{"id":3980,"date":"2022-03-28T11:19:12","date_gmt":"2022-03-28T09:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3980"},"modified":"2022-03-28T11:19:12","modified_gmt":"2022-03-28T09:19:12","slug":"obernauer-strasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/obernauer-strasse\/","title":{"rendered":"Obernauer Stra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die Obernauer Stra\u00dfe ist die Fortsetzung der aus dem Fischerviertel hervorgehenden Fischergasse. Sie f\u00fchrt in s\u00fcdlicher Richtung aus der Stadt heraus am Main entlang bis nach Obernau, das seit seiner Eingemeindung 1978 ein Ortsteil von Aschaffenburg ist. Die Stra\u00dfe steigt zwischen Dunzerstra\u00dfe und Westring an und verl\u00e4uft dann oberhalb des Mains. Von den Grundst\u00fccken an der Nordwestseite der Stra\u00dfe bietet sich durch die erh\u00f6hte Lage ein weiter Blick in die Landschaft. Durch die Topographie beg\u00fcnstigt, wurden hier vor allem Wohnh\u00e4user mit Villencharakter errichtet. So sind auf einer Grafik von um 1850, die den Mainbogen in einer Panoramaansicht zeigt, zwei Villen auf gro\u00dfz\u00fcgigen Grundst\u00fccken zu erkennen. Die Bebauung ist heute wesentlich dichter, von den ersten Geb\u00e4uden sind zwei noch erhalten.<\/p>\n<p><strong>Obernauer Stra\u00dfe 5<\/strong><\/p>\n<p>Das Bildh\u00e4uschen vor dem Anwesen Nr. 6 ist dem an der Ecke Obernauer Stra\u00dfe\/Lamprechtstra\u00dfe in der \u00e4u\u00dferen Gestalt sehr \u00e4hnlich. Es ist massiv gemauert, verputzt und hat ein biberschwanzgedecktes Satteldach. Der gemauerte Schaft ist in der Mitte durch eine \u00fcberkragende Platte geteilt. Die mit einer Gittert\u00fcr verschlossene Nische im Aufsatz birgt eine Figur der Maria mit Kind, begleitet von den Worten MATER ADMIRABILIS. Im unteren Teil ist eine zweite tiefe, halbrunde, leere Nische. Das 1986 wieder errichtete Bildh\u00e4uschen war wohl urspr\u00fcnglich ein Marien-Bildstock, der im 17.\/18. Jh. entstanden sein k\u00f6nnte. Zeitweilig beinhaltete er ein Tafelbild von Adalbert Hock mit der Darstellung der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, welches im Zweiten Weltkrieg verloren ging.<\/p>\n<p>Stadtausw\u00e4rts Richtung Obernau, am Abzweig Fischerhohle steht ein Kruzifix, dessen urspr\u00fcnglicher Standort nicht exakt bekannt ist. Es k\u00f6nnte sich um eines von sechs Torkreuzen in Aschaffenburg handeln. Es ist mit der Jahreszahl 1724 bezeichnet. Auf einem gemauerten altar\u00e4hnlichen Sockel mit Inschriftenplatte und profilierter Deckplatte steht das etwa 2 m hohe Kreuz aus rotem Sandstein. Der Korpus ist mit dem Kreuz aus einem St\u00fcck gearbeitet. Die Figur steht auf einem Vorsatz. Das Kreuz wurde 1943 erneuert und erlitt dann 1945 viele Besch\u00e4digungen, die z.T. sichtbar gelassen wurden. Die Inschriftenplatte konnte 1986 durch Steinmetzbetrieb Helmut Hirte erneuert werden. Da der obere Teil bereits unleserlich war, \u00fcbertrug man nur einen Teil auf die neue Platte. Demnach wurde das Kreuz von einem gewissen Kramer gestiftet. Dieser Name taucht in den Matrikeln von St. Agatha verschiedentlich auf. Heute dient es als Flur- und Stationskreuz bei Wallfahrten und Prozessionen und wird regelm\u00e4\u00dfig mit Blumen geschm\u00fcckt.