieder beseitigt und die Schaufenster erneut ver\u00e4ndert. 1980 erfolgten Umbauten im Innern der Obergeschosse. Die letzte Fassadensanierung fand 1998 statt.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 4<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus an der Ecke Steingasse\/Nebensteingasse entstand wohl nach 1766 nach der Aufteilung der Grundst\u00fccke Steingasse 2 und 4 sowie Herstallstra\u00dfe 9 und 11, die zuvor gemeinsam die Gastwirtschaft \u201eZum Affen\u201c umfassten. Der im Erdgeschossbereich ver\u00e4nderte Walmdachbau ist dreigeschossig und z\u00e4hlt mit zur Steingasse sieben und zur Nebensteingasse sechs Fensterachsen zu den gr\u00f6\u00dferen Anwesen der Stra\u00dfe. Das Erdgeschoss ist massiv, die Obergeschosse sind in verputztem konstruktivem Fachwerk errichtet. \u00dcber dem Erdgeschoss verl\u00e4uft ein profiliertes Gurtgesims, dar\u00fcber ein Sohlbankgesims, auf dem die Fenster des 1. Obergeschosses aufsitzen. Sie sind mit einer einfachen Holzrahmung und gerader Verdachung versehen. Die Fenster des 2. Obergeschosses sind etwas kleiner, haben keine Verdachung und eine von Konsolen getragene profilierte Sohlbank. 1806 wurde das als \u201eMainzer Hof\u201c bezeichnete Geb\u00e4ude zum Verkauf angeboten und in einer Akte des Landgerichts des Mainzer Regierungsarchivs wie folgt beschrieben: \u201e15 heizbare und sechs unheizbare Zimmer, ein Saal, zwei K\u00fcchen, zwei gro\u00dfe Keller, ein Heu- und Fruchtspeicher, sodann Stallungen f\u00fcr 50 Pferde und ein Laufbrunnen.\u201c Das Gasthaus wurde 1808 von dem Wirt Jakob Grundlach erworben, der 1811 in der Nebensteingasse einen Tanzsaal im Obergeschoss eines Nebengeb\u00e4udes einrichtete. Dieser umfasst vier Fensterachsen. 1885 fand der Einbau eines Schaufensters links des Eingangs in der Steingasse statt, aber schon ein Jahr sp\u00e4ter wurde der Vorzustand wieder hergestellt und rechts des Eingangs ein Laden mit Schaufenstern eingerichtet. Ab 1886 war die Bayerische Aktien-bierbrauerei Aschaffenburg Eigent\u00fcmerin des Hauses und lie\u00df die bisherige Einfahrt in der Nebensteingasse zu einem Schankzimmer herrichten. 1896 reichte der Baumeister Adam Schneider einen Plan \u00fcber die Vergr\u00f6\u00dferung der Schaufenster sowie Tieferlegung des Ladens von Jean Morhard ein. 1898 hat man auf dem Geb\u00e4udeteil entlang der Steingasse ein neues Dach errichtet und die Kamine erneuert. 1914 wurde der Saal nach Pl\u00e4nen des Architekten Otto Leitolf zu Werkst\u00e4tten f\u00fcr Textilienbearbeitung umgebaut. Nachdem 1931 die Gastst\u00e4tte modernisiert worden war, nahm sie ihren Betrieb wieder auf. Im Zweiten Weltkrieg besch\u00e4digten Luftdruck und Artillerie das Dach sowie alle Wohnungen und die Wirtschaftsr\u00e4ume. Nach dem Krieg wurde aus der ehem. Gastst\u00e4tte das Hotel \u201eStadt Mainz\u201c. In den R\u00e4umen der vormaligen Gaststube wurde eine Reinigung und W\u00e4scherei eingerichtet. 1974 stellte das Hotel den Betrieb ein und das Geb\u00e4ude wurde 1980 zu einem B\u00fcro- und Gesch\u00e4ftshaus umgebaut.