{"id":3791,"date":"2022-03-28T13:53:30","date_gmt":"2022-03-28T11:53:30","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3791"},"modified":"2022-03-28T13:53:30","modified_gmt":"2022-03-28T11:53:30","slug":"dalbergstrasse-15-rathaus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/dalbergstrasse-15-rathaus\/","title":{"rendered":"Dalbergstra\u00dfe 15 &#8211; Rathaus"},"content":{"rendered":"<p>Seit Mitte des 17. Jh. befand sich in der Dalbergstra\u00dfe das Rathaus der Stadt. An der Stelle des heutigen Geb\u00e4udes des Sitzungssaales stand ein 1599 errichtetes Fachwerkgiebelhaus, das seit 1655 im Besitz der Stadt war und als Rathaus genutzt wurde. In den 80er Jahren des 18. Jh. wurde dieses Fachwerkhaus wegen Bauf\u00e4lligkeit abgetragen und nach Pl\u00e4nen von Emanuel Joseph von Herigoyen und unter Bauleitung von Maurermeister Jodokus Hospes ein neues Rathaus erbaut. Der Neubau war 1790 bezugsfertig. Die Fassade des zweigeschossigen Walmdachbaus bestand im Erdgeschoss aus einer Naturstein-B\u00e4nderrustika und war im Obergeschoss glatt verputzt. Die zur Dalbergstra\u00dfe orientierte Hauptfassade mit Rundbogenportal und rundbogigen Fenstern zeichnete sich durch zwei seitliche Risalite aus, zwischen die eine Portikus mit Freis\u00e4ulen, Architrav und Sandsteinbalustrade gespannt war. Im Zweiten Weltkrieg zerst\u00f6rt, wurden erhaltene Teile beim Neubau des Rathauses als Spolien wiederverwendet. Mit dem Beschluss des Stadtrates zum Neubau des Rathauses begann am 12. Dezember 1946 eine lange Planungsphase. Unstrittig war die Lage des Geb\u00e4udes, das an der Dalbergstra\u00dfe in der Innenstadt auch die wichtigsten Stadt\u00e4mter aufnehmen sollte, wodurch man eine frequentierte Anlaufstelle f\u00fcr die B\u00fcrger schaffen und einer bef\u00fcrchteten Ver\u00f6dung der Innenstadt entgegenwirken wollte. Die Oberstadt sollte mit dem Stiftsmuseum historischer, der Stiftskirche kirchlicher und mit dem Rathaus auch administrativer Mittelpunkt werden. In einem beschr\u00e4nkten Wettbewerb wurden im Dezember 1947 s\u00e4mtliche Aschaffenburger Architekten und mit Professor Dr. Ing. Paul Schmitthenner aus T\u00fcbingen, Professor Karl Gruber aus Darmstadt, Professor Diez Brandi aus G\u00f6ttingen sowie mit Fritz Mayer aus N\u00fcrnberg auch externe Architekten aufgefordert. Den ersten Preis erhielt am 17. Januar 1949 Diez Brandi. Der Baubeginn verz\u00f6gerte sich aber um mehrere Jahre, weil der Grundst\u00fcckserwerb f\u00fcr den Bauplatz an der Dalbergstra\u00dfe zwischen Stiftsplatz und Rathausgasse schwierig war und zugleich Wohn- und Schulbauprojekte als dringlicher angesehen wurden. Unterdessen hatte man die \u00c4mter in Ausweichquartieren wie z.B. der Sparkasse, Friedrichstra\u00dfe 7 und 7 a, untergebracht. Der sich bald abzeichnende h\u00f6here Bedarf an Platz der einzelnen \u00c4mter f\u00fchrte dazu, dass die Stadt 1954 Professor Diez Brandi aufforderte, seinen Entwurf dem gestiegenen Platzbedarf anzupassen. Zwei Jahre darauf, am 12. M\u00e4rz 1956, wurde mit dem Abbruch des stark zerst\u00f6rten alten Rathauses der Neubau, der schnell voranschritt, begonnen. Schon am 1. Dezember 1956 wurde das Richtfest mit nachgeholter Grundsteinlegung gefeiert. Im Jahr darauf waren die Arbeiten am Au\u00dfenbau abgeschlossen und im Februar 1958 begann der Einzug der einzelnen \u00c4mter. Die erste Trauung im neuen Rathaus folgte im M\u00e4rz desselben Jahres.