{"id":3755,"date":"2022-03-28T14:11:07","date_gmt":"2022-03-28T12:11:07","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3755"},"modified":"2022-04-01T11:21:55","modified_gmt":"2022-04-01T09:21:55","slug":"betgasse-wallfahrtskirche-zur-weissen-lilie-sandkirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/betgasse-wallfahrtskirche-zur-weissen-lilie-sandkirche\/","title":{"rendered":"Betgasse &#8211; Wallfahrtskirche &#8222;Zur wei\u00dfen Lilie&#8220;\/Sandkirche"},"content":{"rendered":"<p>Die Betgasse verbindet die Sandgasse mit der Wermbachstra\u00dfe und ist heute mit mehrgeschossigen Mietwohnh\u00e4usern bebaut. Urspr\u00fcnglich war die Gasse nicht bewohnt. Sie diente innerhalb der Befestigung als Verbindung zwischen Sand- und Wermbachpforte sowie als Andienung und als Viehtrieb. Benannt wurde die Betgasse nach dem sog. Bethaus, einem zu Wohnzwecken umgebauten Stumpf eines Turmes der Stadtmauer. Das Bethaus befand sich bis 1809 zwischen den Anwesen Betgasse 5 und 7.<\/p>\n<p><strong>Betgasse 1 &#8211; Katholische Wallfahrtskirche &#8222;Zur wei\u00dfen Lilie&#8220;\/Sandkirche<\/strong><\/p>\n<p>Zur Baugeschichte:<\/p>\n<p>Der Bau der im allgemeinen Sprachgebrauch als \u201eSandkirche\u201c bezeichneten katholischen Wallfahrtskirche auf dem Fr\u00e4nkischen Marienweg geht einer Legende nach auf den Fund eines Gnadenbildes unter den Wurzeln einer wei\u00dfen Lilie zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Am heutigen Standort der Kirche wurde das Gnadenbild wohl zun\u00e4chst in einem Bildstock verehrt. Eine erste, sehr kleine Kapelle \u201ead album Lilium\u201c nennt Martin Balduin Kittel (1865\/66), sie soll sich au\u00dferhalb der Stadt befunden haben. Nach Befestigung der Unterstadt in der 2. H\u00e4lfte des 14. Jh. gelangte das Gnadenbild in die s\u00fcdwestliche Wand des Torturmes, an den eine kleine Kapelle angebaut war, die \u00fcber einen Eingang unter der Durchfahrt zug\u00e4nglich war. Anfang des 16. Jh. kam es zum Bau einer neuen Kapelle, da in einer Urkunde von 1517 der Rat der Stadt Aschaffenburg Kardinal Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Mainz, darum bittet, eine aus eigenen Mitteln erbaute Kapelle weihen zu d\u00fcrfen. Der Altar dieser Kapelle war Unserer Lieben Frau, den hll. Bonifatius und Martin sowie dem Heiligen Kreuz geweiht. 1620 wurde diese Kapelle an den Pfarrer von St. Agatha verliehen und kam wahrscheinlich mit Neueinteilung der Pfarreien an die Stiftspfarrei. Die f\u00fcr den Anfang des 17. Jh. belegten Wallfahrten zu dem Gnadenbild nahmen wohl so stark zu, dass 1698\/99 eine neue, gr\u00f6\u00dfere Kapelle gebaut wurde. Diese hatte einen Haupt- und zwei Nebenalt\u00e4re sowie eine Kanzel. Die heutige Kirche ist ein Neubau von 1756\/57, der wiederum durch Zunahme der Pilgerstr\u00f6me n\u00f6tig geworden war. F\u00fcr die Pl\u00e4ne war wohl Franz Anselm Ritter von Groenesteyn verantwortlich. Er war am Kurmainzer Hof als K\u00e4mmerer, Hofmarschall und Vizedom t\u00e4tig und hat an zahlreichen Bauten der Familie der F\u00fcrstbisch\u00f6fe von Sch\u00f6nborn mitgewirkt. Die Bauleitung oblag Maurermeister Christian Wolff, dessen Mitwirkung an der \u2013 der Sandkirche stilistisch sehr \u00e4hnlichen und nur drei Jahre \u00e4lteren \u2013 Pfarrkirche St. Gangolf in Amorbach nachgewiesen ist. S\u00e4mtliche Handwerker kamen aus Aschaffenburg. Am 30. Oktober 1757 wurde die neue Kirche geweiht. Sie war aus Spenden und Stiftungen aus der