{"id":4003,"date":"2022-03-28T11:02:22","date_gmt":"2022-03-28T09:02:22","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=4003"},"modified":"2022-03-28T11:02:22","modified_gmt":"2022-03-28T09:02:22","slug":"sandgasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/sandgasse\/","title":{"rendered":"Sandgasse"},"content":{"rendered":"<p>Die am sog. \u201eScharfeck\u201c, der Kreuzung von Sandgasse, Herstall-, Dalberg- und Wermbachstra\u00dfe beginnende Sandgasse wurde nach der Beschaffenheit ihres Untergrundes benannt. Die aus dem Vorspessart kommenden Wasserl\u00e4ufe Ohmbach und Welzbach f\u00fchrten Sande und Kiese mit, die sich im Bereich der Sandgasse anlagerten. Im unteren Teil leicht ansteigend, verl\u00e4uft die Gasse im oberen Teil etwas wellig und endet an der Kreuzung Betgasse und Ro\u00dfmarkt am abgegangenen Sandtor. Die Gasse war zusammen mit der Dalbergstra\u00dfe Durchgangsweg durch die Unterstadt hinaus in den Spessart nach W\u00fcrzburg. Der relativ lange Stra\u00dfenzug mit der heute einheitlichen Bezeichnung Sandgasse setzt sich aus den ehem. Abschnitten \u201eSalz- und S\u00e4umarkt\u201c (sp\u00e4ter \u201eScharfeck\u201c), \u201eSchmiedegasse\u201c, \u201eam Rabenoldsbrunnen\u201c, \u201ean der alten Schmiedepforte\u201c, \u201eam Sand\u201c (Sandgasse) und \u201ean den W\u00e4ssern Welzbach und Ohmbach\u201c zusammen. Seit der Einf\u00fchrung der stra\u00dfenweisen Hausnummerierung 1881 erhielt er die einheitliche Bezeichnung Sandgasse. Die einst vor allem von B\u00e4ckereien, Metzgereien und Gasth\u00e4usern ges\u00e4umte Stra\u00dfe entwickelte sich zu einer belebten Gesch\u00e4ftsstra\u00dfe. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Sandgasse schwer getroffen und viele H\u00e4user so stark besch\u00e4digt, dass sie zum gro\u00dfen Teil abgetragen und neu aufgebaut wurden. Die Umwidmung der Stra\u00dfe in eine verkehrsberuhigte Fu\u00dfg\u00e4ngerzone zwischen Scharfeck und Erbsengasse zusammen mit der Herstallstra\u00dfe erfolgte 1973. Dabei wurde das Stra\u00dfenpflaster durch sechseckige Betonsteine ersetzt und das Stra\u00dfenniveau dem des Gehsteigs angeglichen.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 24<\/strong><\/p>\n<p>Das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus an der Ecke Sandgasse\/Freihofsgasse wurde in zwei Abschnitten errichtet. Der Kaufmann Maier Lindheimer erwarb 1891 das Grundst\u00fcck Freihofsgasse 4, lie\u00df das darauf befindliche Fachwerkhaus abrei\u00dfen und nach Pl\u00e4nen des Architekten Hermann Reichard einen Neubau errichten. 1905 wurde auch das Haus Sandgasse 24 abgebrochen, durch einen ebenfalls von Reichard geplanten Neubau ersetzt und das 1891 errichtete Geb\u00e4ude der Freihofsgasse integriert. Der dreigeschossige Eckbau mit neugotischer Fassadengestaltung steht mit drei Achsen zur Sandgasse und f\u00fcnf Achsen zur Freihofsgasse. Die abgeschr\u00e4gte Geb\u00e4udekante ist eine Fensterachse breit. Die Erdgeschosszone ist heute modernisiert; sie war mit Schaufenstern mit geradem Sturz versehen. Im 1. Obergeschoss sind die Fenster hingegen korbbogig. Die schmale Mittelachse zur Sandgasse zeigt im 2. Obergeschoss einen dreiseitigen Erker, daneben urspr\u00fcnglich gekuppelte Fenster. Der Zwerchgiebel dar\u00fcber wurde im Zuge der Instandsetzung nach dem Krieg nicht wieder errichtet. Alle