{"id":3871,"date":"2022-03-28T13:40:23","date_gmt":"2022-03-28T11:40:23","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3871"},"modified":"2022-03-28T16:08:31","modified_gmt":"2022-03-28T14:08:31","slug":"frohsinnstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/frohsinnstrasse\/","title":{"rendered":"Frohsinnstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die nord\u00f6stlich der Altstadt gelegene Frohsinnstra\u00dfe verl\u00e4uft zwischen Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe und Ludwigstra\u00dfe, sie bildet damit die Verbindung zwischen der ehem. Befestigung der Unterstadt und dem Bahnhof. Der Gesellschaftsverein \u201eFrohsinn\u201c hatte 1858 sein Gesellschaftshaus in der Stra\u00dfe erbaut, weswegen sie in den 60er Jahren des 19. Jh. nach diesem Verein benannt wurde. Zuvor hie\u00df sie ihrer Funktion als Verbindung zum Bahnhof entsprechend Bahnhofstra\u00dfe, sp\u00e4ter auch Innere Glattbacher Stra\u00dfe und zwischen 1933 und 1945 Adolf-Hitler-Stra\u00dfe. In der 2. H\u00e4lfte des 19. Jh. entwickelte sich die Frohsinnstra\u00dfe dann zu einer lebendigen Gesch\u00e4ftsstra\u00dfe mit mehrgeschossigen Wohn- und Gesch\u00e4ftsh\u00e4usern, in deren R\u00fcckgeb\u00e4uden zunehmend kleinere Handwerksbetriebe ihre Produktion aus\u00fcbten. Der Stra\u00dfenzug wurde im Zweiten Weltkrieg, insbesondere beim Luftangriff am 21. November 1944, schwer getroffen. Zahlreiche Geb\u00e4ude wurden von Bomben so stark besch\u00e4digt, dass nach 1945 zun\u00e4chst nur in den Erdgeschossr\u00e4umen oder in provisorischen Baracken einige Gesch\u00e4fte wieder er\u00f6ffnet wurden. Da nur wenige Geb\u00e4ude so gut erhalten waren, dass sie wieder instand gesetzt werden konnten, ist die Frohsinnstra\u00dfe ein Ort, an dem die moderne Architektur der 50er und 60er Jahre des 20. Jh. Raum bekam. Moderner Gesch\u00e4fts- und Wohnungsbau in fortschrittlicher Stahlbetonskelettbauweise mit Vorhangfassaden sind Beispiele f\u00fcr das Fortschreiben der Baugeschichte der Stadt.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 1\/3<\/strong><\/p>\n<p>1896 lie\u00dfen Georg Friedrich und Simon Kuhn ein Doppelhaus mit R\u00fcckgeb\u00e4ude am Beginn der Frohsinnstra\u00dfe errichten. Die Pl\u00e4ne zu dem Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus zeichnete der Baumeister F. Fr\u00f6hlich. Er entwarf f\u00fcr das Doppelhaus zwei regelm\u00e4\u00dfige, aber unterschiedlich rhythmisierte Fassaden. Von den jeweils vier Fensterachsen sind bei Haus Nr. 1 die mittleren Achsen und bei Nr. 3 die beiden \u00e4u\u00dferen Achsen zu Paaren zusammengefasst. Das Erdgeschoss beider H\u00e4user war aus Sandsteinquadern errichtet, die \u00fcbrige Fassade verputzt. Die Fenster erhielten eine Rahmung aus rotem Sandstein und zeigen die stilistisch typischen Dekorformen f\u00fcr die Zeit um 1900. Die Gew\u00e4nde sind abgefast und mit Ankersteinen versehen. Dabei heben sich die Fenster des 1. Obergeschosses durch eine aufwendigere Gestaltung ab. Au\u00dferdem sind die jeweils \u00e4u\u00dferen Fensterachsen st\u00e4rker gestaltet als die \u00fcbrigen. Die Br\u00fcstungsfelder sind im 1. Obergeschoss mit kleinen Blendb\u00f6gen und im 3. Obergeschoss mit Wappen versehen. Durchlaufende Sohlbankgesimse gliedern die Fassade in horizontaler Richtung. Urspr\u00fcnglich besa\u00df Haus Nr. 3 \u00fcber den mittleren zwei Achsen einen Zwerchgiebel. Im Erdgeschoss von Nr. 1 