{"id":3997,"date":"2022-03-28T11:04:54","date_gmt":"2022-03-28T09:04:54","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3997"},"modified":"2022-03-29T08:03:40","modified_gmt":"2022-03-29T06:03:40","slug":"rossmarkt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/rossmarkt\/","title":{"rendered":"Ro\u00dfmarkt"},"content":{"rendered":"<p>Der heute als Ro\u00dfmarkt bezeichnete Stra\u00dfenzug in der \u00f6stlichen Unterstadt beginnt am ehem. Herstalltor, dem westlichen Eingang ins Sch\u00f6ntal, und endet an der Sandkirche. Einst war die Stra\u00dfe in mehrere Abschnitte unterteilt. Zwischen Herstallstra\u00dfe und Einm\u00fcndung der Badergasse war seit dem 14. Jh. bis vor 1809 und in der 2. H\u00e4lfte des 19. Jh. die Bezeichnung \u201eKatzenmarkt\u201c \u00fcblich. Auf dem Urkataster von 1845 ist nur der mittlere Teil zwischen der Einm\u00fcndung der Badergasse und der Ohmbachsgasse als \u201eRo\u00dfmarkt\u201c bezeichnet. Der Abschnitt zwischen Ohmbachsgasse und der Einm\u00fcndung der Sandgasse wurde \u201eNebensandgasse\u201c genannt. Die Abgrenzung der Bezeichnungen ist indes nicht immer ganz klar und ihre Deutung vielf\u00e4ltig. Die Ableitung des Stra\u00dfennamens von einem Platz, an dem Handel mit Pferden getrieben wurde, oder einem Pferde-Auftriebplatz f\u00fcr den herrschaftlichen Gebrauch scheint naheliegend. Doch lie\u00dfe sich das heutige Ro\u00df- auch von roz\/rozzen (d.h. Hanf oder Flachs mit Feuer und Wasser m\u00fcrbe machen) ableiten, was auf die Verarbeitung von Flachs hindeutet. Zahlreiche Lesarten gibt es auch f\u00fcr den \u201eKatzenmarkt\u201c. Der Assoziation, dass hier ein Ort gemeint sei, an dem Katzen gehandelt wurden, steht entgegen, dass sich die Bezeichnung auf die Lage an der Stadtbefestigung bezieht, denn als \u201eKatze\u201c wurde im Mittelalter ein Bollwerk bezeichnet. Eine \u201eKatze\u201c konnte auch ein Schutzdach f\u00fcr Belagerer, ein schweres Belagerungsgesch\u00fctz oder ein Bauteil im Befestigungsbau sein. Alois Grimm h\u00e4lt diese Zuordnung f\u00fcr wahrscheinlich, da sich der Mauerzug zwischen Herstalltor und Sandtor befand und damit in besonders exponierter Lage.<\/p>\n<p>Der Verlauf des Stra\u00dfenzuges hat sich wegen seiner Begrenzung durch die ehem. Stadtbefestigung nicht ver\u00e4ndert, die Bebauung hingegen sehr. Direkt am Herstalltor bestand schon fr\u00fch eine b\u00fcrgerliche Bebauung. Im Bereich zwischen Haus Nr. 17 und dem G\u00e4sschen \u201eHinter der Eich\u201c befanden sich H\u00f6fe von adeligen Herren. Im weiteren Verlauf bis zum Sandtor gab es bis um 1800 fast nur Gartengrundst\u00fccke. Sie wurden auf Initiative von Carl Theodor von Dalberg zu Beginn des 19. Jh. mit Wohnh\u00e4usern bebaut. Auf der Stadtseite bestand am Herstalltor kleinb\u00fcrgerliche Bebauung, danach folgten bis zur Badergasse G\u00e4rten und Scheunen, die z.T. zu Grundst\u00fccken der Herstallstra\u00dfe und der Riesengasse geh\u00f6rten. Zwischen Bader- und Ohmbachsgasse sind die wohl \u00e4ltesten H\u00e4user der Stra\u00dfe zu finden. Hier waren kleinere Handwerker ans\u00e4ssig, die u. a. f\u00fcr die Herrschaft im vorderen Teil der Stra\u00dfe arbeiteten. Heute sind diese sozialen Unterschiede an der Bebauung nicht mehr ablesbar. Nur einige wenige historische Zeugnisse haben sich erhalten.