Fenster sind mit gotisierendem, in den Ecken gekreuztem Rundstab gerahmt, die Br\u00fcstungsfelder im 2. Obergeschoss sind mit Blendma\u00dfwerk versehen, an der abgeschr\u00e4gten Ecke ist vor dem Fenster des 2. Obergeschosses ein Balkon mit Sandsteinbr\u00fcstung angebracht. Nicht erhalten ist der Giebel im Dachbereich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vier stark besch\u00e4digte Fensterachsen an der Freihofsgasse abgetragen und nach einer Planung des Architekten Ernst Br\u00f6nner neu errichtet. Der neue Bauabschnitt wurde dem Format des Altbaus angeglichen und in seiner Gestaltung v\u00f6llig schlicht gehalten, weshalb der Charakter und die st\u00e4dtebauliche Wirkung des Eckbaus erhalten blieben.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 26 &#8211; Ehem. Gasthof \u201eZum goldenen Fa\u00df\u201c<\/strong><\/p>\n<p>An der Stelle des 1842 nach Pl\u00e4nen des Baumeisters Balthasar Hospes errichteten massiven Traufseitbaus f\u00fcr den Gastwirt Ludwig Neumayer standen zwei unterschiedlich gro\u00dfe giebelst\u00e4ndige Fachwerkh\u00e4user mit einer rundbogigen Tordurchfahrt. Das Gasthaus \u201eZum goldenen Fa\u00df\u201c, erstmals 1661\/62 nachweisbar, wurde in zwei Bauabschnitten erneuert. Der erste umfasste vier Achsen neben Haus Nr. 28, bis 1853 folgten die weiteren. 1868 wurde das Hinterhaus des Anwesens vergr\u00f6\u00dfert und 1880 im Erdgeschoss des Vorderhauses auf der linken Seite ein Laden mit zwei Schaufenstern und einer dazwischenliegenden T\u00fcr eingerichtet. 1889 erfolgten der Ausbau eines Speisesaals und die \u00dcberdachung einer Halle. Zwischenzeitlich als B\u00fcrohaus genutzt, lie\u00df 1925 B\u00e4ckermeister Anton Hench vom Bauunternehmen Johann Scheuermann L\u00e4den einbauen. Dazu wurde das gesamte Erdgeschoss ver\u00e4ndert, die R\u00fcckgeb\u00e4ude dienten als Lager. 1933 aber wurde der Laden links der Einfahrt wieder als Gastwirtschaft \u201eZum goldenen Fa\u00df\u201c eingerichtet und die Schaufensterbr\u00fcstungen wieder vermauert. Im Zweiten Weltkrieg besch\u00e4digte Luftdruck Dach, Fenster und T\u00fcren des Hauses. 1960\/61 wurde der gesamte Erdgeschossbereich f\u00fcr einen Laden umgebaut und der Hauseingang auf die linke Seite verlegt. 1998 erfolgte eine Dach- und Fassadensanierung. Die einheitliche Fassade des traufst\u00e4ndigen Satteldachbaus zu acht Fensterachsen zeigt gleichm\u00e4\u00dfig auf der unverputzten Wandfl\u00e4che aus Rotsandstein angeordnete und mit profilierten Gew\u00e4nden gerahmte Fenster. Die des 1. Obergeschosses sitzen auf einem durchlaufenden Gesims auf und haben eine gerade Verdachung; sie sind etwas gr\u00f6\u00dfer, als die des 2. Obergeschosses, die auf einem Sohlbankgesims aufsitzen. Alle Obergeschossfenster sind mit einem Br\u00fcstungsgitter aus Eisen verziert. Unter der Traufe verl\u00e4uft ein dekoratives Konsolgesims. Durch die h\u00e4ufigen Umbauten und Modernisierungen des Erdgeschosses ist der Charakter des Geb\u00e4udes stark ver\u00e4ndert worden, dennoch hat der Bau als Beispiel sp\u00e4tklassizistisch-b\u00fcrgerlicher Architektur im Nachgang der Dalberg-Zeit seinen Zeugniswert bewahrt.