<\/p>\n<p>Baubeschreibung:<\/p>\n<p>Der Rathauskomplex besteht aus drei Teilen: dem Hochhausbau am Stiftsplatz, einem Mitteltrakt an der Dalbergstra\u00dfe und dem Sitzungssaalbau auf historischem Standort, der in Anlehnung an den 1790 von Emanuel Joseph von Herigoyen errichteten und im Krieg zerst\u00f6rten Rathausbau entstand. Bei dem in den aufgehenden Hang des Stiftsplatzes errichteten Hochhausbau handelt es sich um eine siebengeschossige Stahlbetonskelettkonstruktion mit 14 zu 16 Fensterachsen. Die mit ges\u00e4gten Rotsandsteinplatten verkleidete Fassade pr\u00e4gen die ann\u00e4hernd quadratischen Fensterformate, die in den gleich breiten Achsen und einheitlich hohen Geschossen eng aneinanderstehend angeordnet sind.<\/p>\n<p>Das 3. sog. Oberb\u00fcrgermeistergeschoss ist durch eine gr\u00f6\u00dfere Geschossh\u00f6he, breitere Achsen, gr\u00f6\u00dfere Fensterformate und Gurtgesimse ausgezeichnet. An der Dalbergstra\u00dfe bildet das Erdgeschoss eine offene Kolonnade mit schlanken St\u00fctzen aus, um f\u00fcr den hier liegenden Haupteingang mit anschlie\u00dfender Eingangshalle einen w\u00fcrdigen gestalterischen Rahmen zu schaffen. Die zweifl\u00fcgeligen, mit Motiven aus der Stadt- und Rathausgeschichte versehenen Bronzet\u00fcren des Eingangs entstanden nach Entw\u00fcrfen der Aschaffenburger K\u00fcnstlerin Ursula Ullrich-Jacobi. Die W\u00e4nde der Eingangshalle im Erdgeschoss sind mit keramischen, mit Stempelmotiven gestalteten Platten verkleidet, die das Stadtsiegel oder fr\u00e4nkische Wappen zeigen. Sie wurden von dem M\u00fcnchner Bildhauer Hans Eska in seinem Atelier in Mittergars am Inn gefertigt. Eine breite Freitreppe f\u00fchrt vom Erdgeschoss in die dreigeschossige Rathaushalle, die im Sinne eines Lichthofes von den vier Trakten des Rathaushochbaus gebildet wird und ab dem 6. Geschoss durch ein l\u00e4ngsovales Zeltdach aus Glas sowohl abgeschlossen als auch belichtet ist. Der Bodenbelag aus Silberschieferplatten und die aufgehenden W\u00e4nde mit einer gemalten Architekturgliederung des M\u00fcnchner K\u00fcnstlers Hermann Kaspar wie auch die astronomische Uhr an der s\u00fcdlichen Hallenwand und die logenartigen \u00d6ffnungen zu den Erschlie\u00dfungsfluren des Oberb\u00fcrgermeistergeschosses geben der Halle ein festliches Gepr\u00e4ge. Auf der Ostseite in dem zum Stiftsplatz ausgreifenden, auf St\u00fctzen stehenden Erker befindet sich der von der Halle aus zug\u00e4ngliche, zwei Geschosse einnehmende und ebenfalls von Hermann Kaspar gestaltete Trausaal. Eine st\u00fctzenfreie, zweil\u00e4ufig gerade Treppe mit Wendepodest aus Stahlbeton, die sich in die Nordostecke der Halle einschmiegt, f\u00fchrt in das repr\u00e4sentative Oberb\u00fcrgermeistergeschoss. Hier sind Fu\u00dfboden und T\u00fcrgew\u00e4nde aus Tridentiner Marmor gefertigt und die W\u00e4nde in Spachteltechnik gestaltet. Vom Amtszimmer des Oberb\u00fcrgermeisters aus ist der Balkon des Erkers zug\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Das 4. bis 6. Obergeschoss nehmen B\u00fcror\u00e4ume ein, die von dem zum Hof gerichteten Flur aus zug\u00e4nglich und untereinander verbunden sind. Die Geb\u00e4udeecken nehmen die etwas gr\u00f6\u00dferen und aufwendiger gestalteten Referentenzimmer auf. Der Mitteltrakt umschlie\u00dft einen weiten, nicht \u00fcberdachten Innenhof