{"id":3806,"date":"2022-03-28T13:54:32","date_gmt":"2022-03-28T11:54:32","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3806"},"modified":"2022-03-28T13:54:32","modified_gmt":"2022-03-28T11:54:32","slug":"dalbergstrasse-wirts-und-buergerhaeuser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/dalbergstrasse-wirts-und-buergerhaeuser\/","title":{"rendered":"Dalbergstra\u00dfe &#8211; Wirts- und B\u00fcrgerh\u00e4user"},"content":{"rendered":"<p>Die Dalbergstra\u00dfe beginnt an der Landingstra\u00dfe, an der Stelle des sog. \u201eScharfeck\u201c, f\u00fchrt vorbei am Stiftsplatz und am Rathaus bis hinunter zum Main, wo sie in die L\u00f6herstra\u00dfe m\u00fcndet. Der Stra\u00dfenzug war im Mittelalter die wichtigste Verkehrsverbindung f\u00fcr den st\u00e4dtischen Durchgangsverkehr. Gleichzeitig war er eine bedeutende Gesch\u00e4ftsstra\u00dfe in der N\u00e4he des Marktes. Deshalb sind die H\u00e4user dieser Stra\u00dfe von wohlhabenden Handelsleuten und Handwerkern errichtet worden und in ihrer Substanz recht hochwertig. Die Bedeutung der Stra\u00dfe f\u00fcr den Warenhandel ist mit dem Ausbau der Bahnlinie Frankfurt\u2013 W\u00fcrzburg und der damit verbundenen Verlagerung der Gesch\u00e4fte in das neu entstandene Gebiet zwischen Altstadt und Bahnhof verloren gegangen. Ihren Namen tr\u00e4gt die Stra\u00dfe seit 1875 zu Ehren des F\u00fcrstprimas und letzten Mainzer Kurf\u00fcrsten Carl Theodor von Dalberg (1744\u20131817). Sein Herz ruht in einer Urne in der nahe der Stra\u00dfe gelegenen Stiftskirche St. Peter und Alexander. Vor 1875 hatte der Stra\u00dfenzug keinen einheitlichen Namen. Der Bereich zwischen der L\u00f6wenapotheke und dem Scharfeck wurde \u201eZwischen den Toren\u201c genannt. Als \u201eMarkt\u201c bezeichnete man den Bereich des heutigen Stiftsplatzes. Der \u00fcberwiegende Teil wurde \u201eGro\u00dfe Metzgergasse\u201c genannt, der unterste Teil bis zur Mainbr\u00fccke hie\u00df \u201eWindfang\u201c. Die Benennung \u201eGro\u00dfe Metzgergasse\u201c erfolgte nach den hier angesiedelten Metzgern und deren Einrichtungen wie Schlachthaus und Fleischbank. Heute ist in der Dalbergstra\u00dfe eine recht unterschiedliche Bebauung vorhanden. Einige wenige Fachwerkh\u00e4user sind erhalten, die durch den Krieg entstandenen L\u00fccken wurden durch neue, dem Stra\u00dfenbild angepasste Wohnh\u00e4user gef\u00fcllt. Die am st\u00e4rksten bestimmende Ver\u00e4nderung vollzog sich in den 1950er Jahren durch den Bau des neuen Rathauses und die Gestaltung des Theaterplatzes, den es sonst als solches zuvor nicht gegeben hat.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 50<\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Entstehungsgeschichte des dreigeschossigen giebelst\u00e4ndigen Wirts- und Wohnhauses an der Einm\u00fcndung der Metzgergasse in die Dalbergstra\u00dfe ist wenig bekannt, es geh\u00f6rt wohl zu den fr\u00fchesten erhaltenen Bauten in der Dalbergstra\u00dfe. 1833 wurde im Seitenfl\u00fcgel zur Metzgergasse mit der Errichtung eines Backofens eine B\u00e4ckerei eingerichtet und das B\u00e4ckerhandwerk bis nach Ende des Zweiten Weltkrieges an diesem Ort ausge\u00fcbt. 1865 wurde die Fassade im Erdgeschossbereich ge\u00e4ndert, man verlegte die T\u00fcr, beseitigte den Kellerabgang und machte den Keller stattdessen vom Flur aus zug\u00e4nglich. 1873 vergr\u00f6\u00dferte man die Fenster im 1. Obergeschoss. 