{"id":3720,"date":"2022-03-28T14:13:21","date_gmt":"2022-03-28T12:13:21","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3720"},"modified":"2022-03-28T14:14:28","modified_gmt":"2022-03-28T12:14:28","slug":"am-heissen-stein-ehemaliger-klosterstadthof-und-gasthof","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/am-heissen-stein-ehemaliger-klosterstadthof-und-gasthof\/","title":{"rendered":"Am Hei\u00dfen Stein &#8211; ehemaliger Klosterstadthof und Gasthof"},"content":{"rendered":"<p>Der in der Unterstadt gelegene, winklige Stra\u00dfenzug \u201eAm Hei\u00dfen Stein\u201c bildet eine Verbindung zwischen der heutigen L\u00f6herstra\u00dfe und der Wermbacher Stra\u00dfe. Die Herkunft seiner Bezeichnung ist nicht zweifelsfrei gekl\u00e4rt; es gibt bis heute mehrere Deutungen. Zum einen besteht die Auffassung, der Name k\u00e4me von dem Haus \u201eZum hei\u00dfen Stein\u201c, wobei unklar ist ob damit der ehem. Stadthof des Klosters Schmerlenbach (Nr. 3) oder das ehem. Gasthaus (Nr. 4) gemeint war. Zum anderen ist bekannt, dass es an dieser Stelle im 14. Jh. Badeh\u00e4user und Bauernh\u00f6fe gab. Die Badestuben wurden 1423 abgebrochen, um die Stadt besser verteidigen zu k\u00f6nnen. 1569 wird erneut eine Badstube genannt, sodass sich m\u00f6glicherweise der Begriff \u201eHei\u00dfer Stein\u201c vom Betrieb der Badstuben ableitet, da man zum Erw\u00e4rmen des Wassers hei\u00dfe Steine benutzte. Einer dritten Deutung nach erhielt diese kleine Stra\u00dfe ihre Bezeichnung von den H\u00e4fnern, die hier ihrem Handwerk nachgingen. Au\u00dferdem gibt es die Sage, dass der Besitzer des hier einst gelegenen Gutes Veit von Helmenroth von Findberg Bauern auf einem hei\u00dfen Stein niederknien lie\u00df, wenn sie nicht rechtzeitig ihre Abgaben zahlten.<\/p>\n<p><strong>Am Hei\u00dfen Stein 3 &#8211; Ehemaliger Stadthof des Benediktinerinnenklosters Schmerlenbach<\/strong><\/p>\n<p>Bei dem zweifl\u00fcgeligen Geb\u00e4ude mit einem gro\u00dfen zweigeschossigen Haupthaus und seitlichem Nebenbau mit Tordurchfahrt zum Hof handelt es sich um den erhaltenen Teil des urspr\u00fcnglich gr\u00f6\u00dferen Stadthofes des Benediktinerinnenklosters Schmerlenbach. Die ehemals dazugeh\u00f6rigen Nebengeb\u00e4ude bestehen nicht mehr. Das weitgehend massiv errichtete Geb\u00e4ude ist eines der wenigen vor dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg errichteten Anwesen, das die Zerst\u00f6rungen des Zweiten Weltkrieges ohne starke Besch\u00e4digungen \u00fcberdauert hat. Nach Befunduntersuchungen aus dem Jahr 2009 erlebte das Geb\u00e4ude im Wesentlichen vier Bauphasen. \u00dcber dem Portal zum Hof findet sich die Bezeichnung \u201e1609\u201c, die sich wohl auf die Errichtung der Umfassungsmauern bezieht. Im 1. Obergeschoss ist ein Kamin erhalten, an dem die Jahreszahl \u201e1623\u201c eingemei\u00dfelt ist. Diese deckt sich mit den dendrochronologisch ermittelten Daten f\u00fcr die Balken im 1. Obergeschoss, sodass das Jahr 1623 als die Hauptbauphase angesehen wird. Daf\u00fcr sprechen auch die Fenstergew\u00e4nde an der Fassade, die fast alle die f\u00fcr die Renaissance \u00fcbliche Profilierung mit Kehle und Schnecke am Ansatz aufweisen. Die Fenster sind z.T. zweifach und dreifach gekuppelt. Der hofseitige Hauseingang mit geohrtem Gew\u00e4nde aus Rotsandstein wurde, wie auch einige R\u00e4ume, in einer dritten Bauphase im 18. Jh. barockisiert. In der 2. H\u00e4lfte des 20. Jh. wurden fast alle Oberfl\u00e4chen erneuert. Unter dem Geb\u00e4ude befindet sich ein Gew\u00f6lbekeller, der die gesamte Grundfl\u00e4che des Hauses einnimmt. Er ist \u00fcber einen separaten Zugang vom Hof aus erschlossen. Der Seitenfl\u00fcgel mit dem Tor zum Hof zeigt r\u00fcckw\u00e4rtig Fachwerk, welches in die Zeit vor dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg zu datieren ist. Das Anwesen war zwischen 1345 und 1803 im Besitz der benediktinischen Klosterfrauen. Nach der S\u00e4kularisation 1806 wurde der Hof von der f\u00fcrstprimatischen Rezeptur Schmerlenbach und ab 1809 vom Seminarfonds verwaltet. Bereits vor 1803 wurden Teile des Hofes an private Personen verpachtet. Ab 1812 war der T\u00fcnchermeister Johann Georg Hirsch Eigent\u00fcmer des Anwesens. Nach ihm erwarb Franz Ignaz Geiger das Objekt; er war Schiffer. 