{"id":4010,"date":"2022-03-28T10:59:23","date_gmt":"2022-03-28T08:59:23","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4010"},"modified":"2022-03-29T08:11:28","modified_gmt":"2022-03-29T06:11:28","slug":"schlossgasse-13-pfarrkirche-zu-unserer-lieben-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/schlossgasse-13-pfarrkirche-zu-unserer-lieben-frau\/","title":{"rendered":"Schlo\u00dfgasse 13 &#8211; Pfarrkirche zu Unserer Lieben Frau"},"content":{"rendered":"<p>Die kath. Pfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau, Muttergottespfarrkirche genannt, ist die \u00e4lteste Pfarrkirche der Stadt, da zu dem bereits im 10. Jh. gegr\u00fcndeten Stift St. Peter und Alexander keine eigene Pfarrei bestand. So geh\u00f6rten zur Seelsorge der Muttergottespfarrkirche der ganze Ort Aschaffenburg sowie zahlreiche umliegende Ortschaften, bis im 12. Jh. die Pfarrei St. Agatha gegr\u00fcndet wurde und einen Teil der Seelsorge in der Stadt sowie in einigen D\u00f6rfern erhielt. Die Pfarrkirche befindet sich innerhalb der ersten Stadterweiterung, die sich von der fr\u00fchen Stadt (zwischen Badberg und Stiftsberg, wohl seit Beginn des 9. Jh.) ausgehend entlang der heutigen Schlo\u00df- und Pfaffengasse entwickelte und sich bis zum Bau der Burg um 1220 vollzog. \u00dcber das tats\u00e4chliche Gr\u00fcndungsjahr der Kirche gibt es allerdings au\u00dfer Vermutungen keine gesicherten Quellen. Die fr\u00fcheste schriftlich \u00fcberlieferte Erw\u00e4hnung des Gotteshauses ist einer Urkunde von 1183 zu entnehmen, worin ein Heinrich als Pfarrer von St. Maria in Aschaffenburg genannt ist. In einer weiteren Urkunde aus dem Jahr 1184 von Papst Lucius III. ist die Pfarrei als Besitz des Stiftes dokumentiert. Fast ein Jahrhundert sp\u00e4ter erfolgte dann die Inkorporation der Pfarrkirche in das Stift St. Peter und Alexander, was die Aufgabe der pfarrlichen Selbstst\u00e4ndigkeit der Kirche bedeutete. Zwischen dem ausgehenden 13. Jh. bis in die 2. H\u00e4lfte des 16. Jh. sind kaum Hinweise zur Muttergottespfarrkirche \u00fcberliefert. Mit der S\u00e4kularisation 1803 und der damit verbundenen Aufhebung des Kollegiatsstifts verlor die Stiftsbasilika St. Peter und Alexander ihre Funktion. In der Folge mussten die Pfarreien neu eingeteilt werden. Am 24. M\u00e4rz 1821 informierte die Regierung des Untermainkreises in W\u00fcrzburg den Stadtmagistrat dar\u00fcber, dass die Stiftspfarrei zur Stadtpfarrei erhoben wurde und die Seelsorge unter den nun drei Stadtpfarreien aufzuteilen sei. Damit ging ein Teil der Pfarrei der Muttergottespfarrkirche an die Stiftskirche \u00fcber.<\/p>\n<p>Baugeschichte:<\/p>\n<p>Bei der Muttergottespfarrkirche handelt es sich heute um einen barocken Kirchenbau aus der Mitte des 18. Jh., dessen Hauptfassade zum Schloss Johannisburg gerichtet ist. Der an der \u00f6stlichen Langhausseite stehende gotische Turm ist noch von dem vorhergehenden Kirchenbau \u00fcberkommen. Durch die Nennung eines Erzbischofs Konrad auf einer erhaltenen halbrunden Tympanonplatte (heute unter der Orgelempore links), womit wohl der Mainzer Erzbischof Konrad von Wittelsbach (reg. 1161\u20131165 und 1183\u20131200) gemeint ist, und die Erw\u00e4hnung der Kirche St. Marien in Aschaffenburg in der Urkunde von 1183 l\u00e4sst sich die Gr\u00fcndung der Kirche in einen Zeitraum zwischen Mitte und Ende des 12. Jh. eingrenzen.