besteht eine rundbogige Durchfahrt zum Hof. Die ehemals gro\u00dfen Rundbogenfenster mit Br\u00fcstungen im Erdgeschoss wurden bereits 1904 zu tiefen Schaufenstern umgebaut. Heute sind in beiden Geb\u00e4uden moderne Gesch\u00e4ftsr\u00e4ume eingerichtet. W\u00e4hrend des Luftangriffs im November 1944 wurde das Haus im Bereich des Daches besch\u00e4digt. Au\u00dferdem entstanden Sch\u00e4den an Decken, Fenstern, T\u00fcren und den Schaufenstern. Nach dem Krieg lie\u00df der Tapetenverk\u00e4ufer Otto Kaufer die Schaufensterfront erneut ver\u00e4ndern. Weitere bauliche Eingriffe erfolgten 1978 und 2001, als man \u00c4nderungen an der Binnenstruktur vornahm.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 2<\/strong><\/p>\n<p>Das viergeschossige Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus an der Ecke Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe\/ Frohsinnstra\u00dfe wurde 1890 f\u00fcr den Eisenwarenh\u00e4ndler Carl Stark errichtet. Es bildet durch seine Ecklage st\u00e4dtebaulich den \u00dcbergang von der Gesch\u00e4ftsstra\u00dfe zum Stadtboulevard. Die rote Backsteinfassade ist durch hellen Sandstein gegliedert. W\u00e4hrend Pilaster die Fassade in vertikaler Richtung gliedern, geben durchlaufende Sohl- und Sturzgesimse der Fassade eine horizontale Gliederung. Von den vier zur Frohsinnstra\u00dfe gerichteten Fensterachsen ist die zweite von links zu einem leicht vortretenden Risalit ausgebildet. Die Fenster sind dort zu Paaren zusammengefasst und im 2. Obergeschoss mit einem Giebel \u00fcberfangen. Die Achse der Geb\u00e4udekante ist durch besondere Gestaltung hervorgehoben. Sie ist g\u00e4nzlich aus Sandstein gefertigt und im 3. Obergeschoss mit einem Holzerker versehen, der dem Geb\u00e4ude 1916 hinzugegeben wurde. 1909 wurde der Eingang verlegt und damit die Schaufenster auf der Seite der Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe vergr\u00f6\u00dfert. Durch Luftdruck verschiedener Angriffe und Artillerie wurde das Geb\u00e4ude im Zweiten Weltkrieg an Vorder- und R\u00fcckseite des Hauses, an Dach, Decken und der Brandmauer zu Haus Nr. 4 schwer besch\u00e4digt. 1998 erfolgte der letzte Umbau und die Renovierung des Gesch\u00e4ftes.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 5<\/strong><\/p>\n<p>1893 plante der Architekt Hermann Reichard den Neubau eines Wohnhauses f\u00fcr den Zahntechniker Karl M\u00fcnch in der zu dieser Zeit als \u201eInnere Glattbacher Stra\u00dfe\u201c bezeichneten Stra\u00dfe. Das Geb\u00e4ude wurde traufst\u00e4ndig dreigeschossig an der neuen Baulinie in der Frohsinnstra\u00dfe errichtet. Im Erdgeschoss befand sich mittig ein Ladengesch\u00e4ft, links davon ein rundbogiges Schaufenster und auf der rechten Seite eine ebenfalls rundbogige Eingangst\u00fcr. Dieser urspr\u00fcngliche Erdgeschossbereich ist heute modernisiert. Die Obergeschosse aus gelben Backsteinen sind durch Rahmungen aus rotem Mainsandstein hervorgehoben. Die Fenster der beiden \u00e4u\u00dferen Achsen sind zu Paaren zusammengefasst und mit einer gemeinsamen Giebelverdachung versehen. Im 1. Obergeschoss haben die Fenster seitliche Pilaster und eine gerade Verdachung, im 2. Obergeschoss profilierte Gew\u00e4nde mit einer Ohrung und ebenfalls gerade Verdachungen. Das Geb\u00e4ude schlie\u00dft mit einem Satteldach ab. Im Zweiten Weltkrieg entstanden Sch\u00e4den im Bereich des Daches und des 2. Obergeschosses. Bei den Instandsetzungsarbeiten verzichtete man wohl auf die in den Baupl\u00e4nen gezeichneten \u00dcberfangb\u00f6gen \u00fcber den Fenstern dieses Geschosses.