{"id":3712,"date":"2022-03-28T14:19:59","date_gmt":"2022-03-28T12:19:59","guid":{"rendered":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/?p=3712"},"modified":"2022-03-28T15:46:34","modified_gmt":"2022-03-28T13:46:34","slug":"die-stadtmauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/die-stadtmauer\/","title":{"rendered":"Die Stadtmauer"},"content":{"rendered":"<p>Die Stadtbefestigung wurde in mehreren Etappen errichtet. Die erste Befestigung entstand um die fr\u00fche Stadt, die sich auf dem durch einen Sattel verbundenen H\u00f6henzug Badberg und Stiftsberg entwickelte. Diese wahrscheinlich bis ins fr\u00fche 9. Jh. zur\u00fcckgehende Siedlung wird auch als \u201ealte Burg\u201c, m\u00f6glicherweise im Sinne einer Kirchenburg, bezeichnet. Auf der s\u00fcdlichen Seite zum L\u00f6hergraben steil abfallend, war der H\u00f6henzug nat\u00fcrlich gesch\u00fctzt. Eine heute noch erhaltene Treppe zwischen Stiftsgasse 11 und Sackgasse 1 f\u00fchrt hinunter zum L\u00f6hergraben, wo sich die dem s\u00fcdlichen Teil des H\u00f6henzuges namengebenden Badstuben befanden. Die Nord- bzw. Nordostseite verl\u00e4uft in Form eines Schlepphangs weniger schroff. Stifts- und Badberg waren wohl von einem Bering umschlossen, an den die Stadtmauer sp\u00e4ter angeschlossen wurde. Ausgehend von der fr\u00fchen Stadt dehnte sich die Siedlung in n\u00f6rdlicher Richtung entlang der heutigen Schlo\u00df- und Pfaffengasse, die zu den \u00e4ltesten Stra\u00dfenz\u00fcgen der Stadt z\u00e4hlen und im Grundriss der sog. Oberstadt noch heute bestimmend hervortreten, aus und bildete auf dem Plateau oberhalb des Mains, in Form eines Dreiecks zwischen Stiftskirche und Schloss (ehem. Burg), die Oberstadt. Den Abschluss dieser Entwicklung stellt der Bau der Burg um 1220 dar. Die Befestigung der Oberstadt verlief vom heutigen Schloss in \u00f6stlicher Richtung oberhalb des Landinggrabens bis zum D\u00f6ngestor (auch D\u00f6nchesturm oder Dingesturm), wo sie an die n\u00f6rdliche Mauer der fr\u00fchen Stadt anschloss. Auf der Nordseite von Bad- und Stiftsberg ist der genaue Verlauf der Befestigung nicht bekannt. Vom Windfang aus, dem s\u00fcdlichen Ende der heutigen Dalbergstra\u00dfe, verlief die Mauer parallel zum Main bis wieder zum Schloss. Parallel zur oberen Stadt entwickelte sich \u00f6stlich davon die Unterstadt. Die zun\u00e4chst nur mit Wallgr\u00e4ben und Holzwerk gesch\u00fctzten Ansiedlungen wurden Mitte des 14. Jh. mit einer Mauer befestigt. Die Befestigung begann am Schloss (ehem. Burg), verlief zum Strickertor und zum Zehntturm (heute Ecke Friedrichstra\u00dfe\/Erthalstra\u00dfe), f\u00fchrte dann den Seilergang entlang (Friedrichstra\u00dfe) bis zum Herstalltor, von wo sie in Form der heutigen Sch\u00f6ntalmauer mit Schenkenturm bis zum Sandtor (Unterbau des Glockenturms der Sandkirche) verlief. Weiter f\u00fchrte die Mauer entlang der Betgasse zum Wermbacher Tor und von dort aus hinter der Brennofengasse hinunter zum L\u00f6hertor, wo sie am Stiftsberg auf die Ummauerung der fr\u00fchen Stadt stie\u00df. Die am Main gelegene Fischervorstadt, unterhalb des G\u00fcterbergs, hatte eine eigene Befestigung. Sie wurde 1374 in die Stadt einbezogen und bis 1380 mit Toren und T\u00fcrmen befestigt. Auf dem Stadtplan von Merian aus dem Jahr 1646 sind die Fischerpforte, der Fischerturm und der Br\u00fcckenturm festgehalten.<\/p>\n<p>Das Dingstallviertel n\u00f6rdlich des Schlosses hingegen wurde erst zwischen 1439 und 1459 in die Stadt integriert. Die Befestigung begann an der Burg, verlief parallel des Mains bis zum Schutzturm, weiter zum Dingstalltor (heute Einm\u00fcndung Karlstra\u00dfe), von da entlang der Friedrichstra\u00dfe bis zur Ecke Erthalstra\u00dfe und dann zum Strickertor. Teil dieses Berings waren das Theoderichstor und der Schutzturm am Main sowie die Dingstallpforte im Norden. Im 16. Jh. schlie\u00dflich lie\u00df Kardinal-Erzbischof Albrecht von Brandenburg den ehem. Tiergarten \u2013 das Sch\u00f6ntal \u2013 