<\/p>\n<p>Der Turm wurde Ende der 1. H\u00e4lfte des 13. Jh. errichtet. Zur selben Zeit wurde au\u00dferdem ein gerade schlie\u00dfender Chor angef\u00fcgt und das Kirchenschiff mit einem neuen, h\u00f6heren und steileren Dach versehen. Im 16. Jh. wurden Seitenschiffe an die Kirche angef\u00fcgt, wobei es m\u00f6glich erscheint, dass bereits vorher solche bestanden und diese dann nur erh\u00f6ht wurden. Ende des 17. und Mitte des 18. Jh. wurde der Kirchenbau barockisiert. Dabei wurden u. a. Alt\u00e4re umgewidmet und, wie Alois Grimm vermutet, die Lattendecke in ein Spiegelgew\u00f6lbe ge\u00e4ndert. Unter Dr. Christian Stadelmann (1699\u20131782), Pfarrer und erzbisch\u00f6flicher Kommissar, erfolgte nach Abbruch der alten Kirche am 28. September 1768 die Grundsteinlegung f\u00fcr den heute bestehenden Kirchenbau. Der Pfarrer finanzierte den Neubau zum Gro\u00dfteil aus eigenen Mitteln und bestimmte dessen Gestalt mit. Ein zeitgen\u00f6ssisches Portrait Pfarrer Stadelmanns aus den Best\u00e4nden des Stiftsmuseums zeigt ihn im Priestergewand in der Pose des Bauherrn mit einer aufgezogenen Planrolle, auf der unverkennbar die Muttergottespfarrkirche dargestellt ist. B\u00fccher im Hintergrund sollen seine Gelehrsamkeit verdeutlichen, ein Zirkel im Vordergrund kennzeichnet ihn als Architekten und Konstrukteur. Der Pfarrer hat wohl jegliche Dokumente und Nachweise \u00fcber die Kosten f\u00fcr den Bau der Kirche vernichtet, um sich selbst und die Nachwelt im Unklaren \u00fcber die tats\u00e4chliche Bausumme zu lassen, daher sind keine weiteren Einzelheiten \u00fcber den Bauablauf \u00fcberliefert. Bauleiter war der um 1729 in B\u00f6hmen geborene und seit 1751 in Aschaffenburg als Stiftsmaurer t\u00e4tige Franz Boccorny (auch Boccorni oder Pocorny). Er starb am 26. April 1771 und wurde in der zwischen 1770 und 1772 ausgebauten Gruft der neuen Pfarrkirche beigesetzt. S\u00e4mtliche am Kirchenbau beteiligten Handwerker waren Aschaffenburger Meister. Die urspr\u00fcnglichen Deckengem\u00e4lde in Chor und Langhaus schuf Jakob Konrad Bechtold 1770. Im Chor war die Anbetung des Lammes durch die 24 \u00c4ltesten dargestellt, im Langhaus die Kr\u00f6nung Mariens. Am 3. September 1775 erfolgte die feierliche Kirchenweihe durch den Erzbischof und Kurf\u00fcrsten Friedrich Carl Joseph von Erthal.<\/p>\n<p>Nachdem bereits 1786 N\u00e4ssesch\u00e4den am Deckengem\u00e4lde repariert werden mussten und 1792 die Fassade neu verfugt und farbig gestrichen wurde, erfolgten im 19. Jh. zwei Restaurierungs- und Umgestaltungsphasen. W\u00e4hrend der ersten Phase 1852\/53 wurden prim\u00e4r durch Wurmfra\u00df entstandene Sch\u00e4den an holzgeschnitztem Zierrat und Figuren von Alt\u00e4ren, Kanzel und Orgel behoben. Dabei wurden nicht nur Teile erg\u00e4nzt, sondern ganze Figuren erneuert. Ferner wurden die aus der alten Kirche \u00fcbernommenen Gem\u00e4lde der im 17. Jh. gefertigten Alt\u00e4re erneuert. F\u00fcr die zweite Restaurierungsphase von 1886 bis 1913 wurde eigens ein Restaurierungsverein gegr\u00fcndet. Anlass war wohl weniger die Behebung von M\u00e4ngeln, sondern eher die Anpassung des Kirchenraumes an den damaligen Zeitgeschmack. So wurde die Innenfassung des Kirchenraumes erneuert, dabei die Lisenen r\u00f6tlich marmoriert, wodurch dieser eine renaissancehafte Schwere erhalten hat. Neue Altar- und Kommunionbankstufen aus schwarzem Marmor wurden angeschafft. Die Erneuerung der Glasfenster zu beiden Seiten des Hochaltars erm\u00f6glichten 1887 private Stifter. Gestaltet waren die Fenster von der Hofglasmalerei und Kunstanstalt F. H. Zettler aus M\u00fcnchen. 