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 8<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das seit dem 16. Jh. nachweisbare Anwesen, auch \u201eCentgrafenhof\u201c genannt, ging 1846 in den Besitz von Ignaz Freiherr von Hertling \u00fcber. Er erhielt das Braurecht und die Konzession zum Brennen von Branntwein. Zu dieser Zeit befanden sich auf dem Grundst\u00fcck ein Brauhaus, eine \u00fcberw\u00f6lbte Brunnenstube, ein G\u00e4rkeller, ein K\u00fchlschiff, eine K\u00fcferei und eine Brennerei. 1852 wurde das Geb\u00e4ude als Sitz der \u201eFreiherr von Hertling\u2019schen Verwaltung\u201c genannt. 1871 wurde die K\u00fcferei aufgegeben und 1872 eine Schankhalle im Hof errichtet. Zwischen 1881 und 1890 befand sich das Wirtschaftslokal des Anwesens in der Steingasse und in der Treibgasse die Brauerei. 1889 wurde die Holzkonstruktion der Schankhalle abgebrochen und ein eingeschossiges Geb\u00e4ude mit Pultdach als Schanklokal sowie ein Malzkeller auf dem Grundst\u00fcck erbaut. T\u00fcnchermeister Franz Josef Kullmann lie\u00df sich 1900 von der Firma Sager &amp; Woerner einen Laden einrichten. 1918 baute dessen Sohn, T\u00fcnchermeister Ludwig Kullmann, das Treppenhaus in seinem Anwesen um und schuf damit eine Vergr\u00f6\u00dferung der Wohnung. Im Zweiten Weltkrieg wurden Dach, W\u00e4nde, Decken, Fenster und T\u00fcren des Anwesens durch Artillerie und Bordwaffen besch\u00e4digt. Die Instandsetzung erfolgte 1948. Das 1889 errichtete Nebengeb\u00e4ude wurde 1983 abgebrochen und 1987 als Verbindung zur Treibgasse die sog. \u201eM\u00e4lzerei-Passage\u201c geschaffen. Die Freilegung des Fachwerks im Obergeschoss erfolgte 1996. Das heute 22 m breite, traufst\u00e4ndige Geb\u00e4ude bestand wohl bis zu einem nicht bekannten Zeitpunkt aus zwei H\u00e4usern: einem traufst\u00e4ndigen, welches von Haus Nr. 6 bis zur urspr\u00fcnglich nicht \u00fcberbauten Toreinfahrt reichte, und einem giebelst\u00e4ndigen, tiefen Geb\u00e4ude auf der linken Seite der Toreinfahrt bis zu Haus Nr. 10. Diese Trennung ist heute kaum noch ablesbar. \u00dcber einem massiven Erdgeschoss mit zwei L\u00e4den und einer Tordurchfahrt folgt ein vorkragendes Fachwerkobergeschoss mit Zierfachwerk, welches in die Zeit um 1600 zu datieren ist. Im Obergeschoss befinden sich insgesamt neun unregelm\u00e4\u00dfig auf der Fassade angeordnete Fenster. \u00dcber einer stark \u00fcberkragenden, profilierten Traufe befinden sich zwei Zwerchh\u00e4user und daneben jeweils kleinere Giebelgauben. Der Laden rechts der Durchfahrt entspricht noch dem Aussehen der Zeit um 1900, der der linken Seite wurde modernisiert.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 9<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das wahrscheinlich 1565 errichtete zweigeschossige Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus, ein Fachwerkgiebelbau, war ehemals in die beiden Anwesen Steingasse 7 und 9 unterteilt. Seit 1909 sind rechte und linke Haush\u00e4lfte unter der Nr. 9 vereint. Erste bauliche \u00c4nderungen an dem Anwesen sind seit Ende des 19. Jh. dokumentiert. 1888 wurde das Erdgeschoss auf der rechten Haush\u00e4lfte zu einem Laden mit Schaufenster ge\u00e4ndert und 1893 der Laden auf der linken Seite umgebaut. 1932 erfolgte die Freilegung des Fachwerks im Obergeschoss und im Giebel, welches gebogene Streben und Kopfb\u00e4nder zeigt. Die Fu\u00dfb\u00e4nder sind alle gebogen, die Konstruktion ist verblattet. Bei der Freilegung wurden die Jahreszahl \u201e1565\u201c am linken Kragstein \u00fcber dem Erdgeschoss sowie ein gotisches T\u00fcrgew\u00e4nde entdeckt. 