{"id":3841,"date":"2022-03-28T13:46:16","date_gmt":"2022-03-28T11:46:16","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3841"},"modified":"2022-03-28T16:05:46","modified_gmt":"2022-03-28T14:05:46","slug":"erthalstrasse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/erthalstrasse\/","title":{"rendered":"Erthalstra\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Die n\u00f6rdlich des Schlossberges gelegene Erthalstra\u00dfe bildete urspr\u00fcnglich den westlichen Stadtgraben der seit dem 14. Jh. um die untere Stadt verlaufenden Stadtbefestigung. Auf dem Urkataster von 1845 ist der Graben als Gr\u00fcnanlage mit einem Mittelweg, der an der Karlstra\u00dfe beginnt und in das Sch\u00f6ntal (Friedrichstra\u00dfe\/Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe) m\u00fcndet und kleinen Seitenwegen dargestellt. Bekannt ist, dass 1871 in der Erthalstra\u00dfe die Gasleitung verlegt und der Zehnt- oder Folterturm an der Ecke Erthal-\/Friedrichstra\u00dfe abgebrochen wurde. Der Graben wurde dann zwischen 1871 und 1878 verf\u00fcllt. Die heutige Erthalstra\u00dfe beginnt an der Frohsinnstra\u00dfe und f\u00fchrt \u00fcber Wei\u00dfenburger und Friedrichstra\u00dfe bis zum Beginn der Ridingerstra\u00dfe. In ihrem n\u00f6rdlichen Bereich jenseits der Friedrich- und Wei\u00dfenburger Stra\u00dfe, ist sie von einer geschlossenen Bebauung gepr\u00e4gt, w\u00e4hrend im s\u00fcdlichen Bereich die Bebauung durch den neuen Justizbau und die St.-Agathakirche aufgelockert ist. Die Stra\u00dfe wurde 1878 angelegt und erinnert mit ihrem Namen an die freiherrliche Familie von und zu Erthal, die zwischen 1774 und 1802 mit Friedrich Carl Joseph von Erthal (1719\u20131802) den Mainzer Kurf\u00fcrst und Erzbischof stellte. Dieser hatte aus seinen Privatsammlungen der Stadt Aschaffenburg die Hofbibliothek, das Kupferstichkabinett und die Gem\u00e4ldesammlung geschenkt. Er starb am 25. Juli 1802 in der Stadt und wurde in der Stiftskirche beigesetzt. Bei der Schaffung seiner Sammlung hatte ihn sein Bruder Lothar Franz von Erthal (1717\u20131805) unterst\u00fctzt. Dieser war kurerzkanzlerischer Staatsminister, Obersthofmeister und Gouverneur des F\u00fcrstentums Aschaffenburg und ein gro\u00dfer Wohlt\u00e4ter der Stadt. Er starb am 4. Dezember 1805 und fand in der Gruft der Muttergotteskirche seine letzte Ruhest\u00e4tte.<\/p>\n<p><strong>Erthalstra\u00dfe 1 a<\/strong><\/p>\n<p>Das seit 1949 unter der Adresse Erthalstra\u00dfe 1 a gef\u00fchrte Wohnhaus war urspr\u00fcnglich ein Teil des \u201eErthaler Hofs\u201c, Karlstra\u00dfe 2. Der einstige eingeschossige Satteldachbau war der seitliche Anbau des Wohnhauses. Dieses hatte im Zweiten Weltkrieg starke Sch\u00e4den erlitten, sodass 1946\/47 der eingeschossige Anbau entlang der Erthalstra\u00dfe f\u00fcr den Aschaffenburger Kleiderfabrikanten Hans Braun instand gesetzt und zun\u00e4chst nur mit einem Notdach abgedeckt wurde. 1956 wurde das Geb\u00e4ude um zwei Geschosse aufgestockt und damit die Traufh\u00f6he dem ehem. \u201eErthaler Hof\u201c angeglichen. Die Aufstockung ist an den sich vom Erdgeschoss unterscheidenden Fensterachsen ablesbar. Auf der n\u00fcchternen Fassade f\u00e4llt im Erdgeschoss ein leicht nach rechts versetztes zweifl\u00fcgeliges Portal auf. Es wurde 1927 bei der Fassadenumgestaltung nach Entw\u00fcrfen des Architekten Joseph Geis eingesetzt und ist mit einem Gew\u00e4nde aus Beton mit scharriertem Muschelkalkvorsatz in expressionistischer Formensprache versehen. An der zur Karlstra\u00dfe gewandten Fassade ist ein Fenster im Palladio-Motiv erhalten. Es handelt sich um eine dreiteilige \u00d6ffnungsgruppe, bei der eine Kolonnade unterbrochen und von einer Archivolte \u00fcberbr\u00fcckt wird.