1890 wurden f\u00fcnf Fenster f\u00fcr das Kirchenschiff gestiftet. Sie waren mit farbigen Medaillons, umrahmt von ornamentalen Teppichmustern, gestaltet. Die Sandsteinplatten des Kirchenfu\u00dfbodens wurden 1893 durch keramische Platten ersetzt. 1897 erfolgten Restaurierungsarbeiten am Hochaltar, dabei wurde das Wappen des Stifters Graf von Ostein (ein springender Hund) vom Mittelmedaillon entfernt. Zwischen Juli und Dezember 1897 wurden an Turm (Baufirma Sager &amp; Woerner) und Vorplatz an der Nordseite der Kirche Ausbesserungsarbeiten durchgef\u00fchrt. 1898 wurde die Figur des Ecce Homo, die 1812 abgenommen und ins Museum verbracht worden war, restauriert und an der Nordseite des Turmes angebracht. Die Wandfl\u00e4chen links und rechts der Figur wurden von Adalbert Hock bemalt, dargestellt waren links der Erzengel Michael und rechts die Muttergottes als Himmelsk\u00f6nigin. Bei den Angriffen auf die Stadt am 27. Oktober und 5. November 1944 wurden das Dach der Kirche abgedeckt und das Dachwerk besch\u00e4digt.<\/p>\n<p>Die Decke mit dem Deckengem\u00e4lde von Jakob Konrad Bechtold st\u00fcrzte ein. Luftdruck hatte die Au\u00dfenmauern und den Turm ersch\u00fcttert und Risse verursacht. Noch 1945 wurde damit begonnen, erste Reparaturen vorzunehmen. So wurde das Dach mit Blech abgedeckt und im n\u00e4chsten Jahr der Turm soweit geschert, dass Glocken aufgezogen werden konnten. 1947 war der Chor fertiggestellt, Weihnachten 1949 war der Kircheninnenraum verputzt und gestrichen. Die Bauleitung der Wiederaufbauarbeiten direkt nach dem Krieg oblag Architekt Georg Ackermann. Nach ersten Notsicherungen und der Wiederherstellung des Kirchenraumes zum Feiern von Gottesdiensten folgte Mitte der 1950er Jahre die vollst\u00e4ndige Rekonstruktion des Innenraumes auch auf Empfehlung des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege. Priorit\u00e4t lag auf der Wiederherstellung der Baldachinanlage und der Seitenalt\u00e4re sowie die Gestaltung der Decke durch Freskenmalerei. Nachdem es nicht m\u00f6glich war, Alt\u00e4re aus aufgelassenen Kirchen in Freudenberg, Versbach und Laudenbach f\u00fcr die Muttergottespfarrkirche zu verwenden, entschied man sich f\u00fcr die Rekonstruktion, die durch die Schreinermeister Hans und Erich Bauer nach einer von Alois Grimm nach historischen Fotos angefertigten Zeichnung 1963 vorgenommen wurde. Des Weiteren wurde ein Windfang aus Leichtmetall und Glas am Kircheneingang eingebaut, die Kirchenb\u00e4nke hat man \u00fcberarbeitet sowie zwei neue Beichtst\u00fchle angeschafft. Ein neuer Fu\u00dfboden wurde verlegt, der Taufstein restauriert und die Sakristei erweitert. Am 1. Oktober 1967 konnte die Fertigstellung des Deckengem\u00e4ldes, die den Abschluss des Wiederaufbaus bildete, mit einem Festgottesdienst gefeiert werden. Die Restaurierung des Turms war erst 1975 beendet.