1938 lie\u00df Anna Kolb, Witwe des Schuhh\u00e4ndlers Franz Kolb, ein neues B\u00fcro und einen Aufenthaltsraum im Erdgeschoss einrichten. Am 21. November 1944 wurden durch Luftdruck und Artillerie Schaufenster, Dach, W\u00e4nde, Decken, T\u00fcren und Fenster besch\u00e4digt. Nach dem Krieg wurde die Schaufensterfront noch mehrmals umgebaut.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 11<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bis 1862 war das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus ein giebelst\u00e4ndiger Satteldachbau mit massivem Erdgeschoss und vorkragendem verputztem Fachwerkobergeschoss und Giebel. Der Eingang lag auf der rechten Seite, in der Mitte befand sich ein rundbogiger Kellerabgang, links zwei Fenster. Im Obergeschoss sa\u00dfen vier Fenster, im Giebelfeld zweimal ein gekuppeltes Fenster. Dieses Fachwerkgiebelhaus lie\u00df Spenglermeister Johann Friedrich 1862 unter Beibehaltung der Grundmauern in ein klassizistisches Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus umbauen. Dazu wurde der First gedreht und das Haus erhielt eine neue Fassade aus Sandsteinquadern. 1869 erg\u00e4nzte man das Anwesen durch ein unterkellertes Werkstattgeb\u00e4ude mit Waschk\u00fcche. 1903 lie\u00df der Spenglermeister den Laden im Erdgeschoss des Wohnhauses umbauen und 1925 das Dach des zun\u00e4chst zweigeschossigen Geb\u00e4udes anheben, um ein Zimmer f\u00fcr Dienstboten und einen Lagerraum darin unterzubringen. 1933 wurde dann das Dach des Wohnhauses auf der Seite zur Steingasse angehoben und ebenfalls um ein Stockwerk erh\u00f6ht. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Luftdruck die Fenster des Hauses besch\u00e4digt und die Hausseite zum Anwesen Nr. 13 schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Fassade des nunmehr viergeschossigen traufst\u00e4ndigen Satteldachbaus wurde in Sichtmauerwerk aus rotem Mainsandstein errichtet. Das Erdgeschoss ist heute zu einer modernen Ladeneinheit ausgebaut. In den Obergeschossen gibt es je drei hochrechteckige Fenster mit segmentbogenf\u00f6rmigem Sturz, dar\u00fcber ein Br\u00fcstungsgesims und im 3., 1933 erg\u00e4nzten Obergeschoss vier quadratische Fenster. Unter dem Geb\u00e4ude befindet sich ein Keller des Vorg\u00e4ngerbaus mit einem Tonnengew\u00f6lbe quer zur heutigen Firstrichtung. Unter dem R\u00fcckgeb\u00e4ude liegt ein zweiter Keller.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 14<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Laut Alois Grimm war das Anwesen fr\u00fcher Bestandteil des Hauses Steingasse 12, wurde aber zu Beginn des 19. Jh. von diesem abgetrennt. 1852 wurde ein Stockwerksaufbau auf dem Hintergeb\u00e4ude des Wohnhauses von Schneider Josef Oberle genehmigt, der jedoch wahrscheinlich nie ausgef\u00fchrt wurde. 1875 erhielt das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus eine neue, klassizistische Fassade. Die auf den Pl\u00e4nen mit zwei Obergeschossen dargestellte Variante wurde aber nur mit einem Obergeschoss ausgef\u00fchrt und zeigt sich heute noch, bis auf den modernisierten Laden im Erdgeschoss, in dieser Form. Der Hauseingang befindet sich auf der linken Seite, leicht zur\u00fcckversetzt, \u00fcber drei Stufen erreichbar. Rechts daneben liegt der 1938 modernisierte Laden mit separatem Eingang. Im Obergeschoss sitzen zwei gekuppelte, steingerahmte Fenster mit einer geraden Verdachung auf einem einfachen Sohlbankgesims. Das Traufgesims kragt weit vor und ist mehrfach profiliert. Das Geb\u00e4ude schlie\u00dft mit einem Satteldach ab. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Geb\u00e4ude nur leichte Sch\u00e4den an Dach und Fenstern.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 15<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Bis zum Ende des 18. Jh. war das heutige Anwesen in zwei Besitzungen geteilt. Zwischen 1871 und 1891 erfolgte die \u00dcberbauung der bisherigen Einfahrt zum rechten Hausteil. Das Hinterhaus wurde w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges durch einen Volltreffer zerst\u00f6rt, auch das Vorderhaus und die Waschk\u00fcche wurden dabei besch\u00e4digt. 1946 leitete der Architekt Georg Henfling die Wiederaufbauarbeiten des Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses. Er sah f\u00fcr die linke H\u00e4lfte des Anwesens einen Anbau vor, der dem rechten \u00e4hnlich war. Dabei sollte auch der Zwerchgiebel wiederholt werden, was jedoch nicht genehmigungsf\u00e4hig war. Der Laden im Erdgeschoss wurde mehrfach modernisiert. Der aus dem 19. Jh. erhaltene rechte Hausteil ist traufst\u00e4ndig und zweigeschossig, mit Satteldach. Das Erdgeschoss ist massiv gemauert, das Obergeschoss aus verputztem Fachwerk. Zur Seite des nach dem Krieg erneuerten Anbaus ist ein Zwerchgiebel mit Kr\u00fcppelwalm und zwei gekuppelten Fenstern ausgebildet. Der Eingang mit der Inschrift \u201eZur guten Hoffnung\u201c im T\u00fcrsturz ist leicht nach links ger\u00fcckt. Links befindet sich ein weiteres Fenster, rechts vom Eingang der modernisierte Laden mit zwei Schaufenstern und Eingangst\u00fcr dazwischen. Das Obergeschoss hat insgesamt f\u00fcnf Fenster.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 19<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">1864 legte der Kaufmann Anton K\u00f6hler einen von Bernhard Hoffmann gezeichneten Plan zum Einbau von Schaufenstern in seinem Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus zur Genehmigung vor. Der Plan zeigt ein zweigeschossiges traufst\u00e4ndiges Geb\u00e4ude mit vier Fenstern im Obergeschoss und zwei Eing\u00e4ngen mit dazwischenliegenden Schaufenstern im Erdgeschoss. Vor dem Anwesen befand sich ein eigener Gehsteig mit je einem rechten und linken Abweisstein. 1944\/45 wurde das gesamte Anwesen durch Luftdruck verschiedener Bombenangriffe besch\u00e4digt. Der Dachausbau erfolgte wohl im Zuge der Instandsetzungsarbeiten der Fassade nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Aufteilung des Erdgeschosses blieb trotz der Modernisierung des Gesch\u00e4ftes erhalten. Der Hauseingang liegt auf der linken Seite, rechts befinden sich zwei Schaufenster mit Ladeneingang dazwischen. Im Fachwerkobergeschoss gibt es vier Fenster mit profilierter Holzrahmung und kr\u00e4ftig profilierten Sohlb\u00e4nken auf Konsolen. Auf dem steilen Satteldach sitzt ein im Verh\u00e4ltnis zur Fassade gro\u00dfes Zwerchhaus mit Walmdach, es wird von zwei kleinen Gauben flankiert. Das traufst\u00e4ndige, zweigeschossige Geb\u00e4ude mit Satteldach und einem Zwerchhaus geh\u00f6rt zu einem in der Steingasse noch mehrmals anzutreffenden Bautypus, der Ende des 17. Jh. bis weit in das 18. Jh. gebr\u00e4uchlich war.