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 28<\/strong><\/p>\n<p>1810 plante Zivilbauinspektor Konrad B\u00fcrger ein Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus f\u00fcr den Seifensieder Alois Leimbach, der das bestehende Fachwerkgiebelhaus ersetzen sollte. Der Architekt zeichnete einen in Aschaffenburg in der 1. H\u00e4lfte des 19. Jh. h\u00e4ufig anzutreffenden Haustyp: ein dreigeschossiges Geb\u00e4ude mit ruhiger, sparsam gegliederter Putz- oder Sandsteinquaderfassade und gleichm\u00e4\u00dfig angeordneten Fenstern mit profilierter Rahmung. Der Hauptunterschied zur fr\u00fcheren Bebauung ist die Traufst\u00e4ndigkeit. 1867 lie\u00df die Witwe des Seifensieders Franz Josef M\u00fcller eines der drei hochrechteckigen Fenster im Erdgeschoss zu einem Schaufenster vergr\u00f6\u00dfern. 1886 baute der Sohn, Franz Math\u00e4us M\u00fcller, ebenfalls Seifensieder, ein weiteres Fenster zu einem Schaufenster aus. Ein umfangreicher Umbau des Erdgeschosses erfolgte 1925, bei dem die mittleren Fenster zu einem gro\u00dfen Schaufenster zusammengefasst und der Laden mit einem separaten Eingang versehen wurde. Sprengbomben besch\u00e4digten 1945 das Geb\u00e4ude und s\u00e4mtliche Nebengeb\u00e4ude schwer. Noch bis 1956 als Seifensiederei und Wachszieherei betrieben, wurde das Haus 1985 einer durchgreifenden Sanierung unterzogen. Das B\u00fcrgerhaus ist eines der letzten gut erhaltenen Beispiele dieses Haustyps der Dalberg-Zeit. Es hat die bauzeitliche Grundrissaufteilung und gro\u00dfe Teile der Innenausstattung bewahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 29<\/strong><\/p>\n<p>An der Stelle eines fr\u00fcheren zweigeschossigen Giebelhauses errichtete Hermann Reichard 1898 den f\u00fcr ihn und die Zeit typischen dreigeschossigen traufst\u00e4ndigen Neubau eines Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses mit einer Fassade aus gelben Backsteinen mit Gliederungselementen aus rotem Sandstein im Stil der Neurenaissance. Die f\u00fcnfachsige, symmetrische Fassade ist in der Mittelachse mit einem aufwendigen, zweigeschossigen Erker betont. Die Fenster des 1. Obergeschosses sind mit Diamantmotiven und halbrunden, dekorativen Entlastungsb\u00f6gen gestaltet, die Fenster des 2. Obergeschosses mit gerader Verdachung. Das Traufgesims ist mehrfach profiliert. Im Erdgeschoss sind zwei L\u00e4den mit gro\u00dfen rundbogigen Schaufenstern und separaten Eing\u00e4ngen im bauzeitlichen Zustand erhalten. Das Geb\u00e4ude blieb von Kriegssch\u00e4den und modernisierenden Umbauten weitgehend verschont und pr\u00e4sentiert sich heute noch in \u00fcberwiegend bauzeitlicher Gestalt.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 31<\/strong><\/p>\n<p>Den dreigeschossigen, zur Sandgasse traufst\u00e4ndigen Wohn- und Gesch\u00e4ftshausbau errichteten die Architekten Hermann Reichard und Hans Wild 1909 f\u00fcr die Nachkommen des Eisenwarenh\u00e4ndlers Simon Jakob. Der neubarocke Mansarddachbau erhebt sich auf unregelm\u00e4\u00dfigem Grundriss und hat zur Ohmbachsgasse eine abgerundete Ecke. Die Fassade zur Sandgasse ist mit einem breiten Zwerchgiebel betont, Haus- bzw. Ladeneing\u00e4nge sowie Schaufenster im Erdgeschoss sind rund- oder korbbogig ohne Br\u00fcstungen bis zum Boden reichend, die Wandfl\u00e4che selbst ist genutet. Im 1. Obergeschoss trennen schmale Sandsteinpfeiler hochrechteckige, mehrfach unterteilte Fenster, wobei jeder zweite Pfeiler etwas breiter ist und mit plastischen Berufsdarstellungen von Bildhauer Vinzenz Schwind gestaltet wurde. Die Br\u00fcstung des 2. Obergeschosses kragt etwas vor, die Wandfl\u00e4chen sind verputzt und im Gegensatz zum 1. Obergeschoss schlicht, wodurch der Bau nicht \u00fcberladen wirkt. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Haus von einer Brandbombe getroffen, das Dach und die hofseitige Lagerhalle brannten aus. Letztere wurde nach dem Krieg verkauft und zu einem Lichtspieltheater umgebaut.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 32<\/strong><\/p>\n<p>Das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus, ein schmales, im Dacherker mit \u201e1726\u201c bezeichnetes, zur Sandgasse traufst\u00e4ndig stehendes Fachwerkhaus, geh\u00f6rte nach Art und Gr\u00f6\u00dfe wohl urspr\u00fcnglich zu Haus Nr. 34. Erst im 19. Jh. wurde das Anwesen geteilt. Da lange Zeit im Besitz der Familie Mischon, wurde es unter dem Beinamen \u201eMischon-Haus\u201c bekannt. 1924 fanden mit Vergr\u00f6\u00dferung der Wohnk\u00fcche bauliche \u00c4nderungen im Erdgeschoss des Hauses statt. 1944\/45 erlitt das Haus Besch\u00e4digungen durch Luftdruck. 1948 wurde der Laden im Innern umgebaut. 1973 hat man unter Einziehen eines Eisentr\u00e4gers \u00fcber die gesamte Hausfront Schaufenster eingerichtet, die 1987 zu drei kleineren Fenstern mit Br\u00fcstungen und einer Eingangst\u00fcr wieder r\u00fcckgebaut wurden. Das Obergeschoss mit einer erhaltenen Stuckdecke ist eine Sichtfachwerkkonstruktion mit liegenden Kreuzen in den Br\u00fcstungsfeldern und einer genasten Raute. Die Mitte betont eine Dreierfenstergruppe. \u00dcber der Mittelachse befindet sich im Dach ein Dacherker mit gekuppeltem Fenster und der genannten Jahreszahl.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 33<\/strong><\/p>\n<p>Das imposante B\u00fcrgerhaus, ein dreigeschossiges Fachwerkhaus mit Traufe zur Ohmbachsgasse und Giebel zur Sandgasse, wurde der Jahreszahl am Kellerabgang der hofseitigen Giebelfassade zufolge im Jahr 1588 unter der Bauherrschaft der Herren von Hettersdorf, einem fr\u00e4nkischen Adelsgeschlecht, errichtet. Die Traufwand ist massiv, die \u00fcbrigen Umfassungsw\u00e4nde bestehen, bis auf das erneuerte Erdgeschoss, aus z.T. verputztem Fachwerk. Die Obergeschosse der Giebelfassade kragen \u00fcber profilierten Konsolsteinen aus. Im Fachwerk sind hohe Streben mit Winkelh\u00f6lzern sowie Andreaskreuze mit Nasen erkennbar. Die Westseite zur Ohmbachsgasse verf\u00fcgt \u00fcber gekuppelte Fenster, eines davon ist mit reich profilierten Sandsteingew\u00e4nden aus dem 16. Jh. erhalten. Unter dem Geb\u00e4ude befindet sich ein parallel zur Sandgasse liegender Gew\u00f6lbekeller. Bauliche Ver\u00e4nderungen sind seit dem 19. Jh. nachgewiesen. 1884 lie\u00df der Besitzer Fulgenz Lenk den Hauseingang und die Treppe in seinem Anwesen verlegen und das Wirtschaftszimmer erweitern sowie einen Brunnen errichten. 1896 wurde das Erdgeschoss zu einem Laden f\u00fcr B\u00e4ckermeister Lenk umgebaut. Weitere Ladenumbauten folgten 1922 und in der Nachkriegszeit. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges von einer Sprengbombe stark besch\u00e4digt, konnte das Haus im Gegensatz zum Nachbargeb\u00e4ude Nr. 35 wieder instand gesetzt werden. Es geh\u00f6rt heute, trotz der starken Ver\u00e4nderung durch Einbau von Arkaden im Erdgeschoss 1980, zu den bedeutendsten Fachwerkbauten der Stadt. Das dekorative Sichtfachwerk des Giebels wurde im Rahmen einer Sanierung 1998 freigelegt und restauriert.