<\/p>\n<p><strong>Ro\u00dfmarkt 1<\/strong><\/p>\n<p>Das dreigeschossige Wohnund Gesch\u00e4ftshaus am Eingang des Ro\u00dfmarktes, der Ecke zur Herstallstra\u00dfe, wurde 1891 von den Br\u00fcdern Franz und Roman Woerner f\u00fcr Elisabeth Bertels, Witwe von Friedrich Bertels, errichtet. Der Sandsteinquaderbau im Stil der Neugotik erhebt sich auf schmalem, unregelm\u00e4\u00dfigem Grundriss, der dem spitz zulaufenden Grundst\u00fcck angepasst ist. So ist die Nordwestfassade nur eine Achse schmal und mit hohem Walmdach betont, was ihr einen turm\u00e4hnlichen Charakter verleiht. Die westliche Geb\u00e4udekante ist im Bereich des Erd- und 1. Obergeschosses abgeschr\u00e4gt und nimmt im 2. Obergeschoss \u00fcber einem vorkragenden Rundbogenfries wieder den vollen Grundriss ein. Die Fassade zum Ro\u00dfmarkt ist dreiachsig, der Hauseingang liegt auf der Seite zu Haus Nr. 3, der Ladeneingang befindet sich an der abgeschr\u00e4gten Hauskante. Die Fenster der drei Achsen sind z.T. gekuppelt. Im 2. Obergeschoss im Bereich des turmartigen Aufbaus sind zwei Fenster mit Br\u00fcstungsfeldern mit Blendma\u00dfwerk versehen. Unter der zu einem Erker ausgebauten Ecke befindet sich eine Sandsteintafel, auf der in gotischer Schrift \u201eAnno Domini 1891\u201c steht. Die zum Sch\u00f6ntal gerichtete Fassade ist heute verputzt und v\u00f6llig schmucklos. Sie wurde 1957 ver\u00e4ndert, nachdem das Geb\u00e4ude 1944\/45 im Bereich des Daches und der Mansardwohnung besch\u00e4digt worden war. Die neugotische Gestaltung des Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses mit der burgenromantischen Geb\u00e4udekante ist eine Anspielung der Architekten auf das Herstalltor, das bis 1871 an dieser Stelle stand.<\/p>\n<p><strong>Ro\u00dfmarkt 33 a<\/strong><\/p>\n<p>Das dreigeschossige Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus an der Ecke Ro\u00dfmarkt\/Hinter der Eich wurde 1906 von dem damaligen Direktor der st\u00e4dtischen Meisterschule, dem Architekten Heinrich Morhard f\u00fcr den Kaufmann Karl Fecher entworfen. Das Eckhaus steht mit drei Fensterachsen entlang der Gasse \u201eHinter der Eich\u201c und mit einer Achse zum Ro\u00dfmarkt. Ein fast \u00fcbergro\u00dfer runder Eckerker ragt weit in den Stra\u00dfenraum. Das Erdgeschoss des Geb\u00e4udes und das 1. Obergeschoss des Erkers sind aus rotem Sandstein aufgef\u00fchrt. Das Geb\u00e4ude schlie\u00dft mit einem Mansarddach ab. Der Eingang zu den Wohnungen liegt auf der Seite zu Haus Nr. 35. Er ist mit einem Segmentbogen versehen, dar\u00fcber gibt es ein geteiltes Oberlicht und die Bezeichnung \u201e1906\u201c. Der Ladeneingang mit neugotischer Rahmung befindet sich an der abgeschr\u00e4gten Geb\u00e4udekante, daneben jeweils ein breites segmentbogiges Schaufenster. Das Erdgeschoss schlie\u00dft mit einem profilierten Gesims ab, auf dem die Fenster des 1. Obergeschosses aufsitzen. Die Fenster beider Obergeschosse sind mit Rahmungen aus Rotsandstein mit K\u00e4mpfersteinen versehen. Das restliche aufgehende Mauerwerk ist verputzt. Der Erker erfuhr eine besondere Gestaltung durch eng stehende Fenster. Im 1. Obergeschoss sind die schmalen Fenster in Dreiergruppen unterteilt und durch Sandsteinst\u00fctzen voneinander getrennt. Das 2. Obergeschoss des Erkers ist ebenfalls komplett durchfenstert, aber mit verzierten Holzst\u00fctzen versehen. Das 3. Obergeschoss sowie der geschweifte Helmabschluss sind verschiefert. Das repr\u00e4sentative Eckgeb\u00e4ude mit wenigen neugotischen Stilmerkmalen wurde 1944 im Bereich des Daches schwer besch\u00e4digt, konnte aber wieder instand gesetzt werden. Es hat sonst keine einschneidenden baulichen Ver\u00e4nderungen erfahren. Mit seinem kr\u00e4ftigen Erker bildet es einen dominanten Blickpunkt im Stra\u00dfenzug.