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 20<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Handelsmann und Papierfabrikant Alois Dessauer lie\u00df sich 1804 ein Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus von dem kurf\u00fcrstlichen Baumeister Emanuel Josep von Herigoyen planen, der mit diesem Neubau seine Baut\u00e4tigkeit in Aschaffenburg beendete. Er zeichnete einen traufst\u00e4ndigen, sieben Achsen breiten Satteldachbau mit repr\u00e4sentativer Fassade. Bis 1855 befand sich in dem Geb\u00e4ude das B\u00fcro der Aschaffenburger Buntpapierfabrik. 1894 wurden im Hof des von der Volksbank genutzten Geb\u00e4udes eine kleine Waschk\u00fcche und drei schmale Holzlegen errichtet. 1937 wurde links der Durchfahrt ein Laden eingerichtet und ein russischer Kamin an der Seite zu Haus Nr. 18 eingebaut. Der zweigeschossige, massive Bau hat eine symmetrisch gestaltete verputzte Fassade mit Gliederungen aus Rotsandstein. Die Geb\u00e4udekanten sind im Erdgeschoss mit genuteten Lisenen versehen. In der Mitte liegt eine rundbogige Durchfahrt, die ebenfalls von genuteten Sandsteinquadern gerahmt ist. Das Portal und die dar\u00fcber folgenden drei Achsen springen leicht risalitartig vor. Das Erdgeschoss schlie\u00dft mit einem Gurtgesims ab. Die Fenster des 1. Obergeschosses sitzen auf einem Sohlbankgesims auf, die mittleren drei sind mit profilierter, gerader Verdachung versehen. Die Fenster des 2. Obergeschosses sind quadratisch. Das Traufgesims hat Volutenkonsolen. Der Mittelrisalit war von einer Attika bekr\u00f6nt, auf der vier allegorische Sandsteinfiguren standen, deren Verbleib ungekl\u00e4rt ist. Urspr\u00fcnglich war die Binnengliederung so organisiert, dass sich im Erdgeschoss die R\u00e4ume um die in der Mittelachse befindliche Durchfahrt gruppierten. Die Treppe zu den Obergeschossen liegt auf der Hofseite. Zur Stra\u00dfe hin waren die Wohnzimmer und zum Hof die weniger repr\u00e4sentativen R\u00e4ume wie K\u00fcche und WC ausgerichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das gesamte Haus schwer getroffen. Nach der Instandsetzung wurden 1947 auf der rechten Seite Schaufenster eingebaut und 1950 die Ladeneing\u00e4nge ge\u00e4ndert. 1966 bestanden kurzzeitig Bestrebungen, das Anwesen abzurei\u00dfen und durch einen Neubau zu ersetzen, was jedoch verhindert werden konnte. 1977\/78 erfolgten Umbauten im Innern des Geb\u00e4udes, wobei die Grundrisse dahingehend ge\u00e4ndert wurden, dass in jeder Etage zwei Wohnungen entstanden. Die L\u00e4den im Erdgeschoss blieben erhalten.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 21<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Der Messerschmied Peter H\u00fcfner errichtete 1840 in dem Anwesen des ehem. \u201eSchallbruchisch-Erbischen Hauses\u201c einen zweigeschossigen Werkstatt-Neubau mit Pultdach an der Grundst\u00fccksgrenze zu Haus Nr. 19. 1876 lie\u00df der K\u00fcrschner Anton Eduard Weber die Fassade des Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses ver\u00e4ndern und im r\u00fcckw\u00e4rtigen Bereich weitere Nebengeb\u00e4ude errichten. 