{"id":3925,"date":"2022-03-28T13:28:57","date_gmt":"2022-03-28T11:28:57","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3925"},"modified":"2024-04-08T07:35:46","modified_gmt":"2024-04-08T05:35:46","slug":"gueterberg-altstadtfriedhof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/gueterberg-altstadtfriedhof\/","title":{"rendered":"G\u00fcterberg &#8211; Altstadtfriedhof"},"content":{"rendered":"<p>Die von der Fischergasse zur Lamprechtstra\u00dfe am Altstadtfriedhof vorbeif\u00fchrende Stra\u00dfe wird G\u00fcterberg genannt, weil sich an der leichten Erhebung gro\u00dfe G\u00e4rten wohlhabender B\u00fcrger befanden. Mit der stark durchgr\u00fcnten Bebauung hat der G\u00fcterberg bis heute den Charakter einer Siedlungsstra\u00dfe mit ein- bis zweigeschossigen Wohnh\u00e4usern aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jh. beibehalten.<\/p>\n<p><strong>G\u00fcterberg 12\/14<\/strong><\/p>\n<p>Vor der Anlage des sog. Altstadtfriedhofes auf dem G\u00fcterberg 1809 gab es neben dem seit Mitte des 10. Jh. existierenden Kirchhof des Stiftes St. Peter und Alexander in Aschaffenburg seit etwa um 1180 die Kirchh\u00f6fe der Pfarreien Zu Unserer Lieben Frau und St. Agatha. Seit dem 18. Jh. mehrten sich in europ\u00e4ischen St\u00e4dten Bestrebungen, Friedh\u00f6fe aus hygienischen Gr\u00fcnden vor die Tore der Stadt zu verlegen. In Aschaffenburg gehen sie auf den Stadtphysikus Jodokus Reu\u00df zur\u00fcck, der Erfahrungen mit Epidemien wie der Roten Ruhr sammelte. Aus den Reihen der \u00c4rzte wurden die Warnungen erst sp\u00e4t ernst genommen. Nach verschiedenen Vorschl\u00e4gen von geeigneten Grundst\u00fccken f\u00fcr die Einrichtung eines neuen Friedhofes au\u00dferhalb der Stadt entschied sich die Stadtverwaltung 1808 f\u00fcr das Grundst\u00fcck des Stadtvikars Georg Franz Merkel auf dem G\u00fcterberg. Der zun\u00e4chst ausreichend gro\u00dfe und auf drei Seiten ummauerte \u201eMerkelsche Garten\u201c wurde durch Tausch gegen ein Grundst\u00fcck am Goldbacher Weg von der Stadt erworben. Am 18. Juli 1809 weihte Bischof Joseph Hieronymus von Kolborn in Anwesenheit von Vertretern der drei Stadtpfarreien den neuen Friedhof. Noch am Abend desselben Tages fand das erste Begr\u00e4bnis statt. Da er die St\u00f6rung der Totenruhe durch die baldige Aufgabe der Kirchh\u00f6fe bef\u00fcrchtete, lie\u00df Vizedomamtsdirektor Karl Joseph Will seinen erst 18-j\u00e4hrigen Sohn Philipp Will auf dem neuen Friedhof bestatten. Mit der Weihe des Friedhofes auf dem G\u00fcterberg wurden die Beerdigungen auf den Kirchh\u00f6fen der Muttergottespfarrkirche und von St. Agatha eingestellt. Eine Satzung vom 17. April 1809 regelte die Nutzung des Friedhofes. So sollten auf dem in vier \u201eQuadranten\u201c unterteilten Begr\u00e4bnisfeld Gr\u00e4ber in Reihe angelegt werden. Erbbegr\u00e4bnisse sollte es nicht mehr geben. Familiengrabst\u00e4tten mit individuell gestalteten Monumenten waren in vorgeschriebenen Abmessungen an den Mauern m\u00f6glich. 