<\/p>\n<p><strong>Obernauer Stra\u00dfe 26<\/strong><\/p>\n<p>Das genaue Entstehungsdatum des Gartenhauses ist nicht bekannt. Ein Bauplan von 1872, auf dem die Vergr\u00f6\u00dferung des Gartenhauses dargestellt ist, welches als \u201eau\u00dferhalb des Fischertores an der Obernauer Stra\u00dfe\u201c bezeichnet wurde, zeigt auch den Zustand des Geb\u00e4udes vor seiner Vergr\u00f6\u00dferung und Umgestaltung zu einem zweieinhalbgeschossigen klassizistischen Bau mit Turm. Der wohl um 1845 entstandene Ursprungsbau war ein kleiner, fast quadratischer, \u00fcber zwei Geschosse reichender Bauk\u00f6rper, der von Loggien flankiert wurde und dem ein von zwei St\u00fctzen getragener Balkon vorgestellt war. An dieses kleine Gartenhaus wurde ein zweigeschossiger Satteldachbau auf l\u00e4ngsrechteckigem Grundriss mit Gew\u00f6lbekeller errichtet. In der Mitte befand sich das Treppenhaus und rechts und links je ein Zimmer. Die Westseite des Geb\u00e4udes ist turmartig mit einem weiteren Geschoss und flachem Walmdach ausgebildet. 1988 wurde das Geb\u00e4ude auf der S\u00fcdseite um einen Treppenhausanbau und eine vorgestellte zweil\u00e4ufige Freitreppe erweitert. Heute zeigt sich das im Kern in die Mitte des 19. Jh. zu datierende und als Gartenhaus errichtete Geb\u00e4ude in der Form einer klassizistischen Villa inmitten eines gro\u00dfz\u00fcgigen Gartengrundst\u00fccks auf dem Uferhang des Mains am s\u00fcdlichen Stadtrand.<\/p>\n<p><strong>Obernauer Stra\u00dfe 34<\/strong><\/p>\n<p>Wie das Gartenhaus Obernauer Stra\u00dfe 26 wurde auch dieses Haus in der Mitte des 19. Jh. zun\u00e4chst als Gartenhaus errichtet und in der 2. H\u00e4lfte des 19. Jh. zu einem Wohnhaus mit Villencharakter erweitert. Da zu dem Geb\u00e4ude keine Bauakten vorliegen, sind sein Aussehen und das genaue Erbauungsdatum ungewiss. Im Keller des im Urkataster von 1845 noch nicht eingetragenen Geb\u00e4udes findet sich die Jahreszahl \u201e1847\u201c in Stein gekratzt, womit das Entstehungsjahr angesprochen sein d\u00fcrfte. 1851 wurde der Garten bereits mit Gartenhaus verkauft, welches 1868 zu einem Wohnhaus umgebaut wurde. Der zweigeschossige Massivbau hat drei zu vier Achsen und ein flach geneigtes Walmdach. Die Fassaden sind alle mit Pilastern und Gurt- bzw. Traufgesimsen gegliedert. Die hochformatigen franz\u00f6sischen Fenster in Erd- und Obergeschoss unterstreichen den vertikalen Charakter des Wohnhauses. An den Flanken befindet sich zur Eingangsseite hin noch eine zus\u00e4tzliche sehr schmale blinde Achse, die urspr\u00fcnglich Nebenr\u00e4umen im Innern gedient hat. Das Geb\u00e4ude verf\u00fcgt \u00fcber drei Kellerr\u00e4ume, von denen einer mit 1847 bezeichnet ist und noch zu dem 1851 erw\u00e4hnten Gartenhaus geh\u00f6ren m\u00fcsste. Das Haus wurde nach 1984 im Innern z.T. auch mit Ver\u00e4nderungen im Grundriss umgestaltet. Die mittlere talseitige Fensterachse ist dabei zu einer T\u00fcr erweitert worden. Das als Solit\u00e4r in g\u00e4rtnerischem Umfeld stehende Geb\u00e4ude pr\u00e4sentiert sich mit seiner gro\u00dfformatigen Durchfensterung und der Pilastergliederung als in seiner Erscheinung sehr gut \u00fcberliefertes, wohlproportioniertes, pavillonartiges Sommerhaus des sp\u00e4ten Klassizismus, wie sie vermehrt im 19. Jh. in der Umgebung von St\u00e4dten entstanden sind.