ummauern, bevor er unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal Ende des 18. Jh. zu einem Stadtpark im englischen Stil umgestaltet und die erhaltenen Reste der Stadtbefestigung als Parkstaffage genutzt wurden. W\u00e4hrend nur ein Turm, der sog. Schenkenturm erhalten ist, befanden sich an den Ecken der Ummauerung des Sch\u00f6ntals im Norden und im Osten je ein Turm. Im S\u00fcdosten (Ecke W\u00fcrzburger\/Hofgartenstra\u00dfe) befand sich der Bastionsturm. Dieser war weniger hoch, daf\u00fcr kr\u00e4ftig. Von hier f\u00fchrte die Mauer bis zum Sandtor. Die zwischen 2,5 und 4 m hohe, aus Gneissteinen gebaute Stadtbefestigung wurde etappenweise zum Schutz der Stadt und ihrer Bewohner errichtet. Eine Bebauung direkt an der Mauer war nicht gestattet, ein Mindestabstand war einzuhalten. Erst sp\u00e4ter wurden die Gel\u00e4nde hinter der Mauer verpachtet, G\u00e4rten angelegt und Schuppen oder Werkst\u00e4tten aufgestellt. Der st\u00fcckweise R\u00fcckbau der Befestigungsanlage begann unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal und wurde im 19. Jh. fortgesetzt. Ausschlaggebend war die Schaffung der Bahnlinie W\u00fcrzburg\u2013Frankfurt, die zu einer deutlichen Ver\u00e4nderung des Stadtbildes f\u00fchrte. So entwickelte sich seit der Mitte des 19. Jh. die Herstallstra\u00dfe zur Hauptverkehrsader und wurde ferner daf\u00fcr ausgebaut. Gro\u00dfe Teile der Stadtmauer im Bereich zwischen Dingstall- und Herstalltor wurden abgebrochen, um die Stadt zum neu angelegten Bahnhof hin zu \u00f6ffnen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weite Teile der erhaltenen Stadtmauer wegen zu starker Besch\u00e4digung oder aus stadtplanerischen Gr\u00fcnden abgetragen. So sind von der urspr\u00fcnglichen Stadtbefestigung mit den jeweiligen Erweiterungen nur noch einzelne Partien erhalten. Von der fr\u00fchesten Stadtbefestigung, dem Bering um Stifts- und Badberg, sind Teile \u00f6stlich der Stiftskirche erhalten und ein bzw. zwei ehem. Eckt\u00fcrme noch zu erkennen. N\u00f6rdlich des Schlosses befand sich an der Stelle des heutigen Fr\u00fchst\u00fcckspavillons im Schlossgarten der Schutzturm. Von hier aus verlief am Rande des ehem. Stadtgrabens eine Mauer, die heute identisch mit der des Kapuzinerklosters ist. Sie endet wenige Meter vor der Karlstra\u00dfe. Ein gro\u00dfes St\u00fcck Stadtmauer ist im Stadtpark Sch\u00f6ntal erhalten. Vom ehem. Herstalltor (Ecke Ro\u00dfmarkt\/Herstallstra\u00dfe), von dem ein Rundt\u00fcrmchen der ehem. Barbakane aus dem 16. Jh. erhalten ist, f\u00fchrt die Mauer mit dem erhaltenen Schenkenturm zum ehem. Sandtor, welches im unteren Teil des Glockenturmes noch vorhanden ist. Ein kleinerer Teil hat sich entlang der Brennofengasse erhalten. Des Weiteren sind noch historische Mauerteile rings um das Schloss vorhanden. Au\u00dferdem ist die Mauer oberhalb des Mains hinter der Webergasse bis zum Schloss ein erhaltener Teil der Stadtmauer mit Resten von T\u00fcrmchen.<\/p>\n<p><strong>Herstalltor mit Turm<\/strong><\/p>\n<p>Das <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/das-herstalltor-und-der-herstallturm\/\">Herstalltor<\/a> war mit einem viereckigen kr\u00e4ftigen Turm \u00fcberbaut, dessen oberstes Stockwerk aus Holz konstruiert und an den L\u00e4ngsseiten leicht auskragend war. Ein steiles Halbwalmdach bildete den Abschluss. Von den beiden n\u00f6rdlichen Kanten des Turmes gingen zwei Mauern aus, die rechts und links den Zwinger abschlossen. An ihren Eckpunkten standen zwei kleine Rundt\u00fcrme, welche durch ein zweites Tor miteinander verbunden waren. Ein solcher als Barbakane bezeichneter zus\u00e4tzlicher Verteidigungsbau wurde erst im 14. Jh. gebr\u00e4uchlich. Da das Herstalltor in einer im Stiftsarchiv verwahrten Urkunde vom 12. Januar 1344 erstmals erw\u00e4hnt wurde und m\u00f6glicherweise noch fr\u00fcher errichtet worden ist, ist anzunehmen, dass die Rundt\u00fcrmchen eine sp\u00e4tere Erg\u00e4nzung zum ersten Tor waren. Aus verkehrstechnischen Gr\u00fcnden beschloss die Stadt 1869 den Abbruch des Herstalltores einschlie\u00dflich des von au\u00dfen gesehen rechten Torturms, den der Maurermeister Joseph Schnugg besorgte. Das linke Rundt\u00fcrmchen blieb erhalten. Im Zweiten Weltkrieg erlitt das erhaltene T\u00fcrmchen Besch\u00e4digungen am Mauerwerk, die ausgebessert wurden. Ein steinernes Wappen allerdings ging verloren. Es war mit der Jahreszahl \u201e1545\u201c bezeichnet. 1951 mit einem neuen Putz versehen, wurde um das T\u00fcrmchen eine Verkehrsinsel angelegt.<\/p>\n<p><strong>Sandtor<\/strong><\/p>\n<p>Das heute den unteren Teil des Turms der Sandkirche bildende ehem. Sandtor bestand, \u00e4hnlich wie das Herstalltor, aus einem viereckigen Turm mit Vortor und runden T\u00fcrmchen. Am Bogen des Turmes sind ein Wappen mit zwei R\u00e4dern und die Inschrift \u201e1380\u201c erhalten.<\/p>\n<p><strong>Theoderichstor<\/strong><\/p>\n<p>Das spitzbogige Theoderichstor unterbricht die Wehrmauer am Main, wo der Schlossberg zum Ufer des Flusses f\u00fchrt. Am Scheitel des Bogens befand sich das Wappen des Mainzer Kurf\u00fcrsten und Erzbischofs Dietrich (Theoderich) Schenk von Erbach (1390\u20131459), der das Tor erbauen lie\u00df. Auf der Mainseite befinden sich elf Kragsteine. An der Seite des Tores sind die Hochwasserst\u00e4nde des Mains markiert. Der Wehrgang wurde unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal als Promenadenweg zum Schlossgarten ausgebaut.<\/p>\n<p><strong>Schenkenturm im Sch\u00f6ntal<\/strong><\/p>\n<p>Der Schenkenturm als Teil der Sch\u00f6ntalmauer erhebt sich dreigeschossig auf quadratischem Grundriss, wobei das 3. Geschoss auf Kragsteinen, welche durch Bogensteine verbunden sind, hervorspringt. Im Mauerwerk aus Bruchsteinen befinden sich schmale Scharten. In dem vorkragenden Obergeschoss, welches wohl als T\u00fcrmerwohnung diente, sind \u00d6ffnungen mit nachgotischen gekehlten Gew\u00e4nden erhalten. Au\u00dfer den erhaltenen Toren und T\u00fcrmen sind Reste von kleineren T\u00fcrmchen der Stadtbefestigung noch zu sehen. So ist innerhalb der erhaltenen Stadtmauer entlang der Webergasse noch ein Schalenturm erkennbar. Er war urspr\u00fcnglich mit einem spitzen Kegeldach abgeschlossen und hatte kleine \u00d6ffnungen. \u00c4hnlich war der heute in das Anwesen <a href=\"https:\/\/aschaffenburgzweinull.stadtarchiv-digital.de\/webergasse\/\">Webergasse<\/a> 1, Marienstift (s. dort), integrierte Turm gestaltet. Er ist auf dem 1646 von Merian gezeichneten Stadtplan als einzelner runder Stadtturm mit Kegeldach und Scharten dargestellt. Die Geb\u00e4ude des Anwesens Webergasse 1 wurden um 1647 (Fl\u00fcgel an der Webergasse) und um 1667 (mainseitige Fl\u00fcgel) errichtet und der ehem. Stadtturm darin eingegliedert. Ein weiteres T\u00fcrmchen hat sich an dem ehem. Wehrgang, der als \u00dcbergang zwischen dem s\u00fcdlichen und dem n\u00f6rdlichen Schlossgarten diente und unter Erzbischof Friedrich Carl Joseph von Erthal um 1778 umgebaut worden war, erhalten. Der Gang war \u00fcberdacht und an den Enden mit T\u00fcren abgeschlossen. Zum Main hatte er Scharten oder kleine Fenster, an der Stadtseite befanden sich verglaste Fenster mit L\u00e4den. Der polygonal gemauerte Unterbau des erhaltenen T\u00fcrmchens an der Ecke des ehem. Wehrgangs dient heute als Aussichtsplattform. Urspr\u00fcnglich war das T\u00fcrmchen mit einem schiefergedeckten Dach abgeschlossen und hatte zur Stadtseite eine T\u00fcr und Fenster mit L\u00e4den.<\/p>\n<p>Quelle: Ina Gutzeit\/Hauke Kenzler: Kreisfreie Stadt Aschaffenburg. Ensembles, Baudenkm\u00e4ler, Bodendenkm\u00e4ler (Denkm\u00e4ler in Bayern. VI. Unterfranken, 71), M\u00fcnchen 2015, S. 8-9.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Stadtbefestigung wurde in mehreren Etappen errichtet. Die erste Befestigung entstand um die fr\u00fche Stadt, die sich auf dem durch einen Sattel verbundenen H\u00f6henzug Badberg und Stiftsberg entwickelte. 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