{"id":3960,"date":"2022-03-28T11:33:44","date_gmt":"2022-03-28T09:33:44","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3960"},"modified":"2022-03-29T07:54:15","modified_gmt":"2022-03-29T05:54:15","slug":"loeherstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/loeherstrasse\/","title":{"rendered":"L\u00f6herstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die L\u00f6herstra\u00dfe beginnt am Sch\u00f6nborner Hof, zweigt von der Wermbacher Stra\u00dfe rechts ab und f\u00fchrt bis zur Mainbr\u00fccke (Willigisbr\u00fccke) hinunter. Sie verl\u00e4uft unterhalb des Stifts- und Badberges und erhielt ihre Bezeichnung nach den fr\u00fcher hier ans\u00e4ssigen Lohgerbern, die 1412 erstmals erw\u00e4hnt werden. Der heutige Verlauf der Stra\u00dfe ist durch den tief eingeschnittenen ehem. Stadtgraben unterhalb des Stifts- und Badberges bestimmt. Dieser Graben war das nat\u00fcrliche Flussbett des aus Richtung W\u00fcrzburger Stra\u00dfe\/Sandgasse und \u00fcber das sp\u00e4tere Gel\u00e4nde des Sch\u00f6nborner Hofs flie\u00dfenden Welzbaches. Unterhalb der Brennofengasse, an der Stelle des ehem. Schlachthauses (heute Parkhaus L\u00f6herstra\u00dfe) vereinigte sich der Welzbach mit dem aus Richtung Schweinheimer Stra\u00dfe\/Brentanostra\u00dfe kommenden Wermbach. Die beiden Wasserl\u00e4ufe waren die Voraussetzung f\u00fcr die Ansiedlung sowohl der dem Badberg namensgebenden Badestuben als auch f\u00fcr die Lohgerber. 1848 wurde der Bach \u00fcberw\u00f6lbt, die die Stra\u00dfe verengenden H\u00e4user wurden abgebrochen, der untere Stra\u00dfenteil aufgef\u00fcllt und dem oberen Teil zur Wermbachstra\u00dfe hin ein sanfteres Gef\u00e4lle gegeben. Heute ist die L\u00f6herstra\u00dfe eine stark frequentierte Zufahrt zur Br\u00fccke \u00fcber den Main und den jenseits des Flusses gelegenen Stadtteilen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der obere und der untere Bereich der heutigen L\u00f6herstra\u00dfe beidseitig bebaut ist, befindet sich im mittleren Teil auf der Nordseite ein steil ansteigender Hang, der Teil des aus Badberg und Stiftsberg bestehenden Plateaus der Oberstadt ist. Dieser S\u00fcdhang wurde wohl schon sehr fr\u00fch zum Anbau von Wein genutzt. Ein Beleg daf\u00fcr findet sich zum Beispiel in einer Urkunde von 1562, wo von einem Wingert am Badberg \u201eoben vom Badth\u00fcrlein auswendig der Stadtmauer hinabf\u00fchrig bis an die Schuguns Witwe Weingarten\u201c gesprochen wird. Zwischen Stiftsgasse 11 und Sackgasse 1 befindet sich heute noch die Badbergpforte mit der dahinterliegenden, zum<a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/vom-loehergraben-zur-loeherstrasse\/\"> L\u00f6hergraben<\/a> hinunterf\u00fchrenden Treppe, die dazu diente, von Bad- und Stiftsberg aus die im <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/vom-loehergraben-zur-loeherstrasse\/\">L\u00f6hergraben<\/a> gelegenen Badstuben zu erreichen. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges waren die Terrassen und Weinberge verwildert und verwuchert. 1972\/73 wurden sie von der Stadt freigelegt und saniert. Heute sind die historischen Gr\u00fcnfl\u00e4chen mit Strauchrosen und Bl\u00fctengeh\u00f6lzen bepflanzt.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6herstra\u00dfe 20<\/strong><\/p>\n<p>Das Gasthaus \u201eZum goldenen Karpfen\u201c wird im Aschaffenburger H\u00e4userbuch von Alois Grimm als eines der sch\u00f6nsten Fachwerkh\u00e4user und eine der \u00e4ltesten Gastst\u00e4tten der Stadt bezeichnet. Erste Nachweise \u00fcber einen \u201eHeinrich den Karpffwirt\u201c sind aus dem Jahr 1602 erhalten. 1799 erwarb der Bierbrauer Johann Adam Gins das nun als \u201eGast- und Brauhaus\u201c bezeichnete Anwesen. 1802 erhielt er die Konzession zum Bierbrauen und Betreiben einer Gastwirtschaft. Diese Konzession wurde 1862 dem Bierbrauer Johann H\u00f6sch \u00fcbertragen. Nach dessen Tod 1866 wurde die Brauerei wohl stillgelegt. Seine Frau lie\u00df 1875 im Erdgeschoss des Hauses Fenster versetzen und den spitzbogigen Eingang begradigen. 