1944\/45 entstanden durch Luftdruck verschiedener Angriffe Sch\u00e4den an Dach, Decken und Mauern. Die Kamine der B\u00e4ckerei st\u00fcrzten ein. Die Hauptfassade wurde 1948 im Bereich des 2. Obergeschosses und des Giebels erneuert. 1962 schloss die B\u00e4ckerei und ein Laden mit Schaufenster wurde eingerichtet, bevor 1978 eine Gastwirtschaft in das Haus einzog. Dabei wurde der Seitenfl\u00fcgel abgebrochen und neu gebaut. Das Schaufenster wurde in ein dreiteiliges Fenster umgebaut. Das Geb\u00e4ude ist verputzt, unter dem Putz verbirgt sich ein massives Erdgeschoss mit Fachwerkobergeschossen. Beim Abbruch des R\u00fcckgeb\u00e4udes 1978 wurde ein St\u00e4nderbau sichtbar. Die Konstruktion des Fachwerks ist in die Mitte des 15. Jh. zu datieren. Die bei den Instandsetzungsarbeiten nach dem Krieg ausgewechselten Wandteile des 2. Obergeschosses und des Giebels hingegen stammten aus der Mitte des 16. Jh. Da der Keller in die Stra\u00dfe hineinragt, wurde wohl die Fassade des Geb\u00e4udes zur\u00fcckversetzt. Dies k\u00f6nnte in der Mitte des 16. Jh. geschehen sein, worauf ein Kragstein mit einer schlecht erhaltenen, m\u00f6glicherweise \u201e1557\u201c lautenden Inschrift deutet. Da Erd- und 1. Obergeschoss nicht sehr hoch sind, verf\u00fcgte das Geb\u00e4ude offenbar, \u00e4hnlich wie Dalbergstra\u00dfe 56, \u00fcber eine sog. Hohe Halle und geh\u00f6rt damit zu den \u00e4ltesten noch erhaltenen Geb\u00e4uden der ehem. Marktstra\u00dfe in der Altstadt von Aschaffenburg.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 51<\/strong><\/p>\n<p>Das dreigeschossige schmale Fachwerkgiebelhaus ist wohl in den Anfang des 16. Jh. zu datieren. Dem Zustand des Fachwerks entnimmt Alois Grimm, dass die Fassade mehrfach ver\u00e4ndert wurde. Die vorkragenden Fachwerkobergeschosse \u00fcber dem massiven Erdgeschoss sind heute verputzt. Der Hauseingang befindet sich auf der Seite zu Haus Nr. 53, links daneben ein Schaufenster, darunter liegen ein Kellerfenster und der Kellerabgang. Das Schaufenster ersetzte 1883 ein gekuppeltes Fenster und der ehemals rundbogige Kellerabgang erhielt einen geraden Sturz. Diese \u00c4nderungen wurden von dem Architekten Hermann Reichard f\u00fcr Franz Joseph Boltz geplant. Das 1. Obergeschoss weist eine dreiteilige Fenstergruppe auf, das 2. Obergeschoss zwei einzelne Fenster, der Giebel zwei kleine Fenster. Das B\u00fcrgerhaus wird von einem Satteldach abgeschlossen. Im Zweiten Weltkrieg entstanden an dem Geb\u00e4ude durch verschiedene Luftangriffe und Artillerie Sch\u00e4den an Dach, Mauern, Zimmerdecken sowie Fenstern und T\u00fcren.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 53<\/strong><\/p>\n<p>Das dreigeschossige B\u00fcrgerhaus ist auf dem Schlussstein der Eingangst\u00fcrrahmung mit der Jahreszahl \u201e1777\u201c bezeichnet. Die Jahreszahl scheint sich auf einen Fassadenumbau zu beziehen, da wegen der Mittell\u00e4ngsunterz\u00fcge und der vorkragenden R\u00e4hme der Traufw\u00e4nde die Entstehungszeit des Hauses auf weit vor 1777 gesch\u00e4tzt wird. Archivalische Angaben \u00fcber die Baugeschichte des Fachwerkhauses sind nicht bekannt. \u00dcber dem massiven Erdgeschoss kragen die Obergeschosse jeweils vor. Das 2. Obergeschoss und der Giebel sind schieferverkleidet. Der Eingang befindet sich auf der Seite zu Haus Nr. 51 und ist mit einem profilierten Gew\u00e4nde gerahmt, auf dessen Schlussstein neben der Datierung die Initialen \u201eG.A.S.