<\/p>\n<p>Baubeschreibung:<\/p>\n<p>Die einschiffige Saalanlage ist nach S\u00fcden orientiert. Der Chor ist einjochig, leicht eingezogen und halbrund geschlossen. An der Ostseite des Langhauses steht in H\u00f6he des dritten Jochs der Glockenturm. Daran angef\u00fcgt ist die eingeschossige Sakristei. Das Langhaus ist durch Pilaster aus Rotsandsteinquadern gegliedert. Die Kanten sind etwas abgerundet. Der niedrige Sockel und ein umlaufendes Gesims, welches im Bereich der Pilaster verkr\u00f6pft ist, sind ebenfalls aus rotem Sandstein gearbeitet, die Wandfl\u00e4chen sind hell verputzt. Die zur Schlo\u00dfgasse gerichtete Hauptfassade aus unverputzten Rotsandsteinquadern mit Zierelementen aus hellem Sandstein ist durch toskanische Pilaster in drei Felder gegliedert. Eine horizontale Einteilung in zwei Ebenen erfolgt durch ein Traufgesims. Die betonte Mittelachse tritt risalitartig hervor und schlie\u00dft mit einem Dreiecksgiebel \u00fcber dem verkr\u00f6pften Traufgesims ab. Im Tympanon ist das Wappen des Pfarrers Stadelmann zu sehen. Dar\u00fcber folgt ein Aufsatz mit Anschw\u00fcngen, der mit einem offenen Segmentgiebel abschlie\u00dft. Dieser ist von einem goldenen Kardinalskreuz bekr\u00f6nt, auf den Schenkeln befinden sich Sandsteinvasen. Im Giebelfeld ist das Wappen des Erzbischofs Emmerich Josef von Breidbach-B\u00fcrresheim (1707\u20131774) zu sehen. In der Mitte der zweiten Ebene der Fassade steht in einer Nische eine vergoldete Immaculata-Figur. Die \u00e4u\u00dferen Pilaster sind von zwei \u00fcberlebensgro\u00dfen Heiligenfiguren aus Sandstein bekr\u00f6nt: links der hl. Christophorus, rechts der hl. Johann Nepomuk. Die das Mittelfeld flankierenden Wandfl\u00e4chen sind konkav geschwungen.<\/p>\n<p>Das mittige Hauptportal wiederholt den Aufbau des Aufsatzes. Es wird von zwei korinthischen S\u00e4ulen flankiert, die einen verkr\u00f6pften Segmentgiebel tragen. Auf den Schenkeln befinden sich zwei Putten, links mit Gesetzestafeln, rechts mit Tiara. Das Tympanon ist mit Rankwerk und Initialen geschm\u00fcckt. \u00dcber dem T\u00fcrsturz gibt eine Inschrift Auskunft dar\u00fcber, dass Pfarrer Christian Stadelmann, apostolischer Protonotar zu Mastricht geboren, diese Kirche auf seine Kosten erbaut habe. Das Chronostichon gibt als Jahreszahl 1768 an. \u00dcber dem Portal sitzt ein hohes Rundbogenfenster. Der Glockenturm mit quadratischem Grundriss hebt sich stilistisch und in der Verwendung des Materials von dem Kirchenbau ab. Er ist durch Ecklisenen aus grauem Sandstein betont. Die ersten beiden hohen Geschosse sind verputzt und durch Gesimse und profilierte Rundbogenfriese unterteilt. In den Geschossen sind Schlitzfenster angeordnet. Die Glockenstube ist zweigeschossig und besitzt an allen vier Seiten jeweils zwei \u00fcbereinanderstehende Spitzbogenblendfenster mit gekuppelten Schall\u00f6ffnungen. Das Trennungss\u00e4ulchen ist mit einem Knospenkapitell versehen, im Zwickel dar\u00fcber befindet sich ein Vierpass. Zu allen vier Seiten zeigt ein spitzer Giebel, der jeweils mit einer Vase bekr\u00f6nt ist. An den Turmkanten sind Wasserspeier angebracht. Ein mit Krabben besetzter Helm schlie\u00dft den Turm ab. Am Turmuntergeschoss sind die Reste des Choransatzes des Vorg\u00e4ngerbaus noch erhalten. Die Seitenfassaden der Kirche sind durch toskanische Pilaster gegliedert. Sie sind aus Bruchsteinen gemauert und waren urspr\u00fcnglich nicht verputzt. Die Fenster sind rundbogig und mit einem profilierten Gew\u00e4nde mit Scheitelstein versehen. An der \u00f6stlichen Au\u00dfenfassade des