{"id":3935,"date":"2022-03-28T13:16:33","date_gmt":"2022-03-28T11:16:33","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3935"},"modified":"2022-03-28T16:16:03","modified_gmt":"2022-03-28T14:16:03","slug":"hofgartenstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/hofgartenstrasse\/","title":{"rendered":"Hofgartenstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die heute als Hofgartenstra\u00dfe bezeichnete Verbindung entlang der \u00f6stlichen Begrenzung des Sch\u00f6ntals zwischen Platanenallee und W\u00fcrzburger Stra\u00dfe war einst ein von hohen B\u00e4umen ges\u00e4umter schmaler Fahrweg entlang der den Park Sch\u00f6ntal begrenzenden Stadtmauer. Der Weg wurde noch bis zum Ende des 19. Jh. wie die an der Nordseite des Sch\u00f6ntals verlaufende Stra\u00dfe \u201ePlatanenallee\u201c genannt. Bis 1950 war die Fahrbahn schmal und nur zweispurig, vor den Geb\u00e4uden an der Ostseite der Stra\u00dfe bestanden noch Vorg\u00e4rten, dann folgte ein breiter Gehsteig und eine Baumreihe. Sp\u00e4ter wurden die Baumreihe und die Vorg\u00e4rten beseitigt, um die Stra\u00dfe zu verbreitern.<\/p>\n<p><strong>Hofgartenstra\u00dfe 1\/1 a &#8211; Landschaftspark Sch\u00f6ntal<\/strong><\/p>\n<p>Die ehem. Orangerie, ein eingeschossiger Walmdachbau auf L-f\u00f6rmigem Grundriss, wurde am Ende des 18. Jh. nach Pl\u00e4nen von Emanuel Joseph von Herigoyen f\u00fcr den kgl. Hofgarten errichtet. Auf der zur Stra\u00dfe orientierten Fassade sind rechteckige, sandsteingerahmte Fenster mit Klappl\u00e4den gesetzt, zum Park hin gro\u00dfe rundbogige Fenstert\u00fcren. Das heute \u00f6ffentlich genutzte klassizistische Geb\u00e4ude der Erthal-Zeit ist ein repr\u00e4sentativer Versorgungsbau der Gartenkultur und als letzte erhaltene bauliche Anlage des Hofgartens ein wichtiger Teil des heutigen Parks.<\/p>\n<p>Der \u00f6stlich der Altstadt gelegene Stadtpark wird begrenzt von der Platanenallee im Norden, der Hofgartenstra\u00dfe im Osten und der W\u00fcrzburger Stra\u00dfe im S\u00fcden. Die westliche Begrenzung bildet die in diesem Bereich gut erhaltene Stadtmauer hinter dem Ro\u00dfmarkt. In seiner heutigen Ausdehnung setzt sich der Park aus dem ehem. Tiergarten und dem um 1725 angelegten \u201eneuen K\u00fcchengarten\u201c zusammen. Der Tiergarten wurde unter Erzbischof Dietrich Schenk von Erbach (reg. 1434\u20131459) zwischen 1440 und 1450 vor der mittelalterlichen Stadtbefestigung, dem Mauerzug zwischen Herstalltor und Sandtor, zur Versorgung des Hofes mit Wildbret angelegt und ummauert. Ein Jahrhundert sp\u00e4ter kaufte Kardinal Albrecht von Brandenburg (reg. 1490\u20131545) die n\u00f6rdlich der Tiergartenmauer gelegenen Grundst\u00fccke und lie\u00df dort einen Gem\u00fcsegarten anlegen. Unter Erzbischof und Kurf\u00fcrst Friedrich Carl von Erthal erfolgte nicht nur der Abriss der Stadtbefestigung, die auch den Hofgarten umschloss, sondern ab ca. 1776 auch dessen gezielte Umgestaltung in einen Park im Stil englischer Landschaftsg\u00e4rten. Man begann zun\u00e4chst mit der Anlage des Parks im Bereich des K\u00fcchengartens durch Anpflanzung von Ziergeh\u00f6lzen, diversen B\u00e4umen und dekorativen B\u00fcschen nach 1777\/78 gezeichneten Entw\u00fcrfen von Emanuel Joseph von Herigoyen. Die weitere Gestaltung erfolgte um 1785 nach Pl\u00e4nen von Friedrich Ludwig von Sckell.