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 7<\/strong><\/p>\n<p>Ein Jahr nach der Errichtung des Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses Nr. 5 lie\u00df sich Karl M\u00fcnch 1894 ein weiteres Geb\u00e4ude ebenfalls von Hermann Reichard in unmittelbarer Nachbarschaft errichten. Beide Geb\u00e4ude sind daher sehr \u00e4hnlich. Der dreigeschossige traufst\u00e4ndige Satteldachbau mit f\u00fcnfachsiger Fassade ist in der typisch gr\u00fcnderzeitlichen Bauweise aus gelben Backsteinen mit Sandsteinelementen gestaltet. Das modernisierte Erdgeschoss hatte urspr\u00fcnglich stichbogige Schaufenster mit Br\u00fcstung und rechts eine Durchfahrt zum Hof. Gesimse gliedern die Fassade horizontal. Die Fenster des 1. Obergeschosses, die abwechselnd mit Giebel- oder Segmentbogenverdachungen versehen sind, werden durch ein durchlaufendes Sohlbankgesims sowie einen durchlaufenden Sturz miteinander verbunden, die Fenster des 2. Obergeschosses mit \u00dcberfangb\u00f6gen und Schlussstein durch ein durchgehendes Sturzgesims. Auf dem Satteldach sitzen achsgerecht kleine Gauben. 1908 lie\u00df sich der Tuchh\u00e4ndler M. Goldschmidt von Baumeister Adam Schneider das Erdgeschoss des Geb\u00e4udes f\u00fcr einen Laden umbauen. Die Ladenzone wurde im Verlauf mehrmals ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 8<\/strong><\/p>\n<p>1904 erfolgte der Neubau eines Wohnhauses f\u00fcr den M\u00f6belfabrikanten Emanuel Russmann nach Pl\u00e4nen von Johann Scheuermann. Dieser errichtete auf dem schmalen Grundst\u00fcck ein viergeschossiges Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus mit einer nur zweiachsigen Fassade aus wei\u00dfen Ziegelsteinen und Gliederungen aus rotem Sandstein. Zwischen den beiden Fensterachsen sitzt im Bereich des 2. und 3. Obergeschosses ein polygonaler Erker aus rotem Sandstein. Das Geb\u00e4ude wird von einem Satteldach abgeschlossen, das 1957 einen Dachaufbau erhielt. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Geb\u00e4ude Sch\u00e4den durch Luftdruck am Dach, an den Decken und Zwischenw\u00e4nden; der Giebel der Brandmauer st\u00fcrzte ein.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 9<\/strong><\/p>\n<p>Der Architekt Heinrich Morhard errichtete 1909 f\u00fcr Emanuel Russmann, dem bereits die Anwesen Nr. 8 und 10 geh\u00f6rten, einen neuen Wohn- und Gesch\u00e4ftshausbau. Das Geb\u00e4ude erhebt sich viergeschossig in st\u00e4dtebaulich markanter Lage, an der Stelle, wo die zum Bahnhof in westlicher Richtung leicht abknickende Frohsinnstra\u00dfe auf die Bodelschwingh- und Heinsestra\u00dfe trifft und einen kleinen Platz, den Alfons-Goppel-Platz, ausbildet. Die neubarocke Fassade hebt sich deutlich von den noch stark dem Historismus der Gr\u00fcnderzeit verschriebenen Bauten am Beginn der Frohsinnstra\u00dfe ab. Der repr\u00e4sentative Anspruch des Geb\u00e4udes ist klar ablesbar. Die Fassade ist dem Verlauf der Stra\u00dfe folgend etwas abgeknickt. Ein geringf\u00fcgig hervortretender Mittelteil mit seitlichen Risaliten wird von zwei je zweiachsigen Seitenfl\u00fcgeln gerahmt. Das Mansarddach des Mittelteils unterstreicht den barocken Charakter des Geb\u00e4udes. Die Fassade ist glatt verputzt. Architekturteile wie Fensterrahmungen, Eckquaderungen, Gesimse und Balkone sind aus rotem Sandstein. Das Erdgeschoss mit seinen rundbogigen \u00d6ffnungen besteht aus unverputzten Sandsteinquadern. Die beiden seitlichen Risalite des Mittelbaus sind im 2. und 3. Obergeschoss mit sog. Bay Windows versehen. Die dazwischenliegenden Br\u00fcstungsfelder tragen Reliefs mit floralen Motiven. Diese wiederholen sich unter der Traufe im Bereich zwischen den Seitenrisaliten. Im 1. Obergeschoss befinden sich Balkone mit Sandsteinbr\u00fcstungen auf kr\u00e4ftigen Konsolen. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Geb\u00e4ude schwer besch\u00e4digt. Unter der Leitung des Architekten Alfred Eckert wurde es 1947 wieder instand gesetzt.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 10<\/strong><\/p>\n<p>Der Tapeziermeister Emanuel Russmann lie\u00df sich 1896 vom Baugesch\u00e4ft Caspar Schmelzer in der Frohsinnstra\u00dfe 10 ein Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus neu errichten. Der viergeschossige Backsteinbau mit einseitig abgewalmtem Dach geh\u00f6rt stilistisch zu der gr\u00fcnderzeitlichen Bebauung am Beginn der Frohsinnstra\u00dfe. Die breite, acht Fensterachsen umfassende Fassade aus typischem Ziegelmauerwerk ist durch Fensterrahmen, Gesimse und Eckquader aus rotem Sandstein regelm\u00e4\u00dfig gegliedert. Alle Achsen sind gleich gestaltet, keine springt vor oder ist hervorgehoben. Die Fenster sind allerdings in jedem Geschoss mit einer anderen Rahmung versehen. Durchlaufende Gesimse betonen die horizontale Gestaltung der Fassade, die einen an einen italienischen Palazzo erinnernden Charakter hat. Das Erdgeschoss war bereits zu Bauzeiten auf der linken Seite als Laden ausgebaut. Die Durchfahrt zum Hof entstand erst 1903. Im Krieg erlitt das Geb\u00e4ude starke Sch\u00e4den. Das als Wohnhaus errichtete Geb\u00e4ude wurde vom Katholischen Frauenbund genutzt und diente seit 1997 als Pflegeheim f\u00fcr geistig behinderte Menschen. Heute werden die R\u00e4ume von einem sozial engagierten Verein genutzt.<\/p>\n<p><strong>\u00a0Frohsinnstra\u00dfe 11<\/strong><\/p>\n<p>Das 1955\/56 errichtete Hotel ist ein siebengeschossiger Stahlbetonskelettbau mit Flachdach, der 1954 von dem Architekten Karl Rothaug entworfen wurde. Der Bauk\u00f6rper besteht aus zwei Geb\u00e4udeteilen: einem horizontal gegliederten Hotelteil, in dem sich die G\u00e4stezimmer befinden, und einem etwas h\u00f6heren, vertikal gegliederten Treppenhausanbau. Die horizontale Gliederung des Hotelteils manifestiert sich in den scheinbar durchlaufenden Fensterreihen der sechs Obergeschosse. Das Erdgeschoss verf\u00fcgt \u00fcber Gesch\u00e4fte mit gro\u00dfen Schaufenstern. Das Dachgeschoss springt etwas zur\u00fcck, wodurch die zur Stra\u00dfe gerichtete Ostseite Raum f\u00fcr Balkone erh\u00e4lt. Die Vertikalit\u00e4t des Treppenhausbaus entsteht durch eng gestellte, die Geschosse durchlaufende Betonstreben. Zwischen den Streben sind schmale Fenster eingebracht. Dieser Geb\u00e4udeteil nimmt Treppenhaus und Aufzug auf. In seinem Erdgeschossbereich liegt eine Durchfahrt zum Hinterhof, der als Parkplatz f\u00fcr G\u00e4ste und Angestellte des Hotels dient. R\u00fcckw\u00e4rtig ist ein weiterer Geb\u00e4udeteil angeschlossen, in dem sich ebenfalls Hotelzimmer befinden. Die Fassade des gesamten Geb\u00e4udes ist unverputzt. Dadurch ist die Stahlbetonskelettkonstruktion an der Fassade ablesbar. Als Gestaltungsmittel dient die Verkleidung der Br\u00fcstungsfelder unter