<\/p>\n<p><strong>Erthalstra\u00dfe 3<\/strong><\/p>\n<p>Das Grundst\u00fcck des heutigen Justizgeb\u00e4udes geh\u00f6rte bis zum Ende des 19. Jh. zum Anwesen Karlstra\u00dfe 2, dem \u201eErthaler Hof\u201c. 1899 kaufte die Stadt den unbebauten und als Garten genutzten Grund und Boden und lie\u00df dort zwischen 1900 und 1903 das erste Justizgeb\u00e4ude von Bauamtmann Arthur Heberlein errichten. Unweit des Bahnhofs und nahe dem Schloss g\u00fcnstig gelegen, wurde der reich gestaltete Verwaltungsbau im Stil der Neurenaissance mit Ziergiebeln und Eckturm an der Ecke Erthalstra\u00dfe\/Friedrichstra\u00dfe zu einem st\u00e4dtebaulichen Akzent. Im Zweiten Weltkrieg teilzerst\u00f6rt, konnte er nach Ende des Krieges zun\u00e4chst zu 60 % wieder nutzbar gemacht werden. Weil der Bau der Justizverwaltung schon bald nicht mehr ausreichte, wurde erst ein erg\u00e4nzender Neubau an der Friedrichstra\u00dfe geplant, schlie\u00dflich aber der v\u00f6llige Neubau durch das Landbauamt beschlossen und der Altbau 1957 abgerissen. Der Neubau wurde 1957\u201360 nach Pl\u00e4nen des Landbauamts errichtet. Er setzt sich aus zwei Bauk\u00f6rpern zusammen. In einem 18 m von der Baulinie zur\u00fcckgesetzten, sechsgeschossigen Kubus sind das Landgericht, das Amtsgericht und die Staatsanwaltschaft untergebracht. In dem daran anschlie\u00dfenden zweigeschossigen Sitzungssaaltrakt befinden sich sieben Sitzungss\u00e4le, ein Schwurgerichtssaal und das Grundbuchamt. Durch das Abr\u00fccken von der Stra\u00dfenecke ist ein begr\u00fcnter Vorplatz vor dem dortigen Haupteingang entstanden. Beide Geb\u00e4udeteile sind in Stahlbetonskelettbauweise ausgef\u00fchrt. Das Verwaltungsgeb\u00e4ude ist mit hellen Kalksteinplatten verkleidet, das Sitzungsgeb\u00e4ude ist verputzt: Das Skelett wird dadurch mit eingeh\u00fcllt und nicht mehr nach au\u00dfen gezeigt wie bei vielen Bauten der vorangegangenen Jahre. Den \u00fcber eine Freitreppe erreichbaren Eingang betont ein vor das Geb\u00e4ude gestellter kr\u00e4ftiger Torrahmen.<\/p>\n<p>Die Fenstert\u00fcren in der ersten Achse besitzen Br\u00fcstungen mit abstrakten Bronzeapplikationen des Bamberger K\u00fcnstlers Hanns Bail (1921\u20131995). Die regelm\u00e4\u00dfig gereihten Fenster haben gedrungene Formate und wirken in die Wand eingeschnitten. Der Eingang erschloss ehemals eine ger\u00e4umige zweischiffige Halle mit der offenen Treppe, die jeweils einl\u00e4ufig nach oben f\u00fchrt. Sie ist angelehnt an einen leicht gerundeten und farbig verputzten, in der Mitte des Grundrisses liegenden \u201eKernbau\u201c mit Registraturen, Toiletten und Abstellr\u00e4umen, um den die am Ende belichteten Korridore zu den nach au\u00dfen liegenden B\u00fcros herumf\u00fchren. Im Keller des Verwaltungsbaus sind neben Versorgungseinrichtungen (Heizung) weitere Registratur- und Seminarr\u00e4ume sowie Haftzellen untergebracht. Auf dem Dach befindet sich penthausartig ein gro\u00dfz\u00fcgig verglaster Kantinenaufbau. Der Grundriss des Sitzungssaalbaus ist in