<\/p>\n<p><strong>Ro\u00dfmarkt 36<\/strong><\/p>\n<p>Das Wohnhaus, ein traufst\u00e4ndiges, zweigeschossiges Satteldachhaus mit Zwerchhaus, ist wohl bereits in der 2. H\u00e4lfte des 16. Jh. entstanden und damit eines der \u00e4ltesten erhaltenen Geb\u00e4ude im Ro\u00dfmarkt. Es wird angenommen, dass es sich aus einem Haupthaus mit \u00fcberbauter Hofeinfahrt und einem urspr\u00fcnglich eingeschossigen Nebengeb\u00e4ude entlang der Grundst\u00fccksgrenze zu Haus Nr. 34 zusammensetzt. Wohl in den ersten Jahrzehnten des 18. Jh. wurde dann die eingeschossige \u00dcberbauung der Einfahrt und des Nebengeb\u00e4udes als Verl\u00e4ngerung des Wohnhauses vorgenommen. So ergibt sich die heutige breit gelagerte Stra\u00dfenfassade mit gekuppelten Fenstern, massivem Erdgeschoss und deutlich vorkragendem verputztem Fachwerkobergeschoss. Der T\u00fcnchermeister Karl K\u00f6hler betrieb seit 1895 sein Gesch\u00e4ft in dem Geb\u00e4ude, dessen Keller 1900 im Bereich des an der Seite zu Haus Nr. 38 gelegenen \u201eHaupthauses\u201c ausgehoben und die dar\u00fcberliegenden Zimmer tiefer gelegt wurden. In der Folge wurde eine dreiteilige Fenstergruppe auf der linken Haush\u00e4lfte durch zwei gekuppelte Fenster ersetzt und der Hauseingang in die Hofeinfahrt verlegt. 1944 st\u00fcrzten durch Bombenexplosion Dach, W\u00e4nde und Decken ein, Fenster und T\u00fcren wurden besch\u00e4digt. 1986 zog das T\u00fcnchergesch\u00e4ft Kolb und Kern GmbH aus dem Geb\u00e4ude aus, 1988 wurden die R\u00fcckgeb\u00e4ude abgebrochen. Im Zusammenhang mit der Errichtung des modernen Nachbarn kam es 1989\/90 zu einem Teilabriss des Geb\u00e4udes. Dabei wurden Dach und R\u00fcckwand entgegen der denkmalpflegerischen Empfehlung abgebrochen. 1991 wurden Aus- und Umbauten im Geb\u00e4udeinnern vorgenommen.<\/p>\n<p><strong>Ro\u00dfmarkt 42<\/strong><\/p>\n<p>Wie Haus Nr. 36 entstand dieses Wohnhaus, ein Fachwerkgiebelhaus, wohl in der 2. H\u00e4lfte des 16. Jh. und geh\u00f6rt damit zu den \u00e4ltesten erhaltenen Bauten der Unterstadt. 1870 lie\u00df sich Schlossermeister Kaspar Koloseus ein neues Hinterhaus errichten. 1876 erfolgte ein Anbau an das Wohnhaus im H\u00f6fchen. 1879 wurden die Giebelfenster zum Ro\u00dfmarkt vergr\u00f6\u00dfert und 1899 \u00fcber die Beseitigung der in den Stra\u00dfenraum ragenden Treppe am Hauseingang verhandelt. Durch Luftdruck und Artillerie wurden 1944\/45 Dach, Decken, Zwischenw\u00e4nde, Fenster und T\u00fcren des Wohnhauses besch\u00e4digt. Der Erdgeschossum- und Ladeneinbau erfolgte 1960. Als das letzte erhaltene giebelst\u00e4ndige Wohnhaus im Ro\u00dfmarkt ist das Geb\u00e4ude trotz modernisiertem Erdgeschoss und Ver\u00e4nderungen im Giebelfeld das einzige Beispiel f\u00fcr die Handwerkerh\u00e4user, wie sie im unteren Bereich des Ro\u00dfmarktes im 16., 17. und noch 18. Jh. h\u00e4ufig waren. Die sp\u00e4tere Bebauung wurde traufst\u00e4ndig errichtet.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 113-114.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der heute als Ro\u00dfmarkt bezeichnete Stra\u00dfenzug in der \u00f6stlichen Unterstadt beginnt am ehem. Herstalltor, dem westlichen Eingang ins Sch\u00f6ntal, und endet an der Sandkirche. 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