mit Garagen, der von der Rathausgasse aus \u00fcber eine Durchfahrt erschlossen ist. Es handelt sich um einen dreigeschossigen Verwaltungsbau, dessen Nordtrakt an der Dalbergstra\u00dfe von der Flucht des Hochhausbaus zur\u00fcckspringt, wodurch ein Platzraum zwischen Sitzungssaalbau und Hochhausbau gewonnen wird. Dieser Trakt verf\u00fcgt \u00fcber einen eigenen Eingang am westlichen Ende an der Dalbergstra\u00dfe. Zu erw\u00e4hnen bleibt, dass unter den Kellern des Mitteltrakts ein weiteres Tiefkellerniveau mit Luftschutzbunker f\u00fcr ca. 450 Personen eingerichtet worden ist. Der Sitzungsbau an der Ecke Dalbergstra\u00dfe\/Rathausgasse ist freistehend, dreigeschossig und mit einem verschieferten, flach geneigten Walmdach gedeckt. Unterirdisch mit dem Mitteltrakt verbunden, entspricht er in seiner \u00e4u\u00dferen Kubatur dem Rathausbau von 1790. Wenn auch architektonisch anders als sein Vorg\u00e4nger gestaltet, hat Diez Brandi doch die klassizistische Pr\u00e4gung des verschwundenen Herigoyen-Baus aufgegriffen und als historisch und st\u00e4dtebaulich-identit\u00e4tsstiftendes Geb\u00e4ude aufgefasst. In diesem Sinne zeigt auch das Erdgeschoss des ansonsten in rotem Sichtziegelmauerwerk errichteten Sitzungsbaus eine Bandrustika aus rotem Mainsandstein. Des Weiteren besitzt der Bau an der Dalbergstra\u00dfe zwei seitliche Risalite mit rundbogigen Fenstern, welche die vom Vorg\u00e4ngerbau als Spolie \u00fcbernommene Portikus mit ihren vier S\u00e4ulen rahmen. Das Portal besitzt jedoch einen geraden Sturz. Die Altane der Portikus kann \u00fcber eine Doppelt\u00fcr vom Sitzungssaal her betreten werden. Der Sitzungssaal mit seinen 1964\/65 von Hermann Kaspar malerisch gestalteten W\u00e4nden wird vom Erdgeschossfoyer aus \u00fcber eine halb gewendelte Treppe erschlossen, die auch bis in den Keller f\u00fchrt und r\u00fcckw\u00e4rtig einen Zugang von der Rathausgasse her erm\u00f6glicht. Als Ausdruck von Transparenz und B\u00fcrgern\u00e4he wurde der Haupteingang mit rahmenlosen Glast\u00fcren versehen (heute durch Glasschiebet\u00fcren ersetzt). Zur Sicherung des Rathauses au\u00dferhalb der Dienstzeiten wurden den Glast\u00fcren noch zwei massive Fl\u00fcgel aus Bronze vorgestellt, entworfen von den K\u00fcnstlern Ursula Ullrich-Jacobi und Gunter Ullrich und gegossen in der Bronzegie\u00dferei Philipp H\u00e4user in Mainz-Gonsenheim. Jede T\u00fcr besteht aus 15 Bronzeplatten, von denen die vier gr\u00f6\u00dften mit Reliefdarstellungen versehen sind. Sie zeigen Szenen der Stadtgeschichte: auf dem linken Fl\u00fcgel die \u00dcbergabe der Schenkungsurkunde durch Herzog Otto von Bayern und Schwaben, die Stiftspatrone hll. Peter und Alexander, eine Ansicht der Stadt um 1500 sowie des Schlosses Johannisburg aus der Vogelperspektive; auf dem rechten Fl\u00fcgel die Schl\u00fcssel\u00fcbergabe von Pater Bernhard an Gustav II. Adolf, eine Ansicht der brennenden Stadt w\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges, die Errichtung des neuen Rathauses sowie die am Bau ma\u00dfgeblich beteiligten Personen. Jede Szene ist mit der entsprechenden Jahreszahl versehen. Die Glast\u00fcren sind mit Bronzegriffen in Form eines L\u00f6wen ebenfalls von Ursula Ullrich-Jacobi gestaltet. Sie schuf auch die bronzenen T\u00fcrgriffe an den herausgehobenen Hauptt\u00fcren im Innern des Rathauses: Adler an den T\u00fcren des Sitzungssaals, Goldesel an der Stadthauptkasse und Tauben f\u00fcr das Trauzimmer, diese mit zus\u00e4tzlichen Emaille-Einlagen nach einem Entwurf von S\u00f6rensen.