<\/p>\n<p>Vom ehem. Herstalltor her zieht sich ein etwas tiefer gelegener, schattiger Weg, das \u201emelancholische Tal\u201c, entlang des ehem. Stadtgrabens. Dieser f\u00fchrt \u00fcber einen k\u00fcnstlichen \u201eBerg\u201c um die Biegung der ehem. Stadtbefestigung am Schenkenturm herum und erreicht die von einem angelegten See umschlossene Kirchenruine der ehem. Heiliggrabkirche. Von hier weitet sich der Park in ein von B\u00e4umen ges\u00e4umtes weites Wiesental mit dem langgezogenen \u201eOberen See\u201c. Im s\u00fcd\u00f6stlichen Bereich der Anlage befindet sich ein kleiner Bereich mit Blumenparterren in einem symmetrischen Wegesystem mit einer barocken Herkulesstatue, au\u00dferdem ein Magnolienhain. N\u00f6rdlich davon steht das nach Pl\u00e4nen von Emanuel Joseph von Herigoyen errichtete Orangeriegeb\u00e4ude. Die Reste der Stadtmauer mit dem Schenkenturm sowie die Ruine der ehem. Heiliggrabkirche mit einer zweibogigen Br\u00fccke werden als dekorative Teile des Stadtparks genutzt. Dabei bildet die Kirchenruine am Nordufer der Insel im Unteren See des Parks den Kern der seit der Umgestaltung Ende des 18. Jh. als \u201eSch\u00f6nes Tal\u201c, sp\u00e4ter Sch\u00f6ntal bezeichneten Anlage. Die Heiliggrabkirche wurde zwischen 1543 und 1545 als Stiftung vom Mainzer Erzbischof und Kardinal Albrecht von Brandenburg als Kirche f\u00fcr einen Beginenhof errichtet. Zweck des Kirchenbaus war vorrangig die standesgem\u00e4\u00dfe Versorgung seiner M\u00e4tresse Agnes von Ple\u00df (1502\u20131547), die er aus demselben Grund zur Vorsteherin des Beginenkonvents gemacht hatte. Da dies in den Kreisen des Mainzer Domkapitels aber auf wenig Verst\u00e4ndnis stie\u00df, wurde der Bau unter seinem Nachfolger Sebastian von Heusenstamm (1508\u20131555) nicht weiter gef\u00f6rdert und nach dem Ableben von Albrecht von Brandenburg aufgelassen. Als Baumeister der einschiffigen Hallenkirche wird der Kunstmaler Simon Franck angenommen. Das dreijochige Kirchenschiff schlie\u00dft mit einem halbrunden Chor ab. Der Bau besteht aus Bruchsteinmauerwerk und ist mit einer Eckquaderung aus Sandstein versehen. An der Nordseite sind drei Strebepfeiler erhalten.<\/p>\n<p>Die Westfassade ist leicht schr\u00e4g gestellt. Hier verl\u00e4uft ein schmaler Gang von der Nord- zur S\u00fcdseite, der ehemals mit einer Flachtonne gew\u00f6lbt war. Er ist zum Kirchenschiff hin geschlossen und wird von drei quadratischen Fenstern mit gestelzten Profilen beleuchtet. An der S\u00fcdostecke des Ganges befindet sich ein sowohl vom Gang als auch vom Kirchenraum aus zug\u00e4nglicher Treppenturm. Dieser f\u00fchrte auf eine \u00fcber dem Gang gelegene Empore und in den Dachraum. Nach den in der Ruine erhaltenen K\u00e4mpfern zu urteilen, war die Kirche mit einem Kreuz- bzw. Kappengew\u00f6lbe gedeckt. Das Gew\u00f6lbe besteht nicht mehr. Auf der S\u00fcdseite befinden sich zwei spitzbogige Eing\u00e4nge, von denen der eine mit der Bezeichnung \u201e1543\u201c im Scheitel ins Kirchenschiff f\u00fchrt und der zweite in den schmalen Gang. Links des Eingangs zum Kirchenschiff liegt ein dritter, rundbogiger Eingang. Im Bereich des ersten Joches war auf der S\u00fcdseite des Kirchenbaus eine wohl zweigeschossige Sakristei angef\u00fcgt. Von dieser sind nur noch wenige Mauerreste erhalten. Zur Ausstattung der m\u00f6glicherweise nie geweihten Kirche gibt es keine gesicherten \u00dcberlieferungen. Angenommen wird, dass Albrecht von Brandenburg hier seine Grablege vorgesehen hatte und zahlreiche Kunstwerke und -sch\u00e4tze aus dem aufgel\u00f6sten Hallenser Stift in die Kirche nach Aschaffenburg hat bringen lassen. Nach seinem Tod wurden diese dem Stift St. Peter und Alexander \u00fcbertragen und gr\u00f6\u00dftenteils verkauft, um Schulden zu tilgen, die der Kardinal hinterlassen hatte.