\u201c zu lesen sind. Rechts neben dem Eingang befinden sich zwei Fenster und darunter ein quadratisches Kellerfenster sowie ein Kellerabgang, in den Obergeschossen drei bzw. zwei Fenster. Das Geb\u00e4ude ist mit einem Satteldach abgeschlossen. Mit zwei eingest\u00fcrzten Kaminen, besch\u00e4digten Decken und W\u00e4nden sowie demolierten Fenstern und T\u00fcren ist das Geb\u00e4ude im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise geringf\u00fcgig besch\u00e4digt worden.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 54<\/strong><\/p>\n<p>1851 wurde der Neubau eines Wohn- und Gesch\u00e4ftshauses f\u00fcr den B\u00e4ckermeister Johann Stenger geplant. Der Plan sah einen traufst\u00e4ndigen zweigeschossigen Satteldachbau mit einer sieben Fensterachsen breiten Fassade und zwei Eing\u00e4ngen in der Mitte vor. Der Neubau sollte die Grundst\u00fccke Dalbergstra\u00dfe 54 sowie 52 umfassen. Letztlich wurde der Plan nur teilweise realisiert und nur die linke H\u00e4lfte des Geb\u00e4udes neu gebaut, nachdem man den Vorg\u00e4ngerbau abgebrochen hat. Der Zugang zu diesem Wohnhaus befand sich nun an der rechten Geb\u00e4udegrenze. Dahinter verlief ein Hausgang. Die Treppe zum Obergeschoss lag in der Mitte des Hauses. Im r\u00fcckw\u00e4rtigen Hausteil befand sich ein Backofen. 1874 wurde das dreiachsige Geb\u00e4ude um ein 2. Obergeschoss aufgestockt, 1910 ein Schaufenster f\u00fcr den Fruchth\u00e4ndler Mayer Vogel I. eingebaut und 1925 der vorhandene Laden im Erdgeschoss des Hauses f\u00fcr B\u00e4ckermeister August Englert umgebaut. W\u00e4hrend des Krieges wurde das Geb\u00e4ude nur mittelschwer besch\u00e4digt. 1966 hat man das Schaufenster erneut vergr\u00f6\u00dfert. Das dreigeschossige Wohnund Gesch\u00e4ftshaus wurde aus regelm\u00e4\u00dfigen Quadern aus rotem Sandstein errichtet. Die Fassade zur Dalbergstra\u00dfe verf\u00fcgt \u00fcber drei gleichm\u00e4\u00dfige Fensterachsen. Im Erdgeschoss befinden sich links das Schaufenster des Ladens und rechts der Eingang zum Laden als auch zum Wohnhaus. Die sechs Obergeschossfenster sind mit einem einfach profilierten Gew\u00e4nde gerahmt und mit Segmentb\u00f6gen abgeschlossen. Im 1. Obergeschoss verl\u00e4uft auf Br\u00fcstungsh\u00f6he ein Gurtgesims, unter der Traufe ein Konsolgesims. Die zur Stiegengasse gerichtete Fassade mit vier Achsen zeigt hammergerechtes Schichtenmauerwerk ohne Gliederungen. Es handelt sich hier um den einzigen traufst\u00e4ndigen Sandsteinquaderbau in der Dalbergstra\u00dfe.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 55<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fcrgerhaus an der Ecke Dalbergstra\u00dfe\/Stiftsgasse wurde 1712 an der Stelle eines Vorg\u00e4ngerbaus neu errichtet. 1835 wurde es zu einer B\u00e4ckerei umgebaut, wobei im Hof ein Backofen errichtet wurde. Die B\u00e4ckerei wurde allerdings bereits zwei Jahre sp\u00e4ter 1837 mit Verkauf des Anwesens wieder aufgegeben. Beim Angriff auf die Stadt am 5. November 1944 wurden durch Luftdruck das Dach des Vorderhauses, Decken und W\u00e4nde sowie Fenster und T\u00fcren besch\u00e4digt. 1956 wurden die Geschossdecken gesichert und das Walmdach neu gedeckt. Zwischen 1975 und 1977 fand eine umfangreiche Instandsetzungsma\u00dfnahme statt, bei der alle konstruktiven Teile gesichert sowie die bauf\u00e4llige Fachwerkwand im Obergeschoss durch