Entsprechung zur Grundst\u00fccksfl\u00e4che schr\u00e4g. Der Bau wird durch einen abstrahierenden Relieffries abgeschlossen. Im Innern sind die Sitzungss\u00e4le beiderseits eines sich entsprechend dem Grundriss verengenden Flures angeordnet, der dadurch perspektivisch an Gr\u00f6\u00dfe gewinnt. Das Justizgeb\u00e4ude der sp\u00e4ten 1950er Jahre ist als einheitlich geplante Architektur st\u00e4dtebaulich und als Bau bis in die Ausstattung hinein anspruchsvoll und k\u00fcnstlerisch gestaltet und durch Kunstwerke wie Brunnen und Wandmalereien erg\u00e4nzt worden (z.B. die Wandgestaltung im 6. Obergeschoss von Christian Schad in Wachs-Kasein-Technik mit der Darstellung der drei Elemente Wasser, Luft und Erde). Bemerkenswert ist die erhaltene Innenausstattung, die Wandverkleidungen aus Holz, Einbauschr\u00e4nke in B\u00fcros und Bibliothek etc. sowie weiteres bewegliches Mobiliar in den typischen Formen der Zeit umfasst.<\/p>\n<p><strong>Erthalstra\u00dfe 4\/6<\/strong><\/p>\n<p>Der Bauunternehmer Franz M\u00fcnstermann erwarb 1905 und 1906 die Grundst\u00fccke nord\u00f6stlich der St.-Agathakirche und plante darauf die Errichtung zweier Mietsh\u00e4user. Die Pl\u00e4ne daf\u00fcr zeichnete der Architekt Friedrich Selbert. Gegen den Plan f\u00fcr das heutige Haus Nr. 6 erhob die Kirchenverwaltung Einspruch, weil sie glaubte, die Kirche als \u201eMonumentalbau hohen Alters\u201c w\u00fcrde durch den Neubau Licht und Luft verlieren. Da der Bau aber mit seinen Ausma\u00dfen innerhalb der gesetzlichen Vorgaben liegt, wurde die Baugenehmigung am 11. Mai 1906 erteilt. Der Entwurf f\u00fcr Haus Nr. 4 hingegen wurde zun\u00e4chst abgelehnt und als zu unruhig in der Umgebung der Kirche beurteilt. Daraufhin reichte Selbert eine kolorierte Isometrie ein, auf der die geplante Bebauung des St.-Agathaplatzes dargestellt ist. Die Baugenehmigung erfolgte am 14. Mai 1909. Das Mietshaus Nr. 4 in Ecklage besteht aus einem traufst\u00e4ndigen dreigeschossigen Satteldachbau mit Kr\u00fcppelwalm und einem ebenfalls dreigeschossigen Fl\u00fcgel entlang des Agathaplatzes. Die Giebelfassade hat zwei Achsen, die in den Obergeschossen als flache Kanterker ausgef\u00fchrt sind, die auf Konsolsteinen aufsitzen. Im 1. Obergeschoss sind diese durch einen Balkon verbunden. Der Fl\u00fcgel am Agathaplatz ist ein schlichter Satteldachbau mit drei Fensterachsen. Die Fassade zur Erthalstra\u00dfe ist zweiachsig.<\/p>\n<p>Auf der Seite zu Nr. 6 befindet sich ein dekoratives Eingangsportal aus rotem Mainsandstein. Die T\u00fcrrahmung hat Viertels\u00e4ulchen, dar\u00fcber einen Schlussstein und ein Oberlicht mit einem M\u00e4nnerkopf und Fruchtgeh\u00e4ngen. Der Sockel aus bossierten roten Sandsteinquadern wird optisch durch glattes Quadermauerwerk bis zu den K\u00e4mpfersteinen der Fenster weitergef\u00fchrt. Die Fenster des Erdgeschosses sind rund- bzw. stichbogig. \u00dcber dem Erdgeschoss verl\u00e4uft ein Gurtgesims und unter den Fenstern des 1. Obergeschosses ein Sohlbankgesims. Zwischen den Obergeschossfenstern ist eine Kartusche mit der Jahreszahl 1909 angebracht. Das mit seiner s\u00fcdlichen Giebelwand direkt an Nr. 4 angrenzende Mietshaus Nr. 6 \u00fcberragt dieses um ein Geschoss. Die Fassade des traufst\u00e4ndigen Satteldachbaus ist dreiachsig. Die linke Fassadenseite ist risalitartig und im 2. und 3. Obergeschoss als leicht vorkragender \u00fcbergiebelter Erker ausgebildet. Der Massivbau aus roten, im Verband gemauerten Sandsteinen ist im Bereich der Obergeschosse verputzt. Erdgeschoss und 1. Obergeschoss sind durch ein Gurtgesims optisch voneinander getrennt. Unter den Fenstern des 1. Obergeschosses sind ornamentierte Br\u00fcstungsfelder angebracht. Die Fenster der drei Obergeschosse sind zu Paaren zusammengefasst und mit Gew\u00e4nden aus rotem Sandstein gerahmt. Der Eingang ist an der Seite zu Haus Nr. 4 gelegen und gleich wie dieser gestaltet. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch verschiedene Luftangriffe und Artillerie beide Brandmauern von Nr. 4 besch\u00e4digt. Nr. 6 erlitt einen Volltreffer, wodurch die rechte H\u00e4lfte des Hauses bis zum 1. Stock zerst\u00f6rt wurde. Es entstanden Sch\u00e4den am Treppenhaus, an den Innenw\u00e4nden sowie an Fenstern und T\u00fcren. Ein 1945 von Karl Hammer f\u00fcr den Eigent\u00fcmer des Hauses, Rechtsanwalt Dr. Hermann Leeb angefertigter Schadensplan zeigt die zerst\u00f6rten Bereiche deutlich. Die Instandsetzung der Wohnh\u00e4user leitete 1946 Ludwig D\u00f6lger.<\/p>\n<p><strong>Erthalstra\u00dfe 5<\/strong><\/p>\n<p>1892 reichten Alois Geiger und S\u00f6hne sowie Hermann Koloseus, Adam Hohenberger und Jakob M\u00fcller die von Hermann Reichard gezeichneten Pl\u00e4ne zum Neubau eines Wohnhauses in der Erthalstra\u00dfe zur Genehmigung ein. Der wohl als Spekulationsobjekt errichtete dreigeschossige Bau steht traufst\u00e4ndig in der Erthalstra\u00dfe und schlie\u00dft mit einem Satteldach ab. Die Fassade ist in der von Reichard \u00fcberwiegend verwendeten Materialkombination aus gelbem Backstein und rotem Sandstein errichtet. Sie hat im Erdgeschoss f\u00fcnf Achsen und im Bereich der beiden Obergeschosse jeweils drei. Die Mittelachse springt risalitartig vor und ist besonders reich gestaltet. Die Fenster des Erdgeschosses sitzen etwas eingetieft auf einem mit abgeschr\u00e4gtem Gesims abgeschlossenen Sandsteinsockel. Sie schlie\u00dfen stichbogig ab, darunter ist ein Br\u00fcstungsfeld. Auf einem vorkragenden Gesims sitzen die Fenster des 1. Obergeschosses. Sie sind aufwendig \u00e4dikulaartig gestaltet. Die dekorative Rahmung erf\u00e4hrt bei dem mittleren, etwas breiteren Fenster eine Steigerung durch einen reliefierten Fries im Sturz und eine Segmentbogenverdachung. Davor ist ein von Sandsteinkonsolen getragener Balkon mit eisernem Gel\u00e4nder angebracht. Die Fenster des 2. Obergeschosses haben einfache Rechteckformate und sind durch K\u00e4mpfersteine dekoriert. Alle Fenster sind mit \u00dcberfangb\u00f6gen mit Schlussstein versehen. \u00dcber der rechten Achse sitzt im Dach eine kleine Gaube, die 1910 erg\u00e4nzt wurde. Der Eingang befindet sich auf der Seite zu Haus Nr. 7. Im Innern ist der f\u00fcr gr\u00fcnderzeitliche Wohnbauten typische Grundriss anzutreffen. Von dem seitlichen Treppenhaus geht ein Mittelgang ab, um den sich die Zimmer gruppieren. Die Wohnr\u00e4ume liegen auf der Seite zur Stra\u00dfe, im zum Hof gerichteten Bereich sind K\u00fcche mit Speis, Bad und WC untergebracht. Im Zweiten Weltkrieg wurden durch Luftangriffe Fenster, T\u00fcren und Decken besch\u00e4digt. Eine Brandbombe zerst\u00f6rte am 25. Februar 1945 das Dachwerk und den Speicher des Geb\u00e4udes. Das 2. Obergeschoss wurde unbewohnbar, das Nebengeb\u00e4ude v\u00f6llig zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Erthalstra\u00dfe 7<\/strong><\/p>\n<p>Der dreigeschossige Mansarddachbau mit repr\u00e4sentativer Fassade im Stil der Neurenaissance wurde 1896 von dem Baumeister Henfling f\u00fcr Schlossermeister Josef Maier als Wohnhaus errichtet. Die Stra\u00dfenfassade des Backsteinbaus ist mit Elementen aus rotem Mainsandstein gegliedert. Ein zweiachsiger Mittelrisalit mit kuppelartigem Dach bewirkt den deutlich repr\u00e4sentativen Charakter des Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses. Die Fenster der beiden \u00e4u\u00dferen Achsen sind zu Paaren zusammengefasst, dar\u00fcber sitzt achsgerecht je eine Gaube mit ebenfalls gekuppeltem Fenster. Im Erdgeschoss befindet sich ein Laden mit zwei in der Mitte geteilten Schaufenstern und einer dreiteiligen \u00d6ffnungsgruppe rechts und links. W\u00e4hrend das Erdgeschoss g\u00e4nzlich aus rotem Sandstein errichtet ist, wird im 1. Obergeschoss nur die Br\u00fcstungszone durch die Verwendung dieses Materials hervorgehoben. Unter den Fenstern sind Blendbaluster angebracht, im Bereich des Risalits ein Balkon auf Sandsteinkonsolen mit Sandsteinbalustrade. Zwischen den Fenstern des Risalits sitzt eine leere Muschelnische. Die Fenster haben eine gerade Verdachung, die in der Mitte den unteren Schenkel eines Giebels bildet. Im 2. Obergeschoss sind die Fenster der \u00e4u\u00dferen Achsen mit Balkonen mit gusseisernem Gel\u00e4nder versehen, die des Risalits sind einfach rechteckig mit einer Giebelverdachung, dazwischen eine Kartusche mit Rollwerk. Die Neurenaissancefassade mit aufwendig profilierten Rahmungen, einem umlaufenden Sturzgesims und bossierten Eckquadersteinen sowie einem mehrfach profilierten Traufgesims verdeutlicht den hohen Dekorationswillen des Bauherrn. Der Eingang liegt auf der rechten Seite, das Treppenhaus auf der Hofseite. Die Zimmer sind um einen Mittelgang angelegt. Auf der linken Seite ist eine Durchfahrt. 1919 wurde das bestehende R\u00fcckgeb\u00e4ude im Innern zu einer F\u00e4rberei f\u00fcr Franz Blank umgebaut. Zu einem erneuten Umbau kam es 1955, dabei wurde das R\u00fcckgeb\u00e4ude auf seiner rechten Seite erweitert. Im Zweiten Weltkrieg verursachte Luftdruck verschiedener Angriffe Sch\u00e4den am Dach, den Kaminen, an Zwischenw\u00e4nden, Fenstern, T\u00fcren und den Balkonen. Es entstanden Risse und Spr\u00fcnge im Mauerwerk.<\/p>\n<p><strong>Erthalstra\u00dfe 11\/13<\/strong><\/p>\n<p>Im Unterschied zu den in der Gr\u00fcnderzeit h\u00e4ufig aus Ziegeln mit Hausteingliederungen errichteten Wohnhausbauten wie Nr. 5 und 7 wurde das Doppelhaus Nr. 11\/13 aus unverputzten Sandsteinquadern errichtet. Dies l\u00e4sst sich damit erkl\u00e4ren, dass die Br\u00fcder Franz und Roman Woerner, die 1892 die Pl\u00e4ne zu diesem Wohnhaus zeichneten, unweit von Aschaffenburg einen Steinbruch unterhielten. Beide Fassaden des Doppelhauses sind dreiachsig. Die mittlere ist jeweils als Mittelrisalit etwas hervortretend ausgebildet und mit einem turmartigen Aufbau (Nr. 11) bzw. einem Treppengiebel (Nr. 13) betont. Das hohe Erdgeschoss nimmt den Eingang und einen Laden auf. Dar\u00fcber befindet sich in der Mitte ein Balkon mit Sandsteinbr\u00fcstung mit Ma\u00dfwerk. Die Fenster der \u00e4u\u00dferen Achsen sind gekuppelt, ihre Rahmung ist mit einem gestelzten Profil versehen, im Obergeschoss mit Blendb\u00f6gen. Eisenanker und spitzbogige Dreifachfenster, vor allem aber die Ma\u00dfwerkbr\u00fcstungen verleihen den beiden Bauten einen deutlich neugotischen Charakter. 