{"id":3988,"date":"2022-03-28T11:09:57","date_gmt":"2022-03-28T09:09:57","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3988"},"modified":"2022-03-28T11:09:57","modified_gmt":"2022-03-28T09:09:57","slug":"pfarrgasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/pfarrgasse\/","title":{"rendered":"Pfarrgasse"},"content":{"rendered":"<p>Die seit 1843 als Pfarrgasse bezeichnete kurze Stra\u00dfe zwischen Schloss- und Webergasse ist die direkte Verbindung zwischen der Muttergottespfarrkirche und dem seit etwa 1706 benutzten neuen Pfarrhof in der Webergasse. Von dieser Funktion l\u00e4sst sich ihr Name ableiten. Zuvor war sie Andienungsweg zu den an der westlichen Stadtmauer gelegenen Anwesen, was bis heute erkennbar geblieben ist. Hier befindet sich die \u00e4lteste in Aschaffenburg erhaltene Bausubstanz. 1815 wird eine Pfarrgasse genannt und noch 1832 wurden Geb\u00e4ude der Pfarrgasse als in der Schlo\u00dfgasse \u201ehinter der Pfarr\u201c gelegen bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>Pfarrgasse 1<\/strong><\/p>\n<p>Bei dem dreigeschossigen Wohnhaus handelt es sich wohl um ein ehem. Anwesen eines stiftischen Beamten. Im Zweiten Weltkrieg wurden bei mehreren Angriffen Dach, W\u00e4nde, Fenster, T\u00fcren und das R\u00fcckgeb\u00e4ude besch\u00e4digt. Nach der Wiederinstandsetzung wurde 1953 an der Grundst\u00fccksgrenze zu den H\u00e4usern Webergasse 4 und Metzgergasse 13 das R\u00fcckgeb\u00e4ude errichtet. 1963 erfolgte der Einbau von sanit\u00e4ren Anlagen an der Geb\u00e4uder\u00fcckseite. Das Haus steht traufst\u00e4ndig zur Pfarrgasse und erhebt sich mit einem massiven Erdgeschoss und zwei verputzten, vorkragenden Fachwerkobergeschossen \u00fcber fast quadratischem Grundriss. Unter dem Anwesen befindet sich eine zweir\u00e4umige Kelleranlage. Der Hauptkeller unter dem Wohnhaus wurde wahrscheinlich mit dem Geb\u00e4ude, vermutlich Anfang des 18. Jh., errichtet. Er war urspr\u00fcnglich von der Stra\u00dfe aus zug\u00e4nglich und ist von senkrecht zueinanderstehenden Gew\u00f6lbetonnen \u00fcberspannt. Unter dem Hof liegt ein zweiter, heute verf\u00fcllter, \u00e4lterer Keller, der einer Vorg\u00e4ngerbebauung zugeordnet wird. Dieser ist \u00fcber einen schmalen, verwinkelten Gang mit dem Gew\u00f6lbekeller verbunden. Die Fassade des Hauses hat zwei Fensterachsen mit je einem gekuppelten Fenster. Im 1. Obergeschoss gibt es zwischen den Fenstern eine geschnitzte Hausmadonna unter einem halbrunden Baldachin und davor einen schmiedeeisernen Ausleger mit einer Laterne. Der Zugang zum Geb\u00e4ude erfolgt \u00fcber den Hof, der Eingang befindet sich auf der westlichen Giebelseite.<\/p>\n<p><strong>Pfarrgasse 4<\/strong><\/p>\n<p>Das schmale, zweigeschossige Mansarddachhaus am Eingang der Pfarrgasse war wohl das zur Muttergottespfarrkirche geh\u00f6rige Gl\u00f6cknerhaus. Aus einer Urkunde von 1506 geht hervor, dass \u201eLudwig der Gl\u00f6ckner\u201c bauliche Differenzen mit seiner Nachbarin, der Besitzerin des Hauses \u201eZum Roten Hahn\u201c (Schlo\u00dfgasse 15), hatte. 1825 wurde Philipp Schmelz, der m\u00f6glicherweise Schiffer war, der Bau eines kleinen Geb\u00e4udes gestattet. Das Anwesen blieb seitdem bis 1964 im Besitz der Familie Schmelz. 1944\/45 entstanden durch Bomben, Artillerie und Explosionsdruck Sch\u00e4den am Dach und Kamin des Hauses. Fenster und T\u00fcren sowie Zwischenw\u00e4nde wurden schwer besch\u00e4digt. Das Haus wurde 1949 instand gesetzt und neue Abortanlagen an der Seite zu Haus Schlo\u00dfgasse 15 angebaut. Das Wohnhaus steht traufst\u00e4ndig zur Pfarrgasse. \u00dcber dem massiven Erdgeschoss sitzt ein verputztes, vorkragendes Fachwerkobergeschoss. Es schlie\u00dft mit einem Mansarddach ab. In der Mansarde sind vier Gauben, eine davon wurde erst in j\u00fcngerer Vergangenheit erg\u00e4nzt. Von den drei Fassadenachsen ist die rechte, dem Verlauf des Grundst\u00fccks folgend, leicht abgeknickt. Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten im Mauerwerk lassen den Schluss zu, dass dieser Hausteil sp\u00e4ter angef\u00fcgt wurde und m\u00f6glicherweise zun\u00e4chst zu Haus Nr. 2 geh\u00f6rte. In diesem abgeknickten Fassadenteil befindet sich der Hauseingang mit einem Oberlicht. Die Fenster sind alle gekuppelt, die des Erdgeschosses sind steingerahmt, gekehlt und mit einem Ladenfalz versehen. Das Geb\u00e4ude ist unterkellert. Der Bau ist wohl im 16. Jh. entstanden. Das Erscheinungsbild der Stra\u00dfenfassade und das Mansarddach lassen auf eine Umgestaltung um 1700 schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><strong>Pfarrgasse 8<\/strong><\/p>\n<p>Das Wohnhaus, ein breiter, zweigeschossiger Satteldachbau, steht traufst\u00e4ndig zur Pfarrgasse. Das verputzte Fachwerkobergeschoss mit sieben Fenstern kragt \u00fcber dem massiven Erdgeschoss mit sechs Fenstern vor. Urspr\u00fcnglich war das gesamte Erdgeschoss in Fachwerk ausgef\u00fchrt. Es wurde auf der Stra\u00dfenseite mit der Errichtung des pr\u00e4chtigen Renaissanceportals 1591 massiv erneuert. Das aus rotem Mainsandstein gefertigte Portal umfasst eine breite, rundbogige Toreinfahrt mit Radabweisern und eine ehemals ebenfalls rundbogige Fu\u00dfg\u00e4ngerpforte, die sp\u00e4ter begradigt wurde. Dar\u00fcber liegen zwei stichbogige Oberlichter mit Vergitterung. Zwischen dem Sturz der Fu\u00dfg\u00e4ngerpforte und den beiden Oberlichtern befindet sich eine Inschrift, aus der hervorgeht, dass Vincenz Mayer dieses Portal f\u00fcr seine Ehefrau Barbara errichtet hat. Die gesamte Anlage ist mit einer reichen Diamantquaderung und der Bogen mit einem Eierstabfries dekoriert. Im Erdgeschoss des Hauses hat sich eine achteckige, heute eingebaute St\u00fctze aus Eichenholz mit Kopfstreben und Ausnehmungen f\u00fcr Sattelh\u00f6lzer erhalten, die Indiz daf\u00fcr ist, dass sich hier urspr\u00fcnglich eine hohe, offene Halle befunden hat. Bei Sanierungsarbeiten 2008 wurden an der inneren n\u00f6rdlichen Erdgeschosswand zwei stichbogige Nischen mit gekuppelten Fenstern freigelegt, zwischen denen eine im Grundriss quadratische, reich dekorierte St\u00fctze mit Basis und Kopfteil steht. Diese ist am Kapitell mit der Jahreszahl 1538 bezeichnet und mit einem Steinmetzzeichen versehen. Die Gr\u00f6\u00dfe des Anwesens untermauert die nicht best\u00e4tigte These, dass es sich bei dem Geb\u00e4ude um einen Hof der Grafen von Rieneck handeln k\u00f6nnte, der nach dem Aussterben des Adelsgeschlechts 1559 in Privatbesitz \u00fcberging. Anhand der Fachwerkkonstruktion l\u00e4sst sich die Errichtung des Geb\u00e4udes wahrscheinlich in die Mitte des 15. Jh. datieren. Hingegen sind die unter Putz liegenden Fachwerkteile des Obergeschosses zur Pfarrgasse hin bei Umbauten um 1800 entstanden. 1911 wurden im Obergeschoss des Geb\u00e4udes zum Pfarrgarten hin zwei Fenster eingebaut. Zur Errichtung einer Trockenhalle und Garage im Anwesen kam es 1938. Im Zweiten Weltkrieg wurde durch Explosionen infolge mehrerer Luftangriffe und durch Granateinschl\u00e4ge ein Teil des Hauses zerst\u00f6rt. Am restlichen Geb\u00e4ude entstanden schwere Sch\u00e4den, die bei der Gesamtinstandsetzung des Anwesens wieder behoben werden konnten. Die letzte umfassende Sanierungsma\u00dfnahme fand 2008 statt.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 108-109.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die seit 1843 als Pfarrgasse bezeichnete kurze Stra\u00dfe zwischen Schloss- und Webergasse ist die direkte Verbindung zwischen der Muttergottespfarrkirche und dem seit etwa 1706 benutzten neuen Pfarrhof in der Webergasse. 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