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 34<\/strong><\/p>\n<p>Das Eckhaus an der Einm\u00fcndung der Erbsengasse in die Sandgasse bildete urspr\u00fcnglich mit dem Nachbaranwesen Nr. 32 eine Einheit. Im 19. Jh. fand die Besitzteilung statt. \u00dcber bauliche Ver\u00e4nderungen des Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses im 19. Jh. ist nichts bekannt. 1933 wurde im Erdgeschoss ein Laden eingebaut und ein neuer Kamin errichtet. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Geb\u00e4ude Sch\u00e4den durch Luftdruck. Der zweigeschossige Kr\u00fcppelwalmdachbau steht mit dem Giebel zur Sandgasse, auf der Traufseite entlang der Erbsengasse befindet sich ein Zwerchhaus. Im Erdgeschoss lag giebelseitig der Hauseingang, der im Zuge des genannten Ladeneinbaus auf die Traufseite verlegt wurde. Vier eng stehende Fenster im Obergeschoss, ein gekuppeltes Fenster im Giebel und vier Fensterachsen an der Traufseite mit gr\u00f6\u00dferem Abstand sowie weitere Fenster des Zwerchhauses gliedern die Fassade. An der Geb\u00e4udekante steht in H\u00f6he des Obergeschosses eine Kopie der in der 2. H\u00e4lfte des 18. Jh. von dem Aschaffenburger Bildhauer Johann Wirsching geschaffenen Figur des hl. Johann Nepomuk auf einer Konsole, \u00fcberdacht von einem Baldachin; das Original befindet sich seit Ende der 1970er Jahre im Museum der Stadt Aschaffenburg.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 36<\/strong><\/p>\n<p>Wie an der Fassade entlang der Sandgasse erkennbar, besteht das Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus aus zwei Hausteilen. Bis zum Ende des 18. Jh. standen zwei kleinere H\u00e4user auf den ehemals zwei Grundst\u00fccken, von denen das Eckhaus 1868 abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde; der \u00f6stlich anschlie\u00dfende Hausteil war bereits 1807 neu errichtet worden. Das 1868 durch Ernst Schulz neu erbaute, dreigeschossige Eckgeb\u00e4ude mit drei Achsen zur Sandgasse und einer Achse zur Erbsengasse weist eine abgeschr\u00e4gte Geb\u00e4udekante mit einer Fensterachse und Eingang in den Laden auf. Diese Achse ist durch gusseiserne Balkone im 1. und 2. Obergeschoss betont. Zwischen Erd- und 1. Obergeschoss verl\u00e4uft ein profiliertes Gesims, auf dem die Fenster aufsitzen. Die Fenster der ersten Achse zur abgeschr\u00e4gten Ecke sind gekuppelt und haben eine gerade Verdachung. Im dar\u00fcberliegenden Geschoss teilen sich je zwei Fenster eine auf Konsolen ruhende Sohlbank. \u00dcber dem 2. Obergeschoss folgt ein Mezzanin mit kleinen quadratischen Fenstern. Der \u00e4ltere, \u00f6stliche Hausteil, dreigeschossig und massiv, mit vier Fensterachsen, dessen Fassadendekoration 1884 an das Eckhaus angeglichen und im Erdgeschoss mit einem Laden ver\u00e4ndert wurde, schlie\u00dft mit einem Mansarddach ab. Der Hauseingang auf der rechten Seite dient der Erschlie\u00dfung der Wohnungen beider H\u00e4user, die sich ein gemeinsames Treppenhaus teilen. Die Mansarde beleben vier achsgerechte Gauben. 1925 wurden die Fenster des Ladens im Eckgeb\u00e4ude zu zwei gro\u00dfen Schaufenstern vergr\u00f6\u00dfert. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges wurden das Dach, die Mansarde, Fenster und T\u00fcren durch Luftdruck besch\u00e4digt.