1860 kaufte es dessen Schwiegersohn, T\u00fcnchermeister Johann Adam Hock, der neben dem Kaufpreis eine erhebliche Summe zur Instandsetzung des Hauses aufwenden musste. 1893 wurde ein Atelierbau f\u00fcr den Sohn, Kunstmaler Adalbert Hock, am s\u00fcdwestlichen Ende des Seitenfl\u00fcgels errichtet. 1957 wurde ein Teil des Grundst\u00fccks abgetrennt. Ein weiterer Teil (heute Nr. 5) wurde 1969 abgetrennt. 1965 wurde das Anwesen renoviert. Nach Alois Grimm ist in der Bauanlage, aber vor allem in den Einzelformen der Einfluss aus dem Neubau der Jesuitenkirche in der Pfaffengasse und den Kolleggeb\u00e4uden erkennbar, weshalb er den gleichen Baumeister annimmt. Wegen der zahlreichen \u00dcberformungen aus der Zeit des sp\u00e4ten 19. Jh. und der Mitte bis 2. H\u00e4lfte des 20. Jh. ist im Innern wenig historische Ausstattung erhalten. Bemerkenswert ist die erhaltene bauzeitliche Konstruktion vom Keller bis zum Dachwerk.<\/p>\n<p><strong>Am Hei\u00dfen Stein 4 &#8211; Gasthof \u201eZum hei\u00dfen Stein\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Das wohl zwischen 1573 und 1614 errichtete Anwesen besteht aus einem giebelst\u00e4ndigen, dreigeschossigen Fachwerkhaus mit steilem Satteldach und einem s\u00fcdlich anschlie\u00dfenden zweigeschossigen Fl\u00fcgel mit einer Toreinfahrt. Das rundbogige Tor im Stil der Renaissance mit Diamantquaderung tr\u00e4gt im Scheitel eine Kartusche mit einer m\u00e4nnlichen Halbfigur in Ritterr\u00fcstung sowie die Initialen \u201eH\u201c und \u201eR\u201c, von denen angenommen wird, dass sie f\u00fcr den Namen \u201eHans Ritter\u201c stehen. Das Obergeschoss des Seitenfl\u00fcgels war urspr\u00fcnglich aus Fachwerk, wurde jedoch beim Wiederaufbau 1952 als Massivbau mit vier Fenstern und Dachgauben ausgef\u00fchrt. Das Wohnhaus wurde auf einem massiven Erdgeschoss errichtet, welches im 19. Jh. ver\u00e4ndert wurde. Das Erdgeschoss hat heute vier gleichm\u00e4\u00dfige Fenster mit Sandsteingew\u00e4nden. Rechts befindet sich ein rundbogiger Kellereingang. Die Geb\u00e4udekanten sind mit einer Eckquaderung aus rotem Sandstein hervorgehoben. Links ist eine geschwungene Steinkonsole. Die Fachwerkobergeschosse kragen vor und sind mit Mannfiguren und genasten Andreaskreuzen gestaltet. Aufgrund der Fachwerkkonstruktion und einer dendrochronologischen Untersuchung, die das F\u00e4lldatum 1573 zum Ergebnis hatte, wird die Errichtung des Wohnhauses in den 80er Jahren des 16. Jh. angenommen. 1945 besch\u00e4digten Luftdruck und Artillerie das Wohnhaus sowie die Scheune und das Nebengeb\u00e4ude mit Toreinfahrt. Die Kriegssch\u00e4den am Wohnhaus konnten 1949 beseitigt werden. Die <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/alte-gaststaetten-3\/\">Gaststube<\/a> und die K\u00fcche wurden umgebaut. 1952 wurde der bauf\u00e4llige Seitenfl\u00fcgel abgerissen und neu wieder aufgebaut. Die rundbogige Toreinfahrt wurde rekonstruiert.<\/p>\n<p>Quelle:<\/p>\n<p>Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 10-11.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der in der Unterstadt gelegene, winklige Stra\u00dfenzug \u201eAm Hei\u00dfen Stein\u201c bildet eine Verbindung zwischen der heutigen L\u00f6herstra\u00dfe und der Wermbacher Stra\u00dfe. 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