1889 wurde die Genehmigung zur Einrichtung einer Pferdestallung mit angrenzendem K\u00fcchenraum im fr\u00fcheren Brauhausraum des Gasthauses zum Karpfen f\u00fcr Gastwirt Karl Bormann erteilt. Im gleichen Jahr erfolgte eine Fassaden\u00e4nderung des Hausteils, der vor der Flucht des Brauhauses stand, da die Stadt beabsichtigte, die Baulinie f\u00fcr die Zufahrt zur neuen Br\u00fccke, die 1891 fertiggestellt wurde, zur\u00fcckzunehmen. 1928 wurde das Fachwerk des Geb\u00e4udes freigelegt. Am 29. Dezember 1944 wurde durch einen Volltreffer eine H\u00e4lfte des Hauses mit dem 1. Stock weggerissen, der \u00fcbrige Teil durch Granaten schwer besch\u00e4digt. Der Wiederaufbau erfolgte in den Jahren 1949\/50. Im Herbst 1968 wurde das dem Gasthaus n\u00f6rdlich vorgelagerte alte Brauhaus wegen Bauf\u00e4lligkeit abgerissen. 1999 wurde an dieser Stelle ein neuer Anbau errichtet. Das Wohnhaus mit Gastwirtschaft erhebt sich dreigeschossig \u00fcber rechteckigem Grundriss und steht traufst\u00e4ndig am unteren Ende der L\u00f6herstra\u00dfe. Es schlie\u00dft mit einem steilen Satteldach ab. \u00dcber einem massiven Erdgeschoss folgen zwei jeweils leicht vorkragende Fachwerkobergeschosse. Der Hauseingang befindet sich im rechten Hausteil, rechts davon ein gekuppeltes Fenster, links sind zwei einzelne Fenster und ein weiteres gekuppeltes Fenster gesetzt. Im Erdgeschoss sind die Fenster mit Gew\u00e4nden aus rotem Mainsandstein gerahmt. Die Fenster der Obergeschosse waren urspr\u00fcnglich zu Dreiergruppen zusammengefasst und wurden im Zuge der Wiederaufbauma\u00dfnahmen nach dem Krieg ver\u00e4ndert. Wegen seiner Lage am nahen Ufer des Mains ist das Geb\u00e4ude nicht unterkellert. Die Errichtung des Hauses l\u00e4sst sich dank einer 1969 durchgef\u00fchrten dendrochronologischen Untersuchung in die 1. H\u00e4lfte des 15. Jh. datieren. Es handelt sich hier um eines der \u00e4ltesten H\u00e4user der Stadt.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6herstra\u00dfe 47<\/strong><\/p>\n<p>Kapelle des ehem. St.-Katharinenspitals. Die nachgotische Kapelle in der L\u00f6herstra\u00dfe ist der einzige erhaltene Teil des ehem. Katharinenspitals. Das einstige Spital wurde als Nachfolger des seit der Mitte des 13. Jh. au\u00dferhalb der Stadtmauer an der Mainbr\u00fccke bestehenden Hl.- Geist- und sp\u00e4teren Elisabethenspitals zwischen 1604 und 1610 neu errichtet. Nach Angaben von Martin Balduin Kittel wurde Hofbaumeister Georg Ridinger mit der Anfertigung der Pl\u00e4ne beauftragt. Ma\u00dfgabe war, auf die geringen finanziellen Mittel des Spitals R\u00fccksicht zu nehmen und einen schlichten Bau zu planen. Daher wurde f\u00fcr den Neubau 1603 die Herberge \u201eZum Schuch\/Schuh\u201c, die sich in der L\u00f6herstra\u00dfe befand, von der Stadt gekauft, z.T. abgerissen, einzelne Bauteile wie Fenster- und T\u00fcrgew\u00e4nde hat man beim Neubau wieder verwendet. Der Bau der Kapelle erfolgte 1609, erst 1618 wurde sie geweiht. Unter dem Patronat der hl. Katharina von Alexandrien diente das Katharinenspital als Pfr\u00fcndnerspital. Das Elisabethenspital an der Mainbr\u00fccke blieb gleichzeitig noch bis 1764, als es durch ein Hochwasser besch\u00e4digt und dann abgetragen wurde, bestehen. Der Altar des Elisabethenspitals wurde daraufhin in der Katharinenkapelle aufgestellt, weshalb ab diesem Zeitpunkt das neue Spital den Doppelnamen Katharinen- und Elisabethenspital f\u00fchrte. Das Pfr\u00fcndnerwesen endete 1781. Seitdem fungierte die Anlage als Armen- und Arbeitshaus bzw. als Spital.