<\/p>\n<p><strong>Obernauer Stra\u00dfe 44<\/strong><\/p>\n<p>Die 1874 errichtete sp\u00e4tklassizistische Villa wurde von Josef Zwisler als Wohnhaus f\u00fcr Theodor Hagen errichtet und zweimal umgebaut. Das zun\u00e4chst als eingeschossiger Satteldachbau mit zweigeschossigem Giebelanbau errichtete Geb\u00e4ude wurde 1911 durch Heinrich Morhard f\u00fcr Ida Fischbach an der s\u00fcd\u00f6stlichen Geb\u00e4udeecke um eine eingeschossige Veranda erweitert. 1932 lie\u00df der Rechtsanwalt Dr. Fritz Koch den eingeschossigen Geb\u00e4udeteil von Architekt Bruno Baumann um ein Geschoss erh\u00f6hen. Dadurch standen dem Eigent\u00fcmer zwei weitere Zimmer zur Verf\u00fcgung, von denen eines als Fremdenzimmer vermietet wurde. Nachdem das Geb\u00e4ude den Zweiten Weltkrieg ohne Schaden \u00fcberdauert hat, wurde 1957 der aufgestockte Teil erneut umgebaut und dabei die zur Stra\u00dfenseite gerichtete Traufe etwas erh\u00f6ht. Trotz der ver\u00e4ndernden Bauma\u00dfnahmen hat die Villa ihren sp\u00e4tklassizistischen Charakter stets beibehalten. Der Ursprungsbau ist deutlich erkennbar. Die Hauptansicht ist gekennzeichnet von dem schmalen Giebelbau. Ihm ist eine leicht geschwungene einl\u00e4ufige Treppe vorgestellt, die zum Eingang im Hochparterre f\u00fchrt. Dieser besteht aus zwei segmentbogigen gro\u00dfen Fenster\u00f6ffnungen, die durch eine S\u00e4ule voneinander getrennt sind und von denen eine zu einer T\u00fcr ausgebildet ist. Die Eingangst\u00fcr ist \u00fcberfangen von einem von gusseisernen St\u00fctzen gehaltenen Glasdach. Ein profiliertes Geschossgesims trennt Ober- und Erdgeschoss optisch voneinander. Im Obergeschoss sitzt ein gestaffeltes Dreifachfenster mit Br\u00fcstungsfeld. Auch das Fenster im Erdgeschoss des traufst\u00e4ndigen Geb\u00e4udeteils ist gekuppelt. Bei der Aufstockung wurde das dar\u00fcberliegende Fenster optisch angepasst. Die Fensterrahmungen aus rotem Mainsandstein heben sich farblich von der hell verputzten Fassade ab.<\/p>\n<p><strong>Obernauer Stra\u00dfe 52<\/strong><\/p>\n<p>Die repr\u00e4sentative Villa lie\u00dfen die Architekten und Bauunternehmer Reichard und Schwarz 1875 als Spekulationsobjekt in reizvoller Lage oberhalb des Mains errichten. Sie entwarfen die Villa als vielgliedrigen, zweigeschossigen Mansardwalmdachbau mit einem asymmetrisch angef\u00fcgten Eckturm mit hohem Pyramidendach. 1894 wurde das Geb\u00e4ude an der s\u00fcdwestlichen Geb\u00e4udekante mit einem zweiten, niedrigeren Turm versehen. Die Pl\u00e4ne f\u00fcr Baron von Aise zeichnete Hermann Reichard. Einen weiteren Umbau erfuhr die Villa 1966, als bauliche \u00c4nderungen im Innern des Erdgeschosses vorgenommen wurden und ein Wintergarten angef\u00fcgt wurde. Die Villa wird in der Hauptansicht von der Obernauer Stra\u00dfe durch den dreigeschossigen Eckturm mit steilem Pyramidendach dominiert. Die Fassade ist durch Ecklisenen, Gurtgesimse, Fensterrahmungen und -verdachungen sowie Br\u00fcstungsfelder gegliedert und dem sp\u00e4tklassizistischen Stil zuzuordnen. Durch ihren glatten Verputz und einheitlich hellen Anstrich hat sie eine erhabene Wirkung. Eine Treppe f\u00fchrt zu dem unter einem S\u00f6ller gelegenen Eingang. Die linke Geb\u00e4udeseite springt deutlich vor, die dadurch entstehende Ecke wird von dem von S\u00e4ulen getragenen S\u00f6ller ausgef\u00fcllt.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 100-102.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Obernauer Stra\u00dfe ist die Fortsetzung der aus dem Fischerviertel hervorgehenden Fischergasse. 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