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 42<\/strong><\/p>\n<p>Der Schneidermeister Georg Gentil lie\u00df 1848 das dreigeschossige, traufst\u00e4ndige Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus errichten. Das Erdgeschoss ist massiv aus Bruchsteinen gemauert, dar\u00fcber liegt ein Doppel-T-Tr\u00e4ger aus Stahl, auf dem eine Fachwerkkonstruktion aufsitzt. Im Erdgeschoss liegt auf der Seite zu Haus Nr. 40 der Hauseingang; ein Ladeneingang und ein Schaufenster wurden bereits 1871 links eingebaut. Die aktuelle Situation entstand 1898, als der Textilkaufmann Anton Wormbacher ein zweites Gesch\u00e4ft neben dem bestehenden Laden einbauen lie\u00df. Der linke Laden hat seither zwei Schaufenster mit dazwischenliegender Eingangst\u00fcr, der rechte Laden nur ein Schaufenster neben der T\u00fcr. Kannelierte gusseiserne S\u00e4ulen mit korinthischem Kapitell flankieren die Eing\u00e4nge. Die Fenster des 1. Obergeschosses sind mit leicht profilierten Gew\u00e4nden aus Holz gerahmt, dabei ist die Rahmung der mittleren drei Fenster bis auf das Gurtgesims nach unten verl\u00e4ngert. Die Fenster des 2. Obergeschosses besitzen eine einfach profilierte Rahmung und von Triglyphenkonsolen getragene Sohlb\u00e4nke. Unter der kr\u00e4ftig profilierten h\u00f6lzernen Traufe verl\u00e4uft ein Zahnfries. Das Anwesen blieb von Kriegszerst\u00f6rungen weitgehend verschont, so entspricht die klassizistische Fassade fast v\u00f6llig dem Aussehen der Erbauungszeit. Bemerkenswert ist die seit dem Ende des 19. Jh. unver\u00e4nderte, zeittypische Ladenzone, wie sie in Aschaffenburg nur an vereinzelten Geb\u00e4uden erhalten blieb. Dar\u00fcber hinaus ist das Geb\u00e4ude aus stadtgeschichtlichen Gr\u00fcnden von Bedeutung, da hier der Schneider Johann Desch zwischen 1874 und 1893 Aschaffenburgs erste Kleiderfabrik betrieb.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 53<\/strong><\/p>\n<p>Auf urspr\u00fcnglich zwei Grundst\u00fccken an der Ecke Sandgasse\/Ro\u00dfmarkt planten die Bauunternehmer Franz und Roman Woerner 1898 den Neubau eines Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus f\u00fcr den Kaufmann Karl Hans, dem am Zusammentreffen zweier historisch bedeutender Stra\u00dfen der Unterstadt eine wichtige st\u00e4dtebauliche Funktion zukommt. Mit Errichten des dreigeschossigen Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses an der neuen Baulinie wurde eine Begradigung der Sandgasse und die Beseitigung einer engen Stelle an der Kreuzung Sandgasse und Ro\u00dfmarkt erreicht. Es entstand ein massiver Bau auf dreieckigem Grundriss mit abgeschr\u00e4gter einachsiger Geb\u00e4udekante. Die neubarocke Fassade mit genutetem rustiziertem Erdgeschoss und \u00fcber zwei Obergeschosse reichenden Pilastern weist je vier Fensterachsen mit geohrten Rahmungen auf. Rahmungen, Gesimse und Pilaster sind aus rotem Sandstein gefertigt und gliedern so die verputzte Fassade. Der Eingang zum Ladengesch\u00e4ft an der abgeschr\u00e4gten Ecke ist \u00fcberdacht durch einen von geschwungenen Konsolen getragenen Balkon, welcher heute ein Eisengel\u00e4nder statt eines Sandsteingel\u00e4nders besitzt. Die Eckachse ist mit einem Auszug mit Voluten, geschwungenem Giebel und Ochsenaugenfenster betont. Der urspr\u00fcngliche Obeliskenaufsatz fehlt. Unterhalb des Fensters deutet eine Konsole auf den vormaligen Standort einer Madonnenfigur, die heute an einem Pilaster der Fassade angebracht ist. Das Geb\u00e4ude erlitt im Krieg Sch\u00e4den an Dach, W\u00e4nden, T\u00fcren und Fenstern. Kleinere Umbauten betrafen das Erdgeschoss.