1894 wurde das R\u00fcckgeb\u00e4ude im Anwesen erweitert, 1924 darin eine Werkstatt f\u00fcr die Firma B\u00fcttner &amp; Co. Kleiderfabrik eingerichtet. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges entstanden sowohl am Hauptals auch am R\u00fcckgeb\u00e4ude erhebliche Sch\u00e4den. Durch Luftdruck und Brandbomben wurden Decken und W\u00e4nde in Mitleidenschaft gezogen. Mit der Instandsetzung des Wohnhauses und des R\u00fcckgeb\u00e4udes konnte letztlich ein anschauliches Beispiel der fr\u00fchen Bauprojekte der Br\u00fcder Woerner erhalten werden.<\/p>\n<p><strong>Erthalstra\u00dfe 12<\/strong><\/p>\n<p>1896 zeichnete der Bauunternehmer Caspar Schmelzer den Plan zur Erbauung eines neuen Wohnhauses und R\u00fcckgeb\u00e4udes f\u00fcr den Metzgermeister Franz Schmelzer. Der dreigeschossige traufst\u00e4ndige Satteldachbau hat eine asymmetrische Fassade mit zwei unterschiedlich gro\u00dfen Risaliten und Giebeln im Stil der Neurenaissance. Das Erdgeschoss war urspr\u00fcnglich mit Sandsteinquadern rustiziert und mit sechs rundbogigen Fenstern sowie einer rundbogigen Durchfahrt zum Hof zur Seite von Haus Nr. 10 versehen. Die Obergeschossfenster haben rechteckige Formate, die vier mittleren des 1. Obergeschosses Giebelverdachungen und Br\u00fcstungsfelder. Der linke Risalit ist im Obergeschossbereich dreiachsig, wobei die mittlere Achse zu einem polygonalen Erker ausgebildet ist. Im Giebelfeld sitzen zwei kleine Rundbogenfenster. Der rechte Risalit ist schmaler und hat ein gekuppeltes Fenster im 2. Obergeschoss. Im 1. Obergeschoss befand sich \u00fcber der Durchfahrt ein Balkon mit Sandsteinbalustrade. Der rechte Giebel hat ein Rundbogenfenster. Die Backsteinfassade ist durch Gliederungen aus rotem Mainsandstein rhythmisiert. Durch Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg st\u00fcrzte die r\u00fcckw\u00e4rtige Umfassungsmauer des Geb\u00e4udes ein. Geb\u00e4lk, Fenster, T\u00fcren und Tore wurden schwer besch\u00e4digt. Die Instandsetzung leitete der Baumeister Karl Rothenb\u00fccher. In der Baugenehmigung ist ausdr\u00fccklich festgehalten, dass der zerst\u00f6rte Giebel (auf der linken Seite) in vereinfachter Form und ohne die fr\u00fcheren Steinverzierungen wieder zu errichten sei. Die \u00fcbrigen zu erg\u00e4nzenden Bereiche der Fassade sollten dem Bestand angepasst werden. Am st\u00e4rksten ver\u00e4ndert zeigt sich heute der Erdgeschossbereich. Die Schaufenster wurden bereits 1910 ein erstes Mal umgestaltet. Diese Umbauarbeiten leitete noch das Baugesch\u00e4ft Caspar Schmelzer. 1962 wurden die rundbogigen Schaufenster durch eine gerade Schaufensteranlage ersetzt. Auch die Durchfahrt ist heute gerade geschlossen. Das Geb\u00e4ude hat im Wesentlichen seinen gr\u00fcnderzeitlichen Charakter beibehalten. Es zeigt mit den ablesbaren Instandsetzungsarbeiten nach dem Krieg Spuren der Geschichte.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 39-43.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die n\u00f6rdlich des Schlossberges gelegene Erthalstra\u00dfe bildete urspr\u00fcnglich den westlichen Stadtgraben der seit dem 14. Jh. um die untere Stadt verlaufenden Stadtbefestigung. 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