B\u00fcrgerschaft finanziert worden. Einen Teil der Bausumme \u00fcbernahmen Erzbischof Johann Friedrich Carl von Ostein (1743\u20131763) und seine Familie. Sie stifteten die Kanzel, das Gest\u00fchl, die Fenster und das von Johann Zick aus W\u00fcrzburg geschaffene Deckengem\u00e4lde. Am Triumphbogen befand sich daher das Wappen derer von Ostein mit dem springenden Hund. Es wurde bei der Rekonstruktion nach dem Krieg nicht wieder hergestellt. Der Mainzer Dompropst Hugo Franz Carl zu Eltz stiftete den Hochaltar, die Familie Sch\u00f6nborn die aus der alten Kapelle \u00fcbernommenen Seitenalt\u00e4re von etwa 1710.<\/p>\n<p>Ebenso wie die Seitenalt\u00e4re wurde die Orgel aus dem Vorg\u00e4ngerbau \u00fcbernommen. Der in den Kirchenneubau integrierte alte Torturm wurde um ein Glockengeschoss und eine geschlossene Laterne erh\u00f6ht und dem barocken \u00c4u\u00dferen des neuen Kirchenbaus angepasst. 1833 mussten durchgefaulte Balken am Turm repariert werden. 1834 bekam die Kirche neue Glocken aus der Glockengie\u00dferwerkstatt von Jakob Anton Bustelli. Eine neue Turmuhr wurde 1892 eingebaut. W\u00e4hrend des Zweiten Weltkrieges erlitt die Sandkirche verglichen mit anderen Kirchenbauten der Stadt geringe Sch\u00e4den. Durch Brandbomben, Luftdruck und Artillerie-Beschuss entstanden Sch\u00e4den am Kirchendach und an der Turmhaube. Durch das kaputte Kirchendach drang N\u00e4sse ein, die das Deckengem\u00e4lde in der Folge zerst\u00f6rte. Jedoch blieben der Hauptaltar mit dem Gnadenbild sowie die Seitenalt\u00e4re und die Kanzel unversehrt. Noch 1945 wurde das Dach notd\u00fcrftig geschlossen, um einen Einsturz der Gew\u00f6lbe zu verhindern. 1946 konnte mit Restaurierungsarbeiten im Kircheninnenraum begonnen werden. 1955 mit der Sicherung des Turmes begonnen, war dessen vollst\u00e4ndige Wiederherstellung 1958 beendet. Zur Sicherung wurden Stahlbetonanker und -decken eingezogen, Werksteingliederungen wurden stellenweise ausgewechselt, die Sandsteinvasen ersetzt und die Turmhaube mit Laterne, Kugel und Kreuz, welches bei einem Gewittersturm 1942 herabgefallen war, neu gefertigt. Im gleichen Jahr konnte au\u00dferdem das Notdach auf dem Kirchenschiff durch ein Schieferdach ersetzt und der Dachreiter \u00fcber dem Chor wieder errichtet werden. Der fertige Turm wurde 1959 mit einer neuen Turmuhr komplettiert. 1963 erfolgte die Restaurierung des Innenraumes und der Ausstattung durch Anton Fuchs aus W\u00fcrzburg. Als 1976\/77 die Alexandrastra\u00dfe verbreitert wurde, musste das H\u00f6fchen auf der Ostseite der Kirche verkleinert werden. Seitdem f\u00fchrt die Stra\u00dfe direkt an der Kirche vorbei. 1980 wurden Sch\u00e4den an der Au\u00dfenfassade beseitigt. Eine weitere Restaurierungsphase des Kircheninnenraumes erfolgte 1982. Im Auftrag des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege wurden Befunduntersuchungen durchgef\u00fchrt, nach denen dann der Innenraum von Hans Schubert aus Veitsh\u00f6chheim neu gestaltet wurde. Im Rahmen dieser Restaurierungsma\u00dfnahme wurde auch die Rekonstruktion des zerst\u00f6rten Deckengem\u00e4ldes vorgenommen. Der W\u00fcrzburger Maler Wolfgang Lenz fertigte das neue Deckenfresko im Sinne von Johann Zick. Auf der Grundlage weniger Fotos schuf Lenz ein Gem\u00e4lde, das in Malart und Farbigkeit einen barocken Eindruck vermittelt, bei genauerer Betrachtung aber die eigene Interpretation des K\u00fcnstlers erkennen l\u00e4sst. Das barocke Gem\u00e4lde von Johann Zick hatte