Turmes in H\u00f6he des ersten Geschosses ist auf einer Konsole mit Laubwerk und Fratze die steinerne Figur des Schmerzensmanns angebracht. Sie soll laut des Chronisten Franz Haus (1855) 1478 gefertigt worden sein. Mader h\u00e4lt diese Datierung f\u00fcr wahrscheinlich, wenn man annimmt, dass der Bildhauer etwas r\u00fcckst\u00e4ndig war. Der Innenraum ist durch gekuppelte Pilaster in vier Joche gegliedert und mit einer Segmenttonne abgeschlossen. Der eingezogene Chor ist ebenfalls mit einer Tonne gew\u00f6lbt. An der Nordseite des Langhauses befindet sich eine von zwei ionischen S\u00e4ulen getragene Orgelempore.<\/p>\n<p>Ausstattung:<\/p>\n<p>Langhaus und Chor sind mit einem Deckengem\u00e4lde versehen, welches hinter der Orgel bis zum Boden gef\u00fchrt ist. Das im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rte Gem\u00e4lde wurde w\u00e4hrend der zweiten Wiederaufbauphase in den Jahren 1965\u201367 rekonstruiert. Der K\u00fcnstler Professor Hermann Kaspar gestaltete es weder als Imitation des barocken Gem\u00e4ldes noch in der fl\u00e4chigen Malweise der damaligen Zeit. Er versuchte vielmehr mittels Verk\u00fcrzungen und atmosph\u00e4rischen Abstufungen der Farbt\u00f6ne sowie durch Verzicht auf statuarische Strenge zugunsten kreisender Bewegungen in den Figuren und Gewandfalten eine der architektonischen Umgebung angemessene Gestaltung zu realisieren. Die vor der Zerst\u00f6rung dargestellten Themen wurden wieder aufgegriffen. Im Chor wird die Anbetung des Lammes durch die 24 \u00c4ltesten gezeigt, im Langhaus sind einzelne Szenen um die Himmelfahrt Mariens gruppiert. Zus\u00e4tzlich ist die Hochzeit zu Kana dargestellt. Die Komposition kn\u00fcpft an die Tradition barocker Deckengem\u00e4lde an, stilistisch ist sie ein Zeugnis der Entstehungszeit. Der urspr\u00fcngliche Hochaltar war um 1772 als frei stehende Baldachinanlage mit vier gedrehten S\u00e4ulen aus Holz und Stuckmarmor im Stil des Sp\u00e4trokokos als eine Nachahmung des durch den Mainzer Schreiner Johann Michael Henle gefertigten Hochaltars der Stiftskirche entstanden und von dem Grafen Ostein gestiftet worden. Dieser Altar wurde im Krieg zerst\u00f6rt. Nur die in der Gruft gesicherten Teile (S\u00e4ulenst\u00fchle und Sch\u00e4fte des vorderen S\u00e4ulenpaares) konnten 1949 restauriert werden. Eine 1961 von Alois Grimm nach erhaltenen Teilen und Fotos vor der Zerst\u00f6rung angefertigte Rekonstruktionszeichnung erm\u00f6glichte den Neuaufbau des Hochaltars. Die Seitenalt\u00e4re links und rechts des Triumphbogens entstanden wenige Jahre nach dem Hochaltar. Sie waren von den Schwestern von Pfarrer Stadelmann gestiftet worden und erlitten im Zweiten Weltkrieg das gleiche Schicksal wie der Hochaltar. Auch die Seitenalt\u00e4re mussten nach dem Krieg neu angefertigt werden. Beide sind architektonisch aufgebaut. Auf einer als Sockel gestalteten Predella erheben sich zwei S\u00e4ulen. Die Altarr\u00fcckwand zeigt statt eines Altarbildes eine von je zwei Pilastern flankierte Nische; darin im linken Seitenaltar die Figur des hl. Josef mit den Heiligen Michael und Nikolaus und im rechten die Piet\u00e0 mit den Heiligen Anna und Barbara.<\/p>\n<p>Die Figuren stammen aus der Erbauungszeit der Kirche. Beide Alt\u00e4re sind mit einem pr\u00e4chtigen Altaraufsatz und einem goldenen Strahlenkranz bekr\u00f6nt. Bei der Weihe der Kirche im September 1775 waren einige Ausstattungsst\u00fccke des Vorg\u00e4ngerbaus aus dem 17. Jh. \u00fcbertragen worden. Darunter zwei kleinere Alt\u00e4re (Kreuzaltar und ein dem hl. Johann Nepomuk geweihter Altar), die an den Seiten des Chores Aufstellung fanden. Beide fielen dem Zweiten Weltkrieg zum Opfer. Die Kanzel befindet sich am dritten Pfeiler links. Sie wurde wie die Alt\u00e4re im Stil des Sp\u00e4trokoko gestaltet und 1951 neu geschaffen. Auf dem Schalldeckel erhebt sich ein Baldachin, auf dem ein Posaunenengel von der urspr\u00fcnglichen Kanzel sitzt. Neben der Kanzel ist links ein gefasstes Kruzifix aus Holz angebracht, wohl aus dem letzten Drittel des 18. Jh. Der in Form einer Muschel aus Marmor gefertigte Taufstein mit fr\u00fchklassizistischem Holzdeckel wurde laut Inschrift 1784 von Maria Cornelia Stadelmann gestiftet. Es handelt sich hierbei um den ersten Taufstein der Pfarrei, da bis zu diesem Zeitpunkt nur in der Stiftskirche getauft wurde. Die Orgel wurde in der Werkstatt G. F. Steinmeyer &amp; Co. in Oettingen 1971 gefertigt und in das vorhandene, 1954 gefertigte Geh\u00e4use eingebaut. Die leicht geschwungene Br\u00fcstung der Orgelempore ist mit goldenem Zierblattwerk aus Stuck auf rotem Grund mit Darstellungen von Musikinstrumenten auf farbigem Grund dekoriert. Die Gest\u00fchlwangen mit reichem Akanthusschnitzwerk entstanden um 1710 und wurden nach den Zerst\u00f6rungen des Krieges restauriert. Bemerkenswert ist die Kommunionbank mit durchbrochenen Sp\u00e4trokokoschnitzereien. Zur weiteren, nach dem Krieg wieder hergestellten Ausstattung geh\u00f6ren zwei Beichtst\u00fchle, die 1961\/62 neu gefertigt wurden. Seitlich des Hochaltars befinden sich Epitaphe aus Marmor mit Wappen und trauernden Engeln. An der Ostseite das f\u00fcr Anna Charlotte Maria Gr\u00e4fin von Ostein, geb. Gr\u00e4fin von Sch\u00f6nborn (1671\u20131746) und an der Westseite f\u00fcr Maria Anna Carolina Franziska Gr\u00e4fin von Ostein (1700\u20131765). Des Weiteren befindet sich an der Westwand das von den Bildhauern Clemens Eckardt von Gerlachshausen und Heinrich Philipp Sommer 1808 geschaffene Grabmal des Obristhofmeisters Lothar Franz Michael Freiherr von Erthal (1717\u20131805) aus schwarzem nassauischem Marmor. Auf der gegen\u00fcberliegenden Seite ist ein Holzepitaph f\u00fcr den in der als Unterkirche genutzten Gruft begrabenen Pfarrherrn und Stifter der Kirche Christian Stadelmann angebracht. Zwei weitere Epitaphe aus Bronze befinden sich im Langhaus der Kirche. Unter der Orgelempore steht links eine gefasste Immaculata aus Holz aus der 2. H\u00e4lfte des 18. Jh. Au\u00dferdem wird dort das Portaltympanon aus dem 12. Jh. mit der auf Erzbischof Konrad hinweisenden Inschrift aufbewahrt. Das Relief zeigt die thronende Muttergottes mit dem bekleideten Jesuskind mit Kreuznimbus auf dem Scho\u00df, welches mit seiner rechten Hand einen Apfel, den die Mutter h\u00e4lt, segnet. Flankiert wird die Gruppe rechts von der hl. Katharina und links von Johannes dem Evangelisten.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 126-131.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die kath. Pfarrkirche Zu Unserer Lieben Frau, Muttergottespfarrkirche genannt, ist die \u00e4lteste Pfarrkirche der Stadt, da zu dem bereits im 10. 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