Mauerwerk erneuert wurden. Das zweigeschossige Eckhaus schlie\u00dft mit einem Walmdach, auf dessen zur Dalbergstra\u00dfe orientierter Seite eine gro\u00dfe Gaube sitzt. \u00dcber dem massiven Erdgeschoss kragt ein Fachwerkobergeschoss vor. An der Geb\u00e4udekante ist ein Konsolstein mit einem Hundekopf, Schild und Vase sowie der Bezeichnung \u201e1712\u201c angebracht. Das Portal an der Seite zu Haus Nr. 53 hat ein profiliertes und geohrtes Sandsteingew\u00e4nde und ist im Sturz mit einem Engelsk\u00f6pfchen und Geh\u00e4nge verziert. Dar\u00fcber folgt ein gesprengter Giebel und ein ovales Oberlicht. Rechts daneben befinden sich vier Fenster und ein halbrunder Kellerabgang mit einem kleinen Kellerfenster, auf der Seite zur Stiftsgasse zwei Fenster mit profilierten Gew\u00e4nden. Das Obergeschoss verf\u00fcgt \u00fcber zwei gekuppelte und zwei einfache Fenster mit geohrten Holzrahmungen. Das urspr\u00fcngliche Sichtfachwerk im Obergeschoss ist heute verputzt. Im Innern ist eine Treppe mit gewendelten Balusters\u00e4ulchen erhalten.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 56<\/strong><\/p>\n<p>Das dreigeschossige, giebelst\u00e4ndige Fachwerkhaus an der Einm\u00fcndung der Stiegengasse in die Dalbergstra\u00dfe wurde wenige Jahre nach 1440 errichtet, wie dendrochronologische Untersuchungen des Forstbotanischen Instituts M\u00fcnchen aus dem Jahr 1970 ergaben. Der Treppenturm im r\u00fcckw\u00e4rtigen Bereich wurde nach einer Bauinschrift 1590 erg\u00e4nzt. Bis auf den Anbau einer Abortanlage 1891 und der Freilegung des Fachwerks um 1920 wurden an dem B\u00fcrgerhaus keine umf\u00e4nglichen, nach au\u00dfen sichtbaren Bauma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt. Im Zweiten Weltkrieg entstanden durch Luftdruck Sch\u00e4den an Dach, Decken und W\u00e4nden sowie an allen Fenstern und T\u00fcren. Bei der 1957 erfolgten Instandsetzung wurden einzelne Fachwerkteile ausgewechselt und Reparaturen an der Fachwerkwand zur Stiegengasse vorgenommen. Bis auf die Sockelzone und die Traufwand zu Haus Nr. 58 ist das Geb\u00e4ude in einer Mischform aus St\u00e4nder- und Stockwerksbau ganz in Fachwerk errichtet. Der heute zweigeschossige untere Bereich des Hauses hatte urspr\u00fcnglich keine Zwischengeschosse und Scheidew\u00e4nde, sondern eine sog. Hohe Halle, wie die noch erhaltene Holzs\u00e4ule in der Mitte des Raumes bezeugt. Der obere Teil des Hauses kragt deutlich vor und ist ebenfalls eine St\u00e4nderbaukonstruktion. An der hinteren Giebelwand befindet sich der 1590 erg\u00e4nzte polygonale Treppenturm. Auch vor der Errichtung dieses Turms muss sich die Treppe an dieser Giebelwand befunden haben. Das Haus ist in der Tiefe von zwei Dritteln unterkellert. Der Zugang zum Keller erfolgte von der Stra\u00dfe aus \u00fcber einen heute vermauerten Kellergang.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 58<\/strong><\/p>\n<p>Bei dem traufst\u00e4ndigen, dreigeschossigen Satteldachbau handelt es sich um ein Wohnhaus, dessen Errichtung wohl in das Ende des 18. Jh. zu datieren ist. Das Erdgeschoss ist massiv ausgef\u00fchrt und verputzt. Links befindet sich ein gekuppeltes Fenster mit Sandsteingew\u00e4nde und geradem Sturz, darunter ein kleines Kellerfenster. Rechts liegt der \u00fcber drei Stufen erreichbare Eingang. Die beiden unverputzten, in konstruktivem Fachwerk ausgef\u00fchrten Obergeschosse kragen leicht \u00fcber dem Erdgeschoss vor. Die Fenster der Obergeschosse sind jeweils zu Vierergruppen zusammengefasst; die des 2. Obergeschosses wurden 1875 vergr\u00f6\u00dfert, indem man ihre Br\u00fcstung tiefer gelegt hat. Es ist anzunehmen, dass das heute traufst\u00e4ndige Geb\u00e4ude urspr\u00fcnglich \u00fcber einen Giebel verf\u00fcgte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Anwesen durch Luftdruck und Beschuss am 21. November 1944 zu 60 % besch\u00e4digt.