<\/p>\n<p>1626 soll Kurf\u00fcrst Georg Friedrich von Greiffenklau den in der Stadt neuen Kapuzinern die Kirche als Standort angeboten haben. In welchem Zustand sie sich zu diesem Zeitpunkt befand, ist unklar. Die Kapuzinier zogen jedenfalls nicht ein. Im Januar 1641 wurde wohl mit dem Abbruch der Kirche begonnen. Bei den Arbeiten wurden im Turmkopf Reliquien gefunden. N\u00e4heres ist \u00fcber die Abbrucharbeiten, die schlie\u00dflich nicht zu Ende gef\u00fchrt wurden, nicht bekannt. Allerdings sind vom fr\u00fchen 17. Jh. schriftliche Nachrichten zu einer aufgelassenen Kirche \u00fcberliefert. \u00dcber die Nutzung der Kirche seit Mitte des 17. Jh. gibt es keine Kenntnis. Auf dem 1646 von Merian gezeichneten Stadtplan sind die Geb\u00e4ude des ehem. Beginenkonvents mit ihren Grundmauern noch eingezeichnet und mit \u201eAlt gebeug\u201c bezeichnet. Unter F\u00fcrstprimas Carl Theodor von Dalberg (1744\u20131817) schlie\u00dflich wurde die Ruine der ehem. Kirche f\u00fcr eine Parkstaffage umgestaltet. Im Pfarreienplan von 1809 ist sie als solche auch dargestellt. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges wurde die Ruine durch mehrere Bombentreffer besch\u00e4digt und gegen Ende des Krieges durch Artilleriebeschuss weiter zerst\u00f6rt. Wegen des hohen Zerst\u00f6rungsgrades sollte sie nach dem Krieg zun\u00e4chst abgetragen werden, was jedoch nie geschah. Neben ihrer dekorativen Funktion als pittoresker Bestandteil des im 18. Jh. angelegten Parks stellt die Ruine der ehem. Heiliggrabkirche heute ein Denkmal einer der Schl\u00fcsselfiguren der Reformationszeit dar und ist ein anschauliches Beispiel f\u00fcr die im 16 Jh. ausgetragenen Konflikte um Glauben und Macht.<\/p>\n<p><strong>Hofgartenstra\u00dfe 6<\/strong><\/p>\n<p>Das heute als Klinik genutzte Geb\u00e4ude wurde 1912 von Architekt Heinrich Morhard als Schulhausneubau des T\u00f6chterschulvereins Aschaffenburg entworfen. Bauherr war M. Conrad. Seit Anfang der 1930er Jahre wurde das Geb\u00e4ude als Klinik von Dr. Friedrich Wahlig genutzt. 1936 und 1947 erfolgten f\u00fcr die Klinik diverse \u00c4nderungen der Grundrisse und der Anbau einer Liegeterrasse. Durch mehrere Luftangriffe wurden im Zweiten Weltkrieg Sch\u00e4den an fast allen R\u00e4umen der Klinik verursacht. Das Dach wurde durch Bomben von Jagdbombern durchschlagen, Granaten durchl\u00f6cherten Au\u00dfen- und Innenw\u00e4nde sowie Decken. Der Architekt Ludwig D\u00f6lger leitete 1969 die Umbauarbeiten und Erweiterung der Klinik. Ein weiterer Umbau erfolgte 1989. Der dreigeschossige Mansardwalmdachbau wurde im historistischen Stil mit formalen Elementen des Neubarocks errichtet. Das hohe Erdgeschoss ist mit rustizierten Sandsteinquadern hervorgehoben. Die zur Hofgartenstra\u00dfe gerichtete Hauptfassade hat zehn Achsen, von denen die dritte bis f\u00fcnfte als Risalit ausgebildet ist. In der Mittelachse des Risalits befindet sich ein rundbogiges