die Kreuzabnahme zum Motiv. Die Figuren waren panorama\u00e4hnlich um den Gem\u00e4lderand gruppiert. Wolfgang Lenz stellt das gleiche Bildmotiv dar. Zus\u00e4tzlich zeigt er eine Szene, in der \u2013 der \u00dcberlieferung nach \u2013 das Gnadenbild von einem Sch\u00e4fer unter einer wei\u00dfen Lilie aufgefunden wurde. Am 15. September 1986 fand die festliche Weihe der Kirche mit einem Pontifikalgottesdienst statt. Die Kirche ist weder Pfarr- noch Klosterkirche. Sie untersteht als Votivkirche der Stiftskirche St. Peter und Alexander.<\/p>\n<p>Baubeschreibung:<\/p>\n<p>Die Kirche ist nicht geostet. Der eingezogene Chor mit abgeschr\u00e4gten Kanten befindet sich in s\u00fcdlicher Richtung, der Turm steht im Norden. Das Langhaus aus unverputzten Bruchsteinen ist durch einfache Lisenen gegliedert, dazwischen hohe Rundbogenfenster mit geohrter Sandsteinrahmung und mit Rocaillewerk verzierten Keilsteinen. Auf dem Satteldach sitzen achsgerecht kleine Dachgauben. \u00dcber dem Chor befindet sich ein Dachreiter. Das gesamte Kirchenschiff und der Chor sind aus rotem Mainsandstein gefertigt. Allerdings waren die Wandfl\u00e4chen zwischen den Lisenen urspr\u00fcnglich zum Verputz vorgesehen. Dies ist an den Fenstergew\u00e4nden zu sehen, deren Kanten nicht sauber, sondern mit einem unregelm\u00e4\u00dfigen \u00dcberstand gearbeitet sind. Hier waren wohl die Geldmittel ersch\u00f6pft und dieses Manko ist nie behoben worden. Der Turm wurde auf dem ehem. Sandtorturm, welcher Teil des Befestigungsrings war, errichtet. Die beiden unteren Geschosse mit der spitzbogigen Durchfahrt sind noch als Teile des alten Stadtturms erhalten. Am s\u00fcdlichen Innengew\u00e4nde des zur Stadt gewandten Tores befindet sich das Wappen des alten Erzstiftes Mainz (doppeltes Rad) und die Inschrift \u201eAnno 1380\u201c. Davor wurde 1756 ein barocker Segmentbogen, der von Pilastern und einem verkr\u00f6pften Gesims geramt wird, vorgeblendet und auf die beiden mittelalterlichen Geschosse zwei weitere aufgesetzt. Ein deutlich vorkragendes, profiliertes Gesims bildet den Abschluss des Turmes. Darauf sitzt die Glockenstube auf. Diese hat abgeschr\u00e4gte Kanten, in deren Ecken gro\u00dfe Rokokovasen gesetzt sind. An den Kanten wird die Lisenengliederung der Fassade wiederholt. Die rundbogigen Schallfenster sind mit Balusterbr\u00fcstungen und einer profilierten Rahmung versehen. Der Turm ist verputzt und mit Eckquadern akzentuiert. Auf der Stadtseite ist eine Kartusche aus rotem Mainsandstein angebracht, welche das Ziffernblatt der Turmuhr beinhaltet. Eine Welsche Haube mit geschlossener Laterne bildet den Abschluss. An der Ostseite des Chores befindet sich ein eingeschossiger Sakristeianbau.<\/p>\n<p>Der Zugang zur Kirche liegt auf der Nordseite unterhalb des Turmes, ein zweiter Eingang an der \u00f6stlichen Langhausfassade. Der st\u00fctzenfreie Innenraum der Hallenkirche ist mit einem Tonnengew\u00f6lbe mit Stichkappen abgeschlossen. Durch Pilaster in drei Joche gegliedert, wird der Kirchenraum von sechs gro\u00dfen Fenstern belichtet. Im Langhaus sind die Pilaster mit Rocaillekapitellen versehen und tragen ein verkr\u00f6pftes Konsolgesims. Sie heben sich farblich durch eine rote Marmorierung von der wei\u00df get\u00fcnchten Wandfl\u00e4che ab. Der einjochige Chor ist eingezogen und halbrund abgeschlossen. An der Nordseite, dem Chor gegen\u00fcber, befindet sich die Orgelempore. Ausstattung: Der von Dompropst Hugo Franz Carl zu Eltz gestiftete