den Fenstern und der Randbereiche der Fassade mit gelben Backsteinen. Erschlossen wird das Geb\u00e4ude \u00fcber den stra\u00dfenseitigen Haupteingang. Nach dem links des Eingangs liegenden Treppenhaus folgt eine kleine Hotelhalle, von der aus der hintere Teil des Geb\u00e4udes erreichbar ist. Im Erdgeschoss befinden sich ein Restaurant, Clubr\u00e4ume und die K\u00fcche sowie L\u00e4den, die von der Stra\u00dfe aus zug\u00e4nglich sind. Im n\u00f6rdlichen Teil des Geb\u00e4udes liegt das zweite Treppenhaus. Der Grundriss des Hotels wurde der st\u00e4dtebaulichen Situation ideal angepasst. Der siebengeschossige Geb\u00e4udeteil folgt der Stra\u00dfenflucht der Frohsinnstra\u00dfe, wohingegen der h\u00f6here Treppenhausteil eine Akzentuierung am Alfons-Goppel-Platz darstellt. Das Geb\u00e4ude ist ein qualit\u00e4tvolles Beispiel der Wiederaufbauarchitektur in den Formen und Materialien der Nachkriegsmoderne.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 17<\/strong><\/p>\n<p>Das sechsgeschossige Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus mit Dachterrasse wurde 1954 von Architekt Werner Schlauersbach in Stahlbetonskelettbauweise unter der Bauherrschaft von Sch\u00e4fer &amp; Spinnler errichtet. Das Geb\u00e4ude besteht aus einem Stra\u00dfenfl\u00fcgel mit Erdgeschoss, f\u00fcnf Obergeschossen und einer Dachterrasse sowie einem Hoffl\u00fcgel mit Erdgeschoss und drei Obergeschossen. Stra\u00dfenfl\u00fcgel und Hoffl\u00fcgel haben jeweils ein eigenes Treppenhaus, wobei der Stra\u00dfenfl\u00fcgel zus\u00e4tzlich \u00fcber einen Aufzug verf\u00fcgt. Das gesamte Geb\u00e4ude ist unterkellert. Der auch \u201eViktoria\u201c-Haus \u2013 nach der Firma der Bauherren \u2013 genannte sechsgeschossige Stra\u00dfenfl\u00fcgel wird im Erdgeschoss und im 1. Obergeschoss gewerblich genutzt. Die \u00fcbrigen Geschosse sind Wohnzwecken vorbehalten. In 22 m H\u00f6he befindet sich eine begehbare Dachterrasse. Insgesamt gibt es in beiden Fl\u00fcgeln 50 Wohnungen: 42 Einzelappartements und 8 Zweizimmerwohnungen. Jede Wohnung ist mit einem kleinen Flur mit Einbauschrank, einem Bad und einer Kochnische ausgestattet. Fast jeder Bewohner hat einen Balkon. \u00dcber die Durchfahrt im Stra\u00dfenfl\u00fcgel erreicht man den Hinterhof und die im Erdgeschossbereich des Hoffl\u00fcgels untergebrachten Garagen. Im Hof steht ein weiteres Geb\u00e4ude, welches zur vorhergehenden Bebauung geh\u00f6rte.<\/p>\n<p>Die Fassade des Stra\u00dfenfl\u00fcgels ist deutlich vertikal gegliedert. In relativ engen Abst\u00e4nden gestellte tragende Betonstreben geben der Fassade ein in die H\u00f6he strebendes Erscheinungsbild. Zwischen den Streben sitzen hochrechteckige Fenster, deren Br\u00fcstungsfelder mit geriffelten Kacheln verkleidet sind. \u00dcber den Gesch\u00e4ften der Erdgeschosszone ragt ein an der Unterseite kassettiertes Betondach vor. Das 5. Obergeschoss ist etwas zur\u00fcckversetzt, wodurch Raum f\u00fcr Freisitze entsteht. Dar\u00fcber liegt die vom Stra\u00dfenniveau nicht einsehbare Dachterrasse. F\u00fcr den Bau des neuen Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses in der Frohsinnstra\u00dfe wurden insgesamt 400 Tonnen Zement und 70 Tonnen Stahl verbaut. Man wandte bei der Errichtung des Geb\u00e4udes erstmals eine neue Methode an: Leitungsrohre f\u00fcr Gas, Wasser und Strom wurden in den Beton eingegossen. Dies erforderte viel Sorgfalt bei der Arbeit, weil nichts