Portal mit radialen Bogenquadern und einem reliefierten Scheitelstein. Zwischen den Risalitachsen verlaufen genutete Pilaster. In den Br\u00fcstungsfeldern des 2. Obergeschosses sind Reliefs angebracht. Dar\u00fcber folgt ein Giebel mit Walmdach, welcher etwas zur\u00fcckversetzt ist und somit Raum f\u00fcr einen schmalen Balkon bietet, dessen Br\u00fcstung urspr\u00fcnglich mit Vasen besetzt war. Die \u00fcbrigen Fassaden sind mit hohen Fenstern, die auf umlaufenden Gesimsen aufsitzen, klar gegliedert.<\/p>\n<p><strong>Hofgartenstra\u00dfe 12<\/strong><\/p>\n<p>1878 zeichnete der Bauunternehmer Caspar Schmelzer die Pl\u00e4ne f\u00fcr den Neubau eines Wohnhauses an der Hofgartenstra\u00dfe (ehemals Platanenallee 15) zur eigenen Nutzung. 1881 kam an der s\u00fcdlichen Grundst\u00fccksgrenze eine \u201eprovisorische Halle\u201c hinzu, die wenige Jahre sp\u00e4ter von einem Stall- zu einem Lagergeb\u00e4ude umgebaut wurde. Die Luftangriffe im November und Dezember 1944 verursachten schwere Sch\u00e4den an dem Geb\u00e4ude, sodass bei den Instandsetzungsarbeiten 1948 ein Unterzug im Erdgeschoss zur Stabilisierung der Decke eingebaut werden musste. Der zweigeschossige Satteldachbau erhebt sich traufst\u00e4ndig auf fast quadratischem Grundriss mit vier zu zwei Fensterachsen. Das Wohnhaus wurde aus farbigen Sandsteinquadern errichtet und ist unverputzt. Der Sockel ist bis zum umlaufenden Geschossgesims aus roten Sandsteinquadern gleichm\u00e4\u00dfig gemauert, das Obergeschoss und der Giebel sind in abwechselnden Lagen aus roten und gelben Sandsteinquadern aufgef\u00fchrt. Die vier hochrechteckigen Fenster der Hauptfassade sind mit triglyphierten Konsolen unter den Fensterb\u00e4nken und einem geraden profilierten Sturz dekoriert. Die etwas kleineren Fenster des Erdgeschosses sind mit einer einfachen Blockrahmung versehen. Der schlichte sp\u00e4tklassizistische Bau von 1878 ist einer der ersten Wohnbauten an der im 19. Jh. noch nur mit G\u00e4rten und Wiesen ges\u00e4umten Stra\u00dfe.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 72-74.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die heute als Hofgartenstra\u00dfe bezeichnete Verbindung entlang der \u00f6stlichen Begrenzung des Sch\u00f6ntals zwischen Platanenallee und W\u00fcrzburger Stra\u00dfe war einst ein von hohen B\u00e4umen ges\u00e4umter schmaler Fahrweg entlang der den Park [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[542],"tags":[602,704,603,637,638,639,645,651,656,666,667,95,680,137,685,253,691,549,696,565,702,601,703],"post-format":[2],"post-content":[3,67],"class_list":["post-3935","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-baudenkmal","tag-garten","tag-neubarock","tag-emanuel-joseph-von-herigoyen","tag-walmdach","tag-caspar-schmelzer","tag-risalit","tag-mansarddach","tag-pilaster","tag-kapuziner","tag-ludwig-doelger","tag-heinrich-morhard","tag-st-peter-und-alexander","tag-bischof","tag-kirche","tag-klassizismus","tag-schoental","tag-spaetklassizismus","tag-park","tag-historismus","tag-carl-theodor-von-dalberg","tag-friedrich-carl-von-erthal","tag-orangerie","tag-albrecht-von-brandenburg","format-information","content-image","content-text","project-denkmaltopographie"],"acf":[],"yoast_head":"<!-- This site is optimized with the Yoast SEO plugin v27.5 - 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