<\/p>\n<p>Das im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rte Spital bestand aus einer Vierfl\u00fcgelanlage mit langgestrecktem S\u00fcd- und Nordfl\u00fcgel entlang der L\u00f6herstra\u00dfe und einem kurzen Ostfl\u00fcgel, in den die Kapelle integriert war, sowie dem gegen\u00fcbergestellten Westfl\u00fcgel. Dazwischen lag ein schmaler Innenhof. Die zweigeschossigen Fl\u00fcgel hatten Fachwerkobergeschosse \u00fcber massiven Erdgeschossen und Satteld\u00e4cher. Im Westfl\u00fcgel befand sich eine Tordurchfahrt zum Hof. An der Nordwestecke des Innenhofes stand ein polygonaler Treppenturm. Die Kapelle war Teil der \u00f6stlichen Schmalseite der Vierfl\u00fcgelanlage. Sie war urspr\u00fcnglich mit dem Giebel zur L\u00f6herstra\u00dfe gerichtet und besa\u00df ein Satteldach mit Dachreiter. Beim Wiederaufbau wurde die Kapelle allerdings mit einem hohen Walmdach versehen, der Dachreiter wurde nicht wieder aufgesetzt. An den querrechteckigen Raum schlie\u00dft an seiner \u00f6stlichen Langseite ein dreiseitiger Chor an. Die Fenster der Kapelle sind spitzbogig und mit Ma\u00dfwerk, z.T. mit Fischblasen, versehen. Die Fenster an den Schr\u00e4gseiten des Chores sind ungeteilt, die \u00fcbrigen haben je einen Pfosten. Der Eingang auf der Nordseite ist ebenfalls spitzbogig mit gekehltem und profiliertem Gew\u00e4nde. Der spitzbogige Zugang zur Sakristei ist mit einem Kreuzstabmuster versehen und im Scheitel mit der Jahreszahl 1544 bezeichnet. Es handelt sich hier um ein wiederverwendetes Bauteil aus der ehem. Herberge \u201eZum Schuh\u201c. An der Westseite befindet sich ein weiterer Eingang, \u00fcber den die Kapelle ehemals vom Innenhof des Spitals aus zug\u00e4nglich war. Dieser ist mit der Jahreszahl 1608 und einem Steinmetzzeichen bezeichnet. Die nach dem Krieg bis auf die Umfassungsmauern zerst\u00f6rte Kapelle wurde 1962 gesichert und mit einem Notdach versehen. Nachdem es zun\u00e4chst Bestrebungen gegeben hatte, die Kapelle zu einem sp\u00e4teren Zeitpunkt als Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Opfer des Zweiten Weltkrieges wieder aufzubauen, wurde schlie\u00dflich doch f\u00fcr eine Restaurierung entschieden. 1978 wurde zun\u00e4chst die Mauerkrone gesichert und mit einem Betonanker versehen, dann ein steiles Walmdach aufgesetzt, das Ma\u00dfwerk erg\u00e4nzt und der Putz erneuert. Die originalen farbigen Fassungen im Innenraum konnten erhalten werden. Am 28. Juli 1978 wurde die Kapelle eingeweiht und der griechisch-orthodoxen Gemeinde \u00fcbergeben.<\/p>\n<p><strong>L\u00f6herstra\u00dfe 51<\/strong><\/p>\n<p>Das heutige Anwesen des Hotels \u201eWilder Mann\u201c wurde auf dem Grundst\u00fcck eines Vorg\u00e4ngeranwesens 1775 neu errichtet. Um 1800 wurden die bis dahin selbstst\u00e4ndigen Anwesen an der Beinegasse hinzugekauft und dort eine neue Scheune errichtet. Unter dem B\u00e4cker und Gastwirt Matthias Will, der zwischen 1802 und 1850 Eigent\u00fcmer des Anwesens war, erfolgten weitere nicht n\u00e4her bezeichnete bauliche \u00c4nderungen. 1869 wurde eine bisher eingeschossige offene Halle entlang des L\u00f6hergrabens aufgestockt. Nachdem 1927 das Wohnhaus umgebaut und die Gastr\u00e4ume vergr\u00f6\u00dfert worden waren, folgte 1950\/51 ein neuer zweigeschossiger Fl\u00fcgel f\u00fcr G\u00e4stezimmer an der L\u00f6herstra\u00dfe. Der heute \u00fcberkommene zweigeschossige Mansarddachbau erhebt sich auf L-f\u00f6rmigem Grundriss am unteren Ende der L\u00f6herstra\u00dfe, Ecke Fischergasse. \u00dcber dem massiven Erdgeschoss folgt ein verputztes Fachwerkobergeschoss, welches an der Seite zur L\u00f6herstra\u00dfe \u00fcberkragt. An der Seite zur Fischergasse befindet sich eine einfach profilierte Haust\u00fcr mit der Bezeichnung \u201e1775\u201c, die seit 1972 zugemauert ist.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 87-90.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die L\u00f6herstra\u00dfe beginnt am Sch\u00f6nborner Hof, zweigt von der Wermbacher Stra\u00dfe rechts ab und f\u00fchrt bis zur Mainbr\u00fccke (Willigisbr\u00fccke) hinunter. 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