1811 wurde das Friedhofskreuz von St. Agatha auf den neuen Friedhof am G\u00fcterberg versetzt. Der Inschrift zufolge war das barocke, lebensgro\u00dfe Kruzifix aus rotem Sandstein eine Stiftung des Priesters Urban Fabricius aus dem Jahr 1569. 1832 musste der Friedhof erstmalig erweitert werden, dies geschah durch Zukauf von Grundst\u00fccken.<\/p>\n<p>Die nach einem Entwurf von Professor Karl Ludwig Louis gefertigten Friedhofstore sind an den Eing\u00e4ngen vom G\u00fcterberg und vom Kirchhofweg noch erhalten. Weitere Vergr\u00f6\u00dferungen erfuhr der Friedhof 1851 (Teil II), 1881 (Teil III) und 1889 (Teil IV). Beim Bau des Leichenhauses um 1910 und nach den beiden Weltkriegen wurde er in Richtung L\u00f6hergraben erneut in seiner Fl\u00e4che vergr\u00f6\u00dfert. Seit seiner Einweihung wurde nur ein kleiner Teil aufgelassen, diese Fl\u00e4che dient heute als Parkplatz am G\u00fcterberg. Insgesamt umfasst der Friedhof heute eine Fl\u00e4che von 36.000 qm. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Friedhof durch Bomben stark besch\u00e4digt. Das Leichenhaus brannte aus und st\u00fcrzte z.T. ein. Der Stadtrat beschloss nach dem Krieg die Auflassung des Friedhofes. Als jedoch statistische Rechnungen zeigten, dass der vor den Toren der Stadt gelegene Waldfriedhof f\u00fcr die wachsende Einwohnerzahl nicht ausreichen w\u00fcrde, wurde dieser Beschluss 1984 wieder aufgehoben. Heute ist der Altstadtfriedhof ein kulturhistorisches Denkmal mit zahlreichen erhaltenen Grabm\u00e4lern unterschiedlicher Stilrichtungen, die aus kunst-, aber vor allem auch in personengeschichtlicher Sicht bedeutend sind. Friedhofsbauten: Das Leichenhaus entstand als Ersatz f\u00fcr einen Vorg\u00e4ngerbau aus der Mitte des 19. Jh. nach Stadtratsbeschluss von 1910. Der 1913 fertiggestellte Bau wurde im Jugendstil errichtet und erhebt sich eingeschossig auf rechteckigem Grundriss. Der westliche Geb\u00e4udeteil ist mit einem flach geneigten Satteldach abgeschlossen. Ein hoher Turm mit schiefergedeckter Haube trennt ihn vom vorderen etwas h\u00f6heren Geb\u00e4udeteil, der sich in Form einer Aufbahrungshalle zum Friedhof hin \u00f6ffnet. Auf der S\u00fcdseite ist ein Seitentrakt angebaut, der urspr\u00fcnglich als Sezierraum diente und heute Platz f\u00fcr Sanit\u00e4r- und Sozialr\u00e4ume bietet. Sockel, Rahmungen, Pilaster und St\u00fcrze aus rotem Sandstein gliedern den verputzten Bau. Grabst\u00e4tten: Da der Altstadtfriedhof nicht aufgelassen wurde und der Stadt heute noch als Begr\u00e4bnisst\u00e4tte dient, sind durch Neubelegungen Grabst\u00e4tten ersetzt worden. Dennoch wird darauf geachtet, die historischen Grabst\u00e4tten zu erhalten, die f\u00fcr die Kulturgeschichte der Stadt sehr wichtig sind. So finden sich auf dem Friedhof Grabmale von Gefallenen der Kriege von 1866 und 1871 sowie des Ersten und Zweiten Weltkrieges, aber auch Ehrenmale f\u00fcr zivile Opfer und Fremde, die in der Stadt ihre letzte Ruhe fanden. Hinzu kommen Grabst\u00e4tten bekannter Aschaffenburger Pers\u00f6nlichkeiten wie Politiker, K\u00fcnstler, Architekten und Unternehmer. An die Opfer des westf\u00e4lischen Infanterie-Regiments in den K\u00e4mpfen um Aschaffenburg 1866 erinnert ein Grabmal in Form einer abgebrochenen Sandsteins\u00e4ule auf einem Inschriftensockel.