im Nachhinein repariert werden kann. Ein gro\u00dfer Vorteil dieser Methode ist jedoch die Zeit- und damit Geldersparnis, da die Installateure gleichzeitig mit den Maurern arbeiten konnten. Die Anwendung dieser Baumethode erm\u00f6glichte somit eine sehr kurze Bauzeit von nur sechs Monaten. Der Bau war am 31. Dezember 1954 bezugsfertig. In zeitgen\u00f6ssischen Medien wurde das Geb\u00e4ude als \u201emodernstes Haus Aschaffenburgs\u201c und \u201evielbestauntes Musterbeispiel moderner Bauweise\u201c beschrieben. Tats\u00e4chlich handelt es sich um ein anschauliches Beispiel der Architektur des Wiederaufbaus nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Architekt hat mit der damals \u00fcblichen Konstruktionsmethode, dem Stahlbetonskelettbau, ein modernes Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus geschaffen, das in kurzer Bauzeit viel Wohnraum in Kombination mit R\u00e4umlichkeiten f\u00fcr gewerbliche Nutzung wie Einkaufsl\u00e4den und Restaurants bietet. Der Bau ist damit ein Zeugnis einer Zeit, in der es n\u00f6tig war, mit wenigen Mitteln, in kurzer Zeit m\u00f6glichst viel Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr die B\u00fcrger zu schaffen. Dazu geh\u00f6rte durchaus moderner, gut belichteter und zentral beheizter Wohnraum in der Innenstadt.<\/p>\n<p><strong>Frohsinnstra\u00dfe 25<\/strong><\/p>\n<p>Au\u00dfer der Bezeichnung \u201e1896\u201c am oberen Ende des Erkers sind keine \u00dcberlieferungen zur Baugeschichte des repr\u00e4sentativen Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses erhalten. Der viergeschossige Mansarddachbau steht traufst\u00e4ndig am n\u00f6rdlichen Ende der Frohsinnstra\u00dfe. Die Backsteinfassade ist mit Elementen aus rotem Mainsandstein reich gegliedert. Die f\u00fcnf Achsen sind durch schmale Pilaster vertikal unterteilt. Die Fenster der beiden \u00e4u\u00dferen Achsen sind zu Paaren zusammengefasst und im Bereich des 1. Obergeschosses mit einem Balkon mit Sandsteinbalusterbr\u00fcstung versehen. Im Dach betont ein wirkungsvolles Zwerchhaus die \u00e4u\u00dferen Achsen. Die symmetrische Fassade erf\u00e4hrt in der Mitte durch einen \u00fcber zwei Geschosse reichenden Erker, der im 3. Obergeschoss in einem kleinen Balkon mit Gusseisengitter endet, eine weitere Akzentuierung. Alle Fenster sind durch ein Gesims in H\u00f6he der Sohlb\u00e4nke und des Fenstersturzes optisch miteinander verbunden. Die Fenster des 3. Obergeschosses sind alle gekuppelt, etwas kleiner und rundbogig. Im Dach sitzen drei achsgerechte Gauben. Das wohl von Kriegssch\u00e4den weitestgehend verschont gebliebene Geb\u00e4ude zeigt sich bis auf den modernisierten Erdgeschossbereich heute in bauzeitlicher Gestalt. Es verdeutlicht durch seine repr\u00e4sentative Fassade in st\u00e4dtebaulich markanter Lage direkt gegen\u00fcber dem Bahnhof als \u201eTor zur Stadt\u201c den hohen Stellenwert, den man am Ende des 19. Jh. dem modernen Verkehrsmittel Eisenbahn und dem sich damit entwickelnden Stadtviertel beima\u00df.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 46-50.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die nord\u00f6stlich der Altstadt gelegene Frohsinnstra\u00dfe verl\u00e4uft zwischen Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe und Ludwigstra\u00dfe, sie bildet damit die Verbindung zwischen der ehem. Befestigung der Unterstadt und dem Bahnhof. 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