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 58<\/strong><\/p>\n<p>1899 baute der Bauunternehmer Caspar Schmelzer einen dreigeschossigen traufst\u00e4ndigen Backsteinbau als Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus mit zwei L\u00e4den, jeweils mit einem Schaufenster und einem Ladeneingang sowie einer Durchfahrt zum Hof auf der Seite zu Haus Nr. 56. Die dreiachsige Fassade ist durch Gesimse und Rahmungen aus rotem Mainsandstein gegliedert, die Mittelachse mit gekuppelten Fenstern betont. Alle Fenster haben profilierte Sandsteingew\u00e4nde, gerade Verdachungen und dekorative Entlastungsb\u00f6gen, die des 1. Obergeschosses aber zus\u00e4tzlich plastisch gestaltete Br\u00fcstungsfelder. Eine horizontale Gliederung wird durch verbindende Friese in Br\u00fcstungs- und Sturzh\u00f6he erreicht. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Geb\u00e4ude Sch\u00e4den durch Luftdruck. 1965 hat man die Hofeinfahrt verschlossen und zwei moderne L\u00e4den im Erdgeschoss eingebaut.<\/p>\n<p><strong>Sandgasse 60<\/strong><\/p>\n<p>Baumeister Caspar Schmelzer errichtete 1904 den Wohn- und Gesch\u00e4ftshausbau auf dem Eckgrundst\u00fcck Sandgasse\/Betgasse, in dem 1905 der Sattler und Tapezierer Michael Berghof ein M\u00f6belgesch\u00e4ft er\u00f6ffnete. 1910 kam ein R\u00fcckgeb\u00e4ude als Halle mit Trockenspeicher (abgegangen) hinzu. 1944 besch\u00e4digten Luftdruck und Artillerie das Dach des Vorderhauses; Schaufenster und T\u00fcren der L\u00e4den wurden besch\u00e4digt und das R\u00fcckgeb\u00e4ude zerst\u00f6rt. Mit dem Einrichten der Marien-Apotheke wurde 1959 die Geb\u00e4udekante im Bereich des Erdgeschosses mit Natursteinplatten verkleidet. Im Fr\u00fchjahr 1984 wurde das R\u00fcckgeb\u00e4ude an der Betgasse abgebrochen. Die Fassadengestaltung des dreigeschossigen Eckhauses ist dem von Haus Nr. 58, das wenige Jahre zuvor vom selben Baumeister errichtet worden war, sehr \u00e4hnlich. Das Geb\u00e4ude steht mit nur zwei Fensterachsen zur Sandgasse und mit acht Achsen entlang der Betgasse. Die Geb\u00e4udekante ist abgeschr\u00e4gt und in den Obergeschossen mit einem Erker versehen, der im Dachbereich turmartig endet und mit einem steilen Walmdach abschlie\u00dft. Die Achse mit dem Erker sowie die beiden flankierenden Achsen sind aus Quadermauerwerk aus rotem Sandstein, ebenso die fassadengliedernden Elemente wie Gesimse und Gew\u00e4nde. In der letzten Achse zu Betgasse 2 befindet sich eine Durchfahrt mit dem Eingang zu den Wohnungen, dar\u00fcber ein zweiter Erker, dessen steiles Dach nach dem Krieg nicht wieder rekonstruiert wurde. Das Geb\u00e4ude bildet mit seiner typischen gr\u00fcnderzeitlichen Architektur mit neugotischen Formen einen wichtigen st\u00e4dtebaulichen Eckpunkt am Ausgang der Sandgasse.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 116-121.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die am sog. \u201eScharfeck\u201c, der Kreuzung von Sandgasse, Herstall-, Dalberg- und Wermbachstra\u00dfe beginnende Sandgasse wurde nach der Beschaffenheit ihres Untergrundes benannt. 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