<\/p>\n<p>Ausstattung:<\/p>\n<p>Einen Gro\u00dfteil der Ausstattung f\u00fcr das Rathaus, hierunter vor allem M\u00f6bel und Beleuchtungsk\u00f6rper, wurden von Diez Brandi entworfen und von der M\u00f6belfirma L\u00fcbke &amp; Rolf aus Rheda in Ostwestfalen gearbeitet. Einzelne Beispiele von aufwendig furnierten Tischen mit gedrechselten, schlanken Beinen und St\u00fchle mit kunstledernem Bezug sind noch erhalten. Die Wandleuchten in den G\u00e4ngen und Fluren bestehen aus sandgestrahlten, vasenf\u00f6rmigen, nach oben ge\u00f6ffneten Glask\u00f6rpern, gehalten von einem dreiteiligen Wandgestell aus Messing. In den repr\u00e4sentativen Amtsr\u00e4umen des Oberb\u00fcrgermeisters, den Sitzungss\u00e4len und der Bibliothek finden sich \u00fcberdies Leuchterkronen aus Messing. Im Zimmer des Oberb\u00fcrgermeisters ist der Beleuchtungsk\u00f6rper zus\u00e4tzlich mit einer Palmettenkrone im Kranz der Gl\u00fchbirnen versehen. Zweietagige Kronleuchter in moderner Nachempfindung fl\u00e4mischer Vorbilder schm\u00fccken den Ratssaal. Ein bemerkenswertes Ausstattungsst\u00fcck stellt der allseitig beleuchtete Spiegel im Vorraum des Trausaals dar. Es handelt sich um eine Sonderanfertigung nach Entw\u00fcrfen Diez Brandis. Die 1964\/65 entstandene und bereits erw\u00e4hnte k\u00fcnstlerische Ausgestaltung und Ausmalung des 1904 in Regensburg geborenen und an der M\u00fcnchner Kunstakademie ausgebildeten Malers, Mosaizisten und Textilk\u00fcnstlers Hermann Kaspar umfasst neben der erw\u00e4hnten Gestaltung des Lichthofes und des Sitzungssaales auch die Ausmalung des Trausaales. Im Trausaal entschied man sich mit \u201eOrpheus und Eurydike\u201c thematisch f\u00fcr ein Motiv der griechischen Mythologie, w\u00e4hrend im Sitzungssaal programmatisch Kunst, Kultur, Wirtschaft und Gewerbe thematisiert sind. Obwohl einer Rathausuhr als weltlichem Pendant zur Kirchturmuhr eine hohe Bedeutung zukommt, wurde sie mangels geeigneten Platzes am Au\u00dfenbau an der S\u00fcdwand des Lichthofes angebracht. Schon 1957 von der M\u00fcnchner Turmuhrenfabrik Neher gebaut und in die Architekturausmalung von Hermann Kaspar integriert, k\u00f6nnen dank des komplizierten Mechanismus neben der Uhrzeit weitere astronomische Daten wie Mondphasen, Sonnenstand, Stellung der gro\u00dfen Planeten sowie Monate und Wochentage angezeigt werden. Die Stunden sind an dem gro\u00dfen zentralen Zifferblatt mit r\u00f6mischen Ziffern abzulesen, darunter, auf einem kleinen Zifferblatt, die Monate durch Tierkreiszeichen. Links davon sind die Mondphasen an einer sich aus der Wand w\u00f6lbenden Kugel zu sehen und dar\u00fcber, halb in die Wand eingelassen, zwei Glocken des Uhrenschlagwerks. Auf der rechten Seite werden in einem kleinen Kreis die Wochentage angegeben, welche durch die Symbole von Sonne (Sonntag), Mond (Montag) und die Planeten Mars (Dienstag), Merkur (Mittwoch), Jupiter (Donnerstag), Venus (Freitag) und Saturn (Samstag) versinnbildlicht gekennzeichnet sind.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 28-31.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit Mitte des 17. Jh. befand sich in der Dalbergstra\u00dfe das Rathaus der Stadt. 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