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 60<\/strong><\/p>\n<p>Das in seinen \u00e4u\u00dferen Formen barocke Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus steht traufst\u00e4ndig zur Dalbergstra\u00dfe. Das Erdgeschoss ist massiv gemauert, das vorkragende Obergeschoss in Fachwerk konstruiert. Dar\u00fcber folgt ein einseitig abgewalmtes Mansarddach mit vier Gauben in der Mansarde und einem Dachaufbau mit zwei Fenstern. Das gesamte Geb\u00e4ude ist verputzt. Laut einer Inschrift wurde das Haus 1756 erbaut. Wenige Jahre nach seiner Errichtung war es im Besitz des aus Italien zugewanderten Kr\u00e4mers Josef Appiano. 1846 kaufte es der Per\u00fcckenmacher Franz Anton Nees. Seine S\u00f6hne gr\u00fcndeten 1862 in dem Haus eine Fabrik zur Herstellung von Buntpapier, die schon nach zwei Jahren so entwickelt war, dass man in ein neues Domizil (Dalbergstra\u00dfe 39) ziehen musste. 1883 wurden im Erdgeschoss des Geb\u00e4udes ein Schaufenster und ein Ladeneingang eingerichtet. Zwischen 1922 und 1948 wurde diese Erdgeschosszone immer wieder ver\u00e4ndert. Heute befindet sich der Eingang in der Mitte, er wird von zwei Schaufenstern flankiert. Im November 1944 wurden durch Luftdruck und durch Artillerie das Dach sowie W\u00e4nde, Decken, der Kamin, der Treppenaufgang und alle Fenster und T\u00fcren zerst\u00f6rt. Seit der Instandsetzung haben die Fenster im Obergeschoss einen geraden Sturz ohne Ohrungen und die Gauben im Mansardgeschoss sind in die Dachfl\u00e4che eingezogen.<\/p>\n<p><strong>Dalbergstra\u00dfe 72<\/strong><\/p>\n<p>Aufgrund der Voruntersuchungen im Rahmen der in den Jahren 2010\/11 durchgef\u00fchrten umfangreichen Sanierungsma\u00dfnahme konnte die Baugeschichte des B\u00fcrgerhauses gut erforscht werden. Es lassen sich dem heute zweigeschossigen traufst\u00e4ndigen Mansarddachbau im Wesentlichen vier Hauptbauphasen feststellen. Den \u00e4ltesten Teil bildet der Keller, ein aus rundkantigen Bruchsteinen gemauerter Gew\u00f6lbekeller, der, da sich die Kellerw\u00e4nde nicht mit den Au\u00dfenw\u00e4nden des dar\u00fcberliegenden Geb\u00e4udes decken, einem Vorg\u00e4ngergeb\u00e4ude angeh\u00f6rt. Wegen seines ann\u00e4hernd quadratischen Grundrisses und der Lage in der N\u00e4he der einstigen Stadtmauer wird eine wehrhafte Bebauung in der Art eines mittelalterlichen Wohnturmes angenommen. \u00dcber diesem mittelalterlichen Keller hat sich im Bereich der rechten Haush\u00e4lfte ein Fachwerkgef\u00fcge aus der 1. H\u00e4lfte des 16. Jh. erhalten. Dendrochronologische Untersuchungen ergaben das F\u00e4lldatum Winter 1539\/40. Das Fachwerkhaus wurde demnach im Jahr 1540 errichtet. Die vier rechten Achsen des heutigen Anwesens Dalbergstra\u00dfe 72 geh\u00f6ren dem urspr\u00fcnglich zweigeschossigen Fachwerkgiebelhaus mit massivem, aus Bruchsteinen gemauertem Erdgeschoss mit Eckquaderung aus behauenen Sandsteinbl\u00f6cken an. Das Fachwerk des Obergeschosses kragt mit einer profilierten Schwelle leicht vor. Auf der s\u00fcdwestlichen Seite zur ehem. Stadtmauer hin befand sich ein H\u00f6fchen, von dem aus das Haus zug\u00e4nglich war. Der Eingang mit Sandsteingew\u00e4nde und Oberlicht ist an der urspr\u00fcnglichen Stelle erhalten. Die Stra\u00dfenfassade verf\u00fcgt \u00fcber ein gekuppeltes Fenster mit Sandsteingew\u00e4nde mit Blattvoluten an den Anl\u00e4ufen und daneben \u00fcber ein einfaches Fenster, welches urspr\u00fcnglich ebenfalls gekuppelt war, denn das rechte Gew\u00e4nde war eigentlich der Mittelpfosten des Doppelfensters, die rechte H\u00e4lfte wurde beim Einbau des rundbogigen Fensters im 19. Jh. entfernt.<\/p>\n<p>Im Obergeschoss sitzen vier regelm\u00e4\u00dfig angeordnete Rechteckfenster. Der wesentliche Umbau des Hauses zum heutigen Erscheinungsbild erfolgte in der 1. H\u00e4lfte des 19. Jh., wahrscheinlich nach Abbruch des nahen Metzgertores. Zwischen 1806 und 1808 wurde das sich rechts an das einstige Fachwerkgiebelhaus anschlie\u00dfende H\u00f6fchen zweigeschossig \u00fcberbaut, der Giebel abgetragen und beide Hausteile mit einem einheitlichen Mansarddach versehen. Dabei wurden auch Ver\u00e4nderungen an der Fachwerkfassade vorgenommen, bspw. die Fenster vergr\u00f6\u00dfert und in Achse zu den Gauben in der Mansarde gesetzt. Der neue Anbau erhielt einen rundbogigen Eingang und ein rundbogiges Fenster, welche durch ein profiliertes perlstabverziertes K\u00e4mpfergesims aus rotem Sandstein miteinander verbunden sind. Dieses wird in den Fenstern aus geschnitztem Holz fortgef\u00fchrt. Bauherr dieser An- und Umbauten war Stadtrat Peter Franz Kittel, der ein Gesch\u00e4ft f\u00fcr Lebensmittel und Gew\u00fcrze betrieb. Familie Kittel besa\u00df das Anwesen bis 1888, bevor es in den Besitz des Kaufmanns Peter Borell \u00fcberging, der das Fenster links neben dem rechten Eingang zu einem Schaufenster mit tiefer Br\u00fcstung ausbaute. Seit 1924 betrieb der neue Eigent\u00fcmer Albert Keller in dem Geb\u00e4ude einen Kolonialwarenladen. Seine Tochter blieb bis 2009 Eigent\u00fcmerin des Anwesens, das im Zweiten Weltkrieg Sch\u00e4den durch Luftdruck vor allem am Dachwerk erlitten hatte und nach Kriegsende entsprechend instand gesetzt worden war. Bemerkenswert ist, dass bei den Sanierungsarbeiten 2010\/11 unter dem Estrich des r\u00fcckw\u00e4rtigen Geb\u00e4udeteils eine romanische Sandsteins\u00e4ule gefunden wurde, die stilistisch in die Jahre um 1210\u201320 datiert wurde. M\u00f6glicherweise hat sie urspr\u00fcnglich als St\u00fctze eines romanischen Doppelfensters gedient. In dem Anwesen wurde sie als Spolie zweitverwendet und um sie wandb\u00fcndig zu machen, das Kapitell an einer Seite abgeschlagen. Einige Aschaffenburger Bauten aus dieser Zeit, sakraler wie profaner Funktion, kommen als Ursprungsorte der S\u00e4ule in Frage. Sie k\u00f6nnte auch in dem angenommenen mittelalterlichen Vorg\u00e4ngerbau des Anwesens selbst eingebaut gewesen sein. Die S\u00e4ule wurde ins Museum der Stadt Aschaffenburg gebracht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 34-36.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Dalbergstra\u00dfe beginnt an der Landingstra\u00dfe, an der Stelle des sog. \u201eScharfeck\u201c, f\u00fchrt vorbei am Stiftsplatz und am Rathaus bis hinunter zum Main, wo sie in die L\u00f6herstra\u00dfe m\u00fcndet. 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