1924 erfolgte durch Heinrich Lamotte die Anhebung des Daches des 1840 erbauten zweigeschossigen R\u00fcckgeb\u00e4udes f\u00fcr einen Trockenraum. Glasschaufenster wurden 1927 f\u00fcr den Laden im Erdgeschoss eingebaut. Bei Luftangriffen im Zweiten Weltkrieg wurden die D\u00e4cher des Vorder- und Hinterhauses besch\u00e4digt. Das Geb\u00e4ude zeigt sich heute im Wesentlichen so, wie es in der 1. H\u00e4lfte des 19. Jh. errichtet worden war: als zweigeschossiger Satteldachbau mit einem verputzten Fachwerkobergeschoss mit vier Fenstern \u00fcber einem modernisierten Ladenerdgeschoss. Im Dach gibt es zwei Gauben und ein mittiges Zwerchhaus mit Kr\u00fcppelwalm.<\/p>\n<p class=\"MsoNormal\"><strong>Steingasse 27<\/strong><\/p>\n<p class=\"MsoNormal\">Das dreigeschossige Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus mit breit gelagerter Fassade \u00fcber f\u00fcnf Achsen wurde wohl laut einer Bezeichnung \u00fcber dem Sturz des in der Mittelachse der Fassade gelegenen Eingangsportals 1782 errichtet. Bauliche Ver\u00e4nderungen sind seit der 2. H\u00e4lfte des 19. Jh. dokumentiert. 1873 hat man das Dach des R\u00fcckgeb\u00e4udes angehoben und den gewonnenen Raum f\u00fcr Wohnzwecke genutzt. 1875 wurde im Hof eine Dunggrube angelegt und 1889 im R\u00fcckgeb\u00e4ude eine B\u00e4ckerei f\u00fcr B\u00e4ckermeister Jakob Sturm eingerichtet sowie der Einbau eines Ladens im Vorderhaus genehmigt. Daf\u00fcr wurden auf der linken Hausseite eine T\u00fcr und Schaufenster eingebrochen. 1898 wurde auf der rechten Seite ein weiterer Laden mit zwei Schaufenstern und Gusseisens\u00e4ulen geschaffen. Der linke Laden wurde 1936 ein weiteres Mal umgebaut und erhielt dann ein gro\u00dfes Schaufenster. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Luftdruck das Dach des Geb\u00e4udes abgedeckt und die Fenster eingedr\u00fcckt. Das Geb\u00e4ude erlitt vergleichsweise leichte Sch\u00e4den, die 1948 instand gesetzt werden konnten. Ein neuer Kamin wurde errichtet und 1952 im Erdgeschoss links ein Schaufenster erneuert. Ein profiliertes Geschossgesims trennt das Erdgeschoss von den Obergeschossen. In den verputzten Fachwerkobergeschossen ist die bauzeitliche Konstruktion erhalten. Die Fenster sind mit geohrten Gew\u00e4nden mit Schlusssteinen gerahmt. Die Sohlb\u00e4nke werden im 1. Obergeschoss von Volutenkonsolen und im 2. Obergeschoss von einfachen Konsolen getragen. Das Traufgesims ist stark profiliert und steht weit \u00fcber. Im Erdgeschoss ist die sp\u00e4tbarocke Eingangst\u00fcr mit profilierter und geohrter Rahmung erhalten. Im Schlussstein findet sich die genannte Jahreszahl. Die T\u00fcrbl\u00e4tter aus Eichenholz sind eine Ver\u00e4nderung der Biedermeierzeit. Trotz der mehrfachen Modernisierung der beiden Ladeneinheiten im Erdgeschoss hat das Geb\u00e4ude den Charakter eines sp\u00e4tbarocken Palais beibehalten und ist ein wichtiges architektonisches Zeugnis aus dem Ende des 18. Jh. in der Steingasse.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 143-148.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Steingasse beginnt an der Herstallstra\u00dfe, verl\u00e4uft in westlicher Richtung parallel zur Landingstra\u00dfe und endet an der Luitpoldstra\u00dfe. 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