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist ein Grabmal f\u00fcr die Opfer des Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieges 1870\/71 erhalten. Der Obelisk auf einem Sockel mit vier Giebeln, mit Lorbeerkr\u00e4nzen und Girlanden geschm\u00fcckt, steht recht unscheinbar zwischen weiteren Gr\u00e4bern im \u00f6stlichen Teil des Friedhofes. F\u00fcr die in Aschaffenburg gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieges wurde ein Ehrenhain um ein von dem W\u00fcrzburger Bildhauer Ludwig Sonnleitner nach einem Entwurf von Otto Leitolf geschaffenes und 1924 geweihtes Kriegerdenkmal angelegt. Das Denkmal zeigt die monumentale Figur des auferstandenen Christus \u00fcber einem Sarg, auf dem zwei sterbende Soldaten dargestellt sind und die Inschrift: \u201eICH BIN DIE AUFERSTEHUNG \/ UND DAS LEBEN \/ Joh. 11,25\u201c zu lesen ist. Dieser Ehrenfriedhof wurde sp\u00e4ter f\u00fcr die Opfer des Zweiten Weltkrieges erweitert. Zu den hervorhebenswerten Grabm\u00e4lern geh\u00f6rt das Grabmal der Hubertia. Eines der bekanntesten Gr\u00e4ber ist das des Dichters Clemens Brentano. Weitere bedeutende Grabm\u00e4ler: Grabmal Familie Schmelzer: Das Grabmal des Bauunternehmers Caspar Schmelzer (1848\u2013 1909), der in Aschaffenburg zahlreiche Wohnh\u00e4user und Stadtvillen errichtet hat, ist in Form einer Kleinarchitektur aus gelbem Sandstein errichtet. In der Mitte st\u00fctzen zwei schwarze S\u00e4ulen einen Architrav mit Giebel. Im Architrav ist die Inschrift \u201eFAMILIE CASPAR SCHMELZER\u201c zu lesen. Links und rechts daneben sind die Verstorbenen aufgef\u00fchrt. Im Mittelfeld befindet sich eine gro\u00dfe Bronzetafel mit einem Flachrelief, einen schwebenden Engel darstellend, der eine aufgerollte Schriftrolle in der linken Hand h\u00e4lt, auf der die Namen von Maria und Caspar Schmelzer mit den Lebensdaten festgehalten sind. Die Bronzetafel wurde von Josef Engelhard aus M\u00fcnchen 1891 geschaffen. \u2013 Grabmal Familie Woerner: Das Grabmal der Familie Woerner f\u00e4llt durch seine neugotische Gestaltung auf. Der altar\u00e4hnliche Aufbau mit Sockelzone, einem von Doppels\u00e4ulchen ges\u00e4umten Mittelteil und dem Giebelaufsatz mit Krabbenbesatz und Obelisken wird den Bauunternehmern, die einen Steinbruch betrieben und Ende des 19. Jh. einige bedeutende Bauten im Stadtgebiet errichtet haben, gerecht. Franz und Roman Woerner sind hier in Aschaffenburg nicht begraben. Der Entwurf zu dem Grabmal stammt aber mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit von ihnen.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 64-66.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die von der Fischergasse zur Lamprechtstra\u00dfe am Altstadtfriedhof vorbeif\u00fchrende Stra\u00dfe wird G\u00fcterberg genannt, weil sich an der leichten Erhebung gro\u00dfe G\u00e4rten wohlhabender B\u00fcrger befanden. 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