Hochaltar ist noch aus der Erbauungszeit der Kirche (1756) erhalten. Ein Meister ist nicht bekannt. Der monumentale, architektonische Aufbau mit S\u00e4ulen und Pilastern mit geschwungenem Aufsatz und Heiligenfiguren birgt im Zentrum das Gnadenbild, die Figur der trauernden Muttergottes mit dem Leichnam Christi auf dem Scho\u00df. Die Figurengruppe steht auf einem hohen Sockel in einem Glasschrein, welcher von S\u00e4ulen gerahmt ist, die \u00fcber der Piet\u00e0 durch einen geschwungenen Bogen miteinander verbunden sind. In dem Bogen befindet sich das Wappen des Stifters. Die ganze Szene ist von Putten gerahmt. Daneben stehen lebensgro\u00dfe Heiligenfiguren, links Hugo von Grenoble und rechts Johann von Nepomuk. Zwei weitere Figuren befinden sich jeweils auf einem Sockel \u00fcber den Verbindungsb\u00f6gen zwischen Altar und Chorpilaster: links Johannes d. T. und rechts der hl. Sebastian. Im geschwungenen Auszug des Altars ist eine in Form eines Dreipasses gestaltete \u00d6ffnung mit Rokokoumrahmung aus Rollwerk herausgearbeitet, in der die Heilige Dreifaltigkeit mit Weltkugel, Christus, Gottvater und dem Heiligen Geist dargestellt ist. Diese wird von dem mittleren Chorfenster hinterleuchtet. Daneben sitzen zwei Engelsfiguren, die Leidenswerkzeuge haltend. Der gesamte Altar ist aus Stuckmarmor gefertigt und reich mit vergoldetem Ornamentwerk verziert. Die Putten und Heiligenfiguren sind aus wei\u00dfem Alabaster gearbeitet. Die beiden Seitenalt\u00e4re links und rechts des Chorbogens sind \u00e4lter als der Hauptaltar. Sie wurden aus dem Vorg\u00e4ngerbau von 1699 \u00fcbernommen und wohl beide in der gleichen Werkstatt um 1710 gefertigt. Ein Meister ist jedoch nicht \u00fcberliefert.<\/p>\n<p>Beide Alt\u00e4re sind in gleicher Weise gestaltet. \u00dcber einer Predella steht das Altarretabel, welches von zwei korinthischen S\u00e4ulen flankiert wird, die ein verkr\u00f6pftes Gesims mit verkr\u00f6pftem Segmentgiebel tragen. Der linke Altar wurde von dem Aschaffenburger Vizedom und kurmainzischen Oberhofmarschall Rudolf Franz Erwein von Sch\u00f6nborn und seiner Gemahlin Maria Eleonore Charlotte, geborene Gr\u00e4fin von Hatzfeld gestiftet, deren Wappen im Giebelfeld des Altars von zwei Putten gehalten wird. Das Altarbild stellt den hl. Martin, Patron des Erzstiftes Mainz und Stadtpatron von Aschaffenburg dar. Auf dem Giebel steht die Figur des hl. Bonifatius. Rechts und links des Altarbildes stehen zwei fast lebensgro\u00dfe Figuren: der hl. Franz von Assisi und der hl. Abt und Bischof Erwin, die Namenspatrone des Stifters. Der rechte Altar wurde dem Wappen im Giebelfeld zufolge von Maximilian Franz Graf von Seinsheim und seiner Gemahlin Anna Philippine Maria, geborene Gr\u00e4fin von Sch\u00f6nborn gestiftet. Aud dem Altarbild ist die hl. Anna, Namenspatronin der Stifterin, mit ihrer Tochter und dem hl. Joachim im Hintergrund dargestellt. Die seitlichen Figuren zeigen den hl. Johannes vom Kreuz und den hl. Bischof und M\u00e4rtyrer Maximilian, Namenspatron des Stifters. Auf dem Giebel steht die Figur der hl. Magdalena. Ebenfalls unbekannt ist der Meister der in der Zeit der Errichtung der heutigen Sandkirche um 1757 hergestellten Kanzel. An der Br\u00fcstung des Schalldeckels findet sich wieder das Wappen derer von Ostein, ein springender Hund, welche die aus Holz und Stuckmarmor gefertigte Kanzel stifteten.<\/p>\n<p>Der Korpus ist geschweift und in drei Felder gegliedert; das Relief des mittleren stellt die vier Evangelisten mit ihren Symbolen dar. Links daneben Ecclesia, rechts ein Putto. Der mit einem Stuckvorhang mit Spiegelbord\u00fcre ausgekleidete Schalldeckel tr\u00e4gt zwei Putten, von denen der eine das hl. Evangelium \u00fcber sich h\u00e4lt und der andere darauf weist. Links neben der Kanzel an der Wand steht ein gro\u00dfes Kruzifix. Zu F\u00fc\u00dfen des Gekreuzigten kniet die B\u00fc\u00dferin Magdalena. Es stammt aus dem Vorg\u00e4ngerbau von 1699 und ist mit einem kunstvoll geschmiedeten Kerzenhalter versehen. Die Beichtst\u00fchle waren ebenfalls aus dem alten Kirchenbau \u00fcbernommen, sind aber 1948 von der Firma Erler aus Krausenbach neu angefertigt worden. Das Kirchengest\u00fchl wurde f\u00fcr den Bau der jetzigen Sandkirche angefertigt und zeigt geschwungene, aber schlicht gestaltete Wangen. Es wurde wohl in der Aschaffenburger Schreinerwerkstatt des Anton Grimm angefertigt. Unter der Orgelempore steht ein m\u00f6glicherweise zweitverwendetes Chorgest\u00fchl wohl aus der 1. H\u00e4lfte des 18. Jh. Die Kommunionbank aus der Zeit der Erbauung wurde 1830 durch eine neue im Stil der Neugotik ersetzt. Die Orgelempore wird von zwei schlanken St\u00fctzen getragen. Die doppelt geschweifte Br\u00fcstung ist mit feiner wei\u00dfer Rocaille-Stuckierung auf gr\u00fcnem Grund verziert. In der Mitte ist das alte Wappen der Stadt Aschaffenburg mit einem gro\u00dfen gotischen \u201eA\u201c und einem dar\u00fcber gelegten Querbalken zu sehen, Hinweis auf die Stadt als Stifterin. Das Orgelgeh\u00e4use, ebenfalls aus der ehem. Sandkapelle, ist mit reichem, vergoldetem Akanthusschnitzwerk und zwei Engeln, die urspr\u00fcnglich in den zueinander gereckten H\u00e4nden ein Spruchband hielten, versehen. Von der weiteren Ausstattung ist vor allem der von dem Aschaffenburger Kunstmaler Adalbert Hock gemalte Kreuzweg bemerkenswert, der sich heute unter der Orgelempore an der Nordwand der Kirche befindet. Der Zyklus ist eine Kopie eines urspr\u00fcnglich von Januarius Zick (Sohn des Johannes Zick) gemalten Kreuzweges f\u00fcr eine Augsburger Kirche, die Adalbert Hock auf Anregung des Bayerischen Landesamtes f\u00fcr Denkmalpflege in Anpassung an den Sp\u00e4trokokostil der Kirche anfertigte. Neben der von Kunstmaler Thomas G\u00e4mmerler geschaffenen Krippe unter der Orgelempore befindet sich ein erhaltenes Epitaph. Es stammt noch aus der ehem. Sandkapelle und war das Epitaph des Stiftsvikars Johann Kaspar Pauli, der von 1662\u20131714 Altarist auch in der unter ihm erbauten Kapelle von 1699 war. Beachtenswert sind dar\u00fcber hinaus die erhaltenen T\u00fcrfl\u00fcgel des Eingangs von der Betgasse her mit kunstvoll gearbeitetem Schloss und B\u00e4ndern von Schlossermeister Reinhard Montrial, der diese f\u00fcr die Kirche ohne Lohn anfertigte. Die T\u00fcrf\u00fcllungen sind Rokokoschnitzereien des Aschaffenburger Bildhauers Franz Baumg\u00e4rtner. Das aktuelle Gel\u00e4ut der Sandkirche umfasst drei Glocken: die \u201eChristk\u00f6nigsglocke\u201c, die \u201eMarienglocke\u201c und die \u201eJosefsglocke\u201c. Sie wurden 1952 von Albert Junker in Brilon\/Westfalen neu gegossen.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 12-16.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Betgasse verbindet die Sandgasse mit der Wermbachstra\u00dfe und ist heute mit mehrgeschossigen Mietwohnh\u00e4usern bebaut. Urspr\u00fcnglich war die Gasse nicht bewohnt. 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