{"id":3861,"date":"2022-03-28T13:41:37","date_gmt":"2022-03-28T11:41:37","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3861"},"modified":"2022-03-28T14:24:13","modified_gmt":"2022-03-28T12:24:13","slug":"friedrichstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/friedrichstrasse\/","title":{"rendered":"Friedrichstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die Friedrichstra\u00dfe entstand in Folge der Niederlegung der einstigen Stadtbefestigung 1870\/71. Anstelle der zweispurigen Stra\u00dfe verlief seit Mitte des 14. Jh. die Stadtmauer mit Graben und \u201eSeilergang\u201c, einem Weg entlang der Inneren Mauer. Die Stadtbefestigung wurde abgebrochen, der zugeh\u00f6rige Graben verf\u00fcllt und eine breite Stra\u00dfe als Promenade mit Gr\u00fcnstreifen angelegt. So ist die Friedrichstra\u00dfe heute gemeinsam mit der parallel verlaufenden Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe eine Art Ringstra\u00dfe, die am Ro\u00dfmarkt beginnt und an der Einm\u00fcndung der Duccastra\u00dfe auf die Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe trifft. Die Herkunft der Namensbezeichnung der Friedrichstra\u00dfe ist umstritten. Da aber die Benennung der Stra\u00dfe in engem Zusammenhang mit dem Deutsch-Franz\u00f6sischen Krieg 1870\/71 steht, erscheint es plausibel, dass sie den Namen des preu\u00dfischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm, der Bayern bei Wei\u00dfenburg am 4. August 1870 zum Sieg f\u00fchrte, tr\u00e4gt, und nicht wie Johann Schober (1906) meint, den des Mainzer Kurf\u00fcrsten Friedrich Carl Joseph von Erthal (1719\u20131802). Die Friedrichstra\u00dfe ist nur einseitig auf der S\u00fcdseite mit Wohn- und Gesch\u00e4ftsh\u00e4usern des sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jh. mit Fassaden im Stil des Historismus und des Jugendstils bebaut. Auf der anderen Seite grenzt ein park\u00e4hnlicher Gr\u00fcnstreifen, das ehem. offene Sch\u00f6ntal, an. Mit der ebenfalls repr\u00e4sentativen Bebauung auf der n\u00f6rdlichen Seite der Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe ergibt sich ein geschlossener Stra\u00dfenzug.<\/p>\n<p><strong>Ensemble Friedrichstra\u00dfe\/Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe<\/strong><\/p>\n<p>Seit 1854, mit dem Anschluss an die Ludwig-Westbahn, begann Aschaffenburg sich weiter nach Norden auszudehnen. Dieses Wachstum kam erst w\u00e4hrend der Gr\u00fcnderzeit zur vollen Entfaltung, da bis 1870 die \u00e4u\u00dfere Stadtbefestigung von 1370\/80 im Wesentlichen erhalten geblieben war. Erst nachdem der Graben zwischen der ehem. Apfelallee (heute Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe) und dem Seilergang (jetzt Friedrichstra\u00dfe) aufgef\u00fcllt und die Stadtmauer beseitigt worden war (1870\/71), setzte die Bebauung ein, die dem Ensemble Friedrichstra\u00dfe\/Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe trotz zahlreicher Kriegszerst\u00f6rungen und Neubauten seinen bleibenden Stempel aufdr\u00fcckt. Ein Beispiel der fr\u00fchen Bebauung ist das Anwesen Friedrichstra\u00dfe 19 aus dem Jahr 1874, errichtet an der Stelle des 1867 abgebrochenen sog. Folterturms, der Teil der \u00e4u\u00dferen Aschaffenburger Stadtbefestigung gewesen war. Dieses ehem. sp\u00e4tklassizistische Wohnhaus, heute an einen modernen Gesch\u00e4ftsbau angebunden, illustriert die urspr\u00fcngliche villenartige Bebauung am Rande der Unteren Stadt. Mit Bauten des sp\u00e4ten Historismus und Jugendstils, mit z.T. pr\u00e4chtigen, roten und gelben Sandsteinfassaden des sp\u00e4ten 19. und fr\u00fchen 20. Jh., wurde diese Stra\u00dfenanlage zu einer vom Typus der Ringstra\u00dfe erweitert, die auch den hierf\u00fcr charakteristischen, parkartigen Gr\u00fcnstreifen besitzt und so in besonderer Weise die alte \u201eStadtgrenze\u201c anschaulich macht. Ein besonderes st\u00e4dtebauliches Gewicht bekommt das Ensemble dadurch, dass es im Zusammenhang eines gr\u00f6\u00dferen, die Stadt einfassenden Park- und Gr\u00fcng\u00fcrtels steht. Denn \u00f6stlich der erhaltenen Barbakane des 1869 abgebrochenen Herstalltores, die einen Endpunkt des Ensembles markiert, erstreckt sich der Park Sch\u00f6ntal, der ehem. ummauerte f\u00fcrstliche Tiergarten, der im 18. Jh. zu einem englischen Park (mit der \u201eStaffagearchitektur\u201c der Beginenklosterruine) umgewandelt worden war. Am westlichen Endpunkt des Ensemblebereichs, ungef\u00e4hr da, wo das ehem. Karlstor bzw. Dingstalltor stand, setzt sich der Gr\u00fcng\u00fcrtel im Schlossgarten fort, der, bis zum Main f\u00fchrend, einen Schloss und Pompejanum einfassenden Park bildet.<\/p>\n<p><strong>Friedrichstra\u00dfe 15<\/strong><\/p>\n<p>Das dreigeschossige Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus an der Ecke Friedrichstra\u00dfe\/Luitpoldstra\u00dfe lie\u00df sich 1892 der T\u00fcnchermeister Otto Hock von dem M\u00fcnchner Architekten August Hock neu errichten. Das weitgehend in bauzeitlichen Formen erhaltene Geb\u00e4ude geh\u00f6rt zur ersten Bebauung an der 1898 fertig ausgebauten Friedrichstra\u00dfe. Die Fassade ist im Stil der Neurenaissance durch Elemente aus rotem Sandstein reich gegliedert. Das aufgehende Mauerwerk \u00fcber dem Erdgeschoss aus roten Sandsteinquadern ist verputzt und war urspr\u00fcnglich mit Dekorationsmalereien versehen. Die Fenster der beiden Obergeschosse sind mit Sandsteingew\u00e4nden gerahmt, die des 1. Obergeschosses haben zus\u00e4tzlich gerade, profilierte \u00dcberdachungen. Die Fassade zur Friedrichstra\u00dfe hat sechs Fensterachsen, von denen die von Nr. 13 aus gesehen erste Achse als Risalit ausgebildet ist. Dieser ist ganz aus roten Sandsteinquadern gearbeitet und in H\u00f6he des 1. Obergeschosses mit einem Erker versehen, der in einem Balkon endet. Der Risalit schlie\u00dft mit einem steilen Walmdach ab. Die dritte Achse tritt risalitartig vor, ist mit Eckquaderung betont und hat gekuppelte Fenster. Im Erdgeschoss befindet sich ein rundbogiges Portal, dar\u00fcber ein von geschwungenen Konsolen getragener Balkon; den Abschluss bildet ein Zwerchgiebel, den ein Sandsteingiebelreiter bekr\u00f6nt. Die Geb\u00e4udekante ist abgeschr\u00e4gt, in H\u00f6he des 1. Obergeschosses sitzt ein Erker, der in einem T\u00fcrmchen mit hohem Pyramidendach endet. Die Fassade zur Luitpoldstra\u00dfe ist nur vier Achsen breit, wobei die vierte Achse wiederum als Risalit mit Erker und Zwerchgiebel gestaltet ist. Heute schlie\u00dft direkt an das Geb\u00e4ude ein moderner B\u00fcrobau an. Zur Bauzeit befand sich jedoch in der Luitpoldstra\u00dfe ein kleiner eingefriedeter Garten mit rundbogigem Eingangsportal. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Mansardenr\u00e4ume und die Wohnung im 2. Obergeschoss durch Luftangriffe und Artillerie zerst\u00f6rt sowie Mauern, Fenster und T\u00fcren besch\u00e4digt. 1978 wurden die Fenster erneuert, 1980 zwei R\u00fcckgeb\u00e4ude abgebrochen und 1982 Umbauten im Erdgeschoss vorgenommen.<\/p>\n<p><strong>Friedrichstra\u00dfe 19<\/strong><\/p>\n<p>1874 ersteigerte der praktizierende Arzt Dr. Rudolf D\u00f6bner das Grundst\u00fcck des ehem. Friedhofs der St.-Agathakirche und beauftragte Architekt Josef Zwisler dort eine Villa zu richten, die er 1882 um einen Anbau in Richtung Osten erweitern lie\u00df. Das asymmetrische Geb\u00e4ude ist zweigeschossig und verf\u00fcgt \u00fcber ein Souterrain. Die \u00e4u\u00dferste rechte Achse tritt leicht nach vorn und ist um ein Mezzaningeschoss erh\u00f6ht. Die Fenster sind gekuppelt. Bei den \u00fcbrigen Achsen sind die Fenster mit Steingew\u00e4nden gerahmt, im Obergeschoss mit gerader Verdachung auf kleinen Konsolen. Die erg\u00e4nzte Achse im Erdgeschoss nimmt eine Dreierfenstergruppe auf, die von Lisenen mit Basen und Kopfst\u00fccken gerahmt ist. Im Obergeschoss ist diese Fenstergruppe zu einem flachen Erker mit seitlichen Schlitzfenstern ausgebildet. Die die Fenster rahmenden Lisenen tragen ein Geb\u00e4lk und einen flachen Dreiecksgiebel. Die Villa wird von einem weit \u00fcberstehenden, flachen Satteldach abgeschlossen. Im Zweiten Weltkrieg verursachte Luftdruck schwere Sch\u00e4den an der Villa, die der Zahnarzt Dr. Kreu\u00dfer, der seit 1935 Besitzer der Villa war, 1958 durch den Architekten Karl Jung instand setzen lie\u00df. Weitere Um- und Erweiterungsbauten wurden vorgenommen, wobei man bei Grabungen Reste des ehem. Stadtturms, des sog. Folter- oder Zehntturms, entdeckte. Dieser wurde im 14. Jh. errichtet und 1871 abgebrochen. 1971\/72 wurde die Villa restauriert und an der Seite zur Erthalstra\u00dfe ein modernes B\u00fcrogeb\u00e4ude nach Pl\u00e4nen des Aschaffenburger Architekten Heinrich Kaupp errichtet. Der B\u00fcroneubau wurde im Bereich des Erdgeschosses und des 1. Obergeschosses mit der Villa verbunden. Daf\u00fcr wurde das Treppenhaus der Villa in den Neubau verlegt und die Raumaufteilung ge\u00e4ndert.<\/p>\n<p><strong>Friedrichstra\u00dfe 33\/35\/37<\/strong><\/p>\n<p>Zwischen Oktober 1906 und M\u00e4rz 1907 wurden diese drei viergeschossigen Mietsh\u00e4user auf dem ehemals zur Karlstra\u00dfe 12 geh\u00f6renden Grundst\u00fcck von dem Architekten Heinrich Morhard f\u00fcr Alois Scheuermann und den Kaufmann Friedrich Neis entworfen. Die Fassaden sind individuell gestaltet, haben aber gemeinsame, verbindende Elemente, die ein harmonisches Erscheinungsbild bewirken. Neben der einheitlichen Geschossh\u00f6he sind das das durchgehende Erdgeschoss, die Erker und die Gliederungselemente aus \u00f6rtlichem rotem Sandstein. Alle drei Geb\u00e4ude sind mit einem Mansarddach abgeschlossen. Die Hauseing\u00e4nge befinden sich auf der jeweils rechten Seite und haben ein Oberlicht zur Belichtung des dahinterliegenden Flures. Die Fenster der hohen Erdgeschosszone sind rundbogig, die der Obergeschosse rechteckig mit gefastem Gew\u00e4nde. Im Bereich der Mansarde gibt es unterschiedliche Dachaufbauten wie Zwerchgiebel bei Nr. 33, turmartiger Aufbau mit Kegeldach bei Nr. 35 und Zwerchhaus mit Filialgiebel bei Nr. 37. Alle drei Mietsh\u00e4user erlitten durch Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg Sch\u00e4den im Dachbereich und an den Obergeschossen. Nach Instandsetzung wurden auf den Geb\u00e4uder\u00fcckseiten in den 1960er Jahren Balkone angef\u00fcgt.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 7-8; S. 44-46.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Friedrichstra\u00dfe entstand in Folge der Niederlegung der einstigen Stadtbefestigung